Akte FF: Unglaubliche Geschichten vom Fliegenfischen

Was macht FLIEGENFISCHEN aus? Hier darf nach Herzenslust gefachsimpelt werden! Auch Termin- und andere Ankündigungen passen hier herein. Erlebtes Fliegenfischen - hier kannst Du Deine Erlebnisse für alle schildern, wir lesen gerne Storys von früher und heute!
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Hans.
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Beitrag von Hans. »

Lieber Frank,
mit ist noch diese Begebenheit eingefallen:



Die kleine Talsperre ist schon lange ein Fly-Only-Gewässer. Die Fliegenfischer haben ihre Ecken zum Hineinwaten und fischen dicht unter der Oberfläche mit Nymphe und Naßfliege auf die fetten, buckelnden Regenbogenforellen. Wenige Tage im Jahr gibt es richtige Stiege, Ring an Ring, da verschwinden die trocken gefischten, großen Elk-Hair-Caddies in weit aufgerissenen Mäulern.

Die Spinnfischer kommen auch. Sie gehen ans dicht bewachsene Steilufer, da, wo die Fliegenfischer nicht ins Wasser können und die Schnur nicht auf richtige Weite bekommen. Weit schießt die Wasserkugel hinaus und wird mit Nymphe oder Streamer am Vorfach wieder eingekurbelt. So leben beide Fraktionen friedlich nebeneinander, und beide fangen ihre Fische.

Eines Tages aber sah ich einen alten Mann die Wasserkugel werfen, gar nicht so irre weit wie die anderen immer. Nein, die Wasserkugel, vorsichtig geworfen, flog vielleicht 10 oder 15 Meter und blieb dann liegen, was mich erstaunte und neugierig machte. Also hin zu ihm, ein Schwätzchen halten und mal sehen, was da eigentlich los ist. Ich schlenderte am Ufer entlang und kam in seine Nähe. Seine Kleidung war mit Weste, Wathose und Hut absolut fliegenfischertypisch. Kurz und gut, nachdem wir uns eine Weile unterhalten hatten stellte sich heraus, das er sein Leben lang begeisterter Fliegenfischer war, aber aus diversen gesundheitlichen Gründen das Werfen mit der Fliegenrute nicht mehr ausüben konnte. Da behalft er sich nun mit der Wasserkugel, wurde aber nicht zum Spinnangler, immer wieder auswerfen und einkurbeln kamen nicht in Frage! Die Wasserkugel transportierte nur seine Trockenfliege. Diese ließ er dann im Film stehen oder auch mit dem Wind treiben, immer in der Hoffnung eine Forelle würde mal vorbeikommen und danach schnappen. So blieb er auf seine Weise, mit der Wasserkugel als Krücke und einer Träne im Knopfloch, dem Fliegenfischen treu.


Grüße
Hans
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flifiandy
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Beitrag von flifiandy »

@ Hans

schön geschrieben - bewegend !


tl Andy
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Frank.
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Beitrag von Frank. »

flifiandy hat geschrieben:schön geschrieben - bewegend !
Nicht nur loben, lieber Andy: selber plaudern!

Aber ansonsten kann ich mich Dir nur anschließen.

Herzlichst, Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
Franz Kafka
Hans.
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Beitrag von Hans. »

Ja,

mich hat das auch bewegt, nicht nur damals. Immer mal fällt mir diese Geschichte wieder ein und entlockt mir einen tiefen Seufzer.

Herzliche Grüße
Hans
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flifiandy
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Beitrag von flifiandy »

Richtig,
zumal wir ja auch Alle einmal dahinkommen.....

(wird es uns ähnlich ergehen) :cry:

tl Andy
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Wolfgang Hinderjock
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Beitrag von Wolfgang Hinderjock »

Die Geschichte ist nun nicht gerade unglaublich oder etwas besonderes, ich schreib sie trotzdem mal.
Ich gebe ihr auch garkeinen Titel.

Jedenfalls gehts ums Angeln, auch ums Fliegenfischen.

In meinem Elternhaus kam das Angeln faktisch nicht vor, mein Vater war bekennender Anglerhasser, seiner Meinung nach war,
wie er es auszudrücken pflegte, Angeln eine Art von Gehirnverblödung, eine Tätigkeit die nur von arbeitscheuen Elementen, Alkoholikern und der gleichen ausgeübt wurde.
Das störte mich in meiner Kindheit anfangs nicht, da ich keinerlei Beziehung zum Angeln fand, besser gesagt kannte.

Dies sollte sich mit unserem Umzug in das wasserreiche Mecklenburg gründlich ändern, Angeln war in Mecklenburg Volkssport, jedes Schulkind stippte wild in der Gegegnd herum.
Ich, verleitet durch meine Schulkameraden zwangsläufig auch, aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte.

Jedenfalls wurde ich ein sehr besessener Angler, ich probierte alles Mögliche aus, las sehr viel in der einschlägigen Literatur, guckte mir viel ab u.s.w..

Damals gab es keinen Fischereischein, wie man ihn heute kennt und Kindern bis zum 14.Lebensjahr war das Angeln sowieso generell erlaubt, ohne jeglichen amtlichen Schein.

Nur das gezielte Raubfischangeln, sowie das Angeln auf Salmoniden blieb uns Kindern verwehrt.
Dazu musste man 14 Jahre alt sein und sich einer Prüfung unterziehen.
Die sogenannte Raubfischprüfung war kein Problem, die konnte man in jedem Verein ablegen, ein paar theoretische Fragen über Schonzeiten und Midestmaße und eine kurze praktische Prüfung und das Ding war gegessen.
Die praktische Prüfung bestand übrigends aus drei Zielwürfen mit einer Spinnrute auf einen Autoreifen, treffen musste man aber nicht..........

Damals verbrachten wir sehr viel Zeit im Harz, genauer gesagt in Harzgerode.

Nun hatte Harzgerode die interessante Eigenschaft, daß sich durch die Ortsteile Silberhütte, Alexisbad und Mägdesprung ein Flüsschen Namens Selke schlängelte.

Nachteilig für mich war, daß es sich um ein Salmonidengewässer handelte und ich kam einfach nicht an die dafür nötige Prüfung heran.
Zu Hause in Mecklenburg stieß ich an allen erdenklichen Stellen auf taube Ohren, ich berief mich auf das Statut des Verbandes, nach dem dies jedem Bürger kostenlos möglich sein sollte.
Ich bekam die aberwitzigsten Ausreden zu hören, bis ich dann feststellte daß einfach niemand die nötige Qualifikation besaß diese Prüfung abzunehmen, da es in Mecklenburg eh keine "Salomiden", wie der Kreisfachausschußvorsitzende meinte, gäbe......

Nun war aber dieser Bach, also die Selke für mich trotz alle dem sehr verlockend.

Also Spinnrute geschnappt, was ja da erlaubt war, 10 Pfennig für die Fahrkarte der Kleinbahn gelöst und nach Alexisbad gefahren.

Dort angekommen, die neu erstandenen Sandalen als Watschuhe mißbraucht und in kurzen Hosen rein in den Bach...........

Die leichten Ansätze eines schlechten Gewissens verschwanden sehr schnell, niemand hielt mich auf.
Nach einigen Tagen bewegte ich mich mit absoluter Selbstverständlichkeit und Sicherheit am Gewässer.

Eines schönen Tages, ich fischte gerade auf Höhe der kleinen Kapelle in Alexisbad, passierte es..........

Es "plumste" gerade eine Forelle, heute würde ich sagen sie stieg, aber damals plumste sie halt einfach.
Ich warf sie mit dem Spinner an und nach 2-3 Kurbelkumdrehungen hing der etwa 35cm lange Fisch.
Wie ich diesen aber gerade in meinem Rucksack verschwinden lassen wollte, bemühte sich der vorher so harmlos wirkende Gleisarbeiter,
der am neben dem Bach verlaufenden Kleinbahndamm gearbeitet hatte, plötzlich die Böschung herunter und auf mich zu.

Er grüßte freundlich, beglückwünschte mich zu dem Fisch und hielt mir zeitgleich einen Ausweis unter die Nase.
Während mir das Blut in den Kopf schoß las ich irgend etwas von Fischereiaufsicht.......mir schwante Böses.

Verlegen, mit gesenktem Blick stand ich da, während er in meinem DAV-Büchlein blätterte, wohl nach der Salmonidenmarke suchend, die er natürlich nicht fand.

Dann gab er mir den Ausweis wortlos zurück, blickte sich um, schien einen Moment zu überlegen, dann sagte er, daß ich schleunigst hier verschwinden solle
und mich lieber etwa einen Kilometer weiter stromab bewegen solle, da laufe die Straße nicht neben dem Fluß, außerdem seine da viele Büsche und ich würde nicht so gesehen.

Ich ging aber erstmal nach Hause, ich war deutlich verunsichert.


Am nächsten Tag fuhr ich mit der Bimmelbahn eine Station weiter, dort war der Bach tatsächlich stark mit Büschen verwachsen, schlecht einzusehen und Fische gab es auch, ich gewann sehr schnell meine Sicherheit wieder.

Ich fischte so vor mich hin, bis es hinter mir leicht raschelte, da stand er wieder, der Mann vom Gleis mit dem hässlichen Ausweis, diesmal mit einer Fliegenrute bewaffnet.

Er sah zu mir rüber, grinste über das ganze Gesicht und fing an zu fischen.
Ich kannte Fliegenfischen nur aus Büchern, real sah ich es zum ersten Mal, der Mann schien das zu können, ich hörte auf zu angeln und sah ihm eine ganze Weile zu.
Er hatte das wohl bemerkt, machte eine Pause und fing ein Gespräch mit mir an, wie wir so quatschten, erzählte ich ihm mein Leid mit der vermalledeiten Salmonidenprüfung.

Er ging anfangs nicht darauf ein, erklärte mir aber einige Zusammenhänge des Fliegenfischens, was ich begierig aufsaugte, wie ein trockener Schwamm.

Dann stand er auf und wollte wieder fischen, er war schon einige Meter weiter gegangen, da hielt er plötzlich inne, guckte einen Moment in die Leere, drehte sich zu mir um und fragte, "Hast du Samstag Vormittag Zeit?"
Ich muß wohl etwas dämlich geguckt haben, er fuhr fort, "Kannste Samstag um 10 nach Günterberge kommen? Musste mit dem Bus fahren!"
Ich zuckte mit den Schultern, "Kannste oder kannste nich? Da machen wir in der Ortsgruppe die Abnahme der Salmonidenqualifikation!"

Logisch konnte ich und wie!

Samstag 8:30 Uhr stand ich in Günterberge auf der Matte!

Den Bus brauchte ich nicht bemühen, mein Onkel hatte mich mit seinem Forst-Dienstfahrzeug, einer AWO mit Seitenwagen hingefahren und wollte mich auch wieder abholen.

Um 10 ging es dann auch tatsächlich los, der Prüfer war, oh Wunder, natürlich der Mann vom Gleis.


Zwei Stunden später stand ich dann wieder auf der Straße, als völlig legaler Salmonidenangler, mit der begehrten Marke im Ausweis, einem dicken Stempel darauf und zufrieden mit mir selbst.
Hatte ich doch sogar im Praxisteil, nach kurzer aber lautstarker Unterweisung ein paar leidliche Würfe mit einer Fliegenrute hinbekommen.

Ich blieb aber doch noch eine ganze Weile Spinnfischer, das mit dem Fliegenfischen interessierte mich aber trotzdem, wie das weiter ging schreib ich vieleicht auch noch mal.
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Thomas aus Hamm
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Beitrag von Thomas aus Hamm »

Titel: Der Riesenzander aus dem Aasee

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Meine Geschichte stammt aus dem Jahre 1983 und ich war einer der Beteiligten.....

Es war an einem nasskaltem Freitag im November, es nieselte und die Temperatur war einstellig. Eigentlich ein Wetter wo man es genießt, sich zu Hause einen schönen Abend zu machen.

Das Telefon klingelte mittags im Büro und am anderen Ende war Rainer , Rainer ist mitlerweile einer der besten Raubfischangler im Ruhrgebiet und der Bruder meines besten Freundes.

Langen, wie siehts aus hallte es durch den Höhrer...

Was meinste? ich wußte natürlich worum es ging...

Am Aasee rennt der Zander wie bekloppt, Ecki hatte gestern einen 82er

Um 16.00 Uhr bin ich bei Dir, Rolf und Matto kommen auch mit...

Hast Du Fischchen? aber diese Frage ging schon ins Leere, natürlich hatte er und pünktlich um 16.00 Uhr hielt der rote Kadett B vor meiner Haustür.
Nach 35 Minuten erreichten wir Münster, die Gespräche während der Fahrt drehten sich natürlich nur um Freund Stachelritter.

Die Jungs stehen weit draußen, 60 Gramm Bleie müssen schon sein, Du mußt ins alte Flussbett der Aa kommen usw. usw. Als wir im alten Teil des Aasees ankamen, regnete es in strömen, schnell wurde ausgepackt, die Ruten bestückt und schon flogen die (toten, na gut, fast toten ) handlangen Rotfeder am 28erNylonvorfach richtung Seemitte. Bimmelsystem montiert, Schnur in einen Haarclip (elektrische Bissanzeiger gabs noch nicht) und dann wurde versucht, es sich ein wenig gemütlich zu machen.

Angelschirme wurden zusammengerückt, aufgrund des Windes mit Bodenankern gesichert und die 3 Schirme mit einer Folie zu einem großem Unterstand verbunden.

Ihr kennt das ja, alles drehte sich in diesem Alter bei mir ums Fischen und natürlich kamen die Mädels auch nicht zu kurz.....bis....Matto, da war ne Glocke, alle sprangen aus den Stühlen und rannten zu Mattos Ruten...

Er läuft, tatsächlich die Schnur wanderte in Klanken durch die Ringe...
jetzt steht er....wenn er wieder geht, gib ihm einen... sagte Rainer. Obwohl jeder von uns in seiner Zeit als Angler bestimmt über 50 Zander gedrillt und gefangen hatte, kamen Rainers Bemerkungen wie vom Tonband.

Genau so war es, der Anschlag saß und die "Staffelsee" von Matto bog sich wie ein Flitzebogen, nach 5 Minuten lag ein schöner 70er im Gras.

Nach weiteren 4 Stunden in denen kein Biss mehr kam und es immer ungemütlicher wurde, verstummten die Gespräche langsam.

Die Kannen mit heißem Tee waren leer und die mitgebrachten Ölsardinen und Mettwürstchen hatten auch ihre Abnehmer gefunden.
Als ich um 23.30 Uhr das letzte mal auf die Uhr schaute, schliefen meine Kollegen bereits in ihren Stühlen.

Dann gingen bei mir auch die Rolladen runter, bis.......ja bis ich durch Rainers eindringliche Schreie unliebsam geweckt wurde....

Alle die zu jeder Jahreszeit am Wasser sind, können es sich vorstellen, es hatte ca. 3 °, Regen,Wind, steife Knochen, eingeschlafen usw.

Langen, Langen, Du hast ein Wahnsinnsbiss, wir rannten zu den Ruten und tatsächlich, das Glöckchen bimmelte wie wild und die Schnur rannte durch die Ringe und es hörte garnicht auf. Die Schnurmenge auf der Rolle wurde merklich weniger.... was haste drauf? 160 m 30er Platil sagte ich...
warte noch, der Bursche bleibt nicht stehen, lange kannste nicht mehr warten.

Langen, jetzt gib ihm einen.....und ich gab.....im gleichen Augenblick bog sich die Rute im halbkreis und die Bremse der alten Qick Finessa krächtzte bedenklich. Das ist ein Schwein, ganz sicher, der kratzt an der Metergrenze, hab ich doch gesagt das Zandertime is.... Rainer war in seinem Element.

Alle suchten im Lichtkegel der Taschenlampen den ersten Kontakt, ich spürte mitlerweile was großes an meiner Angel, aber ein Zander.....?...ich behielt meine Gedanken für mich und konzentrierte mich auf das kommende. Mitlerweile drillte ich fast 10 Min. und bekam diesen Fisch immer noch nicht ans Ufer.

Macht die Kescher klar... der kommt gleich..dann wieder einer von Rainers Urschreien......boooaaah, was ein Schwein.....ich hab den weißen Bauch gesehen...er hat sich gerade an der Oberfläche gewältzt.

Mitlerweile bekam ich etwas Muffensausen, sollte ich wirklich einen Rekordfisch am Haken haben? Immer wieder ging der Fisch in die Bremse.

Dann konnte ich ca. 20 m Schnur aufnehmen, die Aufregung war immer noch groß, nur drehte sich Matto plötzlich ab, ging ein paar Schritte und fing fürchterlich an zu lachen.

Auch ich hatte nun den ersten Blickkontakt zu meinem Opfer, es war...,
nein es war kein Stachelritter, es war ein Jungschwan der sich mein Rotauge einverleibt hatte. Rainer sagte kein Ton mehr, ich holte das Tier vorsichtig ans Ufer, der kleine Zwillingshaken konnte schnell entfernt werden und das verängstigte Tier wieder in die Freiheit entlassen werden.

Komisch, keiner sagte mehr was, es war mitlerweile halb 2 in der früh, alle packten ihre Ruten zusammen und nach einer viertel Stunde bollerte bereits die Heizung im Kadett.

In Höhe Ausfahrt Dülmen meinte Rainer plötzlich, auch Spezialisten können sich mal irren und alle lachten sich schlapp.

Diese Geschichte wird auch heut noch bei einem Bier unter Freunden gerne erzählt und auch heute lachen wir noch über den weißen Bauch vom Riesenzander.


TaH
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Michael.
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Beitrag von Michael. »

Wahnsinn Thomas, wie man sich vergucken kann ... :wink: 8) Da fällt mir auch gleich 'ne Geschichte ein. Nur 'ne kurze, aber dafür nett :D

Es trug sich vor rund 15 Jahren zu. Wir waren mit einer kleinen Truppe nach Tschechien, Südmähren, über's verlängerte Wochenende zum Fliegenfischen gefahren. Die Füsse dort - Svratka, Jihlava, Thaya - vielleicht kennt sie jemand - sind nicht einfach, alle Talsperrenreguliert, liegen aber in wundervoller Natur.

Eines Tages befischten wir die Jihlava. Es war ein warmer Frühsommertag, die Fische hatten nur wenig Lust und am frühen Nachmittag war auch bei uns die Luft raus, alles rief nach Rast.

Ich stand neben Lutz und Klaus am Ufer, wir schauten durch das dicht verwachsene Ufer auf einen kleinen Flußausschnitt genau vor uns. Nach rechts und links konnten wir aufgrund des dichten Bewuchses nicht sehen.

Auf einmal schoss etwas kleines, silbrig helles, heftig rotierend und mit hoher Geschwindigkeit in der Mitte des Flusses entlang... :?:

Klaus riß den Arm nach vorn und schrie sofort los: "Boahhhh... ne Sedge !!! Hat die 'nen Power drauf.......!!!" :shock:

Wir ließen das mal unkommentiert, weil nicht aufklärbar, stehen und wandten uns zum weiter gehen....

... da kam ein Spinnangler aus dem Gebüsch, als Köder einen kleinen silbrigen Mepps-Spinner an der Schnur... :shock: :idea:

Wir schauten uns an und mussten losprusten.

Seitdem trägt unser Klausi den neuen Spitznamen "Power-Sedge" :D :D

Gruß
Michael

Ich hätt' da noch 'ne schöne Geschichte vom "Kohlweißling". Aber wenn ich mir's recht bedenke... die Sache soll der Stefan in Hamm selber erzählen, wenn er will... das riecht nach Mecker :shock:
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sundeule
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Beitrag von sundeule »

Da hätte ich noch ein Ereignis vom Juli:

In diesem Sommer erlebte ich meinen bisher spektakulärsten Hechtdrill. Aber der Reihe nach…
Als ich morgens mit Nico telefonierte war ganz schnell klar: abends um sechs steigen wir in die Watbüchs und gehen den Strelasund beklauen.
Nico schleuderte das Eisen an der Spinne gen Horizont und ich kümmerte mich mit der Fliegenrute um den Nahbereich.
Bei den ersten Würfen stiegen gleich ein Barsch und ein kleiner Hecht von vielleicht 50 cm auf den weißen Zonker ein. Wir liefen ein Stück das Ufer ab und mit 7:1 Barschen lag die Fliegenrute zu meiner großen Freude deutlich vorn.
Dann fing Nico den ersten besseren Hecht und verlor nur wenige Würfe später einen zweiten. Ich fand, dass es so nicht geht, verabschiedete mich von der Barschangelei und montierte eine 15 cm lange Barschimitation aus Polarfibre.
Nach zwei Würfen mit dem halben Hühnchen knallte auch bei mir ein sechziger Hecht auf den Köder. Ja, so geht das!
Es war ein schöner Angeltag und so langsam dachte ich daran Feierabend zu machen. Natürlich nicht, ohne noch mal fix ein Paar Würfe in das Loch zu machen, aus dem ich schon so manchen Hecht gezogen habe...
Der zweite Wurf brachte dann auch gleich einen Biss! Der Fisch nahm den Streamer hart und schraubte sich kurz danach in ganzer Länge aus dem Wasser. Ein schöner Anblick! Der mit seinen 70 cm eigentlich noch recht kleine Fisch gab ordentlich Gas und war nur schwer zu ermüden. Auch nach einpaar Minuten war er noch nicht für eine Handlandung bereit. Bei einer seiner Fluchten vergrub er sich schließlich 3 Meter vor mir im Kraut und hing fest. Vorsichtig versuchte ich ihn in alle möglichen Richtungen aus dem Kraut herauszuziehen. Nichts – keine Bewegung! Wenn der Hecht nicht zum Angler kommt, muss der Angler halt zum Hecht. Ich watete auf ihn zu und versuchte ihn mit den Füßen zum Verlassen des Verstecks zu bewegen.

Als ich direkt vor ihm stand, zeigte mir der Bursche, dass er noch Power hat und sprang.

Mitten in mein Gesicht!

Ich sah den Hecht nur kurz im Wasser auf mich zurasen und schon spürte ich ihn an meiner Nase. Es ging so schnell, dass mir die Gedanken erst gar nicht kamen, was wohl passiert wäre, wenn er das Maul geöffnet hätte…
Er prallte von mir ab und landete kopfüber im Schnurkorb, legte den Schwanz in meiner linken Armbeuge ab und lag wie ein schlafendes Baby in meinem Arm. DAS war dann wirklich mal ein Hechtsprung der sich sehen lassen konnte!

Die Heiterkeit auf dem Heimweg war entsprechend und der vierte Monat meiner Fliegenfischerbiografie hat sein ganz besonderes Highlight bekommen.

mit besten Grüßen
André
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Michael St.
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Beitrag von Michael St. »

Hallo Freunde,

bei mir bleibt Folgendes unvergessen:

Vor gut neun Jahren machten mein Freund und ich mal eine Kutterausfahrt, ich war damals vom Fliegenfischen noch nicht so infiziert wie jetzt....

Wir fahren eigentlich jedes Jahr nach Kalifornien/Schönberg zum Fischen.
Eine nette, ruhige Gegend, damals fuhren wir noch mit den Eltern meines Freundes an die Ostsee.
Brandungsfischen, Posenfischerei an der kleinen „Kuhbrücksau“, man konnte sich die Ferien damals so schmecken lassen.

Uns packte aber irgendwann mal die Lust auf eine Dorsch-Butterfahrt.
Mein Vater war schon ein paar Mal mit mir auf einem Kutter, für mich also nix Neues.
Kollege Simon hatte noch nie eine Fahrt mitgemacht, er war damals noch nie auf See.

Abends vorher wurden Vorfächer geknüpft, Pilker auf Hochglanz poliert, die Freude wuchs.
Am nächsten Morgen standen wir früh auf, Simons Vater Reinhold brachte uns nach Laboe, von dort sollte die Fahrt beginnen.

Wir standen morgens also im Hafen. Welchen Kutter sollten wir nehmen? Ein roter fiel sofort auf, er war auch noch drei Mark günstiger als die Anderen, auf dem Kahn stand „MS T...“.
Der der damalige Kapitän, ein untersetzter, bärtiger Knurrhahn mit dem Namen Klaus, begrüßte uns schon beim Betreten mit einem „Na Jungs, habt ihr auch genug Geld mit damit ihr Schmuck kaufen könnt?“ Ein Seebär durch und durch.

Wir konnten am Heck zwei Plätze neben einem „Profi“ bekommen und montierten die Ruten. Horst, so sein Name, erzählte uns dann auch von seinen erfolgreichen Fahrten und präsentierte uns stolz seinen Namen in der Blinker-Hitparade mit einem 32-Pfünder.
Was für ein Zufall, dass die Ausgabe noch im Angelkoffer lag...

Nach einer guten Stunde Ausfahrt ging es los, ich konnte schon beim ersten Stop zwei Dorsche verhaften, Simon blieb noch erfolglos. Zwei Stops weiter hatte er immer noch kein Glück, fühlte sich ohne Reisetablette am Heck zwischen den Auspuffgasen des Diesel-Panzers und der Dünung sichtlich unwohl – er musste einfach kotzen.

Nun, ihr kennt das ja, normalerweise steckt man seine Rübe über Bord und naja, im besten Fall fischt man dann weiter. Simon kannte das so nicht und suchte die kleine Bordtoilette bei uns am Heck auf. Dieses kleine Klöchen hätte getrost das Schild „Dreckigster Pott der Weltmeere“ tragen können.
Nach einer guten viertel Stunde kam er grün-gelb angelaufen mit verzauseltem Haar wieder vom Örtchen, und packte seine Rute. Ich hatte während seiner erbro.... äähm, abgebrochenen Fischerei noch zwei Dorsche fangen können.
Neben Profi-Horst und mir stehend, fragte er: „Was ist das denn?“ und deutete auf undefinierbares Zeug das vom Heck ausgeschwemmt wurde.
„Das warst du, das ist deine K.....“ sagte Prof. Dr. Dorsch.

Der folgende „Stop“ hatte es in sich, ich verspürte einen Hänger, der keiner war.
Also hochgepumpt und die Lacher auf meiner Seite; ich hatte einen SPIEGELGLATTEN, kokosnussgroßen, RUNDEN Stein gefangen. Der Stein hatte nur ein Loch von der Größe eines Stecknadelkopfes und hier hing der Drilling meines Pilkers. Das nennt man Glück.

Die folgenden Würfe brachten keinen Fisch, kurz vor dem „Hupen“ vor der Abfahrt machte ich aber noch einen letzten Wurf. Den Pilker laaangsam über den Grund zupfend, hatte ich auf einmal einen Mordswiderstand.
Die Rute war zum Bersten gekrümmt.

„Sch.... Hänger!“ und das kurz vor Anfahrt, ich sah mich schon meine Schnur kappen.
„Nö, ich seh’ wie deine Spitze arbeitet, das ist Fisch!“ sagte der Profi-Horst.

Und tatsächlich, es war Bewegung drin, die Rolle gab auch langsam Schnur frei....
Mein Puls ging mittlerweile wie der eines Marathon-Läufers, ich sah mich schon in der Hitparade, vielleicht vor Horst! Ich träumte schon von der Wiegestelle im Hafen, ach, war das schön!
Dann, zurück zur Realität – DIE HUPE! Nein, fahr bloß nicht los! Der Fisch meines Lebens!
Horst aber rief hoch „Klaus, da kommt noch ein Guter!“ Pirat Klaus wartete somit und das Gerede über meinen Drill breitete sich auf Bord aus wie ein Lauffeuer.
Ergo kam nahezu Jeder ans Heck um meinen „Jahrhundertdrill“ zu sehen.

Nach einer endlosen Zeit, es waren gefühlte Stunden, kam DER Blick....
Jeder der schon einmal Pilken war, kennt es wenn im klaren Wasser in der Tiefe was helles zu sehen ist, dieser freudige Anblick, wenn der Fang hochkommt.
„Boah, da kommt’er“, Horst, Skipper mit Gaff und drei Fußballmannschaften schwiegen nun.

Meter für Meter kam meine „Beute“ näher
....
....
....
....
....
....

Ein Bettlaken. Mit Muscheln. Und Tang. Und Kies.

Das textile Etwas bot in der Drift einen tollen Sport, zusammen mit einem treibenden Kutter, einem Euphorie weckenden Horst und Kumpel Simon an der Seite war ich einfach nur blauäugig geworden. Und meine Arme schmerzten natürlich.


Hallendes Gelächter, mein Kopf wurde rot. Vorlaut musste ich natürlich Horst an die Wand stellen, „So, du hast ja gesehen wie meine Spitze gearbeitet hat! Jetzt weiß ich auch wie du an deinen 32-Pfünder gekommen bist. Wieg’ mal mein Laken“. Das war wohl ziemlich frech für einen 16-Jährigen Jungspund, aber ich fühlte mich gut danach.


Insgesamt war der ganze Tag wunderbar, Simon und ich hatten nachher gute und viele Fische für Filets und waren an Erfahrung reicher. Er fuhr ab da nur noch mit Reisetablette aus.
Und ich hörte nicht mehr so sehr auf Aussagen von selbsternannten Profis.

Die „MS T.“ läuft nicht mehr im Hafen Laboe aus.
Unkenrufe von anderen Kuttern, dass Käpt’n Klaus nur noch verkaufen wollte und nicht genug Fisch an Bord kam, ich weiß es nicht.


Im Oktober geht’s wieder mit Kumpel Simon nach Kalifornien/Schönberg, Kutter besuchen wir aber schon länger nicht mehr.



Gruß,
Michael
Zuletzt geändert von Michael St. am 25.09.2007, 15:44, insgesamt 1-mal geändert.
Zitat: "Sch.... auf Keule!"
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Wolfgang Hinderjock
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Beitrag von Wolfgang Hinderjock »

Noch mal eine zwischendurch.....


Mein Angelkumpel Fränki F. aus O. hatte zu einer kleinen herbstlichen Exkursion an die Ribevesterau geladen, genauer gesagt Fränki läd nicht ein, er weist an...........

Es sollte ein verlängertes Wochenende werden und als Anreistag hatte er sich ausgerechnet den 3. Oktober ausgedacht, weil es ein Feiertag war.

Nun ist die Verbindung Feiertag, Dänemark und Autobahn nicht die allerglücklichste.

Kapitel 1
Die Anfahrt


Ich wurschtelte mich gerade über die Landstraßen, es muß so kurz vor Bad Bramstedt gewesen sein, da musste ich dringlichst einem inneren Drange nachgeben.

Nun wie ich so einen kleinen Abstecher in den Wald mache, sehe ich was gelblich helles, daß so aussah als habe dort jemand eine Kartusche Bauschaum enleert, aus geringerer Entfernung erwies sich das Gebilde aber als Krause Glucke, sowas kann man ja nicht umkommen lassen, also wanderte das Pilzgebilde in den Kofferraum, nebst diversen Steinpilzen, Maronen und einigen Ziegenlippen.

Ein kurzer Blick auf die Uhr mahnte mich dann aber doch zur Eile, war doch der Treffpunkt gegen 13:00 Uhr am berüchtigten Storchentümpel ausgemacht, wo die Angelkarten gekauft werden sollten.

Als ich gerade auf die Autobahn auffahre, verkündet man im Radio gerade einen längeren Stau bei Neumünster, nun ich erreichte diesen nach kurzer Zeit, hätten die das nicht früher sagen können....

Wie ich da nun stehe und stehe, überkommt mich doch der Hunger, das Fresspaket schlummert jedoch im Kofferraum, irgendwo zwischen Pilzen und Angelzeug.
Ich steig also aus, will die Heckklappe öffnen, finde diese aber abgeschlossen vor, hier deutete sich bereits das kommende Verhängnis an..........
Ich wieder vor, ziehe den Zündschlüssel, gehe wieder nach hinten, befreie die Stullen, gehe wieder vor, setze mich hin, esse und stecke den Zündschlüssel wieder ins Zündschloß.
Während ich so meine Stullen muffle, beginnt sich der Stau langsam aufzulösen, feine Sache, denke ich mir und drehe am Zündschlüssel, nur da dreht sich nichts, kein Ruckeln und kein Wackeln half, das Zündschloß war nicht zu bewegen.
Da stand ich nun, auf der Linken Spur und die Sache begann peinlich zu werden, ich fummelte und fummelte, bis plötzlich ein Auto vom AvD hinter mir stand, der Mann vom AvD wollte mir helfen und sicherte erstmal die Stelle etwas ab, dann begann auch er am Schloße zu fummeln, mit dem gleichen Erfolg wie ich.
Neben und hinter uns gab es ein mächtiges Gehupe und Genörgel, so meinte der nette Mann dann, so ginge das nicht weiter, das Auto müsse hier weg, er rief erstmal die Polizei zwecks Absicherung und dann den Abschleppdienst.
Die Jungs von der Polizei waren recht fix da und verteilten malerisch lustige Gummikegel auf der linken Fahrbahn.
Der Mann vom AvD hatte inzwischen resigniert aufgegeben und sich in sein Fahrzeug verzogen, aus seinem Radio dröhnte mal wieder eine Verkehrsmeldung, mit etwa folgenden Inhalt, der Stau bei Neumünster hätte sich gerade aufgelöst, es würde sich jedoch gerade ein neuer bilden, wegen eines auf der linken Spur liegen gebliebenen Fahrzeugs....
So einfach kommt man ins Radio!
Es wurde ein mächtiger Stau und da die Standspur wegen Bauarbeiten gesperrt war, stand der Abschleppwagen auch im Stau.......
Ich konnte seine lustigen Rundumleuchten nahezu eine Stunde sehen, bis er uns endlich erreicht hatte.
Dann ging alles recht fix, meine Karre wurde auf den Wagen gezerrt, ich nahm auf dem Beifahrersitz platz, wir fuhren los.
Es ging irgendwo an den Stadtrand von Neumünster auf einen Schrottplatz oder sagt man besser Autoverwertung dazu?
Mein Auto wurde auf dem Hof hingestellt, der Abschleppwagen entfleuchte schnell aus dem Tor, jedoch nicht ohne dieses sorgsam abzuschließen.

Da stand ich, allein, umgeben von großen Autobergen, neben mir mein eigenes unwilliges Auto.

Nach etwa 10 Min. nahte eine Erscheinung, die wenn sie Klemptner gewesen wäre Meister Röhrich gestaltliches Vorbild gewesen sein könnte.
Selbst der Zigarrenstummel stimmte..............
Die Erscheinung, mit Jogginghose, über dem Bauch getragen, sah mich ganz kurz von der Seite an, verschob den Zigarrenstummel in den Mundwinkel und ließ verlauten, " Hunnatfufftich Maak, oda dat Auto blivt uff´m Hoff!"

Ich wollte aber nicht auf den "Hoff" bleiben, mein Auto wollte ich auch nicht da lassen, also fragte ich die Erscheinung, ob ich mal das Telefon benutzen dürfte um die kostenfreie Notdienstnummer meines Autoherstellers anzurufen.
30 Minuten benötigte ich um die Erscheinung zu überzeugen, daß das Telefonat kostenlos sei und sie mir Zugang zum Telefon gewährte, mich dabei, mit neuer Zigarre versehen nicht aus den Augen lassend.

Tatsächlich ging schon bei ersten Versuch ein netter Schwabe ans Telefon und gab mir bereitwillig Auskunft, er gab mir die Telefonnummer und Anschrift der nächsten Werkstatt mit Bereischaftsdienst, erkläte mir auch netter Weise sehr detailiert, daß Feiertag sein und der Stundenlohn xxx,-DM betragen würde, daß die Reparatur extrem aufwändig sei, mindestens 4 Stunden dauere, er sprach vom ausbohren vieler Schrauben, Hartmetall, abgebrochenen Bohrern, vom nötigen Ersatzteilbedarf............mir wurde schlecht und schlechter, mein kurzer rechnerischer Überschlag war inzwischen bei weit über 2000,-DM angekommen............
Während ich darüber sinnierte ob mein Dispo das noch so hergibt, kam mir so eine Idee, der Schwabe hatte nämlich gesagt, wenn es mir gelänge das Schloß nur eine Stufe, bis in die "Radiostellung" zu drehen , wäre alles ganz einfach und ich bräuchte nur einen neuen Schließzylinder.

Die Erscheinung mit der Zigarre war inzwischen verschwunden, nur ein hagerer Arbeiter war noch auf dem Hof zu finden, den fragte ich nach Waschbenzin und Druckluft, beides war vorhanden.

Ich spülte und pustete eine gute Stunde den Schließzylinder durch, der ließ sich plötzlich drehen und ich konnte den Motor anlassen.

Sofort war die Erscheinung wieder da, besorgt war ihr Gesichtsausdruck.......und sie postierte sich demonstrativ vor dem Tor.

Ich sah der Erscheinung kurz in die Augen, drückte ihr die "Hunnatfufftich Maak" in die Hand, worauf sich das Tor öffnete.

Ich düste nach Neumünster, wo ich recht schnell die Werkstatt mit der Bereitschaft fand, welche den Schließzylinder innerhalb von 30 Sekunden mit Hilfe eine umgebogenen Schweißdrahtes wechselte, für nochmals "Hunnatzwanzig Maak", der Schließzylinder kostete nur 27 DM.......der Schwabe hätte also eher von Minutenlohn sprechen sollen............

Nun hielt mich nichts mehr auf, ich jagte dem Ziel entgegen, die Uhr zeigte 18:00 an, ich war also leicht überfällig als ich am Storchentümpel in Ribe ankam, dennoch war ich erster!

Kumpel Fränki hatte Getriebeschaden und schlich gegen 21:00 durchs Ziel....

Angelkarten gekauft und ab ins von Fränki besorgte Quartier, da dieses aber noch etwa 45 Kilometer weg war, packten wir sämtlichen Kram in mein Auto, dabei kamen auch in Fränkis Auto haufenweise Pilze zum Vorschein.
Die waidwunde, rote Reisschüssel, wie Fränki sein Auto nannte, ließen wir zurück.

Im Quartier gab es dann ein ausgiebiges Pilzessen, welches mit Jägermeister verdünnt wurde, das ging bis Fränki uns zur Nachtruhe befahl.

Wenig später erzitterte das Gebälk des Ferienhauses bis in die Grundfesten unter den im Schlaf erzeugten Nebengeräuschen seiner Bewohner..............


Kapitel 2
Zweiter Tag


Um 5:30 Uhr war die Nacht zu Ende, Fränki machte einen Höllenlärm, brüllte etwas von , "Kaffee fertig......faule Kerle...die Zeit drängt!"

Ihn augenblicklich zu ermorden fehlte mir die Kraft............

Eine Weile später saßen wir wieder in den beiden verbleibenen Autos, die Jungs im anderen Auto fuhren an den Fluß, ich mit Fränki erstmal zu seinem Auto, unterwegs suchten wir eine Werkstatt, fanden auch eine, jedoch eine Vertretung eines anderen Herstellers, trotzdem beschlossen wir sein Auto dort hin zu verbringen, vorsichtshalber geschleppt.

Der nette Däne von der Bude schaute etwas unsicher, meinte aber so ein Getriebe schon mal gesehen zu haben und wolle sich drum kümmern.

Dann ging es auch für uns an den Bach.
Am Vortag war herrliches Wetter gewesen, aber nun wurde es zunehmend dänisch, also viel Wind mit waagerechtem Nieselregen.

Als wir am Wasser ankamen konnten wir gerade noch die Landung eins gewaltigen Meerforellenmilchners beobachten, den ein Däne mit der Spinnrute erbeuten konnte.
Wir deuteten das als gutes Omen....

Wir verteilten uns etwas am Gewässer und begannen unsere Fliegen zu waschen, Fränki war deutlich im Vorteil, er hatte als einziger eine Zweihandrute.

Wir wuschen bis weit in die anbendliche Dunkelheit hinein, Fische waren nachweislich im Fluß, sie machten sich aller Orten bemerkbar, hatten aber für unsere inzwischen bestens gereinigten Fliegen keinerlei Interesse, auch die Spinnfischer hatten keine Erfolge.

So gegen 22:00 Uhr beschlossen die anderen Jungs abzurücken, um den Rest der Pilze zu verdrücken, ich musste auf Fränki warten, dieser schien aber verschollen zu sein, ich musste warten.

Ich hockte mich, inzwischen kreuzlahm und mit platt gestandenen Füßen ans Ufer, da erschien ein älterer Herr so um die 70 neben mir, er war mit seinem Sohn da, welcher auch verschollen war und litt an den gleichen Verschleißerscheinungen wie ich.
Er verkündete nun aus Gründen seiner Wehwehchen es mit dem Aalansitz zu probieren , bis sein Sohn wieder auftauchte.
Er verzierte seine Spinnrute mit einem Sargblei und einem Vorfach, an dessen Haken ein fetter Tauwurm baumelte.

Das Ganze ließ er dann direkt vor seinen Füßen in eine kleine Kehrströmung plumsen.
Eigentümlicherweise hörte die Schnur nicht auf abzulaufen, der Mann und ich sahen uns kurz an, dann setzte er einen Anhieb, schwupps, da war die Rute krumm, die Rollenbremse begann leise zu wimmern.
Nach herzhaftem Drill durfte ich ihm dann eine 96cm-Lachsdame keschern, die kurz darauf wieder ins Wasser durfte.

Dann nahte eine Gestalt mit Zweihandrute, Fränki war wieder da, ich konnte auch zu den Pilzen.


Kapitel 3
Der 3.Tag


Diesmal ließ uns Fränki bis 7:00 Uhr in Ruhe, bevor er wieder anfing herum zu rumoren.

Im strömenden Regen, diesmal allerdings ohne den hässlichen Wind ging es erstmal in die Werstatt, wo wir ein völlig zerlegtes Getriebe bewundern durften und dann wieder an den Bach.

Der Tag verlief ohne besondere Vorkommnisse, also wie der vorhergehende ohne jeglichen Fischkontakt.
Diesmal blieb der eine von Fränkis Angelkollegen in meiner Nähe, er hielt nicht viel vom Fliegenfischen sondern ballerte lieber mit der Spinnrute herum.
Auf ein Mal meinte er, daß da weiter stromab eine bestimmte Stelle besonders gut aussehen würde, ich fragte welche, er meinte jene wo die Kuh auf der Koppel steht.
Ich besah mir die Kuh genauer, fand aber keine Stelle wo man das Tier an eine Melkmaschine anschließen hätte können.

Die Koppel war aber sehr weitläufig und das Tier bewegte sich dann auch weit vom Wasser weg.
Die Stelle sah wirklich gut aus und wir wagten uns hin, der Koppelbewohner hatte sich 200 Meter weit weg zur Ruhe niedergelegt.
So fischten wir eine Weile vor uns hin, ab und an sprang sogar ein Fisch nur nie nach unseren Ködern.
Dann bekam das Rindvieh wohl Durst und bewegte sich auf das Ufer zu, mir wurde etwas unwohl.
Nach einer Weile stand das Tier dann genau zwischen uns und dem Koppelzaun.
Wir beschlossen das Vieh auszutricksen, in dem wir es in weitem Bogen umgehen wollten.
Dieser Bogen , den wir dann machten schien dem Tier nicht so recht gefallen, erst sah es zu uns herüber, dann setzte es sich langsam in Bewegung, bis es seine Schritte plötzlich erheblich beschleunigte, wir machten instinktiv das gleiche, mit einiger Mühe erreichten wir den Koppelzaun, welcher natürlich aus Stacheldraht bestand.
Mein Versuch, elegant darüber zu flanken mißlang etwas, der schöne neue Thermokombi bekam jedenfalls einen schönen langen Riss.
Den ich dann später mit Hilfe einer Nadel, geflochtener Angelschnur und an einer Tankstelle erstandenem Sekundenkleber abdichtete.
Ansonsten endete dieser Tag genauso erfolglos wie der vorige.
Die Pilze gingen auch langsam dem Ende entgegen.


Kapitel 4
Sonntag, vorletzter Tag



Fränki machte wieder sehr früh Lärm, wurde aber inzwischen erfolgreich von allen anderen ignoriert, was ihn etwas ärgerlich machte.

Wie es schon zur Gewohnheit geworden war, fischten wir völlig erfolglos herum, an einer schönen Kurve saß ein alter Däne, neben ihm lag eine große Meerforelle, auf dem Wasser dümpelte eine grobe Styropor-Pose und an der Seitenarmmontage ein mit roten Wollfäden verzierter Tauwurm.
Der Mann beobachtete uns und grinste sich eins.
Dann packte er zusammen und ging nach Hause.
Mein spinnangelnder Begleiter meinte, er müsse nochmal fix zum Auto.
Nach einer Weile kam er gerüstet mit Posenmontage und Tauwurm zurück.
Der Tauwurm ging auf Tauchstation und kreiselte in einer Kehrströmung.
Nach ungefähr einer Stunde ging auch die Pose auf Tauchstation, der Kollege konnte eine kleinere Meerforelle von ca. 40cm landen, die glücklicherweise gut gehakt war und guten Gewissens wieder zurück gehen konnte.
Der nächste Tauwurm wurde aufgezogen, die Montage an der gleichen Stelle platziert, binnen 5 Sekunden verschwand die Pose, komischerweise erschien nach kurzem Drill ein 75er Hecht, der wohl auf Diät war.

Dann knallte es plötzlich wie wild und im Schilf neben uns prasselten die Schrotkörner, was tun, wenn man keine weiße Fahne zum Schwenken dabei hat, rennen............
Hinter uns im Feld war eine Fasanenjagt zu Gange, man hatte uns durch die hohe Böschung nicht gesehen.
Die Sache ging aber gut, man stellte sofort das Feuer ein.

Die untermaßige Mefo und der Hecht sollten die einzigen Fischkontakte an diesem Tage bleiben.

Zum Abendessen mussten die Reste der Krausen Glucke mit sehr vielen Eiern gestreckt werden, als Nachtisch gab es Erdnüsse und Salzstangen.........

Kapitel 5
Letzter Tag



Wir schliefen bis um 10:00 Uhr, Fränki war zwar früher hoch, blieb aber leise, ein sehr schlechtes Zeichen!

Ich fuhr mit ihm erstmal zur Werkstatt, er schwieg die ganze Zeit.
In der Werkstatt hatte man tatsächlich das Getriebe wieder zusammengepuzzelt und wieder eingebaut, es funktionierte sogar wieder.
Die Rechnung fiel sehr kulant aus!

Fränki sagte trotzdem nicht viel und wir fuhren, diesmal jeder in seinem Auto erstmal zurück zum Ferienhaus.

Die anderen hatten in der Zeit ausgiebig gefrühstückt, sprich alles essbare weggefressen, es gab nichtmal mehr Salzstangen.

Fränki räusperte sich paar mal, sagte aber nichts, zumindest vorerst nicht.

Nach dem wir all unseren Kram in den Autos hatten, die Bude grob gereinigt und gelöhnt hatten und dumm auf dem Parkplatz herum standen, räusperte sich Fränki sehr ausgiebig und hob zu einigen Worten an, es waren Worte wie "blamabel", "Mist", "Sch....", "so kann ich nicht nach Hause", "ein Alibifisch muß her".................

Eine gute halbe Stunde später standen wir an den Gestaden des Storchentümpels, kostenpflichtiges Frustfischen war angesagt.

Wir fischten bis zur Dämmerung, alle fingen was, ich hatte sogar 5 Fische, nur Fränki nicht...........

Während der ganzen Zeit hatte er nichts gesagt, dann kam wieder das Räuspern, dann der Befehl zum Aufbruch, worauf er wort-und grußlos in seinem Auto verschwand und davon düste.

Am nächsten Tag rief er an und meinte, die Aktion sei eigentlich ganz Klasse gewesen und müsse unbedingt wiederholt werden.............
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AStar
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Beitrag von AStar »

Morgen liebe fliegenwerfer,

ein echt toller thread mit echt tollen geschichten!
dann steuer ich auch mal eine bei....


Es war vor ca. 5 oder 6 Jahren, mein Vater und ich waren mal wieder mit Freunden an der Tauber zum Aalangeln.
Der Tagesablauf ist immer gleich, den Tag über ein bisschen Spinnen, meistens sehr erfolglos, dann wenn es solangsam dunkel wird bewegen wir und in Richtung unseres Stammplatzes. Dieser liegt ungefähr 400m unterhalb eines Sauerstoffwerkes.
Wir bezogen Stellung in 2 Lagern, mein Vater und ich und der Rest, Vater mit 2 Söhnen. Nicht das es ein Wettstreit zwischen den Familien wäre, aber so Sätze wie, "Und fangt ihr heut mehr als einen?" "Ihr habt doch eh keine Chance..." "2 gegen 3 und trotzdem nicht mehr Fische", usw, usw........Ihr kennt das ja sicher alle.
Es wir also dunkel, oder vielmehr dunkler. Wir bestücken unsere Rutenspitzen mit Knicklichtern und die Haken mit Würmern, holen einen großen Eimer Wasser, zum Schluß hängen wir noch die restlichen Vorfächer in die Streben von unserem Angelschirm, damit man nachts nicht rumsuchen muss.
Es geht los......
Nach 10 Minuten das erste Gezappel an einer Rute meines Vaters, Anhieb, ZACK, sitzt, und mein Vater holt eine wunderschöne, ca. 35cm, Äsche aus der Tauber, natürlich war sofort ein Vertreter unserer Gegenspieler vor Ort um den Erstfisch des Tages zu begutachten, nach kurzen Bestaunen allerseits wurde die Äsche wieder sanft in ihr Element verfrachtet.
Der Abend fing also gut an und ging bei uns auch sehr gut weiter, Aal an Aal, am laufenden Band, große und kleine Aale landeten im Eimer, Vorfach aushaken und weiter gehts.
Bei unseren lieben Rivalen sah es nicht ganz so gut aus, besonders das Familienoberhaupt schwächelte doch sehr.
Ich ging gerade auf Spionagetour, wir saßen ja nur 10m auseinander, als ich den Satz,"Das ist en Großer" vernahm, mein Schritte beschleunigten sich etwas. Ich kam gerade rechtzeit um zu sehen wie unser leicht schwächelnder Bekannter einen schönen großen Aal am Vorfach zum Eimer trug. Er hatte einen Gesichtsausdruck wie ein Kind an Weihnachten, dieser veränderte sich aber schlagartig als der Aal vom Haken plumste und sich wie eine Schlange zum Wasser bewegte, doch unser bisher glückloser Angler wollte das natürlich nicht zulassen. Er packte den Aal in der Mitte und drückte kräftig zu, da Aale ja nicht gerade die schleimlosesten Fische sind fing die Hand an zu "wandern". Hilfsbereit wie ich bin öffnete ich schon mal den Eimer, doch es waren noch 4m und die Hand rutschte immer mehr in Richtung Kopf, ich hörte mehrere male das Wort "menschliches Verdauungsprodukt!!!", doch dann hatte er den Fisch zwischen Daumen und Zeigefinger genau am Kopf, er schrie, "Dich lass ich nemmer looooooooosssss!!!!!!!!"
Geschaft, er war am Eimer und der Fisch im Eimer, ich beglückwünschte ihn natürlich zu diesem "Riesen", es sollte auch der größe Aal für diesen Auflug bleiben.
Normalität kehrte ein.
Wir fingen alle noch ein paar Aale, irgendwann mitten in der Nacht packten wir unser Zeug ein, gaben den Aalen noch mal frisches Wasser und machen uns auf den Heimweg zum Campingplatz, am nächsten Morgen machten wir uns daran die Fische zu versorgen, ich öffnete also unseren Eimer und auf dem Eimerboden wusselte es nur so vor Leben, ca. 30 Stück.
Ein gutes Ergebnis für mich und meinen Vater, doch jetzt kam der andere Eimer, der gegnerische Eimer wurde geöffnet, auch desen Boden war voll mit Leben, aber ganz oben trieb ein sehr sehr großer Aal mit dem Bauch nach oben. Ich erkannte sofort das dies der "Flüchtling" vom gesterigen Abend war.
Die sofort durchgeführte Autopsie ergab ein erschreckendes Resultat, Tod durch Strangulation!
Und seit diesem Vorfall machen wir uns bei jeder passenden und manchmal auch bei jeder unpassenden Gelegenheit ein bisschen über unseren Aalwürger lustig. Aber ich bin auch stolz darauf den einzigen Menschen zu kennen der es geschaft hat einen Aal zu erwürgen! :D

Gruss alex
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webwood
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Beitrag von webwood »

Schleppfischen

Da war ich so 14/15 Jahre alt. Ich rudere am Starnberger See entlang der Scharkante, Angelschein hatte ich damals noch keinen. Auf dem See kontrolliert höchstens mal die Wasserschutzpolizei und die machen ihren Laden pünktlich um 17 Uhr zu. Das Risiko erwischt zu werden war also überschaubar.
Ich rudere so vor mich hin und starre auf die Rutenspitze ob endlich mal was ruckelt.
Wie ich für den nächsten Schlag die Ruder nach vorne drücke, macht es „bing“!
Ich hatte eine Schwimmerin mit dem Ruder am Kopf getroffen. Will gerade Luft holen um mich zu entschuldigen, machst schon wieder „bing“. Die Ruder standen ja nach dem Schlag jetzt Richtung Heck, hatte sie nur leicht aus dem Wasser gehoben – und der Kahn lief natürlich weiter. Die Dame war nach dem „Doppel-Bing“ trotz meiner aufrichtigen Entschuldigung, irgendwie etwas ungehalten. Mit "prustender Furie" ließ sich ihr Gemütszustand wohl am ehesten beschreiben.
Die ganze Geschichte ist aber doch noch relativ glimpflich ausgegangen, ich konnte ja schneller rudern als sie schwimmen.

Liebe Grüße

Thomas
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Beitrag von brummer »

Der falsch Tag

Zugetragen an der Zwickauer Mulde in Aue
Zu jener Zeit als ich mit dem Fliegenfischen anfing waren wir zu zweit an einem Sonntag in Aue an der Mulde.
Mein Kollege zeigte mir eine Stelle die einiges vermuten ließ.Also anhosen und Abstieg ans Wasser.
Selbiges schoss durch eine Felsenge und wurde dann zu einem großen und tiefen Pool.
Mein Kollege ließ mir den Vortritt als "Neuer". 30 m flußab in die Brühe und langsam hochgearbeitet.
Während ich nun den Pool bearbeitete wollte mein Angelkamerad vom Felsen fischen,es war ziehmlich hoch aber machbar.Irgendwie war es aber nicht sein Tag oder war es die Party vom Vorabend.....keine Ahnung.
Er wirft und wirft und wirft,plötzlich machte sich die Spule seiner Rolle selbstständig und hüpft so 2 - 3 mal über den Felsen um dann im Wasser zu verschwinden.
Für einen kurzen Augenblick sah ich in ein verblüfftes Gesicht welches den Hang zur Fassungslosigkeit hatte,dann mußte ich abdrehen und ans Ufer,ich bekam einen Lachkrampf der übelsten Sorte !
Als ich dann langsam zur Ruhe kam,da zog er schon an der schnur.So ein Spass sagte er noch,na hoffentlich hab ich die Schnur richtig festgemacht....sie war fest,glücklicherweise hatte er kein Backing drauf.Die Rolle wurde komplettiert und es konnte weitergehen.
Nach einer Weile wurden die Fliegen gewechselt und wir konnten noch ein paar Fische überlisten.
Mein Kamerad setzte sich dann auf den Felsen und schaute mir beim Werfen zu,gab mir Tipps wie ich das noch verbessern kann.
Irgendwann hat er seine Rute auf den Felsen gelegt um etwas zu basteln oder zu tauschen.Er war jedenfalls abgelenkt und merkte zu spät wie seine Rute den Weg ins Wasser nahm und auch darin verschwand.Das selbe Spiel wie bei der Rolle,ein ungläubiger Blick von Ihm und ich Musste wieder ans Ufer um nicht zu " ersaufen ".Extreme Bauchschmerzen waren die Folge.
Wie er dann so auf dem Felsen stand und die Schnur noch in der Hand hatte,da tat er mir das erstemal leid.
Da die Rolle einen Defekt hatte ( keine Bremswirkung mehr )mußte er die ganze Schnur wieder abwickeln bis die Angel wieder auftauchte.
Na Gott sei Dank,die Rute war gerettet,Freude bei allen Beteiligten.....ich glaube in diesem Moment war er sehr erleichtert.
Also die Rute kam hoch,die 2 - 3 m bis zu Ihm wollte er durch beherztes zugreifen verringern.Er hatte sie wieder " juchuh " .
Er faßte sie ungefähr auf der Hälfte des Spitzenteils und will sie noch
galant über einen kleinen Busch heben.........Es machte KNACK....ein häßliches Geräusch!!
Jetzt tat er mir so richtig leid und zum Lachen war mir auch nicht mehr.
Er hatte einfach den falschen Tag erwischt.

Gruß
Rene`
Kanne
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Registriert: 30.01.2007, 12:33
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Danksagung erhalten: 18 Mal

Beitrag von Kanne »

Nun, lieber Rene,

hatte lange überlegt ob ich diese Deine obige Geschichte schreibe, da sie mich ja letztendlich betrifft.
Nun war ja das ganze in einem für mich ziemlich "düsteren" Lebensabschnitt passiert, aber nun hast Du's ja rausgelassen.
Das Fliegenröllchen, welches beim Schnur abziehen gern sein Gehäuse verlies und über's Wasser rennend die Schnur frei gab war ja nicht alles an diesem Tag. Auch der Bruch der von Rudi Heger handsignierten Rute nicht...
An diesem Tag hatte ich eine gerade maßige Bachforelle gefangen, da sie stark aus den Kiemen blutete mußte ich sie abschlagen. Beim Todesstich rutschte ich mit dem Messer ab und... die Narbe an der Innenseite meines Ringfingers ist noch heute gut sichtbar und das Gefühl wird nie wieder richtig zurückkehren der verletzten Nerven wegen.
Na ja, der schöne Kolk mit seinen großen und kleinen Äschen ist eh der "Kolkbegradigung" nach dem Hochwasser 2002 zum Opfer gefallen, die Weidenbüsche sind auch entfernt.
Aber die gebrochene Rute mit dem montierten Röllchen steht noch immer als "mahnendes Zeichen" im Rutenregal, zum Andenken an einen zum Glück fast 10 Jahre zurückliegenden "Tragig-komischen Unfalltag" an der ...

mfG, Lutz
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