Schönen Abend alle miteinander,
da meine Fischereiprüfung jetzt gerade einmal 2 Tage hinter mir liegt, kann ich vielleicht auch noch was beisteuern.
Zunächst einmal wohne ich in NRW. Das bedeutet, dass jeder der 48€ dafür aufbringt an der Prüfung teilnehmen kann. Es ist kein Vorbereitungskurs erforderlich, ich habe dennoch einen, von einem Angelgeschäft betreuten, mitgemacht. 80€ für insgesamt 8 Termine à 2h.
"Zur Auffrischung," dachte ich mir, "und vielleicht vielleicht nehm ich ja auch noch was mit."
Tja, erster Termin. 28 Leute in einem Gemeinderaum, ca 30m². Die Stunde beginnt, es werden Namen aufgerufen und abgehakt. Ein Fragebogen wird von der Leiterin abgelesen, sie stellt die Fragen, liest evtl alle möglichen Antworten vor, anschließend wird kurz gesagt, was richtig war. Keine Erklärung, nichts. Zwischenfragen werden entweder flapsig, nicht korrekt oder gar nicht beantwortet, die meist gehörte Antwort: "Das weiss ich so jetzt auch nicht."
Nachdem der Fragebegoen komplett durchgearbeitet ist, bekommen die Teilnehmer eine Kopie, die richtigen Antworten sind nicht markiert. Jetzt folgt die Gruppenarbeit. Reih um wird je eine Frage vorgelesen und anschließend vom Vorleser korrekt beantwortet. Wenn nicht, wird natürlich lautstark von allen anderen Teilnehmern zeitgleich korrigiert.
Stunde zu ende.
Die zweite bis vorvorletzte Sitzugn ähneln sich, anfangs Namensliste abhaken, den alten Fragebogen in der Gruppe vorlesen. Anschließend kommt ein neuer Bogen ins Spiel, erst wird er vom Kursleiter, anschließend von den Teilnehmern vorgetragen und korrigiert. In der schon oben erwähnten Form.
Am meisten Angst machte mir der Bogen "Umwelt und Tierschutz", der Vorschlag gefangene Karpfen erstmal 3 Tage in der Badewanne zu halten damit dieser "fiese, modderige Geschmack" rausgeht, stieß bei dem nicht gerade als Raketenwissenschaftler bekannten Publikum auf großes Interesse. Der anschließende Austausch über die besten Forellenpuffs in denen auch garantiert nicht kontrolliert wird, wurde von Kursleiter weder verhindert, noch abgelehnt.
Die letzten beiden Sitzungen waren dann dem zusammenstellen der Ruten gewidmet, ein scheinbar höchst komplexes Thema, dass locker 4h benötigt. Immerhin muss man 10 verschiedene Kombinationen aus Rute, Rolle, Schnur, Bissanzeiger, Vorfach, Haken, Köder und waidgerechtem Zubehör kennen. Hierzu gab es natürlich auch wieder einen Bogen, diesmal handgeschrieben und in tabellarischer Form. Mit Fußnoten. Und Fußnoten von Fußnoten.
Dienstag um 8 war dann die Prüfung. Anmelden musste man sich ca 6Wochen vorher persönlich bei der Stadt. Geprüft wird den ganzen Tag, Gruppen mit ca 20 Teilnehmern werden zunächst theoretisch über die 6 Bögen gefragt, hierbei werden 60 von ca 400 möglichen Fragen gestellt. Die Bearbeitungszeit beträgt 90 (!) Minuten und erfolgt per multiple Choice, es ist jeweils nur eine Antwort richtig. Bei erfolgreichem Bestehen(weniger als 10 Fehler) wird im Anschluss das persönliche Gespräch gesucht. Die Kenntnis von 41 Fischarten, 2 Krebsarten und einem Neunauge wird durch 6 aus 44 überprüft, hierbei muss man 4 mal korrekt antworten. "Das Erstgesagte zählt!"
Hat man auch das hinter sich gebracht, darf man eine der 10 Ruten zusammenstellen. Hierbei wird auf korrekte Reihenfolge des Auswählens geachtet (erst Rute, dann Rolle, dann Schnur...). Naja, und dann hat man eben bestanden. So Gott will.
So, das ist erstmal meine Geschichte.
Die Fragen in der Prüfung sind naja, vertretbar und den meisten Menschen, die dem Schreiben und Lesen mächtig sind, werden keine Probleme haben die mit oben genannte Fehlerquote weit zu unterbieten. Der Inhalt der thematisch von den Fragen abgedeckt wird ist jedoch nicht befriedigend.
Die Fischkunde und die Materialkunde sind ebenfalls leicht zu bewältigen. 10 Ruten mag sich erst einmal viel anhören, aber wenn man sich klarmacht das während der Prüfung nur die Teile für diese 10 Ruten ausliegen und sich diese 10 Ruten STARK unterscheiden, so wird das ganze dann doch wieder ganz leicht.
Als persönliches Fazit ziehe ich das folgende:
Der Vorbereitungskurs waren teure Kopien.
Die Prüfungsfragen sind in der Qualität zu vergleichen mit denen in der Führerscheinprüfung; uninteressant. Eine sinnvolle Auseinandersetzung mit der eigenen Verantwortung im Umgang mit Flora und Fauna wird nicht angeregt. Ethisch geht da eh nix. Die Schwierigkeit ist in der Nähe von "Wie schneide ich ein Brot ohne mich selbst zu verletzen?" anzusiedeln. 400 mal.
Die Fische zu kennen ist zwar nett, aber ich wage zu bezweifeln, dass ich mal eben so nen Giebel von einer Güster unterscheiden könnte, wenn ich sie in der Hand halte. Ohne Referenz natürlich - Woher sollte ich sie auch kennen, Angeln darf ich ja ohne Schein nicht.
Die Rutengeschichte ist einfach, "hat aber mit der Realität nichts zu tun", wie der Kursleiter immer sagte.
Das Land NRW muss dafür sorgen, dass nicht jeder einfach so Fische abmurksen kann, de Umfang indem dies im Moment jedoch geschieht halte ich für nicht ausreichend. Es müsste imho Pflichtkurse geben, die vom Land angeboten werden und auf ein verantwortungsvolles Fischerdasein vorbereiten. Was auch immer das heißen mag. Auf eine Prüfung kann im Anschluss dann von mir aus verzichtet werden, oder man behält sie bei, wie sie jetzt ist, jedoch mit anderen Fragen.
So. Das wars. Frust von der Seele geschrieben. Einen schönen Abend noch
