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Verfasst: 13.02.2006, 20:02
von fokke
moin frank,
ich bin wirklich kein freund des kormorans, aber wenn du schreibst:
Original geschrieben von Frank Möbus
Schon im 18. und 19. Jahrhundert war der Kormoran nur noch in wenigen Gebieten Deutschlands (und zwar an der Küste) heimisch; bereits um 1900 galt er bei uns (und überhaupt in Europa) als ausgerottet. 1890 wurde die letzte bekannte Brutkolonie beim Bau des Nord-Ostsee-Kanals vernichtet; alle Vögel wurden abgeschossen.
bedeutet das doch, dass der kormoran vor dem 18. und 19. Jahrhundert hier schon heimisch war. da geht die argumentation, dass der kormoran kein heimischer vogel ist, doch völlig ins leere!

gruss, kasuist

Verfasst: 13.02.2006, 20:48
von Jens2001
@ fokke

raffst Du es nicht, ich sprach von Thüringen!!!!
In Gesamt Deutschland war er serwohl heimisch aber zahlenmäßig nicht so stark vertreten wie jetzt........

Verfasst: 13.02.2006, 20:51
von Wolf L.
Moinsen,

was damit gesagt werden sollte: in Thüringen und anderen Gebieten - also regional - kam der Vogel nicht vor. In Deutschland (und somit Europa natürlich auch) schon. Der Begriff heimisch muss somit eine gewisse Eingrenzung erfahren, hier eben nach bestimmten geologischen Gegebenheiten. Z.B. das (natürliche) Vorhandensein von grösseren Seen.

Gruss,

Wolf

Verfasst: 13.02.2006, 20:51
von Jens2001
@ alle

habe heute mit einem Fischerkolegen gesprochen.......
die Vorhut der K. Plage ist jetzt auch an der Schwarza angekommen...... im unteren offenerem Teil......
die Strecke zwischen Schwarza und Bad Blankenburg...... sie kommen schon bis hoch zur Rinne.....
Und bei uns das gleiche Problem mit den Jägern, sie wollen nicht schießen....
es kommen so Argumente das ist alles zu nah an den Häusern usw.....

LG Jens

Verfasst: 13.02.2006, 21:27
von Frank.
Moin kasuist,

na ja - daß der Kormoran kein heimischer Vogel gewesen sei, habe ich ja auch nicht geschrieben. Und das wäre sicher falsch.
Noch im Brockhaus von 1908 steht zu lesen, daß er "an allen Seeküsten Europas" verbreitet sei; aber "er zeigt sich auch auf den Flüssen im Inneren Deutschlands." Also muß der Kormoran eindeutig schon zu den ursprünglich "einheimischen Vögeln" gezählt werden. Das Problem ist eben die massenweise Vermehrung der letzten Jahrzehnte - leider fehlen die natürlichen Feinde (Raubvögel, Nesträuber), die ihn früher im Zaum gehalten haben.
Mit solchen Mustern argumentieren Jäger in zahllosen Fällen: "Die Rehe müssen kurzgehalten werden, weil die natürlichen Feinde fehlen." - "Die Hirsche ..." - "Die Füchse ..." - "Die Wildschweine ..." - "Die Elstern ..." - "Die Krähen ...".
Fakt ist wohl, daß es bei Reh, Hirsch, Wildschwein in den letzten Jahrhunderten tatsächlich niemals zuvor einen so dichten Wildbestand wie heute gab; deshalb muß regulierend eingegriffen werden, um die Balance zu halten.
Diese Regulation muß auch den Kormoran einschließen, weil die immense Vermehrungsrate das Gleichgewicht so nachhaltig stört. Aber mit dem Argument, er sei kein einheimischer Vogel, können wir in der Tat nicht kommen! Und eine "Ausrottung" wäre doch auch nicht in unserem Sinne, oder? Im Sinne einer ökologisch orientierten Fischerei hat dieses Tier durchaus ein Lebensrecht, und auch der Kormoran kann, wenn er in ökologisch vertretbarer Menge vorkommt, sicher seinen Beitrag zur Gesundheit unserer Gewässer leisten (wie Hecht, Zander, Waller ...). Freßfeinde müssen sein. Aber das eben nur dann, wenn der Bestand reguliert wird und nicht darüber hinausgeht, was Gewässer verkraften können. Haben wir zu viele Hechte im Bach - dann tun wir etwas dagegen. Haben wir zu viele Waller im See - dann auch. Aber niemand von uns käme doch auf die Idee, Hecht oder Waller ausrotten zu wollen, oder?
Diese, und nur diese Prämisse muß auch für den Umgang mit dem Kormoran gelten. Ja, er gehört nach Deutschland. Aber eben nicht in solchen Massen, daß er die Gewässer leert. Bestandsvernichtung? Nein. Bestandsregulierung: JA!

Tight lines - Dein Frank

Verfasst: 14.02.2006, 13:09
von Frank.
Kleiner Nachtrag zum Thema "Der Kormoran in historischer Sicht": In Brehms Tierleben wurde 1882 der folgende Bericht über eine Kolonie in Lütjenburg gedruckt, der auf das Jahr 1812 zurückgeht:

„Im Frühlinge des Jahres 1812 fanden sich auf einem Gute der Stadt Lütjenburg vier Paare ein und siedelten sich, dem Seestrande nahe, auf sehr hohen Buchen in einem Gehölze an, welches seit vielen Jahren einer großen Anzahl von Saatkrähen und Fischreihern zum Brutorte gedient hatte. Sie vertrieben einige Reiherfamilien, um deren Nester für sich zu benutzen, machten zwei Bruten, eine im Mai, die andere im Juli, und verließen im Herbste desselben Jahres, zu einem Fluge von einigen dreißig angewachsen, die Gegend. Im Frühlinge des folgenden Jahres kamen sie, wie in allen folgenden, in einer immer mehr sich verstärkenden Anzahl wieder, und bald durfte man diese zu siebentausend brütenden Paaren anschlagen. Boje zählte auf einigen Bäumen an funfzig Scharbennester (Scharbe = Kormoran). Die Menge der zu- und abfliegenden Vögel erfüllte die Luft; ihr wildes Geschrei betäubte die Ohren. Die Bäume sammt ihrem Laube waren weiß gefärbt von dem Unrathe, die Luft war verpestet durch die aus dem Neste herabgefallenen und faulenden Fische. Erst nach mehreren Jahren eifriger Verfolgung gelang es, die ungebetenen Gäste wieder los zu werden.“
Aus: Brehms Tierleben, fünfte Reihe: Schwimmvögel (Natatores), S. 478f., erschienen 1882.

Ihr seht - neu ist unser Problem nun wirklich nicht ...

Tight lines - Euer Frank

Verfasst: 14.02.2006, 14:46
von Michael.
Hallo,

wie es scheint, hat der NABU mit dem Thema überhaupt kein Problem. Mit zweifelhafter Einbahnstraßen-Propaganda anscheinend auch nicht.

Guggsdu hier: http://www.nabu.de/m05/m05_03/03936.html

Gruß
Michael

Verfasst: 14.02.2006, 15:45
von Jens2001
naja, ohne worte.......

aber genau das ist das Problem......

"eine Urlauberin aus Berlin hat entdeckt" und die Leute mobilisiert......

die Armen Vögel...... diese Viecher sind eben leider zu sehen Fische sind es nur selten, erst recht wenn sie nicht mehr da sind (im Kormoran Magen verschwunden)

Verfasst: 14.02.2006, 17:06
von roland k
man kann denen sehr wohl durch gezielte e-fischungen und dokumentation der Fangergebnisse nachweisen was im laufe der Jahre für Veränderungen an der Bestandsdichte aufgetreten sind. An einem bayerischen BAch z.b. sind auf einem KM nur noch 40 Fische angetroffen worden. Weiterhin sollen diejenigen die den Kormoran wollen nachweisen, dass er keinen Schaden in dem für ihm nicht heimischen Habitat anrichtet und nicht umgekehrt.
Mir ist am WE erst wieder die Galle hoch als bei einem geschossenen K. eine gute 25er Äsche neben einem bereits verwesten Fischgrät aus dem Bauch zum Vorschein kam. Dann waren auch noch sehr viele Würmer im Darmtrackt des K. zu finden, vielleicht wären die als Seuchenverbreiter bzw. Krankheitserreger relevant????

Roland

Verfasst: 14.02.2006, 18:04
von fokke
Original geschrieben von Jens2001
@ fokke

raffst Du es nicht, ich sprach von Thüringen!!!!
In Gesamt Deutschland war er serwohl heimisch aber zahlenmäßig nicht so stark vertreten wie jetzt........
sorry das hab ich wohl wirklich nicht gerafft (bzw. überlesen), da überall so argumentiert wird, das der kormoran keine heimische art ist....


@frank: volle zustimmung.

Verfasst: 14.02.2006, 19:31
von Dirk Janßen
Seht die Vögel unter dem Himmel an. Sie sähen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?

frug uns schon Jesus (der Fischer)

Dirk

Verfasst: 14.02.2006, 19:41
von Frank.
Sag ich doch, dass das der eigentliche Vereinsgründer war (siehe Witze, Beitrag 122) ...

Frank

Verfasst: 14.02.2006, 20:11
von Dirk Janßen
Kann mir jemand mitteilen, gerne auch per PN, wo es so Laserteile zu kaufen gibt (labern nützt nix)?

Dirk

Verfasst: 14.02.2006, 21:11
von Frank.
Original geschrieben von fokke


moin,
bei uns am wittensee haben wir ein seeadlerpaar, das den kormoran schon etwas in grenzen hält. zumindest werden unter den adlerhorsten auch reste von kormoranen gefunden.

meine (laienhafte) folgerung daraus....wenn die natur halbwegs in ordnung ist, so dass es natürliche feinde des kormorans gibt, ist das problem mit dem schwarzen vogel nicht mehr so gross!

tl
Der größte natürliche Feind des Kormorans ist wohl der Uhu. Irgendwo habe ich mal gehört, dass vereinzelt an Gewässern schon Uhu-Attrappen aufgestellt worden sind (war am Möhne-See, glaube ich), nicht vollends erfolglos. Vielleicht hat jemand aus dem Forum Erfahrungen damit?

Aber solche "Lösungen" verlagern das Elend ja nur auf eine andere Gewässerstrecken. Fokke hat schon Recht: Gibt es genug natürliche Feinde, stellt sich das Problem gar nicht. Bei den aktuellen Massen von Kormoranen müssten wir freilich zehntausende von Adlern oder Uhus auswildern. Und die müssten wir zunächst allesamt darauf abrichten, eine strenge Kormoran-Diät einzuhalten (Am Morgen, Mittag, Abend - Kormo, erfrischend und labend!) - die haben wahrscheinlich auch wenig Spaß daran, immer nur schwarze Vögel zu fressen. Ein natürliches Gleichgewicht, da bin ich mir sicher, bekommen wir in den nächsten Jahrzehnten nicht hin. An einer künstlichen Bestandsregulierung führt kein Weg vorbei.

An den Gewässern, die es bei uns am schlimmsten getroffen hat (Söse und Steinlake), gab es übrigens auch Seeadler (und jede Menge Waschbären) - hat die Viecher nicht im mindesten gestört. Ich fürchte fast, daß die Vögel den Räubern nicht schmecken und viele Brutkolonien einfach so groß sind, dass Nesträuber kaum eine Chance haben.
Dann, als die Flüsse leer waren, sind die Kormorane abgezogen. Und die Adler auch.
Im Moment kann man wohl nur auf eine ansteckende Krankheit hoffen - Vogelgrippe kann auch ein Segen sein ...

Euer Frank

Verfasst: 16.02.2006, 20:41
von Dirk Janßen