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Re: Fliegenfischerparadies Deutschland
Verfasst: 22.09.2024, 22:34
von TorstenHtr
Hi Frank,
Einzelne Vereinsmitglieder haben in der Regel weing Einfluss auf die Bewirtschaftung, es zählt die Mehrheit.
In meinem Bundesland sind die Salmonidengewässer gepachtet vom Landesanglerverband, d.h. Bestandteil des Gewässerfonds, die Finanzierung erfolgt meines Wissens nach nicht oder nur zu einem kleinen Teil durch Gastangler, sondern von den Verbandsmitgliedern. Ich würde die Bewirtschaftung als Säen und Ernten beschreiben, jährlich werden maßige Forellen besetzt, die im gleichen Jahr wieder rausgefangen werden. Es gibt auch andere Beispiele, im Norden ist ein Verein der sich gut um ein Gewässer kümmert, dennoch denke ich nicht das es einen selbsterhaltenden Bestand in meiner Umgebung gibt.
Mein Ding ist das jedenfalls nicht, deshalb angle ich nicht mehr in diesen Gewässern.
Es gibt sicher Vereine die einen bestimmten Bach gepachtet haben, aber da würden viele FF gar keinen Zugang haben (eben weil keine Gastkarten ausgegeben werden).
Gibt es denn in Deutschland ein Gewässer, mit einem wilden, sich selbsterhaltenden Bachforellenbestand, wo man (bezahlbare) Gastkarten bekommt?
Viele Grüße,
Torsten
Re: Fliegenfischerparadies Deutschland
Verfasst: 23.09.2024, 08:57
von Hans.
Hallo Torsten,
Ein größerer Bach in meinem Verein war mal so ein Gewässer für Gastangler. Die Bachforellen, die sich seit Jahr und Tag selbst reproduzieren, hätten aber hart erarbeitet werden müssen. Das hat manch einen nicht abgeschreckt, und ich habe jahrelang mit einem Kumpel, der sich eine Gastkarte holte, gut fischen können. Es wurden allerdings auch Regenbogenforellen besetzt, was ich gut fand. Dumm waren die nur ein paar Tage nach dem Reinsetzten, dann konnte man sich auch an ihnen manchmal die Zähne ausbeißen, wenn z.B. zwei, drei in einem Kolk zu sehen waren, die jede Fliege, egal was, ignorierten. Summa summarum fing man sie dennoch viel eher als eine Bachforelle. Die Regenbogen waren die Trostfische nach einem lagen Tag.
Was ich aber eigentlich schreiben will, ist dieses: Es werden seit ca. 15 Jahren keine Gastkarten mehr ausgegeben. Einige wenige Gastangler hatten sich wiederholt dermaßen daneben benommen, hatten mit Wurm und ohne Rücksicht auf Mindestmaße rausgeholt was ging, hatten dem Kontrolleur Schläge angedroht und als dann die Polizei am Telefon sagte, sie komme wegen ein paar Forellen nicht raus, man solle sich irgendwie einigen und der bedrohte Kontrolleur solle zusehen, wie er klarkommt, und als dann auch noch Beschwerden bei Polizei und Staatsanwaltschaft erfolglos waren, war aus Rücksicht auf die Kontrolleure Schluss mit Gastkarten.
So haben einige wenige die Tour für viele vermasselt. Wie viel Vereine werden gleiches erlebt haben? Die Gastkarten waren bei uns mit 20€ preisgünstig, denn durch die Beiträge der Mitglieder war (und wäre) der Verein auf den Verkaufserlös nicht angewiesen. Die "guten" Gäste kamen oft von weit her, einige traf ich immer wieder mal und der Austausch am Wasser war immer wunderbar. Jammerschade, dass es so kommen musste.
Gruß
Hans
Re: Fliegenfischerparadies Deutschland
Verfasst: 23.09.2024, 09:39
von trutta1
Hallo Torsten,
ja es gibt in Deinem Bundesland viele Bäche die so bewirtschaftet werden, wie Du es beschreibst!
In einigen Bächen werden immer noch Regenbogenforellen gesetzt. Aber zumindest gibt es außer dem von Dir angesprochenen Verein, noch einige andere, die sich nicht dem Wunsch vieler Vereinsmitglieder beugen.
Da werden heute noch Nebenbäche mit Setzlingen besetzt und nach ein paar Jahren wieder dem Hauptbach zugeführt.
Ich finde diese Lösung durchaus gut, da die Überlebensrate in Nebenbächen wesentlich höher ist. Diese Bachforellen haben auch kein Problem neue Reviere zu besetzen, da sie sich ja in einem natürlichen Umfeld entwickeln konnten. Satzfische aus Betonbecken verhalten sich da ganz anders und sind schnelles Futter für Fischotter und Co. Auch die Kochtopffraktion freut sich nach Frischbesatz aus Betonbecken über den schnellen Erfolg.
Diese von Dir als "ERNTER" beschriebenen kümmert es eh nicht, wie ein gesunder, selbst erhaltender Fischbestand im Bach aussieht und auch erhalten werden kann, ohne ständigem Besatz mit fangfähigen Fischen.
Um auf Deine Eingangsfrage zurückzukommen.
Ich kenne mehrere Bäche mit selbst erhaltendem Bestand!
TL, Frank
Re: Fliegenfischerparadies Deutschland
Verfasst: 23.09.2024, 17:35
von AlexX!!
Hans. hat geschrieben: ↑23.09.2024, 08:57
Ein größerer Bach in meinem Verein war mal so ein Gewässer für Gastangler. Die Bachforellen, die sich seit Jahr und Tag selbst reproduzieren, hätten aber hart erarbeitet werden müssen. Das hat manch einen nicht abgeschreckt, und ich habe jahrelang mit einem Kumpel, der sich eine Gastkarte holte, gut fischen können. Es wurden allerdings auch Regenbogenforellen besetzt, was ich gut fand. Dumm waren die nur ein paar Tage nach dem Reinsetzten, dann konnte man sich auch an ihnen manchmal die Zähne ausbeißen, wenn z.B. zwei, drei in einem Kolk zu sehen waren, die jede Fliege, egal was, ignorierten. Summa summarum fing man sie dennoch viel eher als eine Bachforelle. Die Regenbogen waren die Trostfische nach einem lagen Tag.
Gruß
Hans
Das is ein guter Hinweis, ich sehe an vielen Gewässern/Vereinen, das viele Mitglieder das angeln auf Wildfische "verlernen" (siehe Signatur)
da immer reichlich williger Satzfisch vorhanden sein muss.. beißt mal nix muss nachbesetzt werden, is ja nix mehr drin
Ausserdem sehe ich in vielen Vereinen, das der unüberlegte Besatz von Bachforellen unter Umstäden mehr schadet als nutzt.
Wenn es einen wilden, sich erfolgreich vermehrenden Fischbestand gibt, sollte eigentlich auf den Besatz dieser Art verzichtet werden,
die Gefahr diesen Bestand zu verfälschen (mit zB unpassdenem Forellenstamm) sehe ich viel größer als den Nutzen.
Wenn man schon Spassbesatz tätigt (also Fangreifen Entnahmebesatz) dann sollten das sterile RB sein, die stehen zwar schon in Nahrungskonkurenz
mit den wilden BF, lassen diesen aber "in Ruhe" laichen. Und man kann sich sicher sein das der BF Bestand genetisch nicht versaut wird.
Ich kenne einen Verein die hatten einmal diesen Effekt. besetzten jahre lang "billige" fangreife Bachforellen..
und machten lange Augen als bei einem E-Fischen null komma null kleine BF in dem Bachstück gefunden wurden.
Der Mensch hat halt immer das Bedürfnis alles zu verbessern und zu optimieren, mal ein Gewässer in Ruhe lassen und "sich alleine entwickeln"
lassen passt nicht so in die Vorstellung vieler Vereine
aber zurück zum Thema.. ich empfinde es als paradiesisch in einem naturnahen Gewässer auf Wilde Fische angeln zu können..
wo, das ist zweitrangig
Alex
LG
Re: Fliegenfischerparadies Deutschland
Verfasst: 23.09.2024, 19:11
von MahiMahi
Hallo,
ich war am Wochenende an meinem Hausgewässer unterwegs.
Ich und mein Junior fingen recht ordentlich mit der Trockenen und der Nymphe.
Besetzt wird da auch mit Forellen die von weiter weg kommen. Nach 2-3 Wochen fragt man sich nach dem Einsetzen,
wo sind all die Forellen geblieben? Meine Antwort: Abgewandert, denen gefällt es bei uns nicht und die laichen auch nicht.
Jedenfalls traute ich meinen Augen nicht als ich viele einsömmerige Farios im Gewässer sehen konnte. Die namen auch schon mal die Nymphe.
Die hatten gute 12 cm also so etwas wird weit und breit in unserer Region im Fluß nicht eingesetzt. Fazit: Gelaichte Forellen?!
Die sehen ganz anders aus als unsere Besatzfische aber diese Rasse war schon immer vorhanden sind also nie ausgestorben.
Denen tut es in unserem Wasser gut und die bleiben und laichen, besser kann es doch nicht sein, oder?
Einige KM oberhalb von uns gibt es sogar einen Stamm Regenbogen die dort laichen auch nicht schlecht, hm?
Aber leider kommt man nicht zur Einsicht dort nur ohne Widerhaken mit der Fliege zu fischen und immer wieder kontrolliere ich
Gastangler mit Wobbler und Doppeldrilling. Die Obrigkeit weiß halt immer alles besser! Was willst da machen?
LG
Harry
Re: Fliegenfischerparadies Deutschland
Verfasst: 23.09.2024, 19:15
von trutta1
Hallo Alex,
"Ich kenne einen Verein die hatten einmal diesen Effekt. besetzten jahre lang "billige" fangreife Bachforellen..
und machten lange Augen als bei einem E-Fischen null komma null kleine BF in dem Bachstück gefunden wurden."
Ich kenne genau den Unterschied zu Deinem Beispiel!
Es gab dort keinen Besatz weil wir den Bestand kannten.
Um dies den Mitgliedern glaublich zu vermitteln, fischten wir ca. 1km zur Bestandsaufnahme elektr. ab.
Selbst wir staunten nicht schlecht, denn der Bestand war noch besser als wir glaubten.
Auch große, ja kapitale Bachforellen und Äschen waren darunter. Ich habe damals die Salmonidenhefte mit den Fangberichten protokolliert und es waren fast immer die gleichen Sportfreunde, die regelmäßig große Bachforellen fingen.
Jedes Jahr wurde von den mäßig erfolgreichen Mitgliedern immer wieder der schlechte Bestand bemängelt.
Wild aufgewachsen Bachforellen kann man nicht mal eben fangen! Schon gar nicht regelmäßig! Da trennt sich halt auch bei uns die Spreu vom Weizen!
TL, Frank
Re: Fliegenfischerparadies Deutschland
Verfasst: 24.09.2024, 10:28
von Achim Stahl
Moin,
um mal wieder aufs Thema zurück zu kommen: Sicher, es ist an manchen Ecken in Deutschland auch sehr cool zum Fliegenfischen. Ich slebst liebe es auch, nach Feierabend schnell an die Küste zu fahren, die Natur zu genießen und auf wild aufgewachsene Forellen zu fischen oder mit dem Bellyboat auf einem der vielen nahegelegenen Seen rumzudümpeln und Hechte und Barsche zu jagen.
Aber von paradiesischen Zuständen sind wir trotzdem weit entfernt. Problemlos zugängige Samoniden-Fließgewässer sind stark überfischt oder nur mit fangfertigem Besatz gefüllt, naturnahe Geässer einer kleinen exklusiven Minderheit vorbehalten. Flußverbauung, Wasserverschmutzung, Nutzungsverbote, Bürokratie, hohe Kosten für Erlaubnisscheine, hohe Bevölkerungsdichte ... sind alles relevante Faktoren, die nicht zu einem Paradies passen.
Nicht umsonst bin ich zum Beispiel letzten Sommer mit meinem Minicamper bis in den hohen Norden Schwedens und Norwegens gefahren, um dort die schier unendliche Auswahl an hochkarätigen Gewässern mit Wildfischen in einer atemberaubenden Natur zu genießen. Und die Erlaubnisscheine kosten selten mehr als 10,- € pro Tag und gelten für ein Gebiet, so groß wie das Saarland. Das kostenlose Übernachten am Fluß ist auch kein Problem, oft gibt es sogar dafür Parkplätze mit Feuerstelle, Toiletten und Schutzhütte.
Also, ich freue mich drauf, heute Abend wieder schön an der Küste zu fischen und die Seeluft zu genießen, aber wenn ich von einem Fliegenfischer-Paradies träume, bin ich wieder in Schweden und Norwegen.
Viele Grüße!
Achim
Re: Fliegenfischerparadies Deutschland
Verfasst: 24.09.2024, 13:28
von Michael.
Hallo,
dem obigen Beitrag kann ich nur 100% zustimmen (wobei ich die Liste der negativen Umstände an Gewässern in D leider noch um ein paar Punkte ergänzen müsste). Fahre selber seit nunmehr 26 Jahren nach Schweden und Norwegen, meist nach Lappland, wobei mich die riesige Menge an SAUBERSTEN Gewässern hier immer noch und jedes Mal aufs Neue wieder enorm beeindruckt. Man kann praktisch keinen Kilometer fahren, ohne einen Fluss oder See in unmittelbarer Nähe zu haben, aus vielen kann man direkt und ohne Angst vor Nebenwirkungen trinken. Ich bin sehr heimatverbunden (darf man das heute überhaupt noch sagen?

- aber mein Fliegenfischer-Paradies liegt in Lappland!
Grüße aus Schweden
Michael
Re: Fliegenfischerparadies Deutschland
Verfasst: 24.09.2024, 18:58
von trutta1
Hallo Achim und Michael,
natürlich habt ihr recht, wenn es darum geht einen völlig naturbelassenen Fischbestand in einem relativ unberührten Gebiet als das ware "Paradies" anzusehen!
Will man Skandinavien mit der Industrienation Deutschland vergleichen, braucht man nur mal die Einwohnerzahlen mit der Gesamtfläche betrachten.
In ganz Skandinavien leben etwa 1/3 der Einwohner Deutschlands auf einer 4x so großen Fläche, wobei die Einwohnerdichte Richtung Norden nochmals rapide abnimmt.
Aber ich habe dort auch nur für max. 4 Monate sehr gute Möglichkeiten, dann wird's wieder für lange Zeit kalt und dunkel, in eurem Paradies!
Im übrigen finde ich die dortigen Verhältnisse auch paradiesisch!
Hab aber immer zu wenig Urlaub!
TL, Frank