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Re: Frust abbauen...
Verfasst: 09.12.2013, 02:41
von MuddlerMinow
Hi Alex,
Deiner Logik folgend, müssten in Bayern, bei staatlicher Leitung, lauter Wildfischbestände entstehen. Das kann doch nicht Dein Ernst sein!
Ich kann nicht so pauschal über Bayern urteilen, wie Du es machst. Grundsätzlich ist Deutschland ein Industrieland und unberührte Natur gibt es de facto überhaupt nicht mehr bei uns. Ich denke aber, dass Dein Urteil, wie alle pauschalisierungen, weitgehend falsch ist.
Du relativierst Dir ansonsten alles sehr charmant zurecht, in Canada sind es halt wie überall die wirtschaftlichen Interessen, in der Schweiz ist es nur zur Hälfte Schweiz und immerhin man untersucht ja..
Das ist, bitte verzeih, eine sehr hohle Art der Argumentation, wenn auch ganz im Trend unserer Zeit.
Du solltest eines nicht vergessen: der Schweizer Staat sowie der Canadische, sind weltweit mit die erfolgreichsten Staaten, was Effizienz und Beständigkeit angeht. Trotzdem passieren dort zahlreiche, sehr bedauernswerte Dinge.
Das alleine reicht mir, um den Staat als alleinseligmachend abzulehnen. Das ganze nun aber auf andere Länder übertragen zu wollen, ist in meinen Augen naiv, wenn nicht tragisch.
Letztes mal ging's (mal wie Du pauschalisiert) jedenfalls in Deutschland ganz ordentlich schief.
Re: Frust abbauen...
Verfasst: 09.12.2013, 02:43
von MuddlerMinow
P.S. Ich hatte in der Tat erst den falschen Link drin..aber auch ein gutes Beispiel für staatliche Obhut: die Lachslizenzen werden in Chile Lebenslang vergeben

Re: Frust abbauen...
Verfasst: 09.12.2013, 12:43
von Werbe
Hallo Alex,
AlexWo hat geschrieben:nur mal kurz, die Schweiz und sämtlich Provinzen Kanadas machen vor, dass staatliche Obhut das Beste ist! Heißt ja nicht, dass es deshalb keine Vereine geben kann, nur gehört ein so komplexes Thema wie Gewässerhege nicht in Laienhände! Was dabei rauskommt sieht man ja in Bayern vielerorts sehr deutlich!
Viele Grüsse
Alex
nur mal kurz, in der Schweiz und z.B. in Belgien (weitgehende staatliche Vorgaben) kann man die Fliegenfischerei "vergessen", weil an vielen Gewässern jeder alles darf- einschließlich Grund-Spinnangeln-Minifische mitnehmen. In Kanada ist die Bevölkerungszahl im Verhältnis zu den vorhandenen Fischen, die geographische Größe so diametral den deutschen Verhältnissen entgegengesetzt, dass da z.B. gar keine Vereine möglich wären- oder soll da
ein Verein ein Gebiet von der Größe Bayerns fischereilich bewirtschaften?
Ich könnte nun einige Beispiele bringen, bei denen "staatliche" Eingriffe seitens der Oberen Fischereibehörde zum fischereilichen Aus am jeweiligen Gewässer führten, kann das aber aus nahe liegenden Gründen nicht öffentlich tun.
Misswirtschaft möchte ich mit Folgendem nicht salonfähig machen, aber vielleicht solltest Du einmal die Gratwanderung bedenken, die Vereinsvorstände zu bewältigen haben: Einerseits müssen sie es ihren Mitgliedern recht machen, weil sie deren Beiträge brauchen, um das Gewässer überhaupt zu pachten und zu bewirtschaften, andererseits müssen sie die Bewirtschaftung an sachlich richtigen Erfordernissen ausrichten.
Ich möchte nicht in der Haut so manches Vereinsvorsitzenden stecken- der den
örtlichen Gegebenheiten entsprechend seine Entscheidungen treffen muss.
Das
kann die Fischereibehörde so überhaupt nicht.
Gruß
Werner
Re: Frust abbauen...
Verfasst: 09.12.2013, 13:05
von orkdaling
Eigentlich wollte der Autor seinen Frust loswerden, verstehen kann ich ihn irgendwie und Old Germany ist ja bekannt fuer seine Vereinsmeierei.
Nun geht die Diskussion aber in eine andere Richtung - der Ruf nach dem Staat.
Ich versuch`s mal ganz einfach; wer ist der Staat - das Gemeinwesen - das sind wir alle - auch bei unterschiedlichen Staats- und Regierungsformen.
Mit dem Staat meinen wir jedoch die Regierung und dessen Ministerien und Behørden (Postensicherung und Vetternwirtschaft eingeschlossen, hahaha)
Die Staatsform wird sich nicht ændern aber die Regierungen kommen und gehen und" was størt mich mein Geschwætz von gestern" (Zitat eines alten
deutschen Staatsmannes) pløtzlich werden aus Gegnern Freunde, die Karten werden neu gemischt, Gesetze geændert ... die forelle schwimmt aber im selben
Bach. Der Staat ist meiner Meinung nach wenig geeignet bzw kønnen wir uns nicht nur in seine Arme legen, er wird`s schon machen.
(wenn er nicht eben mal wirtschaftlichen Zwængen folgen muss oder der Lobby zuhørt und ganze Entwuerfe als Gesetz verabschiedet werden)
Der Staat sollte festlegen das alle Besatzmassnahmen unter wirtschaftlichen und økologischen Aspekten nur !!! von Experten (Biologen usw.) zu erfolgen haben,
mehr geht dem Staat nicht an und auch nicht dem 1.Vors. von Klein Kleckersdorf.
Wie es enden kann sehen wir gerade hier in Norwegen. Fjorde/Fluesse mit reichlich Lachs und besonders Meerforellen sind pløtzlich leer,dafuer werden es mehr Lachsfarmen. Erst wird alles bestritten (Umweltschæden, Lachslaus usw.)dann duerfen wir im Mærz /Apr. hier im Trøndelag nicht mehr auf Meerforelle fischen um die Bestænde zu schonen und die "Grossen" (Harvest, Lerøy...) produzieren nun z.B. in Chile und Dank der guenstigen Lufttechnik speisst man den Lachs in Europa.
(zahlen die eigentlich Co2-abgabe - jedenfalls wir Fischer fuer Verbrennungsmotoren)
Mehr Staat - aus den o.g. Beispielen - nein Danke !
Gruss
Hendrik
Re: Frust abbauen...
Verfasst: 09.12.2013, 13:18
von Frank.
orkdaling hat geschrieben:was størt mich mein Geschwætz von gestern" (Zitat eines alten deutschen Staatsmannes)
Nur mal ganz am Rande dieser Diskussion: Dieses Zitat wird seit Jahrzehnten immer wieder Konrad Adenauer zugeschrieben - der das aber tatsächlich
nie gesagt hat. Überhaupt ist der Satz keinem Politiker zuzuweisen - es handelt sich um ein untergeschobenes Kuckucksei.
Euer Frank
Re: Frust abbauen...
Verfasst: 09.12.2013, 16:48
von orkdaling
Hallo Frank,
den meinte ich nicht. Dieser Ausspruch (hørte ich im Geschichtsunterricht) stammt vom alten Fritzen (Preussenkønig) und wird in Filmszenen
mit eben diesen eingesetzt.
Aber egal, es ging mir um den Besatz und die Rolle des Staates.
Gruss Hendrik
Re: Frust abbauen...
Verfasst: 09.12.2013, 16:56
von Frank.
orkdaling hat geschrieben:stammt vom alten Fritzen (Preussenkønig) und wird in Filmszenen mit eben diesen eingesetzt.
Ja, mit diesem angeblichen Ursprung wird das Zitat auch gelegentlich versehen. Stimmt aber auch nicht. Es war der (ansonsten einigermaßen unbekannte) preußische Politiker
Friedrich Althoff, der das so ungefähr in die Welt gesetzt hat.
Dein Frank
Re: Frust abbauen...
Verfasst: 09.12.2013, 17:08
von Mindelpeter
Hi Alexwo,
also mein Fazit deines Postings, du willst nicht mehr in Bayern fischen. Ok.
Fische weiterhin bei dir, mit Forellenschonmaßen von 22 cm und bei den Äschen von 28 cm. Wildfische gibt's bei mir im Wasser übrigens auch. Pelletsfresser leider nur im Baggersee. Die haben aber keine runden Flossen, sind halt nur normale Regenbogenforellen.
Wir bewirtschaften so nebenbei zwei Wald/Wiesen Bäche mit Brutboxen, die unseren Besatzstamm bildet.
Wieviel Stunden Arbeit freiwillig investiert werden, schreibe ich hier jetzt nicht. Ist ja auch egal. Ob das unter Hege fällt, kannst du sicher besser beurteilen, Alex.
Viele Grüsse
Peter, nicht Peer.
Re: Frust abbauen...
Verfasst: 09.12.2013, 17:22
von HansAnona
Frank. hat geschrieben:orkdaling hat geschrieben:stammt vom alten Fritzen (Preussenkønig) und wird in Filmszenen mit eben diesen eingesetzt.
Ja, mit diesem angeblichen Ursprung wird das Zitat auch gelegentlich versehen. Stimmt aber auch nicht. Es war der (ansonsten einigermaßen unbekannte) preußische Politiker
Friedrich Althoff, der das so ungefähr in die Welt gesetzt hat.
Dein Frank
Ich sehe, das Niveau des Threads geht allmählich etwas nach oben. Danke dafür.
Liebe Grüße,
Alf
Re: Frust abbauen...
Verfasst: 09.12.2013, 17:42
von Werbe
Hallo,
HansAnona hat geschrieben:Frank. hat geschrieben:orkdaling hat geschrieben:stammt vom alten Fritzen (Preussenkønig) und wird in Filmszenen mit eben diesen eingesetzt.
Ja, mit diesem angeblichen Ursprung wird das Zitat auch gelegentlich versehen. Stimmt aber auch nicht. Es war der (ansonsten einigermaßen unbekannte) preußische Politiker
Friedrich Althoff, der das so ungefähr in die Welt gesetzt hat.
Dein Frank
Ich sehe, das Niveau des Threads geht allmählich etwas nach oben. Danke dafür.
Liebe Grüße,
Alf
ja das finde ich auch. Wenn wir uns zusätzlich noch über die Aussprüche Kaiser Wilhelms des Zweiten statt über das eigentliche Thema unterhalten, geht das Niveau des Threads womöglich noch mehr nach oben.
Gruß
Werner
Re: Frust abbauen...
Verfasst: 09.12.2013, 18:05
von MuddlerMinow
Alf, wenn Du weiter so inhaltsschwer in diesen thread postest müssen wir allmählich über den Druck nachdenken

Re: Frust abbauen...
Verfasst: 09.12.2013, 19:28
von AlexWo
Hallo!
Ich kann natürlich weder ganz Bayern beurteilen, noch die ganze Schweiz oder gar Kanada, sondern kann nur wiedergeben, wie es mir so ergangen ist u. was ich beobachtet habe!
Für den Bereich der Schweiz den ich bewohne kann ich nur sagen, dass mir hier die fischereiliche Bewirtschaftung besser gefällt als in den Gewässern, die ich bisher in Oberbayern befischt habe (bis auf wenige Ausnahmen, die jedoch keine Vereinswasser waren). Wie sieht es denn in den Vereinen dort aus? Wenn wenig gefangen wird, rufen die Mitglieder den Gewässerwart an und bauen Druck auf, der will natürlich wiedergewählt werden und bestellt gleich wieder Speisefische! Bachforellen aus ewiger Domestikation stammen, diese Fische haben mit den ursprünglichen Forellenbeständen absolut nichts zu tun! Selbst wenn sie intakte Flossen haben!
Wie gesagt, ich bin nach wie vor der Meinung, dass so komplexe dinge wie die Bewirtschaftung eines Gewässers nicht in die Hände von Laien gehört und nichts anderes sind die Leute doch, selbst nach Besuch eines Lehrgangs für Gewässerwarte....
Ja, schön, heut wird mit Brutboxen gearbeitet, nächstes Jahr wird dann ein anderer Vorstand gewählt, der knallt dann wieder Möpse rein! Und zum Schluss sei mir die Frage erlaubt, wo sind denn meist die Eier her, die da in die Boxen gebettet werden!
Ach ja, hier im Wallis, ist es halt so, dass die Gewässer teils in großer Höhe liegen, oder aus Gletschern entspringen usw. ... Wie gross sollen denn da die Forellen sein?
Ist doch nicht so, dass es in solchen Gewässern früher von 35cm Forellen gewimmelt hat. Und mit Eurer Bespassung der Gewässer macht Ihr Euch nur etwas vor, bzw. tut auch den verbliebenen Wildfischen keinen Gefallen.
Viele Grüsse
Alex
Re: Frust abbauen...
Verfasst: 09.12.2013, 19:58
von Frank.
AlexWo hat geschrieben:Ja, schön, heut wird mit Brutboxen gearbeitet, nächstes Jahr wird dann ein anderer Vorstand gewählt, der knallt dann wieder Möpse rein!
Lieber Alex,
ein personeller Wechsel in den Vorständen von Angelvereinen kommt - soweit ich das beurteilen kann - tatsächlich oft nur alle paar Jahrzehnte zustande. Und der Grund ist sehr einfach: Das ehrenamtliche Engagement kostet immens viel Zeit, und es gibt nun einmal zu wenige Menschen, die bereit sind, diese Zeit herzuschenken. Das ist einerseits sehr schade, andererseits bedauerlicherweise auch verständlich – zumal in Angelvereinen, in denen es man in der Regel niemandem wirklich Recht machen kann und in Abstimmungen bei den absurdesten Gelegenheiten Niederlagen erleidet. Das ist ein ganz, ganz schwieriges Thema mit komplexen soziologischen Hintergründen; gerade in Angelvereinen scheinen mir die "Wutbürger" immer wieder über die "Mutbürger" zu triumphieren.
"Wut" ist auch leichter durchsetzbar als "Mut". Und die "Möpse" liegen all zu vielen Kochtopffischern schlicht näher als die "Brutboxen". Insofern kann ein Vorstand, der in einem Jahr bei der Jahreshauptversammlung erfolgreich ein Aufzuchtkonzept durchsetzt, im nächsten Jahr grauenhaft abgestraft - "Keine Fische drin!" – und zum Mopsbesatz
überredet werden.
Bei uns haben wir einen Mittelweg gefunden: Wir haben ein sehr leicht zugängliches Gewässer, in das die "Möpse" geknallt werden, aber auch einen abgelegenen, schwierig zu erreichenden Fluss, in dem es keinerlei Besatz gibt. Kompromisslösung.
Zum Eingangsbeitrag muss ich sagen, dass ich mich auch oft wirklich rabenschwarz darüber ärgern kann, was mancherorts passiert. Aber das ist auf gar keinen Fall ein Problem, das spezifisch für bestimmte Bundesländer ist.
Mal ein wirkliches Knallerbeispiel: In einem unserer absolut naturbelassenen, sagenhaft schönen Gewässer, in dem es seit Jahrzehnten keinen Besatz gibt, ist unlängst per Beschluss der Jahreshauptversammlung das Angeln mit Naturködern wieder zugelassen worden, nachdem es zuvor zehn Jahre lang verboten war.
JHV: "Da fängt man nix!"
Kannst du dir einen beliebigen Baum vorstellen, auf den ich nicht vor Wut geklettert wäre? - Nein. Kannst du nicht.
Aber was soll der Vorstand tun? Ein solcher Antrag wird satzungsgemäß eingereicht und demokratisch verabschiedet.
Hat der Vorstand daran die Schuld?
Nö.
Es liegt an uns allen, das Bewusstsein ein wenig zu schärfen. Und ich finde, dass unser Forum da eine sehr ordentliche Performance abliefert.
Dein Frank
Re: Frust abbauen...
Verfasst: 09.12.2013, 20:17
von webwood
Lieber Alex,
ich wage nun mal die gewagte These, das du die gut und sinnvoll bewirtschafteten Gewässer in Bayern gar nicht aus eigener Erfahrung kennen kannst.
In vielen Vereinsgewässern gibt es absolut keine Gastkarten, eben weil nachhaltig bewirtschaftet wird und der Befischungsdruck dementsprechend gering gehalten wird. Dann gibt es Vereinsgewässer die von Gästen nur mit persönlicher Einladung eines Mitgliedes befischt werden können, von den rein privat bewirtschaften Gewässern ohne Verein ganz zu schweigen. Bayerns Fließgewässer sind zum guten Teil keine Forellenpuffs und die Gewässer welche Puff-Strecken sind, sind meiner Meinung nach in Ordnung. Es gibt nun mal mehr Fischer als Gewässer, selbst im gewässerreichen Bayern ist das so. Soll denn die Möglichkeit zu Fischen nur eine kleinen, finanzstarken Schicht zugänglich sein. Ich finde-Nein!
Tight Lines
Thomas
Re: Frust abbauen...
Verfasst: 09.12.2013, 21:02
von MuddlerMinow
AlexWo hat geschrieben:Ich kann natürlich weder ganz Bayern beurteilen, noch die ganze Schweiz oder gar Kanada [...]!
Ja Alex, leider kannst Du nicht nur das nicht beurteilen..wie ich schon oben schrieb, legst Du Dir alles zurecht und übergehst getrost was nicht passt.
Wie mein Vorredner schon sagte, der Staat setzt Rahmenbedingungen, aber er ist um Gottes Willen nicht in der Lage, dem einzelnen Schäfchen das denken abzunehmen.
Wahrscheinlich bist Du auch der Meinung, der Staat müsse festlegen, wieviel Kalorien gegessen werden dürfen am Tag (gegen die ganzen Übergewichtigen). Und aufgrund von Leuten wie Dir, gibt es da auch schon Vorstöße, bei denen Kindern verboten wurde, ihr Schulbrot zu essen. Stattdessen gab es chicken mcnuggets, von ganz oben verordnet. Feine Staatliche Obhut.
Aber zurück zum Thema: Was in Deinem kleinen Flüßchen im Wallis klappt, ist deshalb nicht gleich für die ganze Welt das richtige. Put and Take ist, zumal auf die Art wie im von Dir geschmähten Bayern betrieben, kein Verbrechen. Es ist mancherorts Notwendigkeit und Realität.
Der Staat würde nie und nimmer hier für Besserung Sorgen, wie tausendfach und auch bei meinen Vorrednern nachzulesen ist.