Prädatoren im und am Forellenbach

Wie der Name schon sagt: Vor der Haustür fischt es sich fast immer am besten. In Deutschland gibt es eine Vielzahl großartiger "Fliegenwasser". Habt Ihr Fragen oder wollt Ihr eine Empfehlung aussprechen?

Moderatoren: Forstie, Maggov, webwood, Matthias M., Michael., Olaf Kurth

Antworten
Benutzeravatar
trutta1
Beiträge: 326
Registriert: 14.11.2009, 22:37
Wohnort: Datteln - Flaeming
Hat sich bedankt: 182 Mal
Danksagung erhalten: 126 Mal

Prädatoren im und am Forellenbach

Beitrag von trutta1 »

Liebe Fliegenfischer,

angeregt durch den Beitrag ,,Otterproblem beim Heger" möchte ich zumindest für Niederungsforellenbäche eine Lanze für den Fischotter brechen!
In unserem Bachsystem ist der Fischotter nachweislich seit Mitte der 70-er heimisch. Den Bachforellenbestand hat er nie beeinträchtigt! Allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt eine recht stabile Unterwasserfauna.
Hasel, Gründling und Elritzen gab es in großen Schwärmen.
Mitte der 80-er wurden mehrere Losungen vom Otter untersucht.
Es wurden keine Rückstände von Salmoniden gefunden. Wohl aber von Krebsen, Muscheln und Weißfisch.
Damals galt die Äsche in diesem Bachsystem als nicht heimisch. Diese wurden erst Anfang der 90-er besetzt.
Von den 7500 besetzten Äschen überlebten mehr als angenommen und bildeten in nur 10 Jahren eine perfekte Alterspyramide.
Sicher wurde die eine oder andere Äsche vom Otter verspeist, aber ein spezielles Nachstellen hätte den Äschenbestand ganz sicher zusammenbrechen lassen.
Da waren Hasel, Muscheln oder gar Krebse vielleicht auch einfacher zu fangen!?
Der Zusammenbruch kam erst mit dem Erscheinen der ersten Kormorane.
Nach 2 Kormoranwintern konnte wir beim E- Fischen neben vielen verletzten Bachforellen noch 1 Äsche, 4 Hasel und ein paar Gründlinge nachweisen. Und das auf einer 2,5 Km langen, relativ naturnahen Strecke.
Von was soll sich nun der Otter ernähren? Es ist nichts mehr da, was einen Otter oder gar eine Otterfamilie ernähren könnte. Die Zeiten, wo sich eingebrochene Bestände selbstständig erholen, sind Dank der jährlich einfallenden Kormorane, Geschichte! Besatzforellen, vielleicht noch über dem Mindestmaß, ist hier wohl die schlechteste Lösung. Leider wird immer wieder so besetzt, da es von vielen gefordert wird. Die frisch besetzten Forellen sind wiederum für alle Prädatoren eine leichte Beute.
Um den Zustand besserer Jahre zu erreichen, müsste man den Kleinfischarten genau das gleiche Interesse zukommen lassen. Erst wenn diese Bestände stabil sind, werden wir wieder intakte Ökosysteme am und im Bach vorfinden.
Dies setzt aber endlich ein Umdenken im Kormoranmanagement vorraus!

TL, Frank
Der Äschenflüsterer ( Leider hören nur noch wenige zu!)
chrmuck
Beiträge: 150
Registriert: 13.12.2018, 22:53
Hat sich bedankt: 56 Mal
Danksagung erhalten: 39 Mal

Re: Prädatoren im und am Forellenbach

Beitrag von chrmuck »

Hallo Frank,

was Du beschreibst, war auch ungefähr das Resumee eines Artikels in der letzten FliegenFischen zu diesem Thema: Erstmal unproblematisch, aber sich verschärfend, wenn es weitere, ungünstige Faktoren (Begradigungen, zusätzliche Prädatoren wie z. B. Kormorane, ungünstige Bestandssituation, etc.) gibt. Ich bin sehr froh, dass wir (vorläufig und bisher) in unseren Gewässern keinen Beitrag zum Schutz besonders bedrohter Arten leisten müssen ;) !

Gruß aus´m Rheinland, Christian
Benutzeravatar
trutta1
Beiträge: 326
Registriert: 14.11.2009, 22:37
Wohnort: Datteln - Flaeming
Hat sich bedankt: 182 Mal
Danksagung erhalten: 126 Mal

Re: Prädatoren im und am Forellenbach

Beitrag von trutta1 »

Hallo Christian,

leider hat sich an unseren Bächen durch massives Erlensterben und teilweise unkontrollierte Ausholzung die Gesamtsituation nochmals verschlechtert.
Zum Rückbau der alten Wehranlagen, hatte ich mich ja schon in einem anderen Artikel geäußert.
So kommen momentan viele negative Faktoren zusammen, und die Hoffnung auf Besserung erlischt so langsam!
Denn die hoffnungsvollen Jahre der 90-er, als plötzlich unsere Bäche und Flüsse sauberer wurden, ehemalige Abwasserkanäle zu Salmonidenbächen wurden und sogar Äschenbestände überall stabil erschienen, sind lange vorbei!
Noch vor 4-5 Jahren dachte ich kurzzeitig an eine leichte Verbesserung.
Dann wurden Wehrstufen nicht vernünftig umgebaut und es kamen 3 Sommer ohne nennenswerte Niederschläge.
Aus den Salmonidenbächen wurden Rinnsale, die ich in diesen Sommern nicht befischt habe.
Ohne reichlich Niederschläge, vor allem dauerhaft, wird das nicht mehr! Leider!

TL, Frank
Der Äschenflüsterer ( Leider hören nur noch wenige zu!)
Antworten