Bindestock im Selbstbau

Forum für Fragen und Erfahrungen zu Gerät - Zubehör - Bekleidung - etc. Gibt es besonders empfehlenswertes Tackle? Was benötigt der Fliegenfischer wirklich? Du hast allgemeine oder spezielle Fragen, oder gute oder schlechte Erfahrungen mitzuteilen? Hier ist Platz dafür und Du bekommst die Antworten, die Du suchst...

Moderatoren: Forstie, Maggov, Olaf Kurth, Michael.

Benutzeravatar
tea stick
Beiträge: 729
Registriert: 10.01.2009, 00:06
Wohnort: an der Nahe
Hat sich bedankt: 35 Mal
Danksagung erhalten: 84 Mal

Re: Bindestock im Selbstbau

Beitrag von tea stick »

Maurice742 hat geschrieben:...und siehe da! Er sieht aus wie ein Bindestock! :D :D :D :D
Ich kann Dir sagen, lieber Maurice,
der sieht nicht nur so aus - das ist auch einer. Und was für einer!
Herzlichen Glückwunsch, Dir und Deinem Vater, zu dem gelungenen Prachtstück. Mögen unzählige Fliegen - eine besser als die vorhergehende - daran entstehen.
Und wenn wir hier überhaupt noch von Fehlern sprechen wollen: Euer Fehler beim Einfräsen der Kugellagersitze hat zu einer wesentlich eleganteren Erscheinung der Kreuzhalterung geführt. Sehr schön!
Und ich möchte Dir noch herzlich danken für die Arbeit, die Du Dir mit der Dokumentation gemacht hast: immerhin bis nach Mitternacht heute. Und das wird nicht die letzte mitternächtliche Arbeit am Bindestock sein...

Danke, lieber Maurice und halte stets den Bindefaden straff!

Lieber (und anerkennender) Gruß

vom Freimut
Zuletzt geändert von tea stick am 22.07.2013, 16:38, insgesamt 1-mal geändert.
TL!
Benutzeravatar
Jirgel
Beiträge: 66
Registriert: 06.02.2012, 13:51
Wohnort: Haus im Ennstal
Hat sich bedankt: 5 Mal
Danksagung erhalten: 3 Mal

Re: AW: Bindestock im Selbstbau

Beitrag von Jirgel »

Super aber wie spannst du denn Haken ein immer mit denn Imbus ?

lg jirgel
Gruß Jörg
Maurice742
Beiträge: 111
Registriert: 13.04.2012, 19:54
Hat sich bedankt: 16 Mal
Danksagung erhalten: 7 Mal

Re: Bindestock im Selbstbau

Beitrag von Maurice742 »

Vielen Dank tea stick! Ich fühle mich geehrt! :oops:

@ jirgel: erstmal ja, aber ich werde noch, wie schon die drehschrauben am stock, kleine drehschrauben für die spannbacken produzieren. Das ganze wird dann noch schön poliert und vor rost geschützt!

Euer Maurice
"Many men go fishing all of their lives without knowing that it is not fish they are after." - Henry David Thoreau
werner noessing
Beiträge: 69
Registriert: 20.03.2007, 12:18
Wohnort: Innsbruck
Danksagung erhalten: 16 Mal

Re: Bindestock im Selbstbau

Beitrag von werner noessing »

hallo maurice

das sieht gut aus, dann kannst du jetzt zuvor einen quasi Probelauf starten und dann mit dem
"richtig" Kaltarbeitstahl die entgültigen Backen fertigen.
dein Lob ehrt mich und natürlich stehe ich dazu dass ich mit dieser kleinen Materialspende dir
eine Freude machen konnte.
"Junge dynamische Handwerker muss man unterstützen"

lg werner :D
Benutzeravatar
tea stick
Beiträge: 729
Registriert: 10.01.2009, 00:06
Wohnort: an der Nahe
Hat sich bedankt: 35 Mal
Danksagung erhalten: 84 Mal

Re: Bindestock im Selbstbau

Beitrag von tea stick »

werner noessing hat geschrieben:...und natürlich stehe ich dazu dass ich mit dieser kleinen Materialspende ...
Sehr geehrter Herr Noessing!
Wie hoch ist eigentlich die Altersgrenze für Ihren Material-Förder-Kreis? Kann ich mich mit 72 Jahren noch bewerben oder ist in dem Alter schon Hopfen und Malz verloren?
Neee, jetzt im Ernst: Ich baue mir einen Rotations-Bindestock, der dem Norvise recht ähnlich sieht. In den rechten Rotationskörper wird etwas exzentrisch die Klemmbackenkomponente eingeschraubt, bestehend aus einem ca. 8 mm Rundstab, der - bis kurz vor dem Einschraubgewinde-Bereich - längs in der Mitte halbiert wird. Spreiz- und Anzugsschraube werden dann noch hinzugefügt.
Da Du ja ein Stahlspezialist zu sein scheinst (mir machte der "kalte Arbeitsstahl" mächtig Eindruck!), erlaube mir bitte die Frage, welchen Stahl für die Klemmbacken Du nehmen würdest. Zunächst dachte ich an Silberstahl, habe diese Idee dann wieder verworfen, weil selbst bei dem einfachen Härteverfahren meine handwerklichen Fähigkeiten ausgereizt wären. Nun habe ich aber die Möglichkeit, die Backen härten zu lassen. Bleibt mir nur noch die Materialfrage. Mit einem HSS-Scheibenfräser kriege ich die Backen schon auseinandergesägt.
Würdest Du mir da freundlicherweise raten? Dann verzichte ich auch großzügig auf eine Spende, die ich eh nicht steuerlich wirksam quittieren kann...

Hochachtungsvoll

Freimut
Zuletzt geändert von tea stick am 22.07.2013, 17:01, insgesamt 1-mal geändert.
TL!
Maurice742
Beiträge: 111
Registriert: 13.04.2012, 19:54
Hat sich bedankt: 16 Mal
Danksagung erhalten: 7 Mal

Re: Bindestock im Selbstbau

Beitrag von Maurice742 »

Genauso sieht es aus lieber Werner! Ich wollte nicht das "gute" Material verbrauchen um dann feststellen zu müssen, dass die Konstruktion nicht optimal ist...Euer positives Feedback bestätigt mich in der Entscheidung die ich vor ein paar Wochen getroffen habe, nämlich meinen eigenen Bindestock zu bauen. Vielen Dank dafür! =D>

Lg euer Maurice!
"Many men go fishing all of their lives without knowing that it is not fish they are after." - Henry David Thoreau
werner noessing
Beiträge: 69
Registriert: 20.03.2007, 12:18
Wohnort: Innsbruck
Danksagung erhalten: 16 Mal

Re: Bindestock im Selbstbau

Beitrag von werner noessing »

hallo Freimut

also wenn du mir eine Schulbuskarte vorweisen kannst, bekommst auch du eine Materialspende!!!!
Spaß beiseite, ich bin wirklich kein Metallspezialist sondern sagen wir mal ein Bastler mit praktischen Händen und gutem Werkzeug.
Zur Erklärung, Kaltarbeitsstahl und Warmarbeitsstahl, klingt so kompliziert ist es aber nicht.
Wie schon der Name sagt wird dieser für Arbeiten verwendet die Hitze vertagen müssen oder nicht.
Ein Drehmeisel zum Metalldrehen muss daher ein Warmarbeitsstahl sein, der Hitze verträgt sonst ist er schnell futsch.
HSS zum Beispiel verträgt gut 500 Grad ohne dass er dadurch an Härte und Schneide verliert.
Also verwende ich für meine Spannbacken einen legierten Kaltarbeitsstahl, weil da ja nichts heiss wird.
Ich werde den Stahl Nr. 1.2842, dass ist ein Durchhärter (wie schon der Name sagt nicht nur an der Oberfläche) den man bei ca 830 Grad in Öl härtet.
Dieser Stahl wird daher auch gerne Ölhärter genannt. Nicht vergessen anlassen danach sonst ist er Glashart und nicht verwendbar.
Kannst du alles z.B. Wikipedia im Datenblatt nachlesen.
Ohne Werbung zu machen und für alle Interessierten (und ich bekomme nichts von der Firma dafür) solche Prezisionsflachstähle gibt es in kleinen Mengen und Stangen von 500 - 1000 mm bei http://www.normalien.de
Es gibt dort auch Rundstähle, der einzige der für mich in Frage kommen würde wäre der 1.7131
ich würde allerding den Flachstahl 1.2842 bevorzugen.
Ich hoffe du bist vorerst damit zufrieden.

lg werner :D
Benutzeravatar
tea stick
Beiträge: 729
Registriert: 10.01.2009, 00:06
Wohnort: an der Nahe
Hat sich bedankt: 35 Mal
Danksagung erhalten: 84 Mal

Re: Bindestock im Selbstbau

Beitrag von tea stick »

werner noessing hat geschrieben: ...also wenn du mir eine Schulbuskarte vorweisen kannst...
Leider kann ich damit nicht dienen, lieber Werner; sie wurde mir kürzlich abgenommen, weil der Preis noch in Reichsmark angegeben war...
Danke aber sehr für Deine ausführliche Einführungsvorlesung! Sie hat mich in den Stand versetzt, dem Stahlhändler meines Vertrauens auch mal widersprechen zu können. Mein Wissensstand muss Dir ja erschreckend vorkommen, aber seit der Anschaffung einer Tischdrehmaschine hat sich mir ein völlig neues Wissensgebiet aufgetan, das ich erst einmal bewältigen muss. Dabei hast Du mir schon schön geholfen!
Da ich meine Klemmbacken ja zunächst bohren, sägen und mit Gewinden versehen muss, sollte der Stahl schon leicht spanbar sein, bevor ich ihn härten lasse. Ich denke, dass ich das mit dem von Dir empfohlenen Kaltarbeitsstahl hinbekomme.
Härtest Du eigentlich selbst? 850°C sind aber mit dem kleinen Propangasbrenner meiner Bastelwerkstatt kaum zu erreichen, fürchte ich.
Dein Materialwissen, mein Guter, geht deutlich über schlichtes Bastlerniveau hinaus und ich bin geneigt, Dir den akademischen Titel "Diplom-Bastler" zu verleihen. Herzlichen Glückwunsch!

Erst mal ein herzlichens Dankeschön. Fast fürchte ich (für Dich), dass das nicht unser letzter Kontakt i.S. Stahl sein wird...

Lieber Gruß

vom Freimut
TL!
Fliegenbinder
Beiträge: 177
Registriert: 20.04.2012, 15:04
Hat sich bedankt: 34 Mal
Danksagung erhalten: 19 Mal

Re: Bindestock im Selbstbau

Beitrag von Fliegenbinder »

Hallo Bastler,

Der Stahl 1.2842 ist übrigens auch gleichwertig wie 1.2510. Es sind niedrig legierte Kohlenstoff - Kaltarbeitsstähle. Damit lassen sich übrigens auch hervorragend Messer bauen. Dieser Stahl ist bis zu einer Härte von ca. 62 HRC härtbar. Zu beachten ist aber, das dieser Stahl rostet. Eine Brünierung oder Ätzung mit z.b. Fe3Cl ist deshalb Sinnvoll.

Ich härte meine Messer z.b. bei einer Temperatur von 830°C.
Anlasstemperatur 200°C /2 Std.

Danach haben meine Messer eine HRC von 59-60 :D an einen Abziehstahl würde ich damit dann aber nicht mehr gehen :mrgreen:


Siehe hierzu auch: http://am-belz.de/werkzeugstahl/produkt ... 12510.html


Gruß
Torsten
werner noessing
Beiträge: 69
Registriert: 20.03.2007, 12:18
Wohnort: Innsbruck
Danksagung erhalten: 16 Mal

Re: Bindestock im Selbstbau

Beitrag von werner noessing »

Freimut

Ja ich härte selbst, mit Autogen geht das sehr gut (auf die Glühfarben achten) und anlassen machen ich dann im Heißluftofen /250Grad 1.30 min)
(danke fürs Diplom)

Torsten hat recht, grundsätzlich sind diese Stähle nicht rostfrei.
je besser die Oberflächenbearbeitung desto rostträger wird dieser.
Ich poliere die Spannzangern innen und aussen richtig auf und härte erst dann. nach dem abkühlen werden diese nochmalst saubern auf Hochglanz gebracht und mit Nitro oder Aceton entfettet. Dann nehme ich einen getränken Lappen mit Öl und reibe diese damit ab.
Nach dem Ofen sind diese etwas dunkler und quasi leicht brüniert.
Wenn du es fast schwarz haben willst, nimm Leinöl mit einem kleinen Zusatz von Bienenwachs.
Ist eigentlich nichts anderes als eine Brünierung.
Ab und zu mit einem leichten Öltuch abreiben und du wirst keinen Rost finden.
14 Tage Meeresluft und jeden Tag 2-3 Stunden im Gebrauch haben bei meinem Stock aber absolut nichts hinterlassen.

lg werner
Breiflabb
Beiträge: 163
Registriert: 15.10.2008, 19:33
Wohnort: Berlin

Re: Bindestock im Selbstbau

Beitrag von Breiflabb »

Als Material für Backen des Bindestocks ist 1.2379 sehr gut geeignet, dieser Stahl hat eine sehr viel langere Standzeit wie 1.2842 und ist weitaus zäher, läßt sich aber auch schwerer bearbeiten. Er wird im Schnittbau (Werkzeugbau) verwendet. Bei diesem Stahl bleiben die Kanten wesentlich länger ohne Druck und Kerbverletzungen. Ich würde davon abraten den Backenstahl selbst zu härten. Die Spannbacken sind so klein und leicht, daß man sie in einer kommerziellen Härterei härten lassen sollte. Die Kosten werden nicht hoch sein. Mit Gasbrennern und Schweißgeräten die Härtetemperatur in den Stahl zu bringen ist Glücksache und wird sicher kein gutes Ergebnis bringen.
Gruß Udo
Antworten