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Re: Der gute alte Archimedes
Verfasst: 16.08.2014, 19:21
von Royal Coachman
Hallo Thomas!
Die schwimmen doch in der Außenschnecke einfach nach unten, Turbineneinlässe sind normalerweise durch Gitter gesichert, die Schneckeneinlässe nicht.
Ich verstehe die Aufregung überhaupt nicht, die hier herrscht, wie schon erwähnt, das Schleifen von Kleinkraftwerken ist eine Illusion und jede Form der Gewässerdurchlässigkeit, die sogar Kleinfische den Aufstieg ermöglicht, ist zu begrüßen.
Dass sich die Boku damit beschäftigt, zeigt, dass in Österreich diesem Projekt ein gewisser Stellenwert eingeräumt wird, um es einmal vorsichtig zu formulieren.
tight lines
Gebhard
PS: nur schimpfen hat noch nie geholfen!
Re: Der gute alte Archimedes
Verfasst: 17.08.2014, 11:33
von Beppo
Hallo Thomas,
Du hast vieles richtig erkannt, aber eben nicht alles. Wenn ich bei meinem Auto den Rollwiderstand der Reifen weglasse, den Luftwiderstand beim Fahren außer Acht lasse, die Zuladung im Auto vernachlässige dann braucht mein Auto auf 100 km 1 Liter ! Das war die Theorie.
Die Praxis aber zeigt, dass die WS den Widerstand des Wassers überwinden muss, den Reibungswiderstand der Lager man beachten muss und wenn dann noch eine Turbine damit betrieben werden soll, die der WS auch einen Widerstand entgegensetzt, dann bleibt das Ding wahrscheinlich stehen. Vielleicht reicht es ja noch zum Antrieb eines Fahrraddynamos. Damit dieses Ding störungsfrei funktioniert muss vor dem Einlass ein Gitter angebracht werden um ankommendes Treibgut fern zu halten. Wie sieht es dann mit dem ungestörten Abstieg aus ? Theoretisch (im Werbefilm) alles Klasse aber in der Praxis.... . Dabei wurde noch nicht einmal erwähnt, dass das meiste Wasser über die Turbine fließt und nur ein Bruchteil des ankommenden Wassers für die WS zur Verfügung steht. Und jetzt soll mir einer sagen warum sich irgendein WKA-Betreiber solch ein störanfälliges Ding als Ersatz für seine FAH einbauen soll. Ich behaupte sogar, dass dies nicht einmal bei einem Neubau einer WKA erfolgen wird.
Es klafft halt zwischen Theorie und Praxis ein sehr großer Spalt.
Gruß Beppo
Re: Der gute alte Archimedes
Verfasst: 17.08.2014, 15:26
von Headi
Lieber Beppo!
Genau das meine ich: Nicht ein mal ein fachliches Grundlagenwissen vorhanden, aber fleißig zerreden. So wird man nie eine Lösung erreichen! Bist du Maschinenbauer? Hast du eine Ahnung vom Wasserbau? Hast du einen gewässerökologischen Hintergrund? Wenn nicht würde ich mich einfach mal zurücklehnen und die Experten machen lassen.
Die Schnecke ist ein Versuch ein Problem zu lösen. Vielleicht klappt es - vielleicht nicht. Wir befinden uns in einem komplexen Umfeld, ökonomische und ökologische Faktoren spielen eine (oftmals gegenseitig verschränkte) Rolle. Da gibt es keine einfachen Lösungen. Um so schöner dass es Menschen gibt, die daran Arbeiten. Ich finde das in jedem Fall lobenwert!
Die Rolle der Fischerei ist es, sinnvolle ökologische Ziele zu definieren und deren Umsetzung durchzusetzen und zu überwachen. Leider scheitert es schon an der Zieldefinition...
Gruß
Flo
Re: Der gute alte Archimedes
Verfasst: 17.08.2014, 15:57
von Hardy
Danke!
Bei allem berechtigten Ärger. Genau wie in der Kormorandebatte reicht es halt nicht, nur zu polemisieren und nicht durchsetzbare Maximalforderungen zu stellen.
Da wo man bestimmte Dinge nicht verhindern kann, sollte man konstruktiv daran arbeiten, den bestmöglichen Kompromiss zu finden. Wenn man jedoch nicht bereit ist, überhaupt Kompromisse einzugehen, steht man am Ende oft mit leeren Händen da.
Groetjes
Hardy
Re: Der gute alte Archimedes
Verfasst: 17.08.2014, 16:02
von Rattensack
Hallo Freunde,
wirklich eine etwas ärgerliche Diskussionskultur hier ..
ich darf mal meinen persönlichen gewässerökologischen Senf dazu geben.
Hab mir den Bericht gelesen und auch ein Video angesehen.
Erstaunlich dass das offensichtlich ganz gut funktioniert und auch "schwierige Arten" wie Koppe oder Nase zumindest grundsätzlich aufsteigen können.
Also mal interessant und begrüßenswert.
Allerdings bleiben noch eine Menge Fragen offen.
- Der Aufstieg "passiert" eher, Fische werden eher zufällig erfasst und dann ins Oberwasser transportiert.
Der Fisch hat keine Möglichkeit umzudrehen. Wenn er wieder ins Unterwasser will bzw. im Wehrkolk bleiben möchte, muss er zuerst wo auch immer wieder absteigen
- ob der Aufstieg auch für Schwarmfische mit entsprechender Gruppendynamik funktioniert (z.B. Nasen in großer Zahl), ist unklar.
Können also klassische Laichwanderungen, die u.U von hunderten großen Fischen in kurzer Zeit durchgeführt werden, bedient werden?
- ob der Aufstieg für "Tieflandarten" oder bodengebundene Arten (z.B. Streber, Neunaugen, Schmerle, Steinbeißer etc.) funktioniert ist nicht geklärt.
- Ich vermutlich dass es so funktioniert: Aufstiegswillige und andere Fische halten sich im Wehrkolk auf und gewöhnen sich sukkzessive an die Schnecke.
Wenn sie so weit habituiert sind dass sie diese nicht mehr scheuen gelangen sie irgendwann in die Schnecke und "werden aufgestiegen"
Es ist nicht auszuschließen dass es (z.B. kumulativ über mehrere Anlagen) zu einer erheblichen zeitlichen Verzögerung von Wanderungen kommt
- ein zentraler Nachteil: So eine Schnecke hat natürlich 0 Lebensraumfunktion, eine Wirkung als Ersatzlebensraum (kann z.B. in Kraftwerksketten von großer Bedeutung sein) entfällt vollständig
- eine Wirkung als funktionsfähige FischABstiegsanlage wurde (noch) nicht untersucht und ist derzeit meiner Meinung nach eher nicht zu erwarten
- durch solche innovativen Lösungen können energiewirtschaftliche Nutzungen von bestehenden Querbauwerken interessant werden, die sonst nicht nutzbar wären und ggf. rückgebaut werden, was u.U. große ökologische/fischereiliche Vorteile mit sich bringen könnte (Stau fällt weg, Barrrierewirkung wird in beide Richtungen vollständig eliminiert, Gefälle und Strecke stehen für Strukturierungsmaßnahmen zur Verfügung etc.). Ein volkswirtschaftlich unerhebliches Potential für Energie aus Kleinwasserkraft ist also gegen eine Reduktion des Sanierungspotentials abzuwiegen.
Falls ein Querbauwerk nicht rückgebaut werden kann, und durch so einen Schnecke tatsächlich fischpassierbar gemacht werden kann und zusätzlich Energie abfällt - wieso nicht?
Stellt sich nur die Frage ob der Rückbau dann auch geprüft wird ..
Dass neue Anlagen (ohne bestehende Querbauwerke) auf diese Technologie zugreifen werden, würde ich eher ausschließen - soviel zu vielen Diskussionsbeiträgen in diesem thread.
Clemens
Re: Der gute alte Archimedes
Verfasst: 18.08.2014, 09:36
von Beppo
Hallo in die Runde,
eine Scheindiskussion über ein technisches Ding (WS), dass so nie kommen wird.
Würden alle Angelvereine in Deutschland, die Fischereirechte an Fließgewässern gepachtet haben und an denen es WKA gibt, Verstöße der WKA-Betreiber gegen wasserrechtliche Bescheide zur Anzeige bringen, wäre man weiter. Die Vereine haben ein eigentumsgleiches Recht auf Pachtzeit und haben sehr gute Chancen hier einiges zu bewegen. Diese hier geführte Pseudo-Diskussion -Geht nun die WS oder geht sie nicht- läuft völlig ins Leere. Ein schöner technischer Schnick-Schnack, von Technik-Freaks.
Gruß Beppo
Re: Der gute alte Archimedes
Verfasst: 18.08.2014, 11:57
von HansAnona
Hallo Beppo,
das Eine (Verstöße gegen Bescheide) hat mit dem Anderen (Möglichkeiten zur Fischwanderung) nichts zu tun.
Die vorgestellte Aufstiegs und Abstiegshilfe als Doppelschnecke ist als Chance zu sehen, nicht als Problem.
Liebe Grüße, Alf.
Re: Der gute alte Archimedes
Verfasst: 18.08.2014, 12:43
von Siegfried.
Hallo Alf,
als Chance für wen oder was? Für die Fische zum Karussellfahren, innen hoch und außen runter, und wieder inn....? Oder für die WKA-Betreiber, um auch noch aus dem letzten Tropfen Wasser Geld herauszupressen und vom grünen Strom zu faseln?
Gruß
Siegfried
Re: Der gute alte Archimedes
Verfasst: 18.08.2014, 17:23
von Beppo
Hallo Alf,
dass ist mir neu, dass wasserrechtliche Bescheide nichts mit mit der Fischwanderung zu tun haben sollen. Wenn der WKA-Betreiber die Mindestwasserauflage nicht einhält und die wird im wasserrechtlichen Bescheid festgelegt, mit einer Staumarke oder Pegellatte am Wehrkörper fixiert, legt er die Ausleitungsstrecke fast oder ganz trocken. Sollen dann die Fische zu Fuß zur FAH kommen ? Ich glaube hier herrscht noch viel Unkenntnis.
Gruß Beppo
Re: Der gute alte Archimedes
Verfasst: 18.08.2014, 17:30
von HansAnona
Auf welche Aussage von mir bezieht sich das jetzt?
Verwirrt, Alf
Re: Der gute alte Archimedes
Verfasst: 18.08.2014, 19:30
von CPE
Hallo Leute,
Um wenigstens eine Frage von Gammarus ideologiefrei zu beantworten:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wasserkraftschnecke
Die Archimedes-Schraube hat einen Wirkungsgrad von um die 70%. Das scheint zu bedeuten, dass die innere, aufwärts führende Spirale mit ca. 30% geringerem Querschnitt als der äußere Ring ausgeführt sein muss. Allerdings haben wir ja zwei Spiralen, d.h. sowohl die aufwärts als auch die abwärts gerichtete Spirale haben einen 70%-Wirkungsgrad. Demzufolge muss die äußere Spirale die Verluste von 1-0,7*0,7 = 51% ausgleichen, grob gesagt muss ich also, unabhängig von der Förderhöhe übrigens, ca 2 Liter Wasser flussabwärts schicken, um 1 Liter Wasser nach oben zu befördern. Bei 1 m Gesamtrohrdurchmesser muss dann die innere Schnecke ca. 58 cm Durchmesser haben, der äußere Abstiegsring hat dann also eine Kreisringdicke von 21 cm, um genau die Reibungsverluste auszugleichen. Energie wird dabei nicht erzeugt, weil die Reibungsverluste sich genau kompensieren. Das erscheint doch erst einmal ziemlich plausibel, oder nicht?
Grüße, Norbert
Re: Der gute alte Archimedes
Verfasst: 18.08.2014, 22:14
von Kanne
Wäre ich jetzt ein Wanderfisch,
würde ich so lange brauchen, um die neue für mich gebaute Technik zu verstehen und zu nutzen, bis diese längst verrostet und als Eisengehalt im Zukunftsregen angelandet und in Stein gebunden wäre. Die knallharte Position kontra Kleinwasserkraft muss der knallharten Position pro Wasserkraft gegenüber stehen. Sonst gibt es keine Kompromisse. Ist ja klar. Bin da kontra. KEIN RESTSTROM BEI NIEDRIGWASSER MIT EEG ZULAGE.
Abendgrüße, Lutz
Re: Der gute alte Archimedes
Verfasst: 19.08.2014, 01:59
von orkdaling
Das ist ja wieder typisch hier. Diskussion zerreden, gegensitige Vorwuerfe von Unkenntnis usw.
Fuer mich ist jedenfalls klar das solche Kleinkraftwerke (egal welcher Art) absolut unnøtig sind in der heutigen Zeit.
Und die beste Aufstiegshilfe (wenn nøtig) ist doch immer noch eine naturnahe Fischtreppe.
Da træumen die Fische von und ich auch.
Gute Nacht
Hendrik
Re: Der gute alte Archimedes
Verfasst: 19.08.2014, 06:43
von CPE
Kanne hat geschrieben:Die knallharte Position kontra Kleinwasserkraft muss der knallharten Position pro Wasserkraft gegenüber stehen. Sonst gibt es keine Kompromisse.
Hallo Lutz,
Nur zum Verständnis: zwei derart "knallharte" Positionen werden genau wie einen Kompromiss finden?
Gruß, Norbert
Re: Der gute alte Archimedes
Verfasst: 19.08.2014, 10:38
von Hardy
orkdaling hat geschrieben:Das ist ja wieder typisch hier. Diskussion zerreden, gegensitige Vorwuerfe von Unkenntnis usw.
Fuer mich ist jedenfalls klar das solche Kleinkraftwerke (egal welcher Art) absolut unnøtig sind in der heutigen Zeit.
Und die beste Aufstiegshilfe (wenn nøtig) ist doch immer noch eine naturnahe Fischtreppe.
Da træumen die Fische von und ich auch.
Gute Nacht
Hendrik
moin,
das ist halt so in einer Pseudodiskussion, in der bei manchen Teilnehmern das Weltbild knallhart und unverrückbar festgetackert ist.
In der eigentlichen Sache sind wir doch alle der gleichen Meinung, dass KKW in der bestehenden Form bullshit sind und ausnahmslos geschleift werden müssten. Bevor wir aber nun alle mit Dynamitstangen losrennen, um die nächste Mühle zu sprengen, sollten wir kurz des grundgesetzlich normierten Eigentumsrechts gedenken. Der Sozialisation geschuldet, haben damit erfahrungsgemäß einige Angehörige der östlichen Stämme manchmal Probleme, was per se ja nicht verwerflich ist, aber zunächst am status quo wenig ändert.
Wollen wir also für die Wasserfauna etwas erreichen, müssen wir uns in die Diskussioen einschalten und unsere Position offensiv vertreten. Da muss man zur Zeit ziemlich dicke Bretter bohren, keine Frage. Lehne ich von vornherein nur immer alles kategorisch ab, werde ich aber als Diskussionpartner bald nicht mehr ernst genommen und bin raus aus der Nummer.
Ob das dann den Fisch weiterhilft, wage ich stark zu bezweifeln.
Groetjes
Hardy