Liebe Alle!
Gammarus roeseli hat geschrieben:PS: Außerhalb der wasserreichen (!) Alpenregion, ist die reale Wirklichkeit, (!) ohne Besatz, kaum Ertrag von Forellen & Äschen ...
Ertrag lt. Duden:
1. bestimmte Menge [in der Landwirtschaft] erzeugter Produkte
2. finanzieller Nutzen; Gewinn, den etwas einträgt
Man sollte nie eine Steigerung der ausfangbaren Fischbiomasse (=Besatz) mit einem tatsächlichen nachhaltigen Ertrag des Gewässer verwechseln, wenn man schon der Oberfischereibiologe und -gewässerökologe sein will!
Die nachhaltige natürliche Ertragsfähigkeit der Gewässer hängt - regional unterschiedlich - nicht vom Besatz (Besatz kann schon per Definitionem kein Ertrag sein, weil er ja vorher reingekippt werden muss, Ertrag kann auch nicht durch Besatz gesteigert werden, weil der ja vorher reingekippt werden muss), sondern vom Nahrungsangebot und der Habitatqualität ab. In Urgesteinsgebieten ist sie eben deutlich geringer (ich denke, dass Deine Aufnahmen im Urgesteinsbereich gemacht wurden) als in kalkreichen Niederungsbächen: die Bandbreite ist von ~ 25 kg/ha p.a. in Oberläufen im Bayerwald bis 200 kg/ha in der Fränkischen Schweiz. Extrem geschiebetreibende Flüsse im
wasserreichen Kalkgebirge weisen Erträge von ca. 10 kg per anno per ha auf, weil durch den Geschiebetrieb ganze Generationen einfach ausfallen. Die Voralpenseen Österreichs wie Atter- und Traunsee (auch nicht gerade wasserarm) haben ähnliche Ertragszahlen, weil das Habitat vor allem die Flachwasserbereiche und Zubringerflüsse extrem mies verbaut sind (Steganlagen, Uferbefestigungen -> keine Schilfgürtel etc.).
Besatz kann den Ausfang beeinflussen - für den Naturalertrag ist er kontraproduktiv!
Zur Landwirtschaft: Futtermittel sind in ihrer Zusammensetzung nirgends so streng reglementiert wie in Österreich und Deutschland. Der Einsatz von Medikamenten ist teuer und darf nur durch den Tierarzt erfolgen. Tieren, die für den Verzehr gedacht sind, dürfen nur sehr spezielle Medikamente verabreicht werden (insbesondere keine Antibiotika, ist vor allem bei Reitpferden ein Problem, weil die nach Behandlung mit gewissen Medikamenten ein Fall für die Tierkörperverwertung sind). Es wird daher sicher nicht (bis auf einige schwarze Schafe) leichtfertig damit umgegangen und es können daher keine nennenswerten Konzentrationen in der Gülle erreicht werden.
Zu den Wasserpflanzen: Da gibt es nur eines und zwar rein in die Wathose, Sense zur Hand nehmen und ausmähen! Das ist mit einem Arbeitseinsatz der Mitglieder eines Vereins einfach zu machen, eine oder mehrere Sensen sind sicher bezahlbar und kann genutzt werden um interessante Strukturen zu schaffen (Rinnen, Ruhebreiche, Kehrwasser,...). Überdies nehmen die Wasserpfanzen auch überflüssige Nährstoffe auf und sammeln bzw. binden feines Sediment, das sich dann nicht in den entsprechenden wertvollen Laichhabitaten absetzen kann. Zusammenfassend: Die Wasserpflanzen geben dem Bewirtschafter die Möglichkeit, das Gewässer ohne großen Aufwand zu formen und zu modellieren. Wo man mäht, entstehen kiesige Züge und Rinner, dort wo man das nicht tut bleibe Ruhezonen, Beschattung und Unterstand für Fische erhalten. Ein guter Mix sollte einen optimalen Lebensraum für viele aquatische Organismen, nicht zuletzt Nahrung für unsere Fische bedeuten.
Wenn tatsächlich Gülle irregulär ausgebracht wird, dann kann man einfach die zuständige Verwaltungsbehörde informieren, da diesbezüglich genaue gesetzliche Vorschriften existieren, die auch strafbewährt sind. Auch zivilrechtliche Ansprüche sind denkbar, wenn sich ein Schaden nachweisen lässt und die Ausbringung nicht "lege artis" also nicht fachgerecht erfolgt ist (zu viel, falscher Zeitpunkt, falsche Ausbringung).
Ad Röhren und Einleitungen: Ich will keine Spekulationen darüber anstellen, wofür die von Dir aufgenommenen Röhren genau gut sind, aber darf Dich darauf hinweisen, dass sämtliche Einleitungen einer wasserrechtlichen und/oder baurechtlichen Bewilligung bedürfen. Diese Bewilligungen sind bei der zuständigen Behörde einsehbar und der Fischereiberechtigte ist Partei im jeweiligen Verfahren, daher auch rechtsmittellegitimiert. Also mach(t) was, wenn es tatsächlich Handlungsbedarf geben sollte.
In Summe ist das Jammern immer ein bisserl einfacher als das Handeln, führt aber nicht zu einer Besserung der Lage.
Beste Grüße,
Hans