Hallo Christian (Gammarus roeseli),
dies möchte ich nun doch nicht ganz unkommentiert stehen lassen weil ich mit deiner Aussage nicht zu 100% einverstanden bin!
Man darf einfach nicht immer gleich alles so negativ sehen und verallgemeinern, nur weil es an einem Gewässer halt auch mal Rückschläge gab oder gibt.
Zum Ersten habe ich keinesfalls hier irgend etwas verallgemeinert oder als allgemein gültig dargestellt. Wenn ich mich recht entsinne habe ich sogar extra noch dazugeschrieben daß die Erkenntnisse wohl eher nicht 1:1 auf andere, besonders auf fließende, Gewässer übertragbar sind (sinngemäß zumindest....)
Vielmehr wollte ich die in meinem Verein gewonnenen Erkenntnisse mit anderen hier teilen, auch im Fehler zu vermeiden die andere vorher schon einmal gemacht haben. Nicht mehr und nicht weniger.... Daß Du den Link schon kanntest konnte ich ja nicht ahnen, ich gehe aber auch davon aus daß es hier im Forum viele gibt die von der Aktion nichts wußten und für die vieles davon neu ist.
Außerdem habe ich versucht, in meinem erstes Posting die Aktion möglichst wertneutral darzustellen und einfach nur, ohne meine persönliche Meinung einzubringen, auf den Link hinzuweisen um anderen die Möglichkeit zu geben sich unbeeinflußt selbst eine Meinung zu bilden.
Nach Möglichkeit aus der Negativerfahrung lernen, mit Sinn und Verstand an die Sache herangehen, sich Gedanken machen, wo die Ursachen lagen und liegen und wie man‘s entsprechend ändern kann.
Daß sich die Karlsruher Angler, zusammen mit den Fischereibiologen, keine Gedanken gemacht haben wie man die Situation verbessern kann kann man ihnen auf gar keinen Fall unterstellen, wir haben diese Kormoranbrutkolonie (natürlich unantastbar mitten im Schutzgebiet....) und noch zwei weitere Brutkolonien in einigen Kilometern Entfernung schon seit vielen Jahren, und auch die Schäden am Fischbestand sind nicht erst sein gestern.... Dazu kommen in der Rheinebene noch tausende von Wintergästen, die meisten (wie Beringungen bei erlegten Vögeln zeigten) aus Dänemark, Schweden und Polen. Und vergeßt auch die vielen Jungvögel nicht! Wir reden hier ständig vom Bestand der Brutpaare hier in Deutschland, aber bei einem Vogel der erst im 3. oder 4. Lebensjahr gechlechtsreif wird liegt der Bestand ja um ein vielfaches höher als diese Zahlen vermuten lassen. Lange Rede, kurzer Sinn: wir haben hier eine Menge Kormorane und schwer geschädigte Fischbestände, und wir machen uns Gedanken! Das dürft Ihr mir gerne glauben...
Als nächstes möchte ich noch anmerken daß das Projekt als Pilotprojekt gedacht war und während des Zeitraums in der die Untersuchungen und Beobachtungen stattfanden eine Veränderung der Situation mit großer Wahrscheinlichkeit auch eine Verfälschung des Ergebnisses nach sich gezogen hätte.
Wenn ich weiß, dass sich an dem entsprechenden Gewässer nicht bzw. nicht gleich der gewünschte Effekt einstellt, dann muss man sich halt Gedanken machen wie man‘s so verändern kann das es passt! (Wie viele Totholzstrukturen (Raubaum) nötig sind und wo diese am günstigsten eingebracht werden können damit es auch keine Probleme mit den Sauerstoff im Wasser gibt!)
Das durchgeführte Projekt hatte mit seinen 50 Tonnen Totholz schon ein riesiges Ausmaß, zumindest vom Arbeitsaufwand her. Im See nahm es letztendlich nur verschwindend geringe 0,03% des Wasserkörpers ein. Wie viel mehr Totholz soll denn dann eingebracht werden um dann zumindest realistische Chancen auf einen positiven Effekt zu haben und nicht nur weitere bequemen Futterstellen für den häßlichen schwarzen Vogel einzurichten? Und wer soll diesen gewaltigen Aufwand bezahlen und die Arbeit erledigen, noch dazu bei so geringen Erfolgsaussichten? Und es sollte auch nicht vergessen werden daß auch das Totholz selbst bei seiner Zersetzung dem Gewässer viel Sauerstoff entzieht, was bedeutet daß ein extrem hoher Eintrag in ein Gewässer welches sowieso schon Probleme mit dem Sauerstoffgehalt im Sommer hat sowieso nicht sinnvoll ist.
Das hier:
Die einfachste Lösung ist natürlich, man lässt es einfach bleiben und jammert ein bisschen rum! Das ist einfach, bequem und macht auch keine Arbeit! Applause
finde ich ehrlich gesagt extrem unfair, besonders wenn es von jemandem kommt der wahrscheinlich gar nicht weiß was die Karlsruher Angler sonst noch alles unternehmen und wie viel Geld und Arbeit dort in den Schutz und Erhalt der Fischbestände gesteckt wird!
In einem Infoblatt zum "Pilotprojekt Totholzburg" steht eben in erster Linie das was zu diesem Thema gehört. Was nicht zwangsläufig heißen muß daß alles das was dort nicht steht (weil es vielleicht nicht zu dem Thema gehört) nicht vielleicht doch existent sein kann.
Dein Vergleich der Totholzburg mit einem Schiffswrack, den Du zum Schluß ziehst, ist übrigens vollkommen richtig. Was aber wenn unvernünftige Kapitäne (wie der Kormoran das Totholz) dieses Wrack jeden Tag befischen? Was dann? Anfangs werden natürlich immer wieder Fische nachrücken sobald die anderen weggefangen sind- aber irgendwann wird es in weitem Umkreis keine mehr geben. Genau das was im Fazit des Karlsruher Projektes steht.....