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Verfasst: 21.10.2004, 09:41
von roland k
Ich danke Euch für die Tips. Vorgestern hab ich mit dem Christian Weckesser telefoniert und er sagte, dass es schon möglich sein sollte sowas zusammenzubasteln, allerdings sind wie ihr alle richtigerweise sagt Spinnrutenblanks nicht sonderlich dafür geeignet. Er hat vielleicht noch ein paar ältere lange Blanks auf Lager stehen die als Fliegenrute geeignet wären. Nach seiner Inventur soll ich mich bei ihm nochmal melden, dann kann er mir genauere Auskunft geben.

Roland

Verfasst: 21.10.2004, 10:42
von Matthias
Hallo,

die Umrechnung von AFTM-Klassen auf Wurfgewichte ist sicher hilfreich, aber wer sich mit Spinnruten ein bißchen auskennt wird wissen, wie unterschiedlich die Hersteller das Wurfgewicht beurteilen. Bei manchen Fabrikaten kann man das maximale WG dranhängen, werfen und hat noch Reserven, andere Rute hängen schon bei einem Bruchteil des WGs durch. Der Widerstand des Köders im Wasser muß auch beachtet werden, usw. ... letztendlich spielt auch der persönliche Geschmack eine Rolle. Bei Fliegenruten sind die Abweichungen durch die AFTM-Klassifizierung sicher geringer, aber auch hier zeichnet sich ein Trend zur Untertreibung bei der Schnurgewichtsangabe ab, im Bestreben immer steifere "Weitwurfmaschinen" auf den Markt zu bringen (siehe z.B. Sage TCR).

Lange Rede gar kein Sinn, ich denke die Umrechnung auf ein fiktives Wurfgewicht bringt in der Praxis relativ wennig und kann meiner Meinung nach nur einen groben Anhaltspunkt geben. Vielleicht wäre die Angabe einer Teskurve hilfreicher?! Bei Karpfenruten wird dazu die Kraft bzw. das Gewicht bestimmt, welches nötig ist, um die Rute soweit zu biegen, bis Spitze und Handteil im rechten Winkel zueinander stehen. Interessant dabei ist, daß die Aktion bei der Methode keine Rolle spielt, d.h. eine Rute mit parabolischer Aktion kann die gleiche Testkurve haben wie eine Rute mit extremer Spitzenaktion. Hat das schonmal jemand mit Spinn- oder Ffliegenruten ausprobiert und kann Werte liefern?

@Dirk: Besonders die Testkurve Deiner umgebauten Matchrute würde mich mal interessieren ... bei mir steht noch 'ne hübsche Milo Matchrute rum, mit der ich ähnliches vorhabe ;)

Viele Grüße, Matthias

Verfasst: 21.10.2004, 15:05
von Guzzi
Hallo Harald,

ich bezweifele keineswegs die Listung nach AFTM. Ich bezweifele aber aus Erfahrung, dass sich daraus Wurfgewichte für die Spinnfischerei 1:1 ableiten lassen. Wobei das ja wie gesagt hier die umgekehrte Fragestellung war.

Ich fische z.B. eine Shimano Spinnrute mit parabolischer Aktion mit laut Hersteller 20-40g Wurfgewicht. Diese Rute wirft maximal eine 8er Schnur, allerdings wirft sie meines Erachtens auch bloss max. 24g sinnvoll, darüber geht auch aber es ist kein Werfen in meinem Sinne. Hier sind wir dann bei dem was Matthias bereits sagte: die Herstellerangaben sind nicht so aussagekräftig wie das zu wünschen wäre.

Ich glaube wenn man so einen Umbau vorhat steht man vor dem grossen Problem, einen passenden Blank zu finden. Und jede Rute zuvor einmal zu werfen ist bei der Suche nach einem blank äusserst Schwer, insbesondere weil es dann ja noch Spinnruten sind. Zum Testen geht das aber im Notfall.

Gruss,

Wolf

Verfasst: 21.10.2004, 15:08
von Fyggi
Hallo Roland,

ich denke, das es sich bei Fliegenruten ähnlich wie bei Spinnruten verhält: die angegebene Klasse, bzw. das Wurfgewicht muss nicht immer stimmen.
Oft wurde schon festgestellt, dass sich eine bestimmte Fliegenrute mit einer bestimmten Schnur "besser" werfen läßt als mit anderen Schnüren (natürlich individuell unterschiedlich, je nach Gefühl und Wurfstiel). Dafür ist m.E. hauptsächlich das Gewicht der Schnur verantwortlich (neben Gleitfahigkeit, Taperaufbau u.a.).
Ich habe mir vor Zeiten einen 3-teiligen "Grundrutenblank" (DEGA 1, auch im Bericht von Klaus Schröder in der Zeitschrift "der Fliegenfischer" in einem Bericht über 2-Handruten an der Küste auf Meerforellen beschrieben) so aufgebaut, dass ich ihn aufgrund eines Schiebrollenhalters und Einstegringen mit Einlage auch zum Sbirolino-Fischen einsetzen kann, was dem Gebrauchswert als Fliegenrute nicht entgegensteht. Ich benutze einen ca. 23 Gramm schweren Schußkopf und einen 20 Gramm Sbirolino. Es läßt sich also vergleichen, warum auch nicht!?

Zu den AFTMA-Klassen:

Hier stimme ich "Guzzi" zu. Ich glaube, dass es sich hier lediglich um eine theoretische Spezifizierung handelt, denn m.E. stimmt k e i n e s der angegebenen Gewichte mit dem tatsächlichen "Wurf"-Gewicht überein.
Beispiel: # 7 = ca. 12 Gramm (je nach Tabelle von Rolf Grimm, Hasenfuß o.a.)
Das tatsächliche Wurfgewicht einer 7er Rute dürfte zwischen 16 - 18 Gramm, abhängig von der jeweiligen Rute, liegen. Meine Schußköpfe liegen bei 16,5 - 17,8 Gramm für eine Scierra HM 2 SW (7er) und eine RST M 3 #7/8.
Und das eine 7er Schnur zu einer 7er Rute paßt muss nicht heißen, daß die Schnur (Keule) 12 Gramm wiegt.

Auch bei anderen Ruten mit anderen Gewichtsklassen habe ich andere Gewichte festgestellt: SCIERRA HM 2, # 6, 9,6 ft: AFTMA 10,4 Gr., tatsächlich aber ca. 14,5 Gr.

Beide Beispiele zeigen mir, das AFTMA-Gewicht und tatsächliches WG stark unterschiedlich sind.

Beim Auswiegen verschiedener Keulen von WF-Schnüren (elektronische Feinwaage) mit den entsprechenden Ungenauigkeiten durch die mit ihr verbundenen Runningline zeigte sich ein ähnliches Bild (also schwerer), allerdings mit einer noch größeren Spannweite!!!! Das ist schon mehr als erstaunlich!!!!

Nicht umsonst werden z.B. von VISION die Schußkopfgewichte inzwischen auch in Gramm (#7 = 17 Gr.) angegeben. Meiner Meinung nach der einzig richtige Weg. Da weiß jeder, woran er ist (wenn die Gewichte auch stimmen......).

Oh, etwas abgedriftet....Einen in Frage kommenden Blank/Rute kann ich dir leider nicht nennen. Ansonsten wiegen und probieren, als groben Anhalt auch mal mit einem Gewicht an der Fliegenrute, wenns auch als "Vergewaltigung" anmutet.



TL, Marc

Verfasst: 21.10.2004, 16:24
von Dirk Janßen
Original geschrieben von Matthias
@Dirk: Besonders die Testkurve Deiner umgebauten Matchrute würde mich mal interessieren ... bei mir steht noch 'ne hübsche Milo Matchrute rum, mit der ich ähnliches vorhabe ;)
Moin Matthias,
ich habe mal das AFTMA-Berechnungstool von Thilo verwendet, welches mE ganz brauchbare Ergebnisse bringt (guggsu hier).

Als Ergebnis erhalte ich bei meiner "Matchrute" einen Wert von 3,048, der lt. Tabelle die AFTMA-Klasse 8 mit klarer Tendenz zur Klasse 7 ergibt .

Genauso empfinde ich die Rute auch, sie wirft eine 8er TT ohne Probleme ins Backing. Gefühlsmäßig würde ich sie aber nicht zum Fischen mit schweren Streamern verwenden, sondern eher zum MeFo-Fischen. Der Blankdurchmesser über dem Griff ist ca. 18 mm!

Ich habe vor dem Umbau der Rute Schnüre der Klassen 6, 8, 10 durch die Matchringe gezogen und auf der Wiese probegeworfen (Klasse 10 passte gerade durch ;) ).

Ich hatte eigentlich erwartet, dass die Rute knackt, aber mitnichten. Sie ist nun eine sehr leichte 8er 13ft. 2-Hand geworden und liegt nicht mehr traurig im Keller herum ;) . Die Küchenwaage zeigt 195 gr. an.

Die Idee an sich habe ich von Klaus Schröder abgeguckt, der sich eine Dega-Matchrute umgebaut hat und diese nach eigenem Bekunden dauerhaft zum Mefofischen in der Ostsee verwendet.

BTW Die Matchringe habe ich vorsichtig entfernt und so die Original-Zierwicklungen erhalten können.

TL
Dirk

Verfasst: 21.10.2004, 16:29
von stockinger
Hallo
Dann beeilt euch aber mit Dega. Gerüchteweise liegen die in den letzten Zügen.....
TL
Sebastian

Verfasst: 21.10.2004, 17:39
von Harald aus LEV
Hallo Wolf,
>> Ich bezweifele aber aus Erfahrung, dass sich daraus Wurfgewichte für die Spinnfischerei 1:1 ableiten lassen. <<
Ganz meine Rede.
Um zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen muß man probieren - es sei denn man hat Glück und es paßt beim ersten Versuch.
Das lonht sich aber nur bei bereits vorhandenen Ruten. Wenn erst verschiedene Ruten gekauft werden müssen, um ein Wunschergebnis zu erzielen, rechnet sich das ganze nicht mehr.
Gruß Harald

Verfasst: 21.10.2004, 18:44
von Fyggi
Hai,

Frage an Harald und Wolf: warum sollen sich den keine Ableitung daraus ergeben? Wo liegt den der Unterschied zwischen 17 Gramm als Blinker oder 17 Gramm als Schnur, die ich über die Rutenspitze nach vorn "fortbewege"? Über kleine mögliche Unterschiede will ich nicht streiten, aber ich denke es läßt sich ziemlich gleich übernehmen.

Recht gebe ich euch, wenn ich die angegebenen AFTMA Gewichte und ein tatsächliches Blinkergewicht vergleichen will, wie schon oben gepostet.

TL, Marc

Verfasst: 22.10.2004, 08:39
von Matthias
Original geschrieben von Fyggi
... Wo liegt den der Unterschied zwischen 17 Gramm als Blinker oder 17 Gramm als Schnur, die ich über die Rutenspitze nach vorn "fortbewege"? ...
Hallo Marc,

das Gewicht ist zwar gleich, aber es ist ganz anders verteilt und der Beschleunigungsvorgang beim werfen unterscheidet sich grundlegend. Mit einem Spinnköder beschleunigt man die Rute in der Regel viel schneller, wodurch bei gleichem Gewicht die Rute stärker belastet wird. Die Rute sollte das aushalten, aber ich bezweifle, daß das optimale Ködergewicht eines Spinnköders gleich dem optimalen Schußkopfgewicht ist, eher weniger.

Viele Grüße, Matthias

Verfasst: 22.10.2004, 10:26
von Fyggi
Hallo Matthias,


zwar ist die Masse anders verteilt, wird doch aber letztendlich in beiden Fällen von der Spitze aus beschleunigt und ich denke der Spitze ist es egal, was hinter ihr zieht, bei gleichem Gewicht (?). Dass sich die Verteilung des Gewichtes (Punkt/Strich) später wesentlich auf den eigentlich Flug auswirken dürfte ist klar.

Bei dem Beschleunigen der Masse lassen sich m.E. wiederum Parallelen ziehen, wenn wir vom bewußten Weitwurf ausgehen.

Ich habe eine Videosequenz von Steve Rajev (reichtig geschrieben ?) gesehen, in dem er eine 5er Schnur beschleunigt. Kaum zu glauben, wie er es schafft, mit einer kurzen, heftigen Bewegung die Rute (vergleichbar einer Spinnrute!) aufzuladen. Vielleicht weiß ja Forenmitglied Thomas Htr hierzu mehr zu sagen.
Nun ist Rajev ein Extremwerfer, was Weite und Können anbelangt und vielleicht liegt darin ja ein Teil des Erfolgsgeheimnisses!?

Es ist schon eine eher ungewöhnliche Idee, die beiden Wurf-/Angelarten zu vergleichen, bzw zu verbinden, wie es auch Sage mit der 8er Küstenrute versucht hat, die sie mit einem extra Spinnruten-Griff zur wahlweisen Montage ausgestattet hatte.

Natürlich wird auch die Spinnrute in der Regel heftiger beschleunigt. Würden wir alle so mit einer Fliegenrute werfen, ginge ein Großteil dessen, was sich auch in einer gewissen Eleganz und Beschaulichkeit ausdrückt, verloren.

Aber es ging ja auch nur um das Machbare und Vergleichbare. Jeder sieht im Fliegenfischen etwas anderes, und das ist gut so! Aber interessant finde ich solche Denkansätze schon, bieten sie doch die Möglichkeit, sich auch mit Randbereichen des FliFi auseinanderzusetzen (für den, der es mag.....).


TL, Marc

Verfasst: 22.10.2004, 11:02
von Guzzi
Hallo,

was das Wurfverhalten angeht ist das nicht so einfach weil man es ausrechnen müsste um was konkretes zu sagen. Ich bitte aber, zu bedenken, dass beim Wurf der Flugschnur im Falle eines Weitwurfes mindestens die ersten 9m (also das AFTM-Gewicht der jeweiligen Klasse) draussen sind, diese beim Rückschwung abgebremst (oder negativ beschleunigt) werden und damit die Rute aufladen (oder belasten). Dazu kommt nun noch die Belastung durch die Beschleunigung des Vorschwungs, die insbesondere beim Doppelzug ganz erheblich ist.

Wie sich das nun zum Wurf mit dem Blinker verhält, wäre zu errechnen, vielleicht wenn mir mal danach ist. Ich habe es aber wie gesagt bereits mit zwei Ruten getestet und bin zu genannten Ergebnissen gekommen.

Die von Marc erwähnte Sage war auch er Ideengeber für den Umbau der 8er eines Freundes (die Sage war schlicht viel zu teuer). Es hat sich gezeigt, dass das durchaus eine praktikable Lösung ist, denn es ist tatsächlich auch eine schöne Spinnrute geworden. Eine schöne Fliegenrute war es schon vorher.

Gruss,

Wolf

Verfasst: 22.10.2004, 16:10
von Harald aus LEV
Hi Marc,
wie Matthias auch schopn geschrieben hat, ist der Wurfablauf beim Fliegenfischen ein vollkommen anderer als beim Spinnfischen.
Auch ist es nicht der Wurf allein. Es geht auch um die Köderführung. Ein Blechköder (Spinner/Blinker) setzt der Rute im (bewegten) Wasser wesentlich mehr Widerstand entgegen als ein Streamer, sodaß eine präzise Führung erschwert bis unmöglich ist.
Harald

Verfasst: 25.10.2004, 12:41
von Fischerhans
Hallo Roland und andere Interessenten langer, leichter Stecken!

Gerlinger hatte noch im Frühjahr eine Edge Trout Fly 10 Fuß Klasse 4 im
Programm (3-Teilig). Die Rute hat auch gut eine 5-er WF transportiert.
Ist wohl leider ausverkauft, vielleicht ja aber mal bei ebay zu bekommen.
War eine super Rute für unter 100 Euro.

Verfasst: 25.10.2004, 14:20
von TorstenHtr
Hallo!

Fyggi hat schon teilw. Recht, wenn die Fliegenschnur exakt linear beschleunigt wird ist es schon in etwa vergleichbar mit einem reinen (Blei-)Wurfgewicht.
Richtige gute Castingsportler benutzen IMHO auch eine progressive Beschleunigung für das Werfen von Gewichten.
Nur ist es bei den Herstellern von Angelruten so, dass die Werte die auf der Rute stehen meistens nur Empfehlungen & Schätzwerte sind und die Aktionen stark abweichen.
Das ist selbst bei Fliegenruten so, eine 5er Rute eines Herstellers hat eine völlig andere Steifigkeit als eine eines anderen Herstellers, das hängt von den Testwerfern und deren Meinung ab.
Da heisst es halt probieren, oder z.B. mit der CC Methode messen ..

Meine alte Spinnrute (bis 25 Gramm) hat ungefähr verglichen mit ner Fliegenrute Klasse 10 oder etwas höher, was vom theoretischem Schusskopfgewicht ungefähr hinkommt.

Achso, zur Frage nach Steve Rajeff, ich denke er ist schon einer der besten Castingsportler auf der Welt und hat IMHO 2002 den Allround Weltmeister Titel gewonnen.
Vor allem Fliege weit Einhand ist er immer unter den TOP 3, wie ich in den Ergebnisslisten gesehen habe.
Es gibt verschiedene Wurfstrategien, die einen benutzen eine sehr lange Bewegung der Rutenhand, Steve Rajeff eher eine kurze, er gleicht es aber IMHO durch einen extrem schnellen Doppelzug aus.

Bis dann..
Torsten