Verfasst: 16.02.2006, 11:23
von Frank.
Lieber David,
vielleicht kannst Du auch den folgenden Text brauchen - er liefert eine Beschreibung vom Fliegenfischen und der Bindetechnik in Deutschland im Jahr 1778. Wenn Du möchtest, kann ich dir auch die dazugehörige Abbildung elektronisch beschaffen.
Tight lines fürs Referat - Frank
Aus:
Oeconomische Encyclopaedie oder Allgemeines System der Land-, Haus- und Staats-Wirthschaft : in alphabetischer Ordnung ; ... auch noethigen Kupfern versehen …, Band 14. 1778 (in den eckigen Klammern stehen jeweils die Seitenzahlen)
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Da die Forellen, wie bereits erwähnt worden ist, zu ihrer Nahrung, nebst allerley kleinen Fischen, auch verschiedene Insecten aus dem Geschlechte der Hafte (Libellula Ephemera Linn.) und Asterfalter (Phryganea Linn.), die man an einigen Orten Schnacken zu nennen pflegt, lieben, welche gemeiniglich hüpfend auf dem Wasser herum flattern, und der Fisch diese Insecten allemahl mit einem Sprunge fängt, den er oft über 1/2 Elle hoch über das Wasser hinaus macht: so hat man daher Gelegenheit genommen, eine besondere Art der Angelfischerey zu erfinden, da man nähmlich dem Fische einen Körper von ähnlicher Gestalt und Farbe vorhält, welchen er ebenmäßig mit einem Sprunge erschnappet, weswegen sie auch die Sprungfischerey genennt wird. Es ist die<14, 462>selbe insonderheit in dem Wisentflusse in Franken gebräuchlich. Die Angel, dem die Mundart des Land=Volkes auch den Nahmen Sprang oder Sprung beygeleget hat, wird an dem Eisen mit Fäden von der Farbe bewickelt, daß eine Aehnlichkeit des Leibes, und mit Federn von der Farbe maskiret, daß eine Gleichheit mit den Flügeln der Schnaken heraus kommt.
Es geschieht dieses Fischen entweder mit dem kleinen, oder mit dem großen Sprunge. Mit dem kleinen Sprunge wird, ausser im Winter, das ganze Jahr durch gefischet; das große Sprungfischen hingegen dauert nur etliche Wochen, meistens vom Anfange des Jun. bis in die Mitte. Die hierzu gehörige Angel besteht, wie gewöhnlich, aus einer Ruthe und Schnur. Letztere wird halb von Zwirn und halb von Pferde=Haaren gemacht, doch so, daß die untere Hälfte 2 Enden bekommt, wovon das obere kürzere der Hüpfer, das untere längere aber der Schleifer genannt wird.
Zur Angel zum kleinen Sprunge, nimmt man weiße, oder noch besser, etwas grauliche Haare von einem Wallachen oder Hengstpferde, bindet 8 Haare von gleicher Länge mit einem Knoten zusammen, theilt dieselben, daß 4 und 4 Fäden beysammen kommen, und drehet sie sodann vermittelst der Finger zusammen. Dergleichen Stücke Schnur macht man zwey. Wenn sie fertig sind, wird das eine Stück an das andere unter der Spitze desselben dergestalt gebunden, daß, wie gedacht, das lange Ende dieses untersten Stückes den Schleifer, und das kurze den Hüpfer ausmachet. An diese zwey Enden des untersten Stückes der Schnur werden die kleinen Eisen folgendergestalt befestiget. Man nimmt die Schnur, und steckt einmahl durch, als wenn man einen einfachen Knoten machen wollte; ehe man aber ganz zuzieht, wird das Angeleisen hinein gesteckt, doch so, daß die Schnur an der einen Seite des Eisens hervor geht. Wenn dieses geschehen ist, nimmt man ein Haar von gebrechtem Hanf oder Flachs, so noch ungesponnen ist, (der gelbliche ist besser als der graue,) macht dasselbe etwas naß, damit es sich nicht fase, und umwickelt das Eisen nebst der pferdehärenen Schnur mit dem Knoten, vom Ende des Eisens an, bis in die Mitte oder bis zur halben Krümme, und von da wieder zurück bis an das Ende, wo es gebunden wird. Die Umwickelung geschieht bey jeder Angel, theils das Eisen fest zu binden, theils den Bauch oder Körper des Insectes zu bilden, Ueberhaupt aber <14, 463> muß dieselbe lieber zu dünn, als zu dick, geschehen weil im Wasser ohnehin, der Hanf sowohl als die Seide quillt. Da nun verschiedene Schnaken am Leibe die Farbe des Hanfes haben, so umwickelt man solche, wenn man diese vorstellen will, nicht weiter; da hingegen andere am Leibe gelb oder braun sind, so gebraucht man hierzu dergleichen Seide, und umwickelt das Eisen dergestalt damit, daß jedesmahl ein Ringlein vom Hanfe durchsieht, da alsdann die Seide wieder am Ende gebunden wird. Endlich wird die den Schnakenflügeln ähnliche Feder angemacht. Die gebräuchlichsten und besten hierzu sind die Federn von einem rothen Hahne, welche vorn am Kropfe und hinten auf beyden Hüften befindlich sind. Diese werden von unten gegen die Spine zu so weit abgestrüpft, als nöthig ist; alsdann wird die Spitze auf das Eisen gehalten, und die Federn herum gewickelt, daß der Busch in die Höhe steht, und sodann gebunden; das übrige aber, was gegen die Schnur überflüssig oder unnöthig ist, abgeschnitten.
Zum großen Sprunge, werden, weil die Schnaken größer sind, auch größere Eisen, und eine um 4 Haare dickere Schnur erfordert, weil die Fische zu der Zeit, wenn man diese gebraucht, am begierigsten sind, und die größten Forellen anbeißen. Die Umwickelung geschieht, auf vorerwähnte Art, nach Verhältniß der Schnaken. Zur erstern Art der hierzu gehörigen Schnaken, werden die Federn eines wilden, auch allenfalls eines zahmen Aenterichs erfordert, die auf dem Kropfe und unten am Leibe wachsen. Diese werden, wenn das Eisen auf die angezeigte Art mit bleichgelber Seide umwickelt ist, angemacht Doch ehe solches geschieht, wird eine grünliche Feder von einem Grünspecht oder Finken, um das Eisen und die Aentenfeder gewickelt, und mit gleicher Seide gebunden.
Zur großen rothen Forellenschnake, werden allein die Schuhufedern, welche an dessen Körper fast überall, doch auf der Brust am meisten wachsen, genommen. Die Umwickelung des Eisens geschieht von einigen nur mit Hanf allein, von einigen zugleich mit bleichgelder Seide Die Schuhuf der wird zum Hüpfer, und die Aentenfeder zum Schleifer gebracht.
Die Angelruthe wird entweder von Haseln, oder von einer schlanken Birke geschnitten beym Abschneiden bis ungefähr 1 1/2 Schuh lang abgeschält, an der Spitze, so weit als solche zu haben in, und wenn sie auch nur die Dicke eines starken Stroh=Halmes hätte, angebunden, und an die Sonne oder Luft gehängt, damit sie trockne und leicht werde, daß man sie mit einer Hand <14, 464> leicht regieren könne. Je länger man sie haben kann, desto besser ist sie bey großen Bächen, weil man desto weiter, der Breite nach, reichen kann. Kann man sie aber nicht aus Einem Stücke groß genug erhalten, so wird sie aus zwey in der Mitte genan an einander gebundenen Stücken zusammengesetzt.
Die untere Hälfte der Angelschnur ist, oben beschriebener maßen, von Pferdehaaren; die obere Hälfte wird von gutem Zwirne, jedoch nicht zu dick, gemacht. Die Länge der ganzen Schnur, beyde Hälften zusammen gerechnet, muß so eingerichtet werden, daß der Schleifer an der Angel mit der Ruthe gleich komme, und Ruthe und Schnur gleiche Länge erhalten. Die obere Hälfte der Schnur wird an der äußersten Spitze angemacht, und die Ruthe wird schlangenweise von oben herab bis zum dritten Theile umwickelt, und alsdenn fest gebunden, damit, wenn ungefähr beym Anfange des Fischens vergessen würde, die Ruthe in das Wasser zu tauchen, und dieselbe an der Spitze bräche, die Angel nicht mit dem gefangenen Fische verloren gehe.
Bey dem Fischen ist anzumerken, daß man mit dem kleinen Sprunge nur an solchen Orten des Wassers fische, wo es schnell, ja am schnellsten fließet; außerdem aber man nur an schattigen Orten, oder wo das Wasser etwas trübe ist, oder auch wo es kleine Wellen wirft, welche die Oberfläche in etwas verdunkeln, sein Glück machen kann, dagegen man mit dem großen Sprunge keinen Ort vorbey zu gehen Ursache hat.
Eben so ist, in Ansehung der zum Fischen bequemsten Tageszeit, anzumerken, daß der kleine Sprung hauptsächlich des Abends und Morgens, der große aber den ganzen Tag über zu gebrauchen sey.
Das Fischen selbst geschieht also, daß man am Ufer in die Mitte des Baches mit der Angel gegen den Fluß fährt, und die Angel so sanft, als möglich, auf das Wasser fallen läßt, hernach dieselbe herabwärts gegen das Ufer dergestalt ziehet, daß der Hüpfer, gleich einer Schnake, halb in und halb aus dem Wasser gehe. Wenn nun ein Fisch anbeißt, oder, öfters zum Erschrecken des Fischenden, mit dem größten Ungestüm an die Angel kommt, so muß man zwar sogleich anziehen, aber nicht aus allen Kräften schnellen, weil sonst das Eisen zurück bleibt, und nebst dem Fische verloren geht, oder Hauses hoch in die Höhe geworfen wird. Beißt aber eine Forelle an, die stark und 1 1/2 bis 2 Pfund schwer ist, so ist solche erst im Wasser mit beständigem Anziehen und Herumführen abzumatten, und hernach <14, 465> am Ufer heraus zu schleifen. Geschieht es hingegen, daß der Fisch nach der Angel fehl springt, und man gleichwohl glaubt, daß er gefangen sey, so wirft man nur die Angel nach demselben Fleck wieder hin, und zieht sie alsdenn wieder herwärts nach sich zu. So lange der Fisch nicht verletzt ist, kommt er gewiß wieder.
Eben diese Art der Angelfischerey, findet auch in Ansehung der Aeschen (Salmo Thymallus Linn.) Statt.
Eine Abbildung der vorbeschriebenen Geräthschaften, findet man Fig. 776.
A. Ein Angeleisen zum kleinen Sprunge, von der Seite.
B. Ein dergleichen, woran zu sehen ist, wie die pferdehärene Schnur gemacht wird.
C. Ein dergleichen, von vorn.
D. Ein dergleichen mit den daran gewickelten Federn.
E. Ein Angeleisen zum großen Sprunge.
F. Dasselbe mit den Federn.
G. Das untere Stück der Angelschnur nebst den Eisen. a b c, die untere Hälfte, an deren beyden Enden die Angeleisen befestigt sind. b d, die obere Hälfte (welche nicht ganz auf das Blatt gegangen ist), welche bey b an die untern angeknüpft ist, und mit d an die zwirnene Schnur an, gebunden wird.