Seite 2 von 2
Biber, Kormoran & Co
Verfasst: 19.07.2009, 21:44
von Lachsmaus
Hallo, Sportfreunde, es ist erfreulich, einer solchen Meinungsvielfalt zu begegnen. Vielleicht helfen einige Fakten, um die Diskussion zu versachlichen. In einem Baggersee Im"Kögelhaufen" bei Neustadt an der Donau hat Hubert Weinzierl im Jahr 1966 Biber aus Russland und Frankreich in einem vermeintlich ausbruchsicheren Gatter gehalten. Nachdem erste Tiere ausgebrochen waren, wurden weitere Biber ohne behördliche Genehmigung - die kam erst sieben Jahre später - ausgesetzt.
Inzwischen hat sich die Bayerische Biberpopulation soweit vermehrt, dass vor wenigen Jahren mit dem Export von zunächst etwas mehr als 800 Tieren in einige europäische Länder begonnen wurde. Etwa 40 davon landeten in Zoologischen Gärten! Nachdem es in Europa keine Abnehmer gibt, werden vom Naturschutz jährlich etwa 1000 Biber getötet. Ein vernünftige Wildtiermanagement, zu dem nach meiner Auffassung neben der Formulierung ideeller Ziele auch auch die Festsetzung umweltverträglicher maximaler Bestandsgrößen gehört hätte es dem Naturschutz ermöglicht, diese Exekutionen nicht klammheimlich vollziehen zu müssen.
Die Moral?
Es ist alles - auch bei den Kormoranen - eine Frage der Menge. Insbesondere dann, wenn es um Spezies geht, die keine natürlichen Feinde (mehr) haben. In Bayern wurden jetzt Managementpläne für die großen Beutegreifer Bär, Wolf und Luchs veröffentlicht. Nach einer Festlegung von Populationsobergrenzen habe ich in den Plänen vergeblich gesucht. Nach einer Rückfrage beim zuständigen Ministerium für die Gründe, weshalb quantitative Ziele nicht genannt wurden erhielt ich die traurige Antwort, der Inhalt sei der kleinste gemeinsame Nenner, auf den man sich habe einigen können.
Besten Gruß
Lachsmaus
Verfasst: 19.07.2009, 22:41
von Gammarus roeseli
Hallo,
also wenn der Bär kommt, dann soll er kommen!
Wenn er den Forellis zu nah kommt, werd ich mit ihm Fighten!!!
http://www.youtube.com/watch?v=gtOJpNwdh5g 
Verfasst: 22.07.2009, 15:58
von Cuchulainn
Erst einmal freut mich, dass ich wieder so viele Mitfliegen zum Schreiben animieren konnte. Zweitens finde ich bemerkenswert, dass fast jede Diskussion zu "Natur und Umwelt" beim Thema Kormoran landet.
@Michl: Biber werden wegen der Bauern in Fallen gefangen und Kormorane werden wegen uns Fischer und Teichwirte geschossen. Ich sehe keinen Unterschied.
@Lachsmaus: Ich gebe dir vollkommen Recht, es kann nicht sein, dass unter dem Deckmatel der Ausnahme jährlich zig Biber geschlachtet, aber wegen bes. geschützter Art nicht verwertet werden dürfen.
Ich wollte vor allem darauf hinweisen, dass zur Bestandsregulierung von Arten nicht immer der Abschuss die beste Lösung ist. Bei Arten, die in einer Naturlandschaft auch starkem Fraßdruck unterliegen ist das gut machbar, etwa beim Reh oder bei Hasen. Tiere, die so gut wie keine natürlichen Feinde haben
und auch nie hatten!!!!, sind weniger für gut durch Abschuss regulierbar.
Dazu gehören sowohl Kormoran, als auch Biber.
Bitte zum allerletzten Mal, kein Biber in Europa hatte je einen ernst zu nehmenden natürlichen Feind. Ein Wolf wird einen ... tun und einen Biber, der ihn im Zweifelsfall umbringen kann und in 2 Sekunden abgetaucht ist, angreifen. Auch für Kormorane kommen keine nennenswerte Verluste durch Fressfeinde in Frage.
Also greift man zu ungewöhnlichen Maßnahmen, wie E-Zaun und Schallkanone.
Vielen Dank für die vielen Aspekte, die wieder aufgezeigt wurden.
PS: Witziges Video, Christian. Bruno 2 soll bloß kommen!
Viele Grüße aus Regensburg,
Martin
Verfasst: 22.07.2009, 16:33
von pehers
Servus!
Also diese Differenzierung verstehe ich nicht! Gerade Tiere, die keinen natürlichen Feind haben, müssen in unserer Kulturlandschaft der jadlichen Dezimierung zugeführt werde. Ob im Falles des Bibers geschossen werden muss, weiß ich nicht, da ich keine Jäger bin. Früher meine ich wurde die Kerle gezielt mit Fallen bejagt - das kann aber mittlerweile verboten sein.
Jedenfalls ist ein Schuss besser, als das arme Tier vorher zu fangen, irgendwohin zu transportieren, um es dann doch irgendwie ums Eck zu bringen.
Im Übrigen bleibe ich dabei, dass die Fischerei wohl keinen Schaden durch Biber nimmt. Verlegte Aufstiegshilfen sind funktionsfähig zu machen. Das steht in Österreich in jedem Bewilligungsbescheid.
L.G.
Hans
Verfasst: 23.07.2009, 18:35
von Cuchulainn
pehers hat geschrieben:Gerade Tiere, die keinen natürlichen Feind haben, müssen in unserer Kulturlandschaft der jadlichen Dezimierung zugeführt werde.
Das ist nur bedingt richtig. Bei Rehen beispielsweise, die in einer Naturlandschaft schon einem gewissen Fraßdruck unterliegen, bringt Abschuss als "Fraßersatz" wesentlich mehr.
Gerade beim Biber ist der regulierende Faktor die Größe der verfügbaren Reviere. Da wirds schwierig, weil gute Reviere sofort wieder besetzt werden. Ähnlich wie ein guter Unterstand schon bald wieder von einer starken Forelle besetzt wird, wenn der Vorgänger entnommen wurde.
Der Knackpunkt ist nur, wenn ein Maisfeld ein sehr gutes Revier ist. Den Biber zu schießen/zu fangen bringt nix. Man müsste den Tieren das Revier madig machen.
Oder man hält den Bestand auf einige Reviere zurück, die aber (aus Bibersicht) bestimmt die besten der Umgebung sein werden. Aber man müsste alle 4-5 Junge jährlich entnehmen. Frag mal die Jäger, was die davon halten, einen nutriagroßen Jungbiber zu schießen, der sofort abtaucht, 20 min unter Wasser bleiben kann, in unterirdischen Bauen lebt, womöglich nachtaktiv ist, bis zu 100 km weit herumwandert und sich nur schlecht anfüttern lässt.
Viele Grüße,
Martin
Verfasst: 24.07.2009, 09:30
von pehers
Servus!
Sei mir nicht bös, aber das ist Humbug!
Bei allen Tieren ist das Revier ein limitierender Faktor. Beim Reh genauso wie beim Biber, da gibt es keinen Unterschied. Es gibt kein natürliches Revier, in dem Reh einem Fraßdruck (?) unterliegen würde. Wenn wo zuviele Rehe sind wandern sie aus. Sie fressen auch lieber den Klee, den Bauer anbaut, als irgendein "dürres Berggras" (untechnisch gesprochen). Genauso ist bei Wildschweinen, Bibern, ...
Den Jägern wird vorgeworfen, den Biber ausgerottet zu haben. Offensichtlich waren sie bei seiner Bejagung doch recht effektiv. Vielleicht kann man diese Kultur in nachhaltiger, bestandserhaltender Weise anschließen? Für den Jäger ist jedes Wild interessant. Biber würde sogar recht gut verwertbar sein - das Fell ist jedenfalls begehrt!
Die Probleme bei der Bejagung treffen genauso auf eben Wildschweine zu: Sind nachtaktiv, legen viele km pro Nacht zurück, sind extrem schlau, schädigen die Landwirtschaft,... und sind eine heiß begehrte Beute der Jäger.
L.G.
Hans
Verfasst: 24.07.2009, 11:40
von Forstie
Hallo Hans,
gut formuliert, schließe mich dem an.
Grüße,
Martin
Verfasst: 24.07.2009, 13:07
von sonouno
pehers hat geschrieben:
Die Probleme bei der Bejagung treffen genauso auf eben Wildschweine zu: Sind nachtaktiv, legen viele km pro Nacht zurück, sind extrem schlau, schädigen die Landwirtschaft,... und sind eine heiß begehrte Beute der Jäger.
L.G.
Hans
Einspruch euer Ehren:
so gern wie du meinst jagen die Jäger nicht auf Wildschwein.
In D ist immer noch jedes Wildschwein auf Strahlung zu testen was Geld und Zeit kostet. Ausserdem vermiesen auch Jogger und Pilzsammler das Ansitzen auf Wildschwein.
Verfasst: 24.07.2009, 18:38
von Cuchulainn
Hi,
bei uns zumindest werden fast keine Wildschweine mehr geschossen, weil kein Jäger wochenlang die Nacht durchmacht, um letztendlich doch nichts zu schießen. Und mitm Biber wirds genauso werden.
@ Hans: Natürlich hast du recht, aber bei Rehen (in Naturräumen) spielt Fraßdruck eine Rolle, beim Biber nicht.
Grüße,
Martin
Verfasst: 24.07.2009, 21:44
von Gammarus roeseli
pehers hat geschrieben: Vielleicht kann man diese Kultur in nachhaltiger, bestandserhaltender Weise anschließen? Für den Jäger ist jedes Wild interessant. Biber würde sogar recht gut verwertbar sein - das Fell ist jedenfalls begehrt!
Theoretisch schon, aber die Erfahrung zeigt, gibt man nach und reicht den kleinen Finger, wird in der Regel sofort versucht der gesamte Arm auszureißen und unter Umständen hat man da noch Glück gehabt!
Ich kann mir schon gut vorstellen, das der Biber für den Jäger sehr interessant ist! So einen, oder so ein par Biber könnte der Jäger sicherlich gut zu Geld machen.
Irgendwie geht es halt immer ums Geld! Oder etwa nicht?

So ein Jäger hat ja auch seine Ausgaben da ist z.B. die Pacht für das Jagdrevier, beinhaltet das Jagdrevier Landwirtschaftlich genutzte Flächen muss doch, glaube ich, der Jäger für Fraßschäden durch z.B. Schweinchen Blechen, ……
Ich hoffe das der Biber weiterhin geschützt bleibt, so kann er ungestört Gewässer renaturieren, auf diese Wiese springt für Natur/Umwelt die Fische und selbstverständlich für uns Fischer/Angler das Meiste dabei raus!

Wo es Probleme mit Bibern gibt, kann der Biberberater helfen und gut is!
@ Martin
Wieso gehst du eigentlich davon aus, dass die Sicherung mit ELEKTROZAUN der neueste Streich ist? Scheint doch wunderbar zu funktionieren! Hast du dir das ganze schon mal live aus nächster Nähe angeschaut??? (Die Kartoffelfelder am Waldrand werden auch mit Elektrozäunen gegen die wilden Schweinchen gesichert, funktioniert auch wunderbar.)
Viele Grüße Christian
Verfasst: 24.07.2009, 23:49
von Wolfgang Hinderjock
Ich hatte schon mal irgendwo hier im Forum "gebibert" und wollte es eigentlich nicht noch mal tun...
Durch diesen Thread und eine zufällig heute erschienene Pressemitteilung des NABU in unserer regionalen Tagespresse mit dem Titel "Erfolgsgeschichte Biber"(oder so ähnlich) ließ ich mich dennoch verleiten.
Ich lese in einigen Beiträgen oft, daß der Biber zur Renaturierung der Gewässer beiträgt.
Dies mag wohl stimmen, wenn die Populationsdichte einen bestimmten Grad nicht überschreitet.
Wird die Populationsdichte aber überschritten, wie dies an einigen Gewässern, beziehungsweise Gewässerabschnitten der Fall ist, dann sieht die Geschichte völlig anders aus.
Das dem so ist, das ist inzwischen auch den Mitarbeitern des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur(STAUN) bekannt.
Vor einigen Wochen fand eine Gewässerbegehung an der Warnow zum Zwecke der Kontrolle der bereits getätigten WRRL-Maßnahmen, Festlegung weiterer Maßnahmen u.s.w., mit Vertretern des STAUN Schwerin und Rostock, Vertretern der Forstwirtschaft, Fischereiberechtigten, Landesanglerverband und dem Institut Biota(wissensch. Begleitung der Maßnahmen) statt, an welcher ich als Vertreter des betreuenden Vereins teinahm.
Dabei wurde festgestellt, daß sich der Biber in einer invasiven Ausbreitungsphase befindet.
Da inzwischen die von den Bibern als Nahrung bevorzugten Weichholzarten im Gewässerbereich weitgehend fehlen kommt es zum Ausweichen auf andere Gehölze.
Da inzwischen nahezu alle Schwarzerlenbestände in weiten Bereichen "abgebibert" wurden und somit auf langen Bereichen eine völlige Uferverkahlung eingetreten ist, zeigen sich nun negative Folgen für das Gewässer.
Die Wurzelstubben der gefällten und immer wieder ihres Neuaustriebs beraubten Erlen sterben nach einer gewissen Zeit ab, unmittelbare Folge ist das Fehlen von Fischunterständen in diesen Wurzelbereichen, welche in Niederungsbächen sehr wichtig sind.
Im der Vegetationszeit mag das noch gehen, da die zahlreichen Makrophyten für ausreichende Unterstände sorgen, anders sieht das im Winter aus, insbesondere dann wenn es vermehrt zu Kormoraneinfällen kommt.
Eine weitere Folge ist eine einsetzende Ufererosion, da die verdichtenden Wurzelgeflechte fehlen, es kommt zu einer für die Abflußmenge ungünstige Verbreiterung der Bachsohle, bei gleichzeitiger Verringerung der Strömungsgeschwindigkeit, was zur Anlagerung feiner Sedimente führt, welche teils aus dem Uferabtrag bestehen.
Auch kommt es zu einem übermäßigen Wachstum bestimmter Makrophyten, welche wiederum eine Herabsetzung der Strömungsgeschwindigkleit hervor rufen.
Als Folge dessen kommt es in heißen Sommern zu einer stärkeren Wassererwärmung.
In einigen Bereichen ist ein Rückgang an Zoobenthos zu beobachten.
Auch die Bestände der Bachmuschel(Unio crassus) sind in einigen Bereichen rückläufig, warum ist noch nicht ganz klar, es gibt aber die Vermutung, daß es, durch Anlagerung sehr feiner Sedimente und organischen Detritus, den Larven der Muschel erschwert wird sich im Bodengrund zu verankern.
Als Ausweg sieht man bisher nur, darauf zu vertrauen, daß sich die momentan bestehende, wie oben schon geschrieben, invasive Ausbreitung des Bibers durch den Populationsdruck auf ein normales Maß abflacht.
Als Maßnahmen für das Gewässer ist folgendes in Planung.
Abflachung der starken Eintiefung der Bachsohle, die sich durch durch die Begradigungsarbeiten in den 1970gern ergab.
Die bereits geschaffenen Sohlgleiten sollen nochmals überdacht werden, diese sollen so abgeflacht werden, daß sich das Gefälle auf den gesamten Bereich zwischen den Sohlen aufteilt, was zu einer Erhöhung der Strömungsgeschwindikeit führt. Auch stellen einige Sohlgleiten noch Hindernisse für weniger schwimmstarke Fischarten und Rundmäuler dar, für Salmoniden sind sie jedoch kein Problem.
Die dann neu geschaffenen Uferzonen werden inselartig, bevorzugt mit Schwarzerlen auf Höhe der Hauptwasserline bepflanzt, an einigen Zonen ist an die Schaffung bepflanzter Strömunglenker gedacht.
Gleichzeitig sollen bevorzugte Nahrungsgehölze für die Biber angepflanzt werden, z. B. Weiden, die den Verbiss durch ständigen Neuaustrieb einigermaßen augleichen können(sollen...).
Fest steht, daß sämtliche Neuanpflanzungen zumindest befristet geschützt werden müssen.
Noch ein paar Randerscheinungen die der Biber so verursacht.
Da in Ufernähe schon weitgehend die Nahrungsgehölze fehlen, ist zu beobachten, daß die Tiere sich auch recht weit vom Wasser entfernen.
So marschieren sie zum Beispiel in einem Dorf durch die gesamte Ortslage, wobei sie teilweise die Dorfstraße nutzen, um am anderen Dorfende kleine Pappeln und Weiden zu fällen.
Der Teil der Biber, welche die Straße nicht mögen, geht natürlich durch die Gärten, wo leckere Obstbäume stehen...
Warum Biber ausgerechnet alte Buchen mit gewaltigen Stammdurchmessern rundum schälen und diese so zum Absterben bringen ist mir nicht ganz klar. sie tun es aber obwohl gerade da genügend besser verwertbares zu finden ist.
Auch das Abschälen von einzeln stehenden großen Nadelgehölzen ist zu beobachten, warum keine Ahnung.
Bei uns sind die Biber sehr vertraut, sie ertragen eine offene Annäherung auf etwa 5-6m, solange sie auf der anderen Bachseite sind.
Sie knuspern in aller Ruhe ihre Zweige, selbst wenn 3 Fliegenfischer auf der anderen Seite stehen und zugucken.
Wobei sich die alten Tiere als besonders zutraulich erweisen, die jüngeren sind etwas ängstlicher.
Bis zu 8 Sichtungen innerhalb einer halben Stunde in der beginnenden Dämmerung bei 300m Gehweite sind bei uns fast täglich machbar
Die Bauten, liegen am Bachlauf etwa 1-1,5km auseinander, dazwischen immer mal kleinere Unterschlupfe.
Burgen im Wasser werden bis auf eine inzwischen unbewohnte Ausnahme nicht gebaut, auch werden im Hauptfluß keine Dämme gebaut, deratiges lässt sich nur in kleinen Nebenbächen vereinzelt beobachten, wobei die Dämme eher nachlässig gebastelt werden und keinen langen Bestand haben.
Bisher wurde nur eine Aufstiegshilfe in so einem Nebenbach zeitweilig durch Holz verlegt.
mfg
Wolfgang