Heinz hat geschrieben:Der Zweck der sogenannten Sportfischerei ist nun mal das Fangen von Fischen, da soll sich kein Fischer besser machen, als das wirklich ist. Ob man sie nachher releast, das ist eine andere Frage. Die Gewässerpflege ist ein Nebenprodukt, das ist die Wahrheit.
Servus Heinz,
Du sprichst damit sicherlich die Realität an - wenn ich aber in Deutschland einen gemeinnüztigen Fischereiverein gründe und die Sportfischerei so definiere wie Du oben dann bekomme ich schon mal kein Verbandsgewässer in der Pacht. Deshalb stehen bei allen Vereinen in Bayern Gewässer- und Bestandspflege als Vereinsziel definiert und nicht die Sportfischerei wie von Dir definiert.
Ein Besuch auf der Hauptversammlung klärt dieses "Missverständnis" schnell auf - die Diskussionen drehen sich genau um die Interessen der Sportfischerei und nicht die der Gewässerpflege. Teilweise sind da Verbandsrepräsentaten anwesend - die halten sich aber bei den Diskussionen zurück...
Als (Privat-)Pächter kommst Du hier an die Grenze der Verzweiflung wenn Dein Anliegen wirklich Habitatsverbesserung und Bestandspflege ist. Bei Verbänden hast Du kaum Chancen da diese Vereine und Berufsfischer bevorzugen (finde ich auch gut, schooner ware natürlich wenn dann auch das Hegekonzept nachgehalten warden würde). Bei privaten Pachten konkurrierst Du aber mit diesen Vereinen und kommerziellen Pächtern die in der Annahme mit Attraktivitätsbesatz ein Wirtschaftsmodell betreiben zu können dass deutlich mehr Fischereitage an dem Wasser vorsieht als für das Wasser gut ist in einer Preisrange die vollkommen utopisch für die Privatpacht einer kleinen Interessengemeinschaft ist. Ausser das sind Millionäre...
Heinz hat geschrieben: Und manche Gewässer lassen der Aufbau einer natürlichen Alterspyramide überhaupt nicht zu - entweder weil das Gewässer an sich nicht geeignet ist und kein Aufkommen von Brut zulässt oder weil fischfressende Tiere, die dort nie oder nur in geringem Masse vorkamen, jetzt auf einmal in grossen Mengen vorkommen und das Gewässer leerräumen (etwa die Kormorane, die man so lange geschützt hat, bis sie zur Plage wurden etc. etc.). Oder weil es in Laufe von wenigen Jahren immer wieder hochwässer gibt, was früher nicht os der Fall war. Deswegen verstehe ich es auch, wenn da und dort ein sogenannter Attraktivitätsbesatz durchgeführt wird, weil sonst einfach kein Geld mehr reinkommt. Dann unterbliebe aus Geldmangel auch die jetzige Gewässerpflege und es ist ein Irrtum zu glauben, dass sich dann alles von selbst zum Besseren wenden würde. Zumindest nicht in Zentraleuropa mit seinen Umweltschäden. Und die Sportfischerei wäre dann auch zu Ende, wer fischt dann schon in fast leeren Gewässern.
Ich versuche es knapp auch wenn es da so viel zu schreiben und diskutieren gibt:
Attraktivitätsbesatz ist aus meiner Sicht ein Luxus der ich mir leisten können muss. Die Verkettung von Ursache und Wirkung ist für mich nicht immer: Wenn ich das nicht mache kann ich die Pacht nicht mehr zahlen weil ich Mitglieder/Einnahmen verliere. Nach meinem Wissenstand ist Attraktivtitätsbesatz teuer und muss immer wieder vorgenommen warden. Die Tiere kommen in eine Umgebung die nicht geeignet ist für den Arterhalt (die Gründe hast Du beschrieben) und verschwinden deshalb relative schnell wieder (Abwanderung, Predatoren, Umweltkonditionen).
Wenn ich den Sportfischern die Entnahmemengen in Fisch geben würde könnte ich mir wahrscheinlich 90% der (Attraktivtitäts)Besatzkosten sparen. Will aber auch niemand weil wir eben Sportfischer sein wollen und keine reinen Fischesser.
Warum die Gewässer aber fischleer sein sollten wenn ich den Besatz weglasse kann ich noch nicht nachvollziehen. Entweder ist das Gewässer derart belastet / vermurkst dass auch die Besatzfische sofort verschwinden oder aber es können sich dort Fischarten halten, vielleicht nicht die, auf die der Sportfischer gerne fischt... Wir Sportfischer fördern das doch sehr oft mit dem Zurücksetzen von Fischarten die wir nicht wollen wie Aitel, Barbe und co. Kaum einer entnimmt diese Fische aber viele verstehen dass diese als Bruträuber und Nahrungskonkurenten eigentlich den Zielfischen Konkurenz machen.
ich gebe Dir recht: ware Gewässerhege das oberste Ziel würde so gut wie jedes Mitglied zunächst nach einer Habitatsverbesserung streben den an Attraktivitätsbesatz denken. Die Realität sieht leider anders aus.
LG
Markus