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Verfasst: 21.03.2006, 21:20
von Frank.
Moin allgaeufly,
na, wenn ich ganz persönlich mich dazu entschieden hätte, eine Seuche über die Menschheit zu bringen, würde ich nicht gerade auf Gänse und Kraniche setzen ... Meine erste Wahl wären Kriebelmücken, die alles und jeden stechen, was sich vor die Tür wagt. Aber ich würde eh' nicht auf ein Virus setzen, das erst noch mutieren muss, bevor man damit etwas anrichten kann.
Aber, wie Du sagst: Konsens - total überzogen! Und gleichzeitig eine Maschine zum Gelddrucken.
Bei uns gibt es noch immer keine Stare, leider. Schnee ist allerdings weg. Richte das doch bitte euren Piepmätzen aus! In Niedersachsen ist es auch schön!
Herzlich, Frank
Verfasst: 24.03.2006, 08:29
von gmischol
Guten Morgen
also, ich glaube das Thema Vogelgrippe wird wirklich, zumindest im Moment noch überbewertet. Wie schon mehrfach in diesem Thread geäussert, gibt es die Vogelgrippe schon sehr lange. Das bisherige Vogelgrippevirus hatte die Bezeichnung H5. Das ist wichtig, denn dieser Stamm ist für den Menschen absolut ungefährlich. Da Viren, insbesondere Grippe-Viren ihre Erbsubstanz sehr schnell verändern können, hat sich ein neuer Stamm, das H5N1-Virus entwickelt, das für den Menschen gefährlich sein kann. Wenn immer man in den Medien von Vogelgrippe-Viren und befallenen Tieren hört, wäre es sinnvoll, wenn der Typ auch genau definiert wird, erst dann lässt sich wirklich beurteilen, ob es für uns Menschen gefährlich ist. Bis heute sind ca 100 Menschen am Vogelgrippe-Virus gestorben (ich weiss nicht mehr in wievielen Monaten). Wenn man diese Zahl in Bezug zu Todesopfern auf unseren Strassen setzt, muss sich jeder bewusst sein, dass die Fahrt an den Arbeitsplatz und zurück wohl immer noch gefährlicher ist. Bei diesen Infektionen bei Menschen war auch immer ein intensiver Kontakt zwischen befallenem Geflügel und Tieren vorhanden gewesen (Huhn und Mensch leben im gleichen Raum, Huhn oben, Mensch unten und Exkremente folgen auch der Schwerkraft).
Singvögel scheinen gegenüber dem Vogelgrippe-Virus weniger anfällig zu sein. Nur ist in der Natur nichts 100% sicher (ausser der Tod).
Ausserhalb von Tieren ist das Virus schlecht überlebensfähig, normale Seife tötet das Virus ab. Und zudem hat jeder Mensch ein Immunsystem, das auch noch zu unseren Gunsten arbeitet.
Wie ich oben erwähnt habe, können Grippe-Viren ihre Erbsubstanz verändern. Hier eine verinfachte Erklärung dazu: im Gegensatz zu Bakterien können Viren sich nicht ohne Wirtszelle vermehren, da im Gegensatz zu Bakterien ihnen gewisse Dinge fehlen. Ein Virus vermehrt sich, indem es seine Erbsubstanz in diejenige der Wirtszelle hineinschleust und diese produziert dann Viren, wobei sie die Erbsubstanz des Virus auch kopiert. Im ungünstigen Falle, dass eine Zelle gleichzeitig von einem normalen Grippevirus und einem Vogelgrippevirus befallen wird (was eben gut möglich ist), kann ein Mix von Erbsubstanzen entstehen, die aus dem Vogelgrippevirus und dem normalen Grippevirus besteht, sozusagen ein Suppervirus, das einerseits die leichte Infektion wie beim Grippevirus ermöglicht, aber dann auch die unter Umständen tödlichen Symptome des Vogelgrippevirus mit sich bringt (wie es bei der Spanischen Grippe anfangs des letzten Jahrhunderts vermutet wird). Die gleiche Vermischung der Erbsubstanzen passiert auch jedes Jahr wieder mit den normalen Grippeviren, weshalb wir auch immer wieder Grippe einfangen und die Impfung meistens nur während einer Grippesaison wirksam ist.
Ob und wann diese Kombination von Grippe- und Vogelgrippevirus auftritt weiss niemand, deshalb sind die angeordneten Massnahmen sicher angebracht.
Eine Meldung in den Medien von gestern ist in diesem Zusammenhang auch wichtig. Bisher ist keine direkte Infektion mit dem Vogelgrippevirus von Mensch zu Mensch nachgewiesen worden. Es scheint dafür auch eine Erklärung zu geben. Im Gegensatz zum normalen Grippevirus, das va den Rachen, den Hals und die oberen Atemwege befällt und bei Niessen und Husten in Form von feinen Tröpfchen in die Umwelt abgegeben wird, scheint sich das Vogelgrippevirus viel tiefer in der Lunge festzusetzen, in den tief gelgegen Lungenbläschen. Das ist wahrscheinlich auch ein Grund für die schlimmen Symptome, verhindert aber auch, dass die Viren durch Tröpcheninfektion auf andere Menschen übertragen werden.
Zu Verschwörungstheorien will ich mich hier nicht äussern, sie treten in regelmässigen Abständen wieder auf, siehe HIV-Virus, BSE etc.
Jemand hat einmal gesagt, die Summe allen Uebels bleibt sich gleich. Heute kennen wir viele schlimme Krankheiten nicht mehr, dafür tauchen neue auf. Vielleicht ist das fatalistisch, oder einfach ein natürliches Gesetz.
Ich bin Tierarzt von Beruf, habe täglich Kontakt mit Tieren, insbesondere auch mit Katzen, die ja bekanntlich auch vom Vogelgrippe-Virus befallen werden können. Bei uns in der Schweiz haben wir die Vogelgrippe auch, trotzdem schätze ich das Risiko mich zu infizieren gegenüber anderen Risiken immer noch als gering ein.
Ich hoffe, ich konnte mit meinem Post ein paar Dinge klären.
Schönes Wochenende (bei uns giesst es aus Kübeln, Wasserstände am Steigen, nix mit Fischen
:niederges
Gruss
Gaudenz
Verfasst: 24.03.2006, 08:44
von Harald aus LEV
Hallo Gaudenz,
das ist doch mal eine sachliche und für jeden verständliche Abhandlung.

:
Eigenartig, seitdem sich die Medien auf andere Themen eingeschossen haben, ist H5N1 nicht mehr das große Thema.
Gruß
Harald
Verfasst: 24.03.2006, 08:47
von squid77
Hallo
Vielleicht noch einige Zahlen vom Bodensee (wenn es jemand interessiert)
Am Bodensee wurden bis jetzt 300 tote Vögel geborgen und untersucht. Gerademal 5 waren mit dem H5N1 infisziert (TZ vom 22.3.2006) und vermutlich daran gestorben.
Die andern 98.33% Starben eines andern Todes...
Gruss
Pascal