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Re: Maximalgröße Huchen bayerische Flüsse

Verfasst: 21.10.2011, 13:04
von AlexWo
@clemens:

http://de.wikipedia.org/wiki/Endemit

wo liegt die Verwechslung?

Gruss

Alex

Re: Maximalgröße Huchen bayerische Flüsse

Verfasst: 21.10.2011, 13:20
von Rattensack
Hallo Alex,

Endemisch meint, dass eine Art oder andere taxonomische Einheit nur in einem bestimmten Verbreitungsgebiet vorkommt. Wird meist dann verwendet, wenn dieses Verbreitungsgebiet eher klein ist.
In diesem Sinn ist der Huchen ein Endemit des Donausystems. In Unterschied z.B. zum Hecht, der über Eurasien und Nordamerika weit verbreitet ist (der wär also ein Endemit der Paläarktis, aber das würd sicher nie jemand so sagen).
In der Argen ist der Huchen tatsächlich nicht endemisch, im der Isar oder im Inn aber auch nicht, weil er ja in vielen anderen Donau-Zubringern auch vorkommt.
Der Argen oder Die Argen??

Autochthon heißt ursprünglich heimisch.
Das würde beim Huchen für die Argen nicht zutreffen, weil sie ja im Rheineinzugsgebiet liegt. So hattest du das ja sicher gemeint.

Die beiden Begriffe werden laufend verwechselt, obwohl sie find ich schon ziemlich was anderes bedeuten.

Freundlichst und Oberlehrerhaft,
C.

Re: Maximalgröße Huchen bayerische Flüsse

Verfasst: 21.10.2011, 13:29
von AlexWo
@clemens: der Huchen ist ein Endemit des Donausystems, somit in der Argen nicht endemisch, da Rheinzufluss.... Egal, denke da dreht man sich etwas im Kreis!

"Die Argen" http://de.wikipedia.org/wiki/Argen

LG aus Oberbayern

Alex

Re: Maximalgröße Huchen bayerische Flüsse

Verfasst: 21.10.2011, 14:02
von Rattensack
Hallo Alex,

Der Satz ist logisch theoretisch nicht unrichtig (wenngleich der Umkehrschluss nicht ausreichend ist), aber falsch gemeint. Nimm autochthon oder heimisch und es drückt genau das aus was du eigentlich meinst.
Aber Wurscht, lassma die i-Tüpfelreiterei.

Danke für DIE Argen!

Clemens

Re: Maximalgröße Huchen bayerische Flüsse

Verfasst: 21.10.2011, 14:24
von Maggov
Hi Clemens,

das mit der Alz macht Sinn denn nach den Abschnitten die ich kenne weißt sie die ähnlich verkehrte Welt wie die Würm auf nämlich einen Verlauf von der Brachsenregion in die Äschenregion... :)

Von Fängen in der Traun (wäre ja dann auch theoretisch denkbar) ist mir nichts bekannt - wahrscheinlich haben die vor den dicken Rainis Schiß :mrgreen:

LG

Markus

Re: Maximalgröße Huchen bayerische Flüsse

Verfasst: 21.10.2011, 14:25
von Siegfried.
Hallo Alex,
wenn ich gerade mal meine fachmännische Meinung dazu einerfen dürfte?

[menschliches Verdauungsprodukt an] nur zu weiteren Erläuterung von Clemens´ richtigen Ausführungen. Ich habe mir die Bedeutung des Endemiten anfangs immer mit der Ähnlichkeit zum Eremiten gemerkt. Der sitzt auch ganz allein auf einem Berg und kommt von dort nicht wieder runter. Das gilt auch für die Endemiten, die als Art auch nur kleine Flecken auf der Welt bewohnen. Sehr häufig z.B. Inseln (Madasgaskar ist voll davon), aber bei uns z.B. auch Berge, die früher Inseln waren sogar im Eis. Berühmt ist u.a. der Monte Baldo am Gardasee auf dem, und nur auf dem u.a. die Monte Baldo Teufelkralle, die MB Schachbrettblume und der MB Steinbrech vorkommen und diesen auch nicht verlassen, obwohl das Eis längst weg ist, das sie früher da oben auf dem einzigen eisfreien Fleck festgehalten hat. Ein noch extremeres Beispiel ist das Galmeiveilchen aus meiner Gegend hier, dass nur auf einem einzigen Fleck von ca. 1 ha Größe im Sauerland autochthon (ursprünglich!) vorkommt, wo das namensgebende Bleierz natürlicherweise an die Oberfläche tritt. Mit den Bergleuten hat es sich dann in den letzten Jahrhunderten auf deren Halden viel weiter u.a. bis über den Rhein in die Eifel verbreitet. Letztlich ist es aber sowohl autochthon als auch endemisch nur auf dem einen Fleck. Endemiten unter unseren Fischen sind z.B. die Ochridseeforellen, die Weichmaulforelle oder der Groppenbarsch. Die Marmorata (Adriaforelle) stellt den Übergang dessen dar, was man gerade noch, oder schon nicht mehr als Edemit betrachtet, weil zwar begrenzt, aber regional doch recht weit (Po bis Neretva) verbreitet [menschliches Verdauungsprodukt aus].

Klar soweit?

C.J.S.

Re: Maximalgröße Huchen bayerische Flüsse

Verfasst: 21.10.2011, 15:35
von gespliesste
Hallo,

@Clemens und Siegfried: Danke für die fachmännische Begriffsklärung - ich finde so was immer spannend !!

Jetzt weiss ich auch, dass ich mir an den kalten Wintertagen nicht mehr mit meinen Huchenstreamern an der Argen die Eier abfrieren muss. Profane Besatzfische ... nicht autochtones Gelump ... päh :wink:

Ich hätte dann noch zwei Fragen:

1. Mir hat vor kurzem jemand berichtet, dass man neuerdings rausgefunden hätte, das der Hucho taimen und der Hucho hucho genetisch identisch sind? Stimmt das?
2. Sind die slowenischen Huchen z.B. in der Sava autochtone Bestände, oder Besatz?

LG,

Olaf

Re: Maximalgröße Huchen bayerische Flüsse

Verfasst: 21.10.2011, 15:43
von Rattensack
Hallo Olaf,

1) Huchen und Taimen sind sehr eng verwandt, bereits seit den 1960er Jahren wenn ich mich nicht irre meinen manche Experten, dass sie als Unterarten einer Art geführt werden sollten. Holcik hat diese Hypothese als Basis für ein ganzes Buch verwendet.
Neuere genetische Studien bestätigen eine enge Verwandtschaft. Der Artstatus ist hier eher von der Definition einer Art abhängig, weniger von molekularbiologischen Ergebnissen.
Bei Interesse schick ich dir gern neue Arbeiten dazu.
2) die Save (Donauzubringer) war immer ein ausgesprochen starker Huchenfluss, wie auch eine ganze Reihe weiterer ex-jugoslawischer Flüsse (Drina, Drava = Drau, Mura = Mur, ..).

LG,
Clemens

Re: Maximalgröße Huchen bayerische Flüsse

Verfasst: 21.10.2011, 16:22
von Siegfried.
Hej, Wieso hat sich mein [ Klugsch eissermodus] in {menschliches Verdauungsprodukt] verwandelt?

Hallo Olaf,
vorsichtig mit dem Gelump, da fällt dann manches drunter was uns lieb und teuer und ganz und gar nicht einheimisch (Pommes z.B. :mrgreen: ) ist.
zu 1 weiß nich? Möglich, da sehr nah verwandt.
zu 2 Sava => Drawa => Donau = autochthon! Idrica => Soca => Adria = allochthon (wenn der Hucho da wäre) Soca-Äsche = autochthon und als Unterart endemisch
Interessantersind da schon alle polnischen Huchen, die sind über den Kamm des Karpatenbogens getragen worden, vermehren sich dort jetzt aber selbst, sind also mittlerweile ein Teil der polnischen Wildfauna. Wann sie als integriert oder gar als heimisch betrachtet werden? Frag den Marderhund oder den Kormoran oder in deiner alten Heimat GE den Masureschinsky. Übrigens hab ich früher mal gelesen, dass man Huchen sogar erfolgreich zu den dort heimischen afrikanischen!! Bachforellen im Atlasgebirge eingeführt haben soll. Ob das immer noch stimmt weiß ich aber nicht.

Glück auf

Siegfried

Re: Maximalgröße Huchen bayerische Flüsse

Verfasst: 21.10.2011, 18:19
von gespliesste
Hallo,

vielen Dank für eure Antworten!
Siegfried. hat geschrieben:vorsichtig mit dem Gelump, da fällt dann manches drunter was uns lieb und teuer und ganz und gar nicht einheimisch
Ist schon klar, im Grunde ist doch der ganze Ruhrpott eine riesige allochtone Ansammlung - alles nur Besatz ... :wink: trotzdem liebenswert!

Glück auf,

Olaf

Re: Maximalgröße Huchen bayerische Flüsse

Verfasst: 22.10.2011, 11:08
von Maggov
Siegfried. hat geschrieben:Hej, Wieso hat sich mein [ Klugsch eissermodus] in {nicht gut] verwandelt?
Hi Siegfried,

die neue Forensoftware hat einen Wortfilter - ich denke der mittlere Teil steht da wohl drin...

LG

Markus

Re: Maximalgröße Huchen bayerische Flüsse

Verfasst: 22.10.2011, 12:10
von Siegfried.
Hallo Markus,
so hatte ich mir das schon gedacht, deshalb ja auch der Leerzeichentrick, hatte bloß nicht damit gerechnet, dass der so empfindlich ist. Kann ja mal versuche ein bißchen loszufluchen Blöde alte menschliches Verdauungsprodukt hier ... ne hab dann hier abgebrochen, müsste mich da denn selbst zensieren, da nur die Klassiker gefiltert werden, der ganze modere Schmipfwortschatz geht anscheinend durch inclusive the "fucking hell".

Angelsächsisch kann man jedenfalls kann schön vom Leder ziehen, deshalb

I piss off

Peace Siegfried

Re: Maximalgröße Huchen bayerische Flüsse

Verfasst: 22.10.2011, 15:46
von Gammarus roeseli
Hallo Clemens,

vom den Huchen aus dem Regen sind soweit ich weiß, nur zwei Fische bei der Presse und anschließend in den Zeitschriften gelandet.

Huchen gefangen 2003 (?)
33 Pfund 117 Zentimeter

http://www.angelurlaub.de/20200/20200h1 ... l_hu_k.jpg

Huchen gefangen am 5. Januar 2006
36 Pfund 116 Zentimeter
http://www.raubfisch.de/r30/vc_content/ ... 120014.jpg

http://www.raubfisch.de/454,695/

Beide Fische aus dem Bereich des Zusammenflusses vom Schwarzen und Weißen Regen. (Gemeinde Blaibach)

Ab dem Zusammenfluss von Weißen Regen in den Schwarzen Regen trägt der Fluss den Namen Regen.

Den Huchen aus dem Schwarzen Regen ist es auf Grund von zwei Stauseen nicht möglich in den Regen abzuwandern.
Ca. 200- 300 m oberhalb vom Zusammenfluss des W. Regen in den S. Regen versperren/verhindert zuerst der (Stausee) Blaibacher See und anschließend (Flussaufwärts) der Höllenstein- Stausee ein abwandern der Huchen aus dem S. Regen in den Regen.
In den Weißen Regen können Huchen auch nur so ca. 100 -200 m einwandern (Laichzeit!?) bis zum Turbinenauslauf der Lernbechermühle. (Das Wasser des W. Regens ist sehr klar, riecht allerdings im bereich der Lernbechermühle irgendwie nach Kläranlage. :x

Interessant ist vielleicht noch, habe am (Stausee) Blaibacher See bzw. im Staumauerbereich nahe Turbineneinlauf gesehen, wie Strudel immer wieder bis an die Wasseroberfläche entstehen. Denkbar ist für mich, dass auf diese Art in Hitzeperioden das angesaugte warme Oberflächenwasser aus dem Stausee, zu Temperaturschwankungen im Regen führen könnte. Das Wasser aus dem Stausee macht auf mich auch einen stärker angetrübten Eindruck. Ein paar Kilometer flussabwärts wird das Wasser nach und nach wieder deutlich klarer und könnte (!) den Huchen sicher einen recht guten Lebensraum bieten.

Am Regen werden (sicher auch aus Eigeninteresse :? ) mit Fleiß merkwürdige Gerüchte in die Welt gesetzt und so der Ruf des Huchens ruiniert. Behauptungen machen die Runde wie, der Huchen sei eine Fressmaschine (!) oder im S. Regen hat sich der Huchen so stark vermehrt, dass er zur Plage geworden ist. :roll: Ich kann da nur noch Kopfschütteln!!!

Habe mal gehört, der Fischereiverein Cham setzt (!?) Huchen in den Regen.
http://www.fischereiverein-cham.de/
Vielleicht gibt es von dort noch weitere Informationen über kapitale Huchenfänge aus dem Regen.

Von den gesetzten Huchen im mittleren/ unteren Regen (Barbenregion) wird sicher noch nicht mit kapitalen Fängen zu rechnen sein.
Hörensagen:
Man hört halt, dass der Ein oder Andere kleine Huchen (?) unter dem Namen "kapitale Regenbogenforelle" verschwindet. Manche Mitmenschen sind halt gierig andere erzählen sehr, sehr viel … Gerüchte sind nur Gerüchte und müssen mit der Wahrheit nichts zu tun haben ...

LG
Christian

Re: Maximalgröße Huchen bayerische Flüsse

Verfasst: 22.10.2011, 15:57
von Bernhard
Hallo!
Übrigens hab ich früher mal gelesen, dass man Huchen sogar erfolgreich zu den dort heimischen afrikanischen!! Bachforellen im Atlasgebirge eingeführt haben soll. Ob das immer noch stimmt weiß ich aber nicht.
Lieber Siegfried, davon hab ich auch gelesen, mir ist aber nichts bekannt, dass die Art dort noch existiert (in Nordafrika sind übrigens autochthone Bachforellenbestände belegt). Ebenso hat man auch mal vergeblich Versuche angestellt, den Huchen in der Themse einzubürgern.

Um zum Thema Endemiten, heimische Arten etc. auch noch was beizutragen: Gerade die Begriffe "heimisch" und "einheimisch" werden oft sehr schlampig gebraucht. Bei Euch in Deutschland gilt beispielsweise der Sonnenbarsch als "heimische Art", obwohl dieser aus Amerika eingebürgert wurde. Es handelt sich aber zweifelsohne um eine ursprünglich nicht einheimische (=allochthone) Art. Im Gegensatz dazu gelten als autochthone oder indigene Arten solche, welche ursprünglich einheimisch sind. Dies sind Arten, welche die letzte Eiszeit überdauert haben bzw. postglazial eine selbständige Wiederbesiedelung (ohne direkte oder indirekte Beeinflussung des Menschen) aus Refugialräumen durchlaufen haben.
Der Huchen ist im Donaugebiet autochthon und, da sich sein natürliches Verbreitungsgebiet nur auf dieses beschränkt (ich lasse jetzt die Diskussion um den Artstatus von Hucho hucho und Hucho taimen außer Acht), ein Donau-Endemit. In der Argen oder wo auch immer man ihn eingebürgert hat, ist der Huchen allochthon. Da diese Einbürgerung nach 1492 stattgefunden hat, handelt es sich nach der Definition von Kinzelbach um ein Neozoon. Wäre dies vorher geschehen, spräche man von einem Archäozoon.

Ich hoffe, jetzt ist die Verwirrung komplett ;-)

Bernhard

Re: Maximalgröße Huchen bayerische Flüsse

Verfasst: 23.10.2011, 11:10
von Rattensack
Hallo Christian,

vielen herzlichen Dank für die ausführlichen Infos zum Regen!
Ich schick dir eine PN!

Clemens