Hallo Leuts,
interessanter Trööt und einige haben mit ihren Postings moralisch den Nagel echt auf den Kopf getroffen.
Ich habe teils sehr zwiespältige Erfahrungen gemacht. Ich kenne Kollegen unter uns, die schon regelrecht in die Wathose zu springen pflegen und dabei von der ersten Sekunde nur den gefangenen Fisch im Kopf haben. Bleiben sie "Schneider", dann geht man ihnen anschließend besser aus dem Weg. Solche Kollegen haben sicher
keinen Sinn für Umwelt- und Naturschutz bzw. Gewässerhege und -pflege. Für die zählt wohl nur eine möglichst erfolgreiche Fangstatistik.
Beispiel 1: Ich kenne einen Typen der
jeden Fisch akribisch vermißt. Keine (auch nur angehend maßige) gefangene Forelle sieht das Wasser wieder ohne dass zwanghaft das Maßband drangehalten wurde. Wie das für manchen Fisch ausgeht könnt ihr euch ja denken!
Beispiel 2: Ich fotografiere sehr viel, aber eben nicht nur den gefangenen Fisch, sondern auch das ganze Drumherum. Als ich mal mit Kollegen an der Berchtegadener Ache war, gelang mir dort eine schöne Aufnahme eines im Gebirge heimischen Schmetterlings. Eine kleine Eidechse ging mir leider durch die Lappen. Ich schilderte dem Kollegen die mühevollen und zeitintensiven Umstände und zeigte ihm stolz das Bild des Schmetterlings. Sein Kommentar: "Ich bezahl doch nicht 20 Tacken um Schmetterlinge zu fotografieren.......ich will Fische fangen!"
Klar.....das wollte ich seinerzeit natürlich auch, aber für mich gehört die Warnehmung der Umwelt und das Festhalten von Eindrücken auf Speicherkarte eben auch dazu.
Wenn man beim Fang eines Fisches ein schlechtes Gewissen hat, dann sollte man besser in den Casting-Sport wechseln.
Ich habe es jedenfalls (noch?) nicht und für mich ist die Angelfischerei mit dem Fisch (als kollaterales "Opfer") am Haken durchaus gewissensmäßig vereinbar.
Ich gehe mit der Kreatur in der Regel möglichst schonend um, was mir leider aufgrund von Pannen oder unglücklichen Umständen (z.B. Fisch hat zu tief geschluckt oder die Hakenspitze kommt bei einem untermaßigen Fisch in der Augengegend heraus) vielleicht nicht immer gelingt. In solchen Momenten plagen mich dann auch schon mal selbstkritische Zweifel über den Sinn meines Handelns.
Ich sehe das teils regelrecht rücksichtslose Verhalten mancher Kollegen gegenüber ihrer Beute allerdings um einiges kritischer an wie das banale Ablichten der Beute. Fische können sehr viel ab, sogar mehr als manche von uns denken.
Allerdings ist regelrechte Tierquälerei am Wasser (siehe Beispiel 1) sicherlich unangebracht und alles andere als rühmlich. Man muss auch nicht unbedingt an einem Gewässer mit 0,10er Vorfach auf große Äschen oder Forellen fischen, um die Fangaussichten zu steigern (frei nach dem Motto: Hauptsache der Fisch wurde gehakt). Dann nehme ich doch lieber 0,16er Vorfachmaterial und bleibe im Zweifelsfall Schneider.
Frank hat das schon ganz gut getroffen, indem er anmerkte das es sowohl schwarze Schafe unter uns Fliegenfischern gibt, als auch vernünftige Zeitgenossen innerhalb der Gemeinschaft der Grundanglern bzw. Blechfischer!
Doch mal hypothetisch: Wo wären wir (bzw. die Fische - respektive unsere Gewässer) ohne die Anglerschaft, zu denen auch die schwarzen Schafe unter den Fliegenfischern gehören?
Nur wer Fisch fangen möchte hat ein wirkliches Interesse daran dieses auch noch in zehn Jahren noch tun zu können. In der Regel gehört also die Hege und Pflege des Wassers und der (Fisch)Bestände für den Angelfischer existenziell dazu.
Dem Kanuten oder Kajakfahrer ist es in der Regel egal, ob er Fisch unter sich hat oder nicht. Da zählt der Kick des Wildwassers oder aber die Schönheit der Landschaft. Ein Spaziergänger oder Radfahrer hat nichts mit urwüchsigen Streckenabschnitten oder renaturierten Gebieten am Hut. Dort gibt es ja keine entsprechend ausgebauten Wanderwege und zuviel Ungeziefer. Auch er zehrt in der Regel von einem schönen Ausblick auf den See oder den Fluss und das was in ihm schwimmt ist ihm in der Regel völlig "latte".
Ohne uns Angelfischer gäbe es wohl auch keine Petitionen gegen Wasserkraftwerke. Die Bemühungen für Renaturierungen und das Zurückbauen von Wehren etc. wären wohl nicht einmal nennenswert. Die Kormoranpopulation wäre aufgrund des Fehlens eines natürlichen "Feindes" (Angelfischer) explodiert und er hätte längst alles leergefressen. Irgendwann würde er dann aufgrund von Nahrungsmangel verhungern, da weder Wassersportler, noch Radfaherer oder Spaziergänger um einen Fischbesatz oder gar um ein Bestandsmanagement der bösen schwarzen Ente bemüht wären.
Zudem: Wenn der Nichtfischer Fische sehen will, dann geht er wohl eher in das Aquarium eines Zoos oder besucht Sealife, aber er geht bestimmt nicht an den Fluss oder See.
Ohne den Angelfischer würde man die Wasserkraft auch nicht so kritisch sehen und sie wäre wahrscheinlich
die Energiequelle der (wanderfischlosen) Zukunft! Natürlich würde man die WKW's ohne Fischtreppen bauen, denn die sind teuer und nur wir (Angelfischer) fordern diese (in der Regel) ein, weil wir wissen wie wichtig die Durchgängigkeit des Flusses für das Laichgeschäft ist.
Der Angelfischer ist zweifellos
das Sinnesorgan (eine Ausnahme bilden einige wenige Sporttaucher) der Menschheit was die Unterwasserfauna und -flora anbetrifft! Ohne uns gäbe es hierzulande wahrscheinlich längst keine Äschen mehr und auch der Bestand der übrigen Arten wäre wohl längst auf ein Minimum zusammengebrochen!!!!
Abschließend möchte ich noch einmal ganz konkret auf die Frage des Eingangspostings zurückkommen:
Wer den letzten Abschnitt meines Trööts sorgfältig durchgelesen hat kennt meine Antwort sicher schon. Im Normalfall: unbedingt
ja!
Aber auch hierfür gilt natürlich: Ausnahmen bestätigen die Regel und es gibt nicht nur schwarz oder weiß!
Apropos Angelfischer! Wir Fliegenfischer haben gegenüber den anderen Angelfischern einen natur- bzw. sachbedingten Vorteil: Wir verursachen meist weniger Müll am Wasser (z.B. Mais- und Madendosen) und stören auch kein Wassergeflügel bei der Brut durch "wildes Campen" während eines tagelangen Karpfen- oder Welsansitzes.
Eine Ausnahme bildet da wohl lediglich unser schwarzer Freund, den wir bei übermäßigem Vorkommen gerne bei der Brut "stören".
Gruss
Detlef