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Re: Erfolgreiches Äschenprojekt - Es gibt doch noch Hoffnung

Verfasst: 29.09.2011, 10:56
von pehers
Servus D.!
Quelle: Striegl S. (2004):
http://diebewirtschafter.at/fileadmin/R ... h_2004.pdf
6. Zusammenfassung
1. Eine 3 km lange Fließstrecke an der Moosach im Landkreis Freising wurde im
Rahmen der vorliegenden Arbeit auf die Effizienz von Besatzmaßnahmen mit
Äschen und Bachforellen untersucht.
2. Bachforellen und Äschen mit unterschiedlichen Aufwuchsorten (Rundbecken
mit/ohne Strömung, Fließkanal, Erdteich) wurden in Abhängigkeit zueinander
hinter dem Auge mit verschiedenen Farben markiert und ausgesetzt.
3. Mit Hilfe der Hamenfischerei konnte das Abwanderungsverhalten der
besetzten Fische Bachforelle und Äsche beobachtet werden. Dabei wanderten
die aus dem Strömungsbecken ausgesetzten Äschen bedeutend weniger ab,
als die in den anderen Behältnissen aufgezogenen Fische. Ein Abwandern der
besetzten Bachforellen konnte nicht festgestellt werden.
4. Bereits 44 Stunden nach Besatz der markierten Äschen ca. 3 km oberhalb der
Fangstation konnten die erste Äschen aus dem Hamen entnommen werden.
Insgesamt wanderten 41,5% der frisch besetzen Äschen vorwiegend in den
Tagesstunden ab.

5. Der Prädation durch Raubfische kommt im Hinblick auf den Erfolg von
Besatzmaßnahmen eine hohe Bedeutung zu.
Untersuchungen des Magen-
Darmtrackts von Bachsaiblingen die aus einer angrenzenden Fischzucht bei
Hochwasser in die Moosach entkamen, wiesen bis zu 4 Äschen pro Fisch auf.
Die Prädation durch fischfressender Vögel (Kormoran und Gänsesäger)
konnte im Untersuchungszeitraum nicht festgestellt werden.

6. Ein Abschnittsvergleich der gefangenen Fische zeigte, dass von der Pullinger
Brücke (Fkm 17,2) bis ca. 300 m unterhalb der Bachforellen- und
Äschenbestand im Vergleich zur restlichen Strecke von 2,6 km relativ hoch
war. So wurden 48% des Bachforellenbestandes bzw. 46,4% des
Äschenbestandes bereits in diesem Abschnitt nachgewiesen. Eine
Eingliederung der Besatzfische in den Wildfischbestand in Abhängigkeit zum
Aufwuchsort konnte nicht festgestellt werden.

7. Aus den Untersuchungen an der Moosach lassen sich konstruktive Ansätze
zur Verbesserung des Äschen- und Bachforellenbestandes ableiten. Es zeigt
sich klar, dass sich das Problem sinkender Äschen- und Bachforellenbestände
mit Besatzmaßnahmen alleine nicht lösen lässt.


L.G.
Hans

Re: Erfolgreiches Äschenprojekt - Es gibt doch noch Hoffnung

Verfasst: 29.09.2011, 11:11
von flo staeuble
servus hans, hochinteressant, vielen dank.
nur folgenden abschnitt hab ich ned ganz kapiert:
pehers hat geschrieben: 6. Ein Abschnittsvergleich der gefangenen Fische zeigte, dass von der Pullinger
Brücke (Fkm 17,2) bis ca. 300 m unterhalb der Bachforellen- und
Äschenbestand im Vergleich zur restlichen Strecke von 2,6 km relativ hoch
war. So wurden 48% des Bachforellenbestandes bzw. 46,4% des
Äschenbestandes bereits in diesem Abschnitt nachgewiesen. Eine
Eingliederung der Besatzfische in den Wildfischbestand in Abhängigkeit zum
Aufwuchsort konnte nicht festgestellt werden


in einem bestimmten abschnitt war der bestand relativ hoch. war das der besetzte abschnitt? und wie stellt man fest, ob sich die besatzfische in den wildfischbestand eingegliedert haben? oder war das ergebnis, dass im einen abschnitt hauptsächlich die besatzfische wohnten und in den anderen die wilden?
sorry für meine begriffsstutzigkeit.
flo

Re: Erfolgreiches Äschenprojekt - Es gibt doch noch Hoffnung

Verfasst: 29.09.2011, 11:21
von Rattensack
flo staeuble hat geschrieben:und wie stellt man fest, ob sich die besatzfische in den wildfischbestand eingegliedert haben? oder war das ergebnis, dass im einen abschnitt hauptsächlich die besatzfische wohnten und in den anderen die wilden?
sorry für meine begriffsstutzigkeit.
flo
Hallo Flo,

lies doch das verlinkte pdf!
Die Besatzfische wurden mit Farbmarkierungen versehen.

C.

Re: Erfolgreiches Äschenprojekt - Es gibt doch noch Hoffnung

Verfasst: 29.09.2011, 18:31
von henkiboy
Hallo zusammen,
erst einmal zu der Moosach-Studie, die Hans recherchiert und hier zur Vefügung gestellt hat:
Meiner Meinung taugt diese nicht dazu Rückschlüsse zu ziehen ob Kormoran und Gänsesäger fundamentalen Einfluss auf den Äschenbestand haben. Dafür waren die Besatzfische definitiv zu klein und damit völlig ungeeignet.
Ein Sömmerling ist vielleicht für einen Eisvogel interessant, die vorher genannten Vogelarten schlagen aber mit Sicherheit erst zwei bis drei Jahre später zu. Fingerlange Fischchen sind für die absolut uninteressant.
Sömmerlinge haben sicherlich andere Fressfeinde. Wie schon erwähnt schlagen da eher größere Salmoniden und andere Raubfische zu.
Das Dilemma sieht doch in Wirklichkeit so aus: Oftmals gibt es eine Reihe von Faktoren, die negativ auf den Äschenbestand wirken. Hier können Einleitungen aus der Landwirtschaft, Gewässerverbauungen, mangelhaft strukturierte Laichgebiete (Sedimentverdichtung) usw. für schlechte Lebensbedingungen sorgen. Kommt dann auch noch unser gefiederter Freund und bedient sich reichlich, so ist der Zusammenbruch des Äschenbestandes, der ja eh schon kränkelt, besiegelt.
Fatalerweise gibt es hier in der Region aber auch Flüsse, die absolut gesund sind, was die Lebensbedingungen für die Äsche anbetrifft. Der Äschenbestand ist dort vor Mitte der achtziger Jahre mehr als zufriedenstellend gewesen. Danach gab es keine signifikanten Änderungen am Fluss oder seiner Umgebung. Lediglich der Kormoran fällt seit dieser Zeit ein, weil er in den harten Wintern an den zugefrorenen Seen auf Eis pickt und dort keine Nahrung mehr findet. Zwei bis drei Jahre später ist dann die Äsche so gut wie verschwunden. Erst kann man nur noch Jungfische und kapitale Äschen nachweisen und ein paar Jahre später tendiert der Bestand gen Null - Zufall? Immer die gleichen Beobachtungen an unterschiedlichen Flüssen in verschiedenen Regionen. Beispielhaft kann ich hier die Rur, die Ahr, die Lenne und die Möhne nennen.
Für meinen Geschmack wird hier zu wenig getan. Zum einen hinsichtlich des Kormoranbestandsmanagements und zum anderen wird die Äsche allzuoft "stiefmütterlich" behandelt. Der Lachs hat 'ne Lobby.....die Äsche wohl eher nicht.
Gott was habe ich vor 25 Jahren als Fliegenfischerneuling auf die kleinen Äschen geschimpft. Die waren stets schneller an der Trockenfliege wie die erhoffte "Speiseforelle". Und heute? Heute darf ich mich mit fangfähigen "Besatzforellen" rumschlagen und empfinde den Fang einer halbwegs schönen Äsche als "Sternstunde" und "Ausnahme", obwohl ich sie nie gezielt befischt habe. Früher war das nicht nötig und heute ist es aussichtslos und gar nicht mehr angebracht. Verrückte Welt!

liebe Grüße
Detlef

Re: Erfolgreiches Äschenprojekt - Es gibt doch noch Hoffnung

Verfasst: 29.09.2011, 18:52
von Rattensack
Hallo Detlef!
henkiboy hat geschrieben: Ein Sömmerling ist vielleicht für einen Eisvogel interessant, die vorher genannten Vogelarten schlagen aber mit Sicherheit erst zwei bis drei Jahre später zu. Fingerlange Fischchen sind für die absolut uninteressant.
Sömmerlinge haben sicherlich andere Fressfeinde. Wie schon erwähnt schlagen da eher größere Salmoniden und andere Raubfische zu.
Das sehe ich - mit Verlaub - ganz anders.
Äschen erreichen im ersten Jahr (0+) in optimalen Gewässern bis ca. 18 cm, in der Regel aber jedenfalls 10-14 cm.
Sie fallen daher im ersten Herbst / Winter voll um nicht sagen ideal in das Beutschema des Sägers.
Freilich - in funktionierenden Gewässern wären 0+ Äschen wie Herbstlaub - in Jahren ohne Hochwasser in sensiblen Zeiten extrem häufig.
Da würd der Fraßdruck des Sägers auf 0+ wenig Problem machen.
In der Realität sind halt auch die laichreifen oft durch den Kormoran so zurück gegangen, dass es zu keinem Massenvorkommen von 0+ mehr kommen kann.
Besatz ist da offensichtlich weit weniger effektiv als eine Reduktion des Kormorans. Wie Beispiele zeigen, kann sich der Äschenbestand bei deutlich reduzierter Kormoranprädation recht rasch in wenigen Jahren erholen - auch durch Abdrift von Brut aus Oberläufen, wo es hoffentlich noch welche gibt.

Clemens

Re: Erfolgreiches Äschenprojekt - Es gibt doch noch Hoffnung

Verfasst: 29.09.2011, 19:27
von Rattensack
P.S. Kleiner Nachtrag, auch der Kormoran frißt Fische zwischen 5 (!!) und 10 cm, wenn diese sehr häufig vorkommen bzw. wenn größere selten sind.
Freilich, präferieren tut er größere, lt. Literatur 10 bis 40 cm.

Re: Erfolgreiches Äschenprojekt - Es gibt doch noch Hoffnung

Verfasst: 30.09.2011, 08:44
von pehers
So lieber Henki!

Ich probiers noch mal:

Du musst zwei Dinge auseinanderhalten:

1. Der Kormoran hat zur Dezimierung der Äschenbestände auf ein erschreckendes Niveau beigetragen bzw. war (und ist) vielerorts (auch in Österreich und Bayern) das Hauptproblem! Die noch bestehenden Bestände werden von ihm weiter dezimiert bzw. eine Erholung verhindert. Vielerort ernährt er sich aber sicher nicht hauptsächlich von Äschen, weil es die in interessanten Mengen gar nicht mehr gibt, sondern tut sich an Besatzfischen anderer Spezies gütlich...

2. Besatzmaßnahmen mit Äschen sind erwiesenermaßen ineffektiv und dazu noch extrem teuer. Das beweisen zahlreiche seriöse Studien (BUWAL, BOKU Wien, etc.). Es braucht dazu keinen Kormoran oder Säger!!! Der hohe Fraßdruck setzt erst ein, wenn die meisten Äschensetzlinge bereits verendet bzw. abgedriftet sind oder von (Besatz-)Forellen und anderen Raubfischen gefressen wurden.

Nicht mehr und nicht weniger ist dazu zu sagen. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil und Gezeter völlig unnötig. Im Übrigen darf ich anmerken, dass der Einzige, der sich hier konsequent mit einer undifferenzierten und unbeleg(ck)ten Meinung über seriöse Studien erhaben sieht, Henki ist!

L.G.
Hans

Re: Erfolgreiches Äschenprojekt - Es gibt doch noch Hoffnung

Verfasst: 30.09.2011, 10:10
von Gammarus roeseli
henkiboy hat geschrieben: Fatalerweise gibt es hier in der Region aber auch Flüsse, die absolut gesund sind, was die Lebensbedingungen für die Äsche anbetrifft. Der Äschenbestand ist dort vor Mitte der achtziger Jahre mehr als zufriedenstellend gewesen. Danach gab es keine signifikanten Änderungen am Fluss oder seiner Umgebung.
Lediglich der Kormoran fällt seit dieser Zeit ein, ....
„Danach gab es keine signifikanten Änderungen am Fluss oder seiner Umgebung.“
Hallo Detlef,

seit Mitte der achtziger Jahre, gab es wie überall sicher auch an den Gewässern deiner Region zahlreiche Veränderungen am und im Fluss oder seiner Umgebung.

@ Alle,
Veränderungen am und vor allem im Fliessgewässer fallen uns nur nicht auf, weil sie oft unscheinbar und schleichend sind, können aber durchaus gewaltige Auswirkungen haben.

Wenn man sich mal das gesamtpaket Fluss und seine Bewohner anschaut, wird man feststellen, dass nicht nur die Äschenbestände seit den Achtzigern dramatisch Rückläufig sind. Man erkennt es z.B. auch gut, am deutschlandweiten Zusammenbruch der bestände von Bachmuschel/ kleine Flussmuschel und in den Urgesteinsgebieten am Zusammenbruch der Flussperlmuschelbestände.

Keine Muschelbänke mehr, nur noch Schalen und seltene oft vereinzelt lebende Flussperlmuschen. Das Tier hat bestimmt schon 50-70 Jahre auf dem Buckel…
Bild

Bayern z.B.:
Wunderschön aussehende Forellen/ Äschengewässer.
Die ca. 60 Restbestände der Flussperlmuschel in den Bayrischen Urgesteinsgebieten schrumpfen von Jahr zu Jahr. Es soll schon seit 30 bis 50 Jahren, kein natürliches Jungmuschelaufkommen mehr geben bzw. festzustellen sein.

Äschen/ Barbenregion
Auch die Bachmuschel/ kleine Flussmuschel einst in Bayern die häufigste (!!!) Großmuschelart ist in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen und steht scheinbar ebenfalls vor dem Aussterben.
Verbliebenen Restbestände sind oft Überaltert. Die Lebensdauer liegt zwischen 20-30 Jahren, daher verschwinden die bestände der K. Flussmuschel auch deutlich schneller als bei Flussperlmuschel.
(Benötigte Wirtsfische für die Bachmuschel/ kleine Flussmuschel ist beispielsweise der Eitel/ Döbel von denen es sicher überall reichlich geben dürfte.)

Die Flussperlmuschel und Bachmuschel/ kleine FM sind genau wie Forelle und Äsche auf ein intaktes Bach/ Flusssohlensubstrat also Kieslückensystem angewiesen um sich erfolgreich zu reproduzieren. Die Jungmuscheln leben nachdem sie die Kiemen der Wirtsfische verlassen haben, mehrere Jahre im Kieslückensystem, ist dieses nicht intakt, sterben die Jungmuscheln ab und der Bestand kann sich nicht verjüngen….


Damit will ich sagen, es gibt Veränderungen die nicht immer auf den ersten Blick sichtbar und erkennbar sind, sich aber mindestens genau so negativ auswirken können wie Kormoran & Gänsesäger.

LG
Christian

PS: “Die Äsche” ein empfehlenswertes Buch http://bilder.buecher.de/produkte/06/06 ... 57878n.jpg

Entwicklung von Erhaltungsstrategien für die Äsche
(Bayern)
http://www.lfvbayern.de/media/files/Abs ... e_2007.pdf

Re: Erfolgreiches Äschenprojekt - Es gibt doch noch Hoffnung

Verfasst: 30.09.2011, 13:42
von Maggov
Servus Clemens,

Danke dass Du die Studie verlinkt hast - ich hatte die auf der Seite des Landesfischereiverbandes nicht mehr gefunden. Diese hätte ich auch gerne am Anfang angeführt denn ich hatte sie im Hinterkopf. Das Äschenprogramm in Bayern läuft schon sehr lange und leider eben mit dem von Euch beschriebenen Ergebnissen. Da ich einige Leute kenne die dieses Programm mitbegleitet haben und teilweise immer noch mitmachen kann ich den Eindruck aus der Studie bestätigen. In einigen Abschnitten wurden gar keine markierten Fische (mit der Angel) wieder gefangen. Manche haben das auf das Markierungsverfahren geschoben, andere teilen die Meinung von Dir dass die Besatzfische einfach verdriftet oder verhungert sind.

Ich denke dass Äschenbesatz dann funktionieren kann wenn das Habitat noch aufnahmefähig ist und die Fische aus Seitenarmen oder Kanalabschnitten des gleichen Wassers stammen. Da diese oft noch eine Anbindung an das Wasser haben so findet sicherlich auch eine gewisse Rückwanderung statt. Bei uns in Bayern werden oft im Rahmen der Bachabkehr von Kanalabschnitten Fische in die Hauptgewässer umgesiedelt - viele davon wandern nachdem die Kanäle wieder normalen Wasserstand haben wieder zurück. Dazu muss ich die Fische nicht markieren, man sieht sie schlichtweg später wieder in den Abschnitten die man elektrisch abgefischt hat. Dies muss man m.M. nach berücksichtigen um nicht auf totale Ausfälle zu schliessen.

Ich habe ausserdem den Eindruck dass gerade in den Kanälen die so gar nicht nach einem geeigeneten Laichhabitat aussehen Äschen gute Reproduktionsmöglichkeiten haben. Teilweise fangen wir bei E-Befischungen in voll ausbetonierten Kanalbaschnitten sehr viel Äschenbrütlinge.

Wie Gebhard schon beschrieb haben wir aber durchaus auch positive Beobachtungen zu verzeichnen die sich m.M. nach eben primär aus den strukturverändernden Maßnahmen und der mehr oder weniger flächendeckenden und gesamtjährlichen Schonung für Äschen ergeben haben. Die Äschen die es gepackt hatten finden heute wieder bessere Laichbedingungen und Wandermöglichkeiten vor als in den 90-ern und erschliessen sukzessiv die neuen Territorien.

Ich denke neben der Effektivität dieser Programm für den Äschenbestand selbst muss man auch die positiven "Randerscheinungen" mit einbeziehen: man schafft Aufmerksamkeit für die Mißstände und nähert sich den Themen systematisch/wissenschaftlich an.

LG

Markus

Re: Erfolgreiches Äschenprojekt - Es gibt doch noch Hoffnung

Verfasst: 30.09.2011, 17:18
von henkiboy
Hallo Hans,
2. Besatzmaßnahmen mit Äschen sind erwiesenermaßen ineffektiv und dazu noch extrem teuer. Das beweisen zahlreiche seriöse Studien (BUWAL, BOKU Wien, etc.).
Genau das hätte ich ja gerne hieb- und stichfest (biologisch und wissenschaftlich) begründet!
Warum? Nicht weil ich dagegen anstinken will, es von grundauf in Frage stelle oder dafür bin, dass ich dagegegen bin, sondern ganz einfach weil es mich interessiert warum die Äsche eine kleine Diva ist bzw. sein soll. Also besteht hier ein reines und unvoreigenommenes Interesse meinerseits an den Fakten die Du schilderst.
@ Maggov:
Ich denke dass Äschenbesatz dann funktionieren kann wenn das Habitat noch aufnahmefähig ist und die Fische aus Seitenarmen oder Kanalabschnitten des gleichen Wassers stammen. Da diese oft noch eine Anbindung an das Wasser haben so findet sicherlich auch eine gewisse Rückwanderung statt. Bei uns in Bayern werden oft im Rahmen der Bachabkehr von Kanalabschnitten Fische in die Hauptgewässer umgesiedelt - viele davon wandern nachdem die Kanäle wieder normalen Wasserstand haben wieder zurück. Dazu muss ich die Fische nicht markieren, man sieht sie schlichtweg später wieder in den Abschnitten die man elektrisch abgefischt hat. Dies muss man m.M. nach berücksichtigen um nicht auf totale Ausfälle zu schliessen.
Das was Du da schilderst macht wenigstens ein bissel Hoffnung und kann ich mir auch gut vorstellen.
@all: Ich denke das man die Pflege und den Erhalt der Äschenbestände nicht auf Gedeih und Verderb von wirtschaftlichen Faktoren abhängig machen sollte. Sie ist ein einheimischer Fisch und gehört in unser Ökosystem. Was wird aber gemacht? Es werden Zander, Karpfen und Waller bis zum abwinken in unsere Seen besetzt. Sie verdrängen in Folge Hecht, Karausche und Schleie. Völlig unnatürlich.......aber wenn's schön ist!
Wieviel Geld wird in die Lachsprogramme (/Wanderfischprogramme) gesteckt? Da sollte man doch zumindest auch mal an die Äsche denken! Sie hat mehr verdient wie ein "Nischendasein" bzw. immer erst zweite Geige zu spielen.
Diesen Eindruck habe ich nämlich.

liebe Grüße
Detlef

Re: Erfolgreiches Äschenprojekt - Es gibt doch noch Hoffnung

Verfasst: 30.09.2011, 17:40
von Rattensack
Maggov hat geschrieben: Ich habe ausserdem den Eindruck dass gerade in den Kanälen die so gar nicht nach einem geeigeneten Laichhabitat aussehen Äschen gute Reproduktionsmöglichkeiten haben. Teilweise fangen wir bei E-Befischungen in voll ausbetonierten Kanalbaschnitten sehr viel Äschenbrütlinge.
Hallo Markus,

Das kann ich klar bestätigen. Möglicherweise driften die Jungäschen aber von stromauf ein und wurden nicht vor Ort abgelaicht. Äschenlarven verdriften stark, das gehört wahrscheinlich zu deren Verteilungsstrategie. In einem natürlichen Gewässer ja kein Nachteil - spätere Rückwanderung kein Problem.

Kann aber auch daran liegen, dass
1. die Äsche am Laichplatz kein so tiefes Kiessubstrat braucht wie die Bachforelle (schlägt ja keine Gruben) und die Eier weniger lang im Kies liegen (Frühjahrslaicher), daher weniger anspruchsvoll an gut durchlüftetes Kiessubstrat, und
2. dass die Äschenbrut weit weniger an Strukturen, Deckung etc. gebunden ist als Bachforellen.
Vielmehr halten sich die Jungäschen (nicht territorial, Schwarmfische) gerne im rasch fließenden, je nach Alter mehr oder weniger tiefen, offenen Flachwasser auf.
Genau das macht sie wahrscheinlich auch anfällig gegenüber Räuber im und über dem Wasser.
Ist eine Strategie, die ihr in natürlichen Gewässern (riesige Kiesflächen etc.) ermöglicht, sehr große Flächen zu nutzen, was für einen eigentlich Massenfisch wie die Äsche natürlich von Vorteil ist.
Wenn der Massenfisch selten wird, dann gibts damit ein Problem ..

Clemens

P.S. Vielleicht ganz interessant zu dem Thema - Habitatpräferenzen der Äsche im Lebens- und Jahreszyklus. V = Strömungsgeschwindigkeit, T = Wassertiefe, S = Korngröße
Bild

Re: Erfolgreiches Äschenprojekt - Es gibt doch noch Hoffnung

Verfasst: 30.09.2011, 18:59
von Gammarus roeseli
Hallo,
melde mal Bedenken an!!!
Maggov hat geschrieben: Ich habe ausserdem den Eindruck dass gerade in den Kanälen die so gar nicht nach einem geeigeneten Laichhabitat aussehen Äschen gute Reproduktionsmöglichkeiten haben. Teilweise fangen wir bei E-Befischungen in voll ausbetonierten Kanalbaschnitten sehr viel Äschenbrütlinge.
Alles richtig, trifft aber nun mal nur (!) auf die Fließgewässer und somit Äschenbestände der Alpenregion zu!

Alpenraum:
Die Alpenregion ist geologisch gesehen begünstigt, nein gesegnet (!) mit Kieslaichplätzen.
Kies und Schotter also Kieslaichplätze so wie Sand am Meer …. Selbst in den Industriekanälen (Wassernutzung) gibt es mengen an Kies und Schotter, also überall Laichplätze vorausgesetzt die Fliessgeschwindigkeit ist günstig für Reproduktion.
Zusätzlich begünstigt, weil Wasserreichen und somit Schadstoffe verdünnent …

In denn Mittelgebirgen und im Flachland haben die Fließgewässer der Äschenregion alleine schon auf Grund von geologischen Gegebenheiten ein ganz, ganz anderes Gesicht und auch einen ganz anderen Karakter, das darf einfach nicht vergessen werden!

LG
Christian

PS: Bilder erzählen mehr als tausend Worte. Ich werde es euch zeigen ….

Re: Erfolgreiches Äschenprojekt - Es gibt doch noch Hoffnung

Verfasst: 01.10.2011, 16:54
von Gammarus roeseli
Hallo,
ich möchte euch an dieser Stelle gern einwenig sensibilisieren, auf schleichende Veränderungen mit großer Wirken.
EINEN der Gründe darstellen, warum sich kieslaichende Fische wie Äsche, in vielen Gewässern der Forellen/ Äschenregion
nicht mehr selbstständig oder nur noch unregelmäßig also nicht ausreichend Reproduzieren können.

Beispiel:
Es handelt sich um den mittleren und den mittleren Unterlauf eines Mittelgebirgsbachs/ kleinen Fluss, in der wasserarmen Gneisregion.

Der Äschenbestand ist schon vor der Zeit des Kormorans & Co. erloschen und kleinere Versuche zur Wiederansiedlung waren bislang erfolglos.

Ich könnte euch von diesem Bach/ Fluss auch Bilder zeigen und heile Welt vorgaukeln. So wie ihr es aus den Hochglanzmagazinen gewohnt seit.
Mit z.B. Steinfliegenlarven die im Bach/ Fluss leben.
Bild

Aber darum soll es hier nicht gehen, ich möchte versuchen euch einige schleichenden Veränderungen zu zeigen.

Das ausbringen von Gülle bis nahezu an die Fließgewässer, ist in Bayern das normalste auf der Welt und soweit ich weiß, völlig legitim.
Gülle wird vor allem im Zeitigen Frühjahr (März- April) und im Herbst oft ab Oktober ausgebracht, also in einem Zeitraum in dem sich die kieslaichenden Fischarten wie Äsche, Huchen und oft auch schon Barbe, …., ab Oktober die Bachforelle reproduzieren möchten …

Bild
Bild
Das diese Gülle und die darin gelösten Schadstoffe anschließend auch im Bach/ Flusswasser ist, fällt in der Regel nicht sonderlich auf.
Wenn überhaupt, dann nur an Stellen wo das Wasser gut belüftet wird, das Wasser über Felsen stürzt oder unterhalb von Wehren schäumen diese organischen Stoffe aus und werden sichtbar …
Bild
Bild

Nur wenige Kilometer Bach/ Flussabwärts ist das Wasser nicht mehr mit Felsen verblockt und hat einen ganz anderen Karakter.

Durch Gülle, …, ist Reichlich Dünger (Nährsalzen, wie Nitrate, …) im Wasser, das Wachstum der Wasserpflanzen wird angeregt.
Die Wasserpflanzen zeigen uns die Belastung durch übermäßiges Wachstum an …
Bild
Die selbe Stelle im September, nachdem der Flutende Hahnenfuß sich zurückgebildet bzw. abgestorben ist.
Bild
Fluss auf und Fluss abwärts große Bestände vom Wasserstern, eine im Gegensatz zum Hahnenfuß ein- bis mehrjährige Wasserpflanze …
Die Wassersternpflanze könnte also Fischen wie Äsche im Winter Schutz und Deckung geben, vor Prädatoren wie K. und Säger.

Bild
Der mittlerweile kleine Fluss, ist hier im Durchschnitt knie- hüfttief.
Bild
(Es kommen neben Weißfischen vereinzelt gesetzte Bach und Regenbogenforellen vor.)

Die Auswirkungen gehen weiter!!!

Diese dichten Pflanzenbestände reduzieren die Fließgeschwindigkeit wodurch sich Feinsediment- Sand ablagert.
Und auch diese Wasserpflanzen an sich, verhindern den normalen Abtransport von Feinsediment/ Sand. Die Pflanzen wirken wie ein Sedimentfilter/ Fänger, wodurch die gesamte Flusssohle und somit auch die Kieslaichplätze völlig versanden.
Das Kieslückensystem wird mit feinem Sand und abgestorbenen Pflanzenresten/ Faulschlamm aufgefüllt und verdichtet.
Bild
Hochwasser verteilen diese übers Jahr/Jahre abgelagerten Sandmassen auch auf die schnell fließenden Rauschen und verfüllen/ verfestigen das Lückensystem und somit die Kieslaichplätze…
Bild

Der Bestand an Kieslaichern wie Barben, Nase, … ist kaum noch erwähnenswert.


Auf diesem Foto erkennt man sehr schön, wie sich im Strömungsschatten des Wassersterns das Feinsediment/ Sand ablagert und anreichert. Es entstehen im Flachwasser teilweise richtige Sandbänke …
(Ein Bach im Bayerischen Wald.)
Bild

Man muss sich wenn Fischarten verschwinden schon das Gesamtpaket Bach/ Fluss anschauen, um überhaupt einigermaßen (!) zu erkennen und zu verstehen, warum alles so ist wie es ist!
Aber es liegt halt in der Natur des Menschen, immer den Weg des "geringsten Widerstandes" zu gehen. Und schon haben fast alle genau so wie die Pferde, Scheuklappen an den Augen und sehen NUR Kormoran und Säger …

LG
Christian

PS: Die Versandung der Bäche/ kleinen Flüsse und somit Verfüllung des Kieslückensystems, ist auch für die Flussperlmuschel in den Urgesteinsregionen derzeit mit abstand das größte Problem für die Flussperlmuschel bzw. der sich im Lückensystems entwickelnden Jungmuscheln. Es soll schon seit 30 bis 50 Jahren, kein natürliches Jungmuschelaufkommen mehr geben bzw. festzustellen sein. :(

Re: Erfolgreiches Äschenprojekt - Es gibt doch noch Hoffnung

Verfasst: 01.10.2011, 18:09
von Rattensack
Hallo Christian,

danke für die wirklich interessanten und anschaulichen Beispiele!

Sag wann und wieso ist dort der Äschenbestand erloschen?

Clemens

Re: Erfolgreiches Äschenprojekt - Es gibt doch noch Hoffnung

Verfasst: 02.10.2011, 17:44
von Gammarus roeseli
Hallo Clemens,

diese Frage kann ich leider nicht wirklich beantworten, das versuche ich selbst noch zu recherchieren …

Der Fluss ist nur ein eher kleiner Neben bzw. Zubringerfluss.
Für mich sieht es auf Grund einer ca. 400 Jahre alten Äschenabbildung aus dem Flussunterlauf so aus, als ob die Äsche nicht selten und in früheren Zeiten auf den gesamten Flusslauf verbreitet war.
Der letzte Äschenbesatz im unterlauf, eine geringe Zahl von größeren Laichäschen ist ca. so 15 Jahre her. (Hörensagen)

Zum verschwinden der Äsche im mittel und unterlauf des Flusses, wird eine Verflechtung von Gründen, in vor allem den letzten 100 Jahren eine Rolle gespielt haben.
z. B.:
Die organische Belastung war in den 1970- 1980ern sicher höher.
Es sind weitere unüberwindbare Wanderhindernisse dazugekommen. (Wasserkraftnutzung/ Hammerwerk ist am Fluss schon aus der Mitte des 14.ten jahrhundert nachgewiesen.)
Hochwasserschäden/ verdriften der Äschen flussabwärts, Rückwanderung auf Grund von Wanderhindernissen nicht möglich.
Aus meiner Sicht, Bewirtschaftungsfehler/ Besatzfehler wie Mischbesatz z.B. Karpfen, Hecht, …., man will ja auch in den Stauhaltungen bzw. zum Teil langen Rückstaubereichen für die Fischerei reichlich interessante Fische fangen.
Es soll in der Vergangenheit auch ein großes Fischsterben gegeben haben. (Hörensagen)

Im unterlauf (Kerbsohlental) kann ich mir auch vorstellen, dass die Wassertemperatur immer wieder mal, zeitweise in Hitzeperioden eine Rolle spielt. Die Äschen würden in dieser Zeit sicher gern mal so 5-10 km flussaufwärts wandern, oder sich ins kühlere Einlaufwasser der wenigen klein Zubringerbäche stellen, so wie ich es im Flussunterlauf (Hitzeperiode) vereinzelt bei großen Bachforellen beobacht habe. Aber Querverbauungen trotz Aufstiegshilfe, würden die Äschen am flussaufwärts wandern hindern.
In den über mehrere Kilometer mit Felsen verblockten Flussabschnitt, (Kerbtal) wurden vor etwas mehr als 10 Jahren das letzte Mal ein paar große fangfähige Äschen gesetzt. Seit dem habe ich nur von ganz seltenen Äschen einzelfängen gehört. (3 Fische)
Weiter flussaufwärts, (Kerbsohlental) gleicht das Wasser einem teilweise mäandrierenden typischen Wiesenbach/ kleiner Fluss mit einigen kleinen und größeren einmündenden Bächen. Ob im Oberlauf noch Äschen existieren ist mir nicht bekannt und ein Abwandern wäre auch ausgeschlossen. (Staumauer)
Ein sonderlich großes Interesse besteht ohnehin nicht an der Äsche. Ist halt mit Blech nicht so gut zu fangen und richtige Fliegenfischer sind in der Oberpfalz so etwas wie Stecknadeln im Heuhaufen.
Eigentlich fehlt es halt nur an einer Hand voll Fliegenfischern, die sich zusammentun und anfangen im kleinen Stil, Äschen zu streifen. Also Jungäschen erbrüten und setzen oder Äscheneier im Augenpunktstadium mit Hilfe von Vibert- Boxen ausbringen …

LG
Christian
PS: Im dem mit Felsen verblockten Flussabschnitt, gibt es im Winter "Grundeis". Kann es sein, dass in dieser Zeit den Äschen das Wasser zu kalt ist??? Habe gelesen. Äsche: „Temperaturen unter 4°C werden schlecht vertragen.“
Die Bachforelle vermehrt sich in den felsig/ verblockten Flussabschnitt. Allerdings leider durch Beeinträchtigungen nur eingeschränkt. Dann sollte es doch in diesem Bereich der Äsche auch gelingen, wenn es Forelle schafft!? Was meinst du?