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Re: fehlbisse?
Verfasst: 01.10.2011, 22:30
von greypanther
Hallo Zivko,
auch wenn Deine Fragen nicht so ganz in den Zusammenhang dieses Fadens gehören, möchte ich Dir gerne meine Beobachtungen/Erfahrungen diesbezüglich schildern.
1. die widerhakenlose Fischerei auf Wanderfische wie Lachs und Mefo im Fluss halte ich, sorry, für Unsinn - es sei denn, das ist zwingend durch die Regulierungen des Gewässers festgelegt. Das macht die Sache aber auch nicht besser. (bevor sich einige Leute aufregen, ich bin großer Verfechter der Fischerei ohne Angstbart, wenn es auf die "stationären" Salmoniden geht!). Die Anbisse, insbesondere bei Lachs, sind so selten, dass man sich eigentlich durch diese scheinbar "schonende" Fischerei nur unnötig selbst um gute Chancen bringt.
2. nach meiner Beobachtung sind im Drill häufig springende Fische fast immer ein Indiz, dass sie schlecht gehakt sind. Irgendwie scheinen die Fische zu merken - frag mich nicht wie - dass sie nur leicht gehakt sind und suchen ihre (oft erfolgreiche) Chance, sich zu verabschieden.
3. auch die "Frische" der aufsteigenden Fische ist meiner Erfahrung nach von entscheidender Bedeutung für das Verhältnis von gehakten und wirklich gelandeten Lachsen/Mefos. Fische, welche nur erst seit kurzer Zeit im Süßwasser sind, haben ein extrem "weiches" Maul (insbesondere bei Grilsen und Mefos ist das der Fall). Haken, die nicht im Maulwinkel oder irgendwo innen im Maul Halt gefunden haben, schlitzen in dem lockeren Gewebe des Maulrandes sehr schnell aus. Nach einiger Zeit im Süßwasser ändert sich das. Das Gewebe wird fester und somit bleiben auch "schwach" gehakte Fische oft hängen.
4. schließendlich spielt auch der Wasserstand des Flusses bei der Fehlbissquote eine große Rolle. Bei hohem Wasserstand "rasen" die Fische häufig durch die Pools. Sie sind dann mega-nervös und - wenn sie überhaupt Kenntnis von der Fliege nehmen - schnappen nur kurz danach, anstatt sie richtig ins Maul zu nehmen. Ein schwacher Hakenhalt und der baldige Verlust des Fisches ist dann die Konsequenz dieses Verhaltens.
Es hilft also nur eines: immer wieder versuchen und sich nicht entmutigen lassen. Es gibt einen alten englischen Lachsfischer-Spruch: "some fish you get, some fish you loose. No matter what you do!" Und mit dieser Tatsache müssen wir halt zufrieden sein.
Re: fehlbisse?
Verfasst: 03.10.2011, 08:50
von Philzlaus
Bin zwar kein Lachsspezialist abe rich weiss vom Hechtfischen dass die gerne beim Springen langschenkelige Haken abschütteln durch die grössere Hebelwirkung durch diese. Versuch mal deine Fliegen auf Tube zu binden und ganz kurze Haken zu verwenden. Durch die Tube sollten der Haken auch in etwa auf gleicher Höhe sitzen wie zuvor beim Langschenkeligen.
Re: fehlbisse?
Verfasst: 04.10.2011, 20:13
von frisco
Hallo Klaus,
ich weis ist nicht ganz das gleiche Thema aber doch irgendwie ähnlich ob Fehlbiss oder Fisch im Drill verloren beides ist doch sehr ärgerlich
Trotzdem Danke für deine Tips ich habe schon die neuen Fliegen mit Wiederhaken gebunden.( habe eigentlich bis zu diesem Jahr nicht mehr oder weniger fische durch Haken ohne Bart verloren)
Was ich nicht wusste das die frischen Aufsteiger ein weicheres maul haben der Hinweis ist gut.
Bin nur noch beim Überlegen wann ich den Anhieb setze Kraftvoll beim ersten Kontakt oder wenn der Fisch die Fliege nimmt und ich Ihn deutlich spüre meine damit das ich Ihm etwas Zeit gebe. Ich werde es rausfinden
@ Philzlaus guter Hinweis aber ich benütze immer Kurzschenklige Haken gerade wegen der Hebelwirkung mit Tuben habe ich bis heute keine guten Erfahrungen machen können Fische mit ihnen jedes mal 2-3 Stunden kein Kontakt kaum ist der Streamer dran habe ich meisten einen Fisch vielleicht blöder Zufall aber nichts desto trotz ich werde auch in Zukunft regelmässig und Hartnäckig mit Tuben das Gewässer abfischen.
Gruß
Zivko
Re: fehlbisse?
Verfasst: 15.10.2011, 18:01
von hares ear
Hallo Zusammen,
ich habe heute das letzte Saison WE mit dem Streamer gefischt. Es ist ein Tailwater und der Stauseemeister meinte es gut mit uns, ca. 1 m mehr Wasser als letzetes WE.
Fehlbisse auf Streamer wurden meiner Meinung nach zum Abend hin weniger. Wie sind Eure Erfahrunegn mit Licht bei dem Thema?
TL
Florian
Re: fehlbisse?
Verfasst: 15.10.2011, 21:35
von greypanther
Hi Florian,
das ist ein interessanter und, wie ich meine, auch wichtiger Aspekt den Du mit dem Einfluss des Lichts auf das Beißverhalten der Forellen ansprichst.
Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass nicht nur die Helligkeit (Sonnenstand) das Verhalten der Fische wesentlich beeinflusst, sondern auch die "Qualität" des Lichts.
Helligkeit: im allgemeinen, so meine Erfahrung, nehmen Forellen (und andere Salmoniden) die Fliege bei schwindendem Tageslicht immer besser, soll heißen immer aggressiver und (mir fällt leider nur der englische Ausdruck ein) "more determined". Selbst in stockdunkler Nacht habe ich schon mit einem an der Oberfläche geführten Koppenstreamer hervorragende Fänge gemacht, wo während des Tages scheinbar nur totes Wasser war und die Fische den Streamer ignoriert hatten.
Lichtqualität: wenn sich die Sonne hinter dünnen Schleierwolken oder Hochnebel versteckt aber auch bei Nieselregen (mit dünner Wolkendecke) dringt genügend Sonnenlicht bis ins Wasser durch. Fatal dabei ist, dass es sich dabei überwiegend um polarisiertes Licht handelt. Ein Licht, das bis in die tiefsten Tiefen der Gewässer vorzudringen scheint und jeden Kiesel plastisch am Gewässergrund hervortreten lässt. Unter solchen Bedingungen sind die Fische extrem scheu und verweigern oft jedes Interesse an der Fliege oder steigen nur widerwillig und kurz nach der Fliege, von der sie dann, schlecht gehakt, schnell wieder loskommen. Sobald sich dieser "atmosphärische" Zustand ändert zeigen die Fische wieder Interesse am Köder und lassen sich fangen.
Re: Fehlbisse beim Streamern auf Forellen
Verfasst: 16.10.2011, 09:15
von troutteaser
Hallo f.h.,
nachdem schon viele gute Ratschläge gegeben wurden, nochmals kurz zum Fischen mit dem Streamer im Fluss auf Forellen:
Lichteinfall- und intensität sind ein wichtiger Faktor, das wurde weiter oben schon mal von Klaus geschrieben, ebenso natürlich auch der Wasserstand und die -trübung. Je höher das Wasser und je trüber, desto besser fängt z.B. ein füllig gebundener, größerer Streamer (z.B. Wolley Bugger oder Zonker). Bei klarem Wasser nehme ich gerne weniger füllig gebundene Muster (z.B. Clousers), wenn ich mit dem Streamer fische.
Auch die Geschwindigkeit der Köderführung spielt meines Erachtens bei Fehlbissen eine bedeutende Rolle. Ich verwende bei Ruten der Klasse 5/6 gerne eine Teeny T 130 (Sinktipschnur mit 7,3 Meter Speedsinkspitze (ca. 10 cm Sinkgeschwindingkeit pro Sekunde) oder eine Teeny T 200 bei Ruten der Klasse 7/8 (ca. 14 cm Sinkgeschwindigkeit /pro Sekunde). Mit dieser Schnur fischt der Streamer deutlich tiefer und schwingt viel langsamer mit der Strömung auf die eigene Uferseite (gerade auch bei stärkerer Strömung und tieferen Stellen), wenn man z.B. quer zur Strömung bzw. schräg stromab wirft. Deshalb hängen die Fische oft besser, als mit normalen Sinktips oder Polyleaders. Wenn man mehr Tempo bei der Köderführung braucht, strippt man schneller ein. Falls Du an Deinem Gewässer zu viele Grundkontakte haben solltest, kürze die Sinkspitze etwas oder mache das Vorfach länger (statt ca. 1 Meter gehe ich dann auf 1,30 Meter). Ich fische beim Streamern auf Forellen mit Nylon oder Flourocarbon mindestens in Stärke 0,25mm.
Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, nur einen kurzen Moment nach dem Biss zu warten und dann zügig und kräftig anzuschlagen (ggf. mit der Schnurhand), damit der größere Haken des Streamers besser oder überhaupt erst fassen kann. Gar nicht anzuschlagen, sondern nur die Rute anzuheben, hat sich bei mir beim Streamern auf Forellen nicht bewährt, gerade dann kam es häufig zu Fehlbissen.
Ich hoffe, meine Hinweise waren hilfreich.
Beste Grüße,
Emil
Re: fehlbisse?
Verfasst: 16.10.2011, 11:17
von Martin 1960
Hallo in diese Runde,
einen guten Tag wünsche ich Euch.
@greypanther,
Deinen Beitrag finde ich sehr gut, genau so ist es, klasse.
Lichtverhältnisse spielen auch nach meiner Meinung eine Rolle dabei.
Bei "trüben" Lichtverhältnissen helfe ich mit Fliegen nach,
die etwas fluoreszierendes Material haben.
@troutteaser
Dir möchte ich auch beipflichten, der Anschlag ist wichtig, gerade beim fischen mit Streamern.
Das blosse Anheben der Rute reicht oft nicht.
Habe ich Fehlbisse oder Zupfer,
so wird der "Anschlag" als eine Art "C-PickUp" ausgeführt,
also horizontal und dann bogenförmig aufsteigen in die Vertikale,
kurzer Ruck und dann als eine fließende Bewegung.
Klappt nicht immer, aber immer ... .
Fehlbisse beim Streamern auf Forellen
Verfasst: 16.10.2011, 13:33
von troutteaser
Hallo nochmals,
ich meine, das der richtige Anhieb, die Führung der Fliege und die richtige Tiefe, in der gefischt wird, eine größere Rolle spielen als das Fliegenmuster selber (Ausnahmen bestätigen diese Regel, besonders bei klarem und niedrigem Wasser). Außerdem sind der Platz, wo ich fische und wie ich werfe (wenige Leerwürfe, dezente Annäherung an den Fisch) oft weitere wichtige Schlüssel zum Erfolg.
Aber Fehlbisse bringen uns immer einen Schritt weiter auf dem Weg zu einem guten Fliegenfischer. Die Fische zwingen uns, unsere Technik und Taktik stets zu verbessern, um auch bei schwierigen Bedingungen noch erfolgreich zu sein. Ist das nicht das Salz in der Suppe?
Beste Grüße,
Emil
Re: fehlbisse?
Verfasst: 16.10.2011, 13:49
von Martin 1960
Hallo Emil,
hast recht, Fehlbisse sind ein Ansporn,
man möchte ja sehen wer da "angeklopft" hat.
Re: fehlbisse?
Verfasst: 17.10.2011, 09:40
von f.h.
hallo zusammen.
ja dass sind doch schonmal eine ganze reihe von brauchbaren tipps. vielen dank fürs posten bis hierhin schonmal.
mfg
f.h.
Re: fehlbisse?
Verfasst: 17.10.2011, 19:04
von webwood
@ Klaus,
Lieber Klaus,
du schreibst hier und auch in anderen Tröts gelegentlich vom "polarisierten Licht".
Ich könnte Dich nun anrufen, bin mir aber ganz sicher, dass dein Know How hier mehrere von uns interessiert.
Muss jetzt etwas ausholen, um meine Frage stellen zu können, sorry: (hier mein laienhafter Kenntnisstand)
Polarisiertes Licht, sind Lichtwellen die auf einer Ebene schwingen. Licht, direkt von der Sonne zur Erde ist unpolarisiert, also durcheinander, bzw auf allen Ebenen schwingend. Reflektiertes Licht schwingt wiederum überwiegend auf einer Ebene, daher funktioniert die Polbrille.
Andererseits habe ich mal gehört, Bienen würden sich anhand des polarisierten Lichtes am Firmament orientieren. Dann müsste das Licht doch immer polarisiert sein?
Was genau, bezeichnest Du als polarisiertes Licht, bzw. was sind die pysikalischen Basics zu Deiner Erfahrung.
Dein Freund
Thomas
Re: fehlbisse?
Verfasst: 17.10.2011, 20:53
von greypanther
Mein lieber Thomas,
Du bist ein Schelm! Ich denke aber, dass das hier nicht der Ort ist, sich über physikalische Grundsatzfragen des polarisierten Lichts auszubreiten. Außerdem bin ich kein Physiker, wie Du vielleicht weißt!

Die nötigen Fakten kann man in jedem guten Physikbuch oder bei Wikipedia nachlesen, z.B.
http://de.wikipedia.org/wiki/Polarisiertes_Licht
Dass Bienen (und nicht nur die) polarisiertes Licht wahrnehmen und für ihre Futtersuche ausnutzen können, hast Du ja richtig angemerkt.
Polarisiertes Licht ist eine alltägliche und ständig präsente Erscheinung in unserer Atmosphäre. Wenn das unpolarisierte Sonnenlicht auf die Erdatmosphäre fällt, wird es durch Streuung an Luftmolekülen teilpolarsiert (Stichwort: "blauer Himmel"). Was bedeutet das aber für uns Fischer? Na ja, unter bestimmten Bedingungen (Schleierbewölkung, Hochnebel oder Nieselregen) wird der unpolarisierte Teil des Lichts von den Wassermolekülen gestreut bzw. absorbiert und trifft somit nicht auf die Erdoberfläche. Ganz anders das polarisierte Licht. Es durchdringt Nebel und Eiskristalle und gelangt bis zum Boden und ins Wasser, wo es die bekannten "Aquarium"-Effekte auslöst, die uns Fischern die Tour so vermiesen. Jeder Kieselstein zeigt sich noch in Metertiefe in seiner plastischen Pracht, das Vorfach treibt wie ein Seil durchs transparent gewordene Wasser. Resultat: extrem vorsichtige Fische sowie frustrierte Fischer!
Übrigens wird der Effekt der Nebeldurchdringung bei modernen Autos ausgenutzt indem man Nebelschlussleuchten einbaut, die polarisiertes Licht ausstrahlen und so viel besser sichtbar sind als die herkömmlichen.
Bei starker Bewölkung hingegen wird auch der polarisierte Anteil des Sonnenlichts weitgehend absorbiert, das Wasser wird wieder "undurchsichtig" und die Fische erlangen ihre Beißlaune zurück. Deswegen gilt unter den Driftfischern der Spruch: "the sun is the enemy of fishermen". Und alle beten für einen bedeckten Himmel und, natürlich, auch Wind zum Driften.
Ich hoffe Vorstehendes hat geholfen, Deinen Wissensdurst einigermaßen zu stillen.

Re: fehlbisse?
Verfasst: 18.10.2011, 09:16
von f.h.
@greypanther,
bist du wirklich sicher dass du kein physiker bist?^^
sehr profesionelle erklärungen. daher spricht man also auch bei wolken und düsterem wetter vom sogenannten streamerwetter???
grüße
f.h.
Off topic
Verfasst: 18.10.2011, 11:50
von Hardy
webwood hat geschrieben:...Polarisiertes Licht, sind Lichtwellen die auf einer Ebene schwingen. Licht, direkt von der Sonne zur Erde ist unpolarisiert, also durcheinander, bzw auf allen Ebenen schwingend. Reflektiertes Licht schwingt wiederum überwiegend auf einer Ebene, daher funktioniert die Polbrille...
Thomas
moin moin, mein Lieber!
Hier wird ja heftig geschwungen! Schon mal an die Eröffnung eines Swinger-Clubs gedacht?
Groetjes
Hardy
Re: fehlbisse?
Verfasst: 18.10.2011, 21:28
von greypanther
Der Hardy wieder! Aber immer triffst Du irgendwie den Nagel auf den Kopf.
@ f.h.
ja, da bin ich mir ganz sicher! Auf meinem Diplom steht eine gaaanz andere Fakultät. Obwohl ich, in meinem früheren Leben, eine gewisse Affinität zu den Naturwissenschaften nicht ganz leugnen kann.
