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Re: Wieviel Entnahme im Forellenbach findet ihr angemessen?
Verfasst: 05.08.2015, 20:47
von trutta1
Hallo Christian,
um eine gesunde Alterspyramide aufzubauen braucht es selbst in einem natürlichen Bachlauf 3 - 5 Jahre. Und das ohne Entnahme jeglicher Größe.
Dies erfordert natürlich von allen Beteiligten sehr viel Einsatz,Geduld und auch finanzielle Einbußen.
Dafür hat man nach dieser Zeit herrlich wild abgewachsene Forellen jeglicher Größenordnung.
Voraussetzung dafür ist natürlich auch ein gutes Nahrungsaufkommen sowie geringer Fraßdruck heimischer oder eingewanderter Predatoren.
Laichen Äschen in eurem Revier, würde ich über ein Watverbot bis Mitte Mai nachdenken.
Wichtig ist sicher auch die Schonung größerer Laichfische (sofern nur wenige vorhanden sind).
Entnehmen würde ich nur Fische zwischen 30 und 40 cm. Eine Forelle pro Tageskarteninhaber halte auch ich für völlig ausreichend.
Tageskarten würde ich nur Wochentags 2 und am Wochenende 1 ausgeben, um am Wochenende mehr Spielraum für die Jahreskarteninhaber
zu haben.
Außerdem würde ich auch für Jahreskarteninhaber das Jahreslimit auf 20 Forellen begrenzen. Dies erfordert natürlich auch einen größeren Aufwand,
aber ohne Kontrollen wird es sicher nicht funktionieren.
Wir haben dieses Experiment mit 3 enthaltsamen Jahren einmal durchgezogen und waren bei Kontrollgängen überrascht wie viele Schwarzfischer
unsere Sperr- und Verbotsschilder anlockten.
Wünsche euch viel Erfolg!
Lieben Gruß,
Frank
Re: Wieviel Entnahme im Forellenbach findet ihr angemessen?
Verfasst: 06.08.2015, 09:43
von Maggov
Hallo Frank,
hört sich alles gut an für mich - aber Christian schrieb dass es kaum bis keine natürlichen Reproduktionsmöglichkeiten gibt. Die Fische scheinen in einer Zuchtanlage gezogen zu sein und dann zurückgesetzt zu werden.
Wenn die Strukturen für eine Reproduktion nicht da sind musst Du ausschließlich auf Zuwanderung hoffen und dann bist Du auch davon abhängig was die Pächter oberhalb und unterhalb von Dir so anstellen.
Ansonsten wäre Dein Ansatz den Bach einfach mal in Ruhe zu lassen sicherlich der Nachhaltigste und Effektivste. Leider läßt sich dieser Ansatz in größeren Vereinen kaum durchsetzen da er meist nicht Mehrheitsfähig ist. Meine Erfahrung ist dass ab einer bestimmten Größe nur noch ein sehr dominanter Vorstand das durchsetzen könnte - der ist leider oft auch auf die Stimmen derjenigen angewiesen die Beiträge und Jahreskartengebühren versuchen in Fisch-Kilos um zu rechnen.
LG
Markus
Re: Wieviel Entnahme im Forellenbach findet ihr angemessen?
Verfasst: 06.08.2015, 10:39
von tirolerOL
Hallo Frank!
Ich finde es toll, dass ihr es zustande gebracht habt, euren Bach so lange ruhen zu lassen. Bei uns wäre das nicht möglich. Drei Jahre das Bewirtschaftungsgeld an die Gemeinde als "Besitzer" der Fischerei zu zahlen ohne Einnahmen zu erhalten, würde die Vereinskasse sprengen. Und wie Markus richtig gesehen hat, sind wir auf Besatz angewiesen. Wir wollen es nur nicht wie viele andere machen, die fast nur große Fische besetzen, sondern den Bestand mit kleinen Fischen sichern. Denn Nahrung ist reichlich vorhanden, die Fische sind gut genährt und wachsen relativ rasch.
Liebe Grüße
Christian
Re: Wieviel Entnahme im Forellenbach findet ihr angemessen?
Verfasst: 06.08.2015, 18:18
von trutta1
Hallo Christian,
"tirolerOL"]
Und wie Markus richtig gesehen hat, sind wir auf Besatz angewiesen. Wir wollen es nur nicht wie viele andere machen, die fast nur große Fische besetzen, sondern den Bestand mit kleinen Fischen sichern. Denn Nahrung ist reichlich vorhanden, die Fische sind gut genährt und wachsen relativ rasch.
gerade deshalb solltet ihr die ersten Jahre keine Fische entnehmen, um zu sehen wie sich eure Setzlinge entwickeln und wie viele zu Laichern heranwachsen.
Ich glaube kaum, dass sich dies negativ im Verkauf von Gastkarten bemerkbar machen wird.
Die von Dir angesprochenen Strukturveränderungen bzw. Verbesserungen im Bach werden sicher dazu beitragen, den Bestand in eurem Revier zu halten oder
gar zu verbessern.
Vielleicht kann man sich mit den angrenzenden Pächtern zusammensetzen um gemeinsam wieder einen halbwegs naturnahen Zustand zu erreichen.
Dann sollte es mit einem selbst reproduzierenden Bestand auch klappen.
Lieben Gruß,
Frank
Re: Wieviel Entnahme im Forellenbach findet ihr angemessen?
Verfasst: 06.08.2015, 20:56
von Kanne
Vogtlandsalmon63 hat geschrieben:Hallo!
Bei uns sind fast die selben Bedingungen wie bei Euch. Wir besetzen zwar jedes Jahr zu, zur Blutauffrischung und nach den Auswertungen der Fangbücher, haben aber schon seit Jahren natürliche Vermehrung. Die Vereinsmitglieder können zwei Forellen ab 32 cm am Tag entnehmen, jedoch nur vier Forellen im Monat. Die restliche Zeit kann zwar gefischt werden, muß aber zurückgesetzt werden. Die Gastfischer dürfen keinen Fisch entnehmen, nur catch and releasen!
Das ist bisher gut gelaufen. Denn als Gastfischer entnehme ich persönlich sowiso keinen Fisch, da man keine Möglichkeit der sofortige Verwertung hat.
Gruß
Robby Vogtlandsalmon63.
Hallo Robby,
der Besatz zur Blutauffrischung erschließt sich mir gerade nicht. Habt ihr dazu wissenschaftliche Erkenntnisse? Es müsste ja eine hungrige Forelle im nahrungsarmen Bach dann ohne Futter schneller wachsen als eine an das Gewässer adaptierte Forelle. Das es im Vogtland und Erzgebirge keine Wildstämme mehr gibt bezweifle ich auch. Neun bis elf rote Punkte auf der Seitenlinie....
Liebe Grüße
Lutz
Re: Wieviel Entnahme im Forellenbach findet ihr angemessen?
Verfasst: 07.08.2015, 09:05
von mooose
Vogtlandsalmon63 hat geschrieben:Hallo Alex!
Mit Blutauffrischung verbinden wir die genetische auffrischung des Erbgutes in unseren nahrungsarmen Mittelgebirgsflüssen. Denn nach einigen Jahren verbutten die Populationen und werden immer gleinwüchsiger. Dem entgegnen wir mit Zusetzen von frischem Forellen, auch zur Genauffrischung. Denn in keinem zu befischenden Gewässer europaweit gibt es noch einen reinen Urstamm, daß ist nur noch ein Mythos, welche manche nacheifern. Das wird auch niemals mehr erreicht. Der Mensch und die Industrie hat hierbei schon zuweit eingegriffen.
Gruß
Robby Vogtlandsalmon63.
Hallo,
mich würde deine Definition von
"nahrungsarmen Mittelgebirgsflüssen" mal interessieren...vielleicht auch mit Beispiel!?
Gruß
Jan
Re: Wieviel Entnahme im Forellenbach findet ihr angemessen?
Verfasst: 07.08.2015, 10:42
von Maggov
Hallo Christian,
mir persönlich finde es schwierig aus den relativ knappen Angaben von Dir eine Entnahmemenge ab zu leiten.
Warum, nun:
- es macht für mich einen großen Unterschied ob man Besatz abschöpft oder einen selbstreproduziernden Bestand bewirtschaftet. Wenn ich jedes Jahr eine gewisse Menge einbringe und davon ausgehe dass maximal 2-5% davon wieder gefangen wird / sich in der Strecke hält, dann würde ich meinen dass man mit 5% der Besatzmenge nichts falsch mach (kommt ja nächstes Jahr eh' wieder nach und von selbst nix auf). Bei einem rein selbstreproduzierenden Stamm dagegen halte ich es für sehr wichtig die Alterspyramide und die Produktivität eines Wassers zu berücksichtigen. Dazu braucht es aber ein relativ genaues Bild vom Ist-Bestand z.B. über eine Bestandserhebung via Elektrofischen an Teilabschnitten oder sehr akkurate Fangstatistiken (auch für zurückgesetzte Fische) seitens der Fischer.
- Das klassische Jahreskarten und Tageskartenmodell erschwert die Einschätzung denn es gibt Jahreskartenfischer die nur wenige Mal im Jahr gehen und andere die jeden Tag am Wasser sind. Deshalb ist die Information über die Gesamtanzahl der Fischtage "verschleiert". Selbst wenn alle Catch and Release fischen hast Du einen Befischungsdruck auf das Wasser und Verluste die sich auf den Bestand auswirken werden. Auch hier ist der wahrscheinlich pragmatischste Ansatz die Jahreskartenfischer zu motivieren die Fischtage auch wirklich zu melden. Alternativ finde ich den Ansatz gut anstelle von Jahreskarten Tageskartenblöcke zu vergeben die der Fischer am Wasser selbst ausfüllen kann. Für denjenigen der nur mal für den Abendschlupf ans Wasser will vordergründig vielleicht total blöd aber wenn man das bei der Preisgestaltung berücksichtigt dann kann man denjenigen auch gut entgegen kommen.
- was Du an Fängen beschreibst (relativ viele kleine / kleinere Fische, weniger große Fische) klingt für mich nach einer natürlichen Verteilung. Das widerspricht ein wenig der Aussage dass nix aufkommt denn dann hätte ich keine breite Streuung erwartet sondern eher Fänge die der aktuellen oder letztjährigen Besatzgröße entsprechen. Kann natürlich auch der Durchgängigkeit oben und unten geschuldet sein aber bist Du Dir wirklich sicher dass kein Eigenaufkommen möglich ist? Aber wenn Du einsömmrige Fische aus einer Zucht setzt so sollten diese ja eine mehr oder wenige einheitliche Mindestgröße haben. Unter guten Zuchtbedingungen sollte das Fischlein größer als 10cm nach einem Jahr sein. Wenn also Fische kleiner als Euer Besatz aufkommt so habt Ihr einen natürlichen Zuwachs (evtl. halt nur aus der Zuwanderung). Habt ihr Nebengewässer die einmünden in der Strecke?
- Was die Anzahl und Größe der Fische betrifft so hängt das ja auch von der Struktur und Produktivität des Wassers ab. In einem eher nahrungsarmen Bergbach ist eine Forelle mit 35 cm ja schon ein alter Fisch, das Schonmaß mit 30cm vielleicht auch schon zu hoch. Auf alle Fälle wäre ein Brittelmaß ein gute Ansatz um die potentiellen Laicher im Wasser zu behalten. Problematisch ist oft dass viele Fischer Probleme damit haben eine Forelle zu entnehmen die nicht alleine für eine Mahlzeit reicht. Aus dem was Du geschildert hast könnte man aber auch ableiten dass es sinnvoll sein kann das Schonmaß niedrig an zu setzen, nach oben zu deckeln und so über die Entnahme ab zu schöpfen die es ohne Entnahme auch nicht bis zum Laichen geschafft hätten wegen Verdrängung, Nahrungskonkurrenz, Strukturmangel, etc.
Deshalb wäre mein Vorschlag analog zu Alex sich erstmal zu überlegen wie Du mehr Informationen und Einblicke in Bestandszusammensetzung gewinnen kannst, wieviel Befischungsdruck real vorherrscht (vielleicht auch mit welchen Methoden gefischt wird) und ob es nicht doch einen Bestand an selbstreproduzierenden Fischen gibt. Das Markieren von Satzfischen wäre da sicherlich eine tolle Unterstüzung ich habe allerdings keine Erfahrung damit sammeln können.
Darf ich fragen warum Dich diese Frage so umtreibt? Gibt es Beschwerden dass der Bestand zurück geht und mehr besetzt werden muß?
LG
Markus
Re: Wieviel Entnahme im Forellenbach findet ihr angemessen?
Verfasst: 09.08.2015, 02:28
von gespliesste
Hallo,
Vogtlandsalmon63 hat geschrieben:
Wir besetzen zwar jedes Jahr zu, zur Blutauffrischung ...
Wer hat den so was in die Welt gesetzt, das entbehrt jedweder fachlichen Grundlage.
Deutschland hat sich, als Unterzeichner des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, Rio de Janeiro 1992) dazu verpflichtet, nicht nur einzelne Arten, sondern auch die genetische Vielfalt innerhalb einer Art zu schützen.
Um die biologische Vielfalt zu erhalten, gilt es nicht nur einzelne Arten zu schützen, sondern auch einzelne (lokal begrenzte) Populationen in ihren jeweiligen Gewässersystemen.
Blutauffrischung bedeutet verwaschen der genetischen Einzigartigkeit einer lokal angestammten Population.
Was haben denn die Fische in eurem Bach die ganzen Jahrtausende gemacht bevor sie "proaktiv" bewirtschaftet wurden? Wer hat euch denn dazu geraten und wer hat euch das Märchen von den verbuttenden Populationen erzählt?
Ich mein das nicht böse, aber das solltet ihr dringend überdenken. Je nachdem, woher ihr eure "Blutauffrischung" bezieht ist das nach dem Fischereirecht illegal. Ihr grabt euch das eigene Wasser ab, früher oder später hängt ihr vollständig an der Nadel eines Put&Take Gewässers.
Vor allem sind die lokal angestammten genetischen Populationen irgendwann für immer verloren. Wenn ich gläubig wäre, würde ich sagen "ihr versündigt euch an der Schöpfung"! Auch wenn das längst schon kein "reiner" Forellenstamm mehr ist, so solltet ihr dessen Niedergang nicht noch weiter durch "Blutauffrischung" forcieren.
LG,
Olaf
Re: Wieviel Entnahme im Forellenbach findet ihr angemessen?
Verfasst: 09.08.2015, 02:36
von AlexWo
@Olaf: besser hätte man das nicht sagen können! Ganz Deiner Meinung..... Mit diesem Blutaufrischungsschmarrn sind wir genau da, wo wir jetzt sind: kaum noch lokale Wildfischbestände.
Schönes Wochenende
Alex
Re: Wieviel Entnahme im Forellenbach findet ihr angemessen?
Verfasst: 09.08.2015, 22:08
von trutta1
Liebe Fliegenfischer,
mal eine kurze Geschichte, wie sich die sogenannte Blutauffrischung in einem, damals noch teilweise verbauten Bach, bemerkbar machte.
In unserem Verein war man der Meinung, seit der Begradigung einiger Teilstrecken des Bachs, wären die meisten Bachforellen abgewandert,
herausgefangen oder umgekommen. Statt einer vernünftigen Bestandskontrolle wurde entschieden den Bach mit Bachforellen aus einer
Zuchtanlage zu besetzen. Diese war bekannt für ihre wirklich gute Qualität der Bachforellensetzlinge.
Damals (vor ca. 30 Jahren) war es sehr schwierig an geeignete Bachforellensetzlinge für Niederungsforellenbäche zu kommen.
Deshalb wurden viele Bäche mit Regenbogenforellen besetzt. Diese waren wiederum nach spätestens einem Jahr herausgefangen oder zum
größten Teil abgewandert, um den Speisezettel von Hecht und Zander zu bereichern.
Da wir weiteren Besatz mit Regenbogenforellen ablehnten, war es umso schwieriger an die begehrten BF-Setzlinge heranzukommen.
Am Tag der Ankunft unserer Setzlinge staunten wir nicht schlecht woher die Bachforellen kamen. Man lieferte uns Bachforellen aus einem
Mittelgebirgsfluß in einer Größe, die dem damaligen Mindestmaß entsprach.
Was also tun mit ca 10000 Bachforellen, von denen schon viele kurz vorm Erstickungstod standen. Wir besetzten sie also, da die meisten der Forellen
wohl die Rückreise nicht überlebt hätten. Die meisten der anwesenden Vereinsmitglieder begrüßte sogar den Besatz mit fangreifen Forellen und
erträumten sich schon reichlich gefüllte Fischkörbe für die kommende Saison.
Bereits einen Monat später fanden wir bei Kontrollgängen, die ersten toten Forellen. Teils mit verpilzten Flossen oder verhungert, da sie ja an
Trockenfutterpellets gewöhnt waren.
Kurz vor Beendigung der Schonzeit beobachteten wir mehrere besetzte Bachforellen, die sich im Freiwasser des Bachs bewegten. Das Verhalten
dieser Forellen war für unsere heimischen Bachforellen absolut untypisch. Der Ernährungszustand der Forellen war auch mehr als kritisch.
Als sich eine der besetzten Forellen einer Erlenwurzel näherte, schoss eine etwa gleichgroße Bachforelle hervor und vertrieb die Forelle.
Ich bin mir sicher, dass es sich bei der Standforelle unter der Erlenwurzel um keinen Besatzfisch handelte, da Körperform und Farbe der Forellen
völlig unterschiedlich waren.
Somit hatten wohl die meisten der heimischen Bachforellen nach Beendigung der Laichzeit ihre alten Reviere und Standplätze wieder besetzt
und die Neuankömmlinge vertrieben. Diese mussten somit auf unatraktive Strecken ausweichen, welche kaum Unterstände aufwiesen.
In der Folgesaison fingen wir hin und wieder eine der besetzten Bachforellen, allerdings waren fast alle in schlechtem Zustand oder hatten vermehrt
Verletzungen durch Fischreiher.
So nach und nach konnten einige Mitglieder zum Umdenken in der Bewirtschaftungspolitik überzeugt werden. Als erstes wurde eine Bestandsaufnahme
gemacht. Was da zum Vorschein kam hätten die allerwenigsten erwartet. Bachforellen bis nahe 4Kg in einem Bach von 4-6 m Breite und eine
Bestandsdichte von ca.350 fangfähigen Bachforellen pro Bachkilometer.
So wurden im Herbst einige kräftige Bachforellen zum Abstreifen entnommen um ihr Erbgut zu vervielfachen.
Gleichzeitig liefen Renaturierungsmaßnahmen am Bach und kleineren Nebenläufen an. Leider war es damals noch nicht möglich Querverbauungen
zu entfernen. Zeitgleich erhoben wir trotz der guten Altersstruktur für 3 Jahre ein Angelverbot, was auf gewaltigen Gegenwind, vor allem bei den von
Markus angesprochenen Kochtopffischern führte.
Leider waren es meistens Sportfreunde, die man bei den Renaturierungsarbeiten nie zu Gesicht bekam.
Heute gibt es trotz Kormoraneinfall immer noch einen guten Bestand an wilden Bachforellen.
Besetzt werden seitdem nur noch Zuchteigene Bachforellen die in einem Nebenbach 2-3 Jahre ungestört heranwachsen können.
Deshalb finde ich den Ansatz von Christian, nur noch Bestandseigenen Nachwuchs einzusetzen sehr gut. Ob er sich bei 4 Km Revierlänge auf den Gesamtbestand
positiv auswirken wird, hängt natürlich im großen Maße von den angrenzenden Pächtern ab.
Und diesem Satz von Olaf ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen!
Blutauffrischung bedeutet verwaschen der genetischen Einzigartigkeit einer lokal angestammten Population.
Lieben Gruß,
Frank
Re: Wieviel Entnahme im Forellenbach findet ihr angemessen?
Verfasst: 10.08.2015, 12:58
von Olaf Kurth
trutta1 hat geschrieben:
Am Tag der Ankunft unserer Setzlinge staunten wir nicht schlecht woher die Bachforellen kamen. Man lieferte uns Bachforellen aus einem
Mittelgebirgsfluß in einer Größe, die dem damaligen Mindestmaß entsprach.
Was also tun mit ca 10000 Bachforellen, von denen schon viele kurz vorm Erstickungstod standen. Wir besetzten sie also, da die meisten der Forellen
wohl die Rückreise nicht überlebt hätten. Die meisten der anwesenden Vereinsmitglieder begrüßte sogar den Besatz mit fangreifen Forellen und
erträumten sich schon reichlich gefüllte Fischkörbe für die kommende Saison.
Lieber Frank,
danke für dieses krasse Beispiel einer völlig katastrophalen Besatzmaßnahme. Ich kann nur mit dem Kopf schütteln über so viel Unvernuft. Warum haben die Verantwortlichen das zugelassen?
Wenn Setzlinge bestellt wurden und ihr dafür Fische zwischen 20 und 25cm bekommen habt, dann hat der Züchter bei 10000 Fischen Geld verdient und ihr habt ein Problem. Bei 26cm hat eine Bf. rund 200 Gramm Körpergewicht und wenn ihr diese 2000 kg neue Biomasse ohne vorherige Bestandsaufnahme in euer Gewässer besetzt, wird es sehr, sehr eng. Für mich ist das keine "Blutauffrischung", es ist kompletter Unsinn.
Du schreibst, dass sei vor 30 Jahren gewesen - auch bei uns wäre das damals noch möglich gewesen. Die unterschiedlichen Positionen der angelnenden Vereinsmitglieder sind wohl überall ähnlich gelagert. Glücklicherweise hat ein Umdenken stattgefunden, so dass vergleichbare Auswüchse der Vergangenheit angehören.
Liebe Grüße,
Olaf