Bernd Ziesche hat geschrieben:An eine Legitimation (Rechtfertigung) gegenüber dem Fisch denke ich überhaupt nicht. Weder bei der Entnahme noch beim Zurücksetzen eines Fisches.
Wie bereits geschrieben, rechtfertige ich mich auch nicht für meine Leidenschaft (dem Angeln) bzw. habe kein Bedürfnis dafür.
Lieber Bernd,
nein, im letzten (oder vorletzten) Fred zum Thema C&R denkst Du nicht daran, Dich für Deine Leidenschaft (das Angeln) zu rechtfertigen. So weit, so gut.
Deine Argumentation im 3. Fred zum Thema kommt mir merkwürdig bekannt vor. Wenn in Deiner Zitatensammlung auch noch einige der berühmtesten Fischer unserer Zunft zu Wort gekommen wären, dann hätten wir gleich noch einen religiösen Aspekt behandeln können.
Genug der Frotzelei - an anderer Stelle hab ich mich als „advcocatus diabolo“ bezeichnet, um einen Widerpart aus tierschutzrechtlicher Sicht in unsere Diskussion zu bringen. Nicht zuletzt deswegen, weil wir hier im öffentlichen Raum nicht allein sind! Nach Deinem letzten Post (Antwort auf Hardy) relativierst Du ja manch frühere Aussage, dennoch möchte ich einige Punkte ansprechen:
Bernd Ziesche hat geschrieben:Unterm Strich würde ich einem jeden Angler, der angeln geht, um einen Fisch essen zu können, davon abraten, dies zu tun. Denn es gibt wahrlich schonendere, effektivere und günstigere Methoden, Fische (selbst) zu fangen oder zu bekommen.
Lieber Bernd, bitte komm nicht wieder mit der Methode des Elektrofischens oder propagiere industriell genutzte Formen des Fischfangs. Als Fliegenfischer verfügen wir über eine sehr schonende (bezogen auf die Mortalitätsraten) Art des Fischfangs, die man z.B. in Mittelgebirgsregionen effektiv und günstig betreiben kann. In Küstenregionen sieht es naturgemäß anders aus.
Bernd Ziesche hat geschrieben:In vielen Ländern läuft es eben längst nicht darauf hinaus, dass der einzige vernünftige Grund angeln zu gehen, der Verzehr des Fisches ist. Und auch bei uns in Deutschland sehen viele Angler noch erheblich mehr vernünftige Gründe, um angeln zu gehen (siehe auch die Meinung des von mir zitierten Rechtsexpertens Herrn Weber).
Lieben Gruß
Bernd
Das ist falsch. Du konstruierst einen Zusammenhang, den es so nicht gibt. Dir mag es nicht gefallen, aber in Deutschland genügen Motive wie „Bedürfnisbefriedigung“, „Gesamterlebnis des Angelns“, „Freude am Drill“ oder „Naturerlebnis“ eben nicht um damit zu rechtfertigen, dass Du freilebende Wirbeltiere fängst, sie tötest und sie Dir aneignest. Hier schützt der Gesetzgeber die Kreatur und beugt möglichem Missbrauch vor.
Bernd Ziesche hat geschrieben:Meine Meinung ist eindeutig: Die meisten Angler gehen nicht angeln, weil es ihr oberstes Ziel ist, einen Fisch zu essen. Vielmehr suchen sie das ganze Angelerlebnis mit allem was dazu gehört.
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p.s.: Vielleicht wäre eine anonyme Umfrage (per Forum) ob der/diejnige angelt, um a) einen Fisch zum Verzehr zu beschaffen oder b) das Gesamterlebnis zu genießen interessant?
Es wurde schon oft betont: Diese von Dir intendierte Polarität existiert nicht in der Realität!
Warum sollte der Verzehr des Fisches am Ende eines gemeinsamen Angeltages nicht genau so zum Angelerlebnis gehören, wie die Situation am Bindetisch oder die Diskussion über die Fliegenwahl?
Ich erinnere mich gerne an Abende, an denen wir selbstgefangene Fische zubereitet haben und sie schließlich feierlich mit dem gebotenem Respekt verspeisen konnten. Ob in einer alpinen Berghütte oder an Küstenregionen bzw. auf Inseln – stets stand die Kreatur Fisch im Mittelpunkt und war Ausgangspunkt vieler Diskussionen.
Schade, dass Du erst jetzt mit der Schilderung Deiner "Senfforelle" kommst, oder haben wir Dich mit unserer Sicht überzeugt? Ich würde als Vorspeise ein Rezept aus gebeitzter Meerforelle, Schwarzbrot und Aalborg Aquavit anbieten.
Vielleicht kann sich der ein oder andere an die Geschichte mit dem spektakulären Huchenfang in München erinnern, der vor Jahren in der Zeitschrift „Fliegenfischen“ stand. Die Vorgeschichte, der eigentliche Fang und das nachfolgende Essen unter Freunden – all das wurde als beispielhaftes Angelerlebnis geschildert und genau diese Situation liebe ich so an meinem Hobby und genau deswegen gehe ich gerne angeln.
Ich kann mir weiterhin vorstellen, dass sich an meiner Motivation und der meiner Vorfahren seit mindestens 10000 Jahren nichts geändert hat. Insofern sublimieren wir vermutlich prähistorische, längst verschollen geglaubte Triebe und kultivieren sie unter gesellschaftlich legitimierten Handlungen wie "Fliegenfischen". Wer weiß das schon?
Liebe Grüße,
Olaf