Färbung unserer Bachforelle

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Gammarus roeseli
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Re: Färbung unserer Bachforelle

Beitrag von Gammarus roeseli »

henkiboy hat geschrieben: Hallo???? Wer redet denn von der Kirnitzsch? Der Bezug galt alleinig dem Gewässer welches ich befische und wo die Forellen auf den Bildern von mir her sind!!!!
Ich glaube da hast Du aber etwas komplett in den falschen Hals bekommen. Das Beispiel was ich angeführt habe galt für den einen von mir befischten Fluss und kann somit nicht x-beliebig auf andere Gewässer übertragen werden.
Hi Detlef,
nein ich habe da nichts in den falschen Hals bekommen oder so. Aber Sorry, wenn ich mich ungeschickt ausgedrückt haben sollte!

Ich habe es so zusammengefasst weil es den Anschein auf mich macht, dass es doch auch gut möglich ist und es einen Zusammenhang geben kann zwischen sinkenden Bachforellenbeständen und einen aufkommen von vollkommen silbernen kleinen bis mittleren Forellen. (Meerforellen-Smolts?)
henkiboy hat geschrieben: Natürlich wäre das auch eine Option, aber aufgrund des Fangzeitpunktes und der Größe eher unwahrscheinlich (jedoch beileibe nicht unmöglich).
Ich weiß nicht ob es unwahrscheinlich ist aufgrund der Größe deines Fisches ("kleiner Silberbarren" auf deinem Fotos) Bei der Meerforelle ist beschrieben, dass die Meerforellen nach dem Schlupf 1-5 Jahre im Süßwasser bleiben und mit einer Länge von 10-25 cm ins Meer abwandern.

henkiboy hat geschrieben: Eine Forelle von jenseits der 60, die vor einem fast unüberwindbaren Wehr gefangen wird riecht schon ein wenig stärker nach aufsteigender Meerforelle, zudem das Gewässer im Sommer die 20 Grad-Marke deutlich überschreitet. So eine Temperatur ist für Bachforellen schon sehr heikel!!!!

Ich finde es schon sehr erfreulich wenn der Fische eine Meerforelle war.

Mal noch zur Wassertemperatur.
Wir brauchen auch ganz sicher keine Bachforellen aus Dänemark wegen einer höheren Temperaturverträglichkeit!!
Ein Beispiel dazu ist, der untere- und mittlere Regen und auch die Donau. (Donau von Kehlheim bis Passau) in beiden Flüssen wird das Wasser zeitweise in Hitzeperioden sehr warm ca. 25°C. Dennoch werden immer wieder abgehauene Bachforellen aus kleinen Bächen oder von sonst wo her im mittleren Regen und der Donau nachgewiesen. (Merklich abkühlung bekommt die Donau erst wieder in Passau durch das kühlere Wasser aus dem Inn.)
Das Bachforellen zeitweise so hohen Temperaturen überhaupt überstehen können, konnte ich eigentlich auch nicht glauben. Ein Biologe von der Technischen Universität München sagte mir als ich ihn darauf angesprochen habe, "Bachforellen, kann man schon ganz schön Grillen!"…..
Das Wasser in einem kleinem mir gut bekannter Fluss (Äschenregion) in der Oberpfalz wird zeitweise in Hitzeperioden auch sehr warm in den späten Nachmittagstunden und kühlt sich in der Nacht dann wieder deutlich ab. (22°C Wassertemperatur und mehr.) Der recht gute Bestand an Bachforellen verträgt dieses warme Wasser scheinbar auch ganz gut. Wahrscheinlich aber auch nur, (!!) weil das Wasser sehr gut belüftet wird und so immer im bereich der Sauerstoffsättigung liegt. In der Barbenregion suchen die Forellen gut belüftete bereiche wie z.B. unterhalb von Wehren auf. Kleine BF vertragen warmes Wasser auch besser als große BF da sie einen niedrigeren Sauerstoffbedarf haben. Jedenfalls eins ist sicher, wenn sich die BF in einem Wasser nicht mehr wohlfühlt (Temperatur, Sauerstoff, Struktur usw.) dann wandern sie ab.

Mal noch ein Hinweis, die Sättigungswerte von Wasser bei 10°C rd. 11 mg/l, bei 20°C rd. 9 mg/l bei 30°C rd. 7mg/l. Nach Aussagen von Fischzüchtern fühlt sich die BF bei unter 7mg/l schon sehr unwohl. Am niedrigsten ist der Sauerstoffgehalt in Wasser in den frühen Morgenstunden, bevor die Photosynthese der Wasserpflanzen beginnt und so Sauerstoff ins Wasser abgegeben wird.

@ Lutz
Ein braun gefärbter Salmonide aus 1979, finde ich sehr interessant!
Von der Oberelbe ist ja bekannt, dass einer der letzten Meerforellen 1923 gefangen wurde.

Danke für diese für mich interessante Information.

LG Christian
Zuletzt geändert von Gammarus roeseli am 02.07.2012, 13:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Gammarus roeseli
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Re: Färbung unserer Bachforelle

Beitrag von Gammarus roeseli »

Sorry (!!!) Detlef ,
aber ich kann jetzt einfach nicht anders! :smt003
henkiboy hat geschrieben: Wir haben an meinem Vereinsgewässer selber mal so einen Fall gehabt. Da wurde auch ein Fisch weit jenseits der 60 Zentimeter unterhalb eines Wehres gefangen. Ich würde meinen Popo drauf verwetten, dass das 'ne aufgestiegene Meerforelle war.
Ich hoffe nur für Dich, dein "Popo" nimmt nicht eines Tages mal noch Schaden :smt044

LG Christian
AlexWo

Re: Färbung unserer Bachforelle

Beitrag von AlexWo »

Hi, ganz kurz!

@Gammarus: In Passau fließen Inn und Ilz in die Donau. Wobei der Inn eigentlich mehr Wasser bringt als die Donau.

VG

Alex
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henkiboy
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Re: Färbung unserer Bachforelle

Beitrag von henkiboy »

Hallo Alex,
immerhin fließt das Wasser der Salzach in(n)direkt in die Donau, da sie in den Inn mündet, der wiederum die Donau speist.
Habe übrigens letzte Woche bei fast 18 Grad Wassertemperatur 'ne schöne kleine Bachforelle am Vereinsgewässer verhaftet.
Rurforelle - Rur bei Hückelhoven (Wehebachstamm)
Rurforelle - Rur bei Hückelhoven (Wehebachstamm)
Rur_Bachforelle.jpg (81.19 KiB) 4127 mal betrachtet
Hier in der Gegend gehört die Rur schon zur tiefsten Barbenregion. Salmoniden sind hier daher eher selten anzutreffen. Früher gab es große Äschenbestände. Die sind von den bösen schwarzen Raubenten allerdings innerhalb eines Winters massakriert worden.

Gruss
Detlef

P.S.: Eine Absprache unter den Anreinern und Pächtern der Rur sorgt lobenswerterweise dafür das der Bachforellenstamm nicht genetisch verfälscht wird. So sieht die typische Rurforelle auch immer relativ gleich aus (wie auf dem Bild).
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Gammarus roeseli
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Re: Färbung unserer Bachforelle

Beitrag von Gammarus roeseli »

Servus Alex,

danke für die Richtigstellung von Salzach und Inn, habe es geändert.
Wieso ich's jetzt überhaupt verwechselt habe, weiß ich auch nicht.
LG
Christian
henkiboy hat geschrieben: Hier in der Gegend gehört die Rur schon zur tiefsten Barbenregion. Salmoniden sind hier daher eher selten anzutreffen. Früher gab es große Äschenbestände. Die sind von den bösen schwarzen Raubenten allerdings innerhalb eines Winters massakriert worden.
Hi Detlef,

verrate mir bitte, wieso ordnest Du die Ruhr in dem Bereich wo es früher große Äschenbestände gab, in tiefste Barbenregion ein??

LG
Christian
AlexWo hat geschrieben: In der Gmundner Trau und in der Ager, beide in OÖ wurde Seeforellen besetzt, da diese früher als die Wandermöglichkeiten der Fische durch Bauten noch nicht behindert waren in diesen Flüssen vorkamen und man es scheinbar als Bereicherung des Bestandes angesehen hat. Das Ergebnis war, dass die Fische silbern blieben und nach und nach verhungert sind!!! Die Seeforelle ist ein Freiwasserfisch der sich auch ab und an außerhalb der Laichzeit in ihren Fluss begibt, aber ohne Verbindung zum See, ohne Renken-, Lauben- und Barschschwärme verkommt dieser Fisch einfach!
Hallo,
ich habe an einem Wasser sehr ähnliche Erfahrung gemacht wie Alex, aber bei großen Bachsaiblingen aus der Forellenzucht die ihr ganzes Leben in den Zuchtteichen nur Pellet zum fressen bekommen haben. (Bachsaiblinge bis ca. 45cm)
Die Fische waren kurz nach dem Besatz noch extrem kampfstark aber dann nach ein paar Wochen fühlten sich die Fische am Band nur noch an, so wie ein nasser Kartoffelsack.
Die Bachsaiblinge waren dann auch stark abgemagert obwohl um sie herum Mengen an Kleinfischen wie Hasel usw. vorhanden waren.
Diese Fische haben halt nie das Jagen von Fischen gelernt. Ich habe den Bachsaiblingen mal Teile von einem kleinen verangelten Hasel angeboten (Ohne Schnur und Haken.) mit dem Resultat, dass die Fische diese Fischteile ins Maul genommen aber nicht gefressen haben, sondern nach einiger Zeit wieder ausspuckten. Diese Saiblinge konnten also mit Fisch in einer anderen Form als "Fischpellet" scheinbar einfach nichts mehr anfangen.

In einem anderen Wasser, einem Stausee hatten die fangfähig gesetzten Seeforellen (Fische bis über 60cm) die bis zu diesem Zeitpunkt auch nur Fischpellet kannten, scheinbar auch große Schwierigkeiten das Jagen von Fischen noch zu erlernen und sind den Weißfischanglern in großer Zahl auf Mais an die Haken gegangen ….

Aber verallgemeinern möchte und kann ich diese Beobachtung auch nicht!
An z.B. einem anderen Wasser einem sehr langen Rückstaubereich mit Fließgeschwindigkeiten von ca. 0-3 cm pro Sekunde, wo es noch einen sehr guten Mühlkoppen und Elritzenbestand gibt, haben die Pelletforellen aus der Zucht das Jagen von Fischen (überwiegend Mühlkoppen) schnell erlernt wie man sehen kann.

Bild
(Forelle 46 cm)

Bild
Mageninhalt: Mühlkoppe, Elritze, ein Gründling oder noch mal eine Mühlkoppe und zwei Eintagsfliegen.

Bild

Aufgrund der Färbung halte ich diese Forellen aus der Zucht viel mehr für Seeforellen als für Bachforellen.
Bild

Bild

Ein weiterer
Bild

Bild
Bild


Was meint ihr zu diesen Fotos bzw. sind diese Fische auf Grund ihrer Färbung nun Bachforellen oder Seeforellen oder ein Mix von beiden??

LG
Christian

PS: Ist aber möglicherweise genau der richtige Forellenmix für unsere langen, langen Rückstaubereiche!? :D Ich weiß es aber nicht.
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Frank.
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Re: Färbung unserer Bachforelle

Beitrag von Frank. »

Gammarus roeseli hat geschrieben:Was meint ihr zu diesen Fotos bzw. sind diese Fische auf Grund ihrer Färbung nun Bachforellen oder Seeforellen oder ein Mix von beiden??
Ohne jetzt mal wirklich auf deine Frage antworten zu können, lieber Christian: Das sind Doppelgänger derjenigen Forellen, die bei uns (in der Größe um 38 cm) jedenfalls in einigen Gewässern besetzt werden. Die Assoziation "Seeforelle" hat sich mir schon oft aufgedrängt.

Dein Frank
Das sind Deine Beobachtungen, mein Lieber, andere haben andere Beobachtungen gemacht.
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Re: Färbung unserer Bachforelle

Beitrag von Frank. »

Gammarus roeseli hat geschrieben:Ein paar Wochen später haben diese Fische ihre silbrige Färbung verloren eine gelblichen Farbton angenommen und sogar braune Tupfen vermehrt in rote Tupfen umgewandelt.
Lieber Christian,

ich schätze mal, dass dies genau so eine Forelle ist, wie du meinst: Aufgrund des Phänotyps eindeutig eine Forelle aus der Zucht, die ich ca. drei Monate nach Besatz gefangen habe.

Bild

Bei diesem Bild sieht man die Differenz zwischen den "Einheimischen" und den "Besetzen" auch recht genau - sie stammen alle drei aus demselben Gumpen.

Bild



Dein Frank
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Franz Kafka
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Re: Färbung unserer Bachforelle

Beitrag von Royal Coachman »

Hallo Freunde!

Seeforellen haben in Jugendjahren z.T. rote Punkte, die später verschwinden.
Deswegen wurde am Walchensee vor einigen Jahren das Brittelmaß so hochgeschraubt. Hat aber nichts genützt, solange die Seeforellen keinen vernünftigen Laichaufstieg haben, funktioniert es einfach nicht.

Außerdem war der Walchensee die Spielwiese für Starnberg.

tight lines
Gebhard

PS: Seeforelle wird von den Fischzuchten sehr gerne eingekreuzt.
"Frohwüchsigkeit = schnelleres Wachstum = höherer Ertrag" ebenfalls ein schrecklicher Irrweg, der ausschließllich dem Profit dient aber gleichzeitig die autochtonen Bachforellenbestände nachhaltig schädigt.
Der immer auf Seiten der Fische steht!
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henkiboy
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Re: Färbung unserer Bachforelle

Beitrag von henkiboy »

Hallo Chris,
Hi Detlef,
verrate mir bitte, wieso ordnest Du die Ruhr in dem Bereich wo es früher große Äschenbestände gab, in tiefste Barbenregion ein??
Lieber Chris,
zum einen ist es die Rur (Eifelrur) und zum anderen wird der Unterlauf bei Hückelhoven vom "Rheinischen Fischereiverband 1880 e.V." aufgrund der Strukturierung und der vorkommenden Kerbtiere und Fische zur Barbenregion zugeordnet. "Barbenregion" heißt aber nicht automatisch das dort keine nennenswerten Äschenbestände vorkommen (können). Auch Forellen kommen ja dort vereinzelt an geeigneten Abschnitten vor.

liebe Grüsse
Detlef

P.S.:Ich habe im Netz einen interessanten Artikel über mein Vereinsgewässer gefunden. In diesem werden auch diverse Problematiken aufgeführt.
Besonders negativ fällt die Durchgängikeit flussaufwärts auf. Gleich drei Wehre am Unterlauf hindern die Wanderfische am Aufstieg. Diesbezüglich muss dringendst etwas getan werden.
Positives gibt es aber auch zu berichten. In der Rur kommen auf der niederländischen Seite ganze 52 Fischarten vor. Damit ist die Rur der artenreichste Fluss der Niederlande.
Hier geht es zum Artikel in den Aachener Nachrichten.
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Lutz/H
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Re: Färbung unserer Bachforelle

Beitrag von Lutz/H »

Ich konnte heute in meinem Vereinsgewässer in der südlichen Lüneburger Heide
2 Bafos fangen von denen ich eine entnahm ,siehe Bild:
Bild
die zurückgesetzte Bafo hatte ungefähr die gleiche Größe ,ca.35 cm und auch so viele
rote Punkte.
Ich bin mir recht sicher das beide Fische aus einer kleinen Besatzmaßnahme Ende März stammten,
auffällig ist das sie seitdem grundsätzlich dunkeler geworden sind was m.M. eine
Anpaßung an den Lebensraum darstellt.

Wenn man mal auf Versammlungen im Heideraum ist geistert immer mal wieder eine spezielle Varietät
durch den Versammlungssaal, die berühmt berüchtigte " Heidestämmige Bachforelle" die sich auszeichnet
durch eine sehr dunkele,zum Teil fast schwarze Färbung und gedrungene (kurz und tief) Körperform.
Da fast alle Heidegewässer Moor und Sandboden haben und viel Sediment mit sich tragen ist das
alles m.M. nur ein Teil natürlicher Anpassung.
Ich habe aus meinem lange zurückliegenden Biologieunterricht immer noch den Satz im Hinterkopf,
das sich die Natur immer den am leichtesten erreichbaren Weg sucht.

Just my 50 Cent
Lutz
Gib jedem Tag die Chance, die schönste deines Lebens zu sen ; Mark Twain
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Gammarus roeseli
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Re: Färbung unserer Bachforelle

Beitrag von Gammarus roeseli »

Royal Coachman hat geschrieben: PS: Seeforelle wird von den Fischzuchten sehr gerne eingekreuzt.
"Frohwüchsigkeit = schnelleres Wachstum = höherer Ertrag" ebenfalls ein schrecklicher Irrweg, der ausschließllich dem Profit dient aber gleichzeitig die autochtonen Bachforellenbestände nachhaltig schädigt.
Hi,
genau so wie ich halt auch schon gesagt habe, aber wie sollen wir da nun bei solch Unmengen an Farbvarianten und Farbzüchtungen bei den Forellen überhaupt noch den Überblick behalten??

Forelle (Ca. 45 cm) aus der Oberen Isar.
Bild
Bild

Ist denn nun z.B. dieser gefangene Fisch aus der Oberen Isar eine Bachforelle? Oder eine Seeforelle? Oder doch ein Zucht- Mix aus beiden? (Die Frage was Seeforellen überhaupt in der Oberen Isar zu suchen haben, stelle ich erst gar nicht!)

Oder dieser Fisch? Auch aus der Oberen Isar.
Bild

Ist ja schon fast so wie beim "Elsässer Saibling", der eine Elsässer Saibling schaut mal nach Bachsaibling aus, der nächste mal nach Seesaibling und ein weiterer könnte schon fast als Regenbogenforelle durchgehen… Wenn das so weiter geht mit den Mischmasch- Forellen- Züchtungen, dann sind das für mich bald einfach nur noch "Wolpertinger- Mastschwein- Forellen" und aus die Maus!

"Wolpertinger- Mastschwein- Forelle" :smt044
http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/21939549

LG
Christian

PS: Durch die Vermischung der Forellenbestände können sicher auch Resistenzen verloren gehen. Möglicherweise sogar mitverantwortlich für das mysteriöse Bachforellen Sterben in Isar usw.!? Das der Donaustamm mit den atlantischen Bachforellen vermischt ist, ist bekannt.
Ein Beispiel ist "Zurück zur Urforelle".
http://tirv1.orf.at/stories/528701
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pehers
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Re: Färbung unserer Bachforelle

Beitrag von pehers »

Servus liebe Freunde!

Ganz klar ist mir nicht, was hier tw. als unwiderleglich bewiesen behauptet wird. Dazu einige Punkte, die ich nicht so sehe und zu denen ich anderes gelesen/gehört bzw. selbst festgestellt habe:

1) Selbst in Gewässern ohne Fremdbesatz gibt es unterschiedlich gefärbte Bachforellen (in allen Varianten)!
2) Die Färbung von Forellen ist phänotyisch (~ nicht vererbbar) die Zeichnung (Anzahl und Position der Punkte) dagegen ist genotypisch (~ vererbbar).
3) Endemische Stämme sind bei der Fortpflanzung dominant! Ein einmaliger “Fehlbesatz” wird relativ schnell durch Rückkreuzung herausgemendelt bzw. wird verdrängt und auskonkurrenziert (Jüngst gab es dazu ausgefeilte Versuche durch die Universität für Bodenkultur - es wurde nachgewiesen, dass Besatzfische - auch solche von Nachkommen des autochtonen Bestands ein Jahr nach dem Besatz praktisch nicht mehr nachweisbar sind). Daher stellt sich die Frage, wo permanenter und daher langfristig schädlicher Fehlbesatz vor sich geht? In den Gewässern die von Gastfischern wegen ihres “guten Besatzes” als attraktiv bevorzugt werden. Dort haben endemische Fische - gerade deswegen - nur geringe Chancen.
3) Die Urforelle ist ein alter Hut! In mehereren Gebieten Österreichs (Szbg. auch tw. OÖ) und wie ich höre aich in den div. Beispielbetrieben der bay. Bezirke, beim LFVB in Mauka und sicher auch in etlichen Vereinsbrutanstalten werden für den Besatz nur Wildfänge vermehrt die dem endemischen Typ entsprechen. Aber siehe auch Pkt. 3..
4) Der Verlust von Resistenzen bei Hybridisierung ist Unfug! Im Gegenteil: Man kann Resistenzen einkreuzen: Gutes Beispiel > in D gibt es einen Stamm RF der gegen die Drehkrankheit resistent ist. Nun versucht man in Amerika endemische RF, die durch die Drehkrankheit von der Ausrottung bedroht sind, durch die Einkreuzung der resistenten RF aus Deutschland zu retten. Die dokumentierten Erfolge sprechen für sich. Es gibt auch Bachforellenstämme die gegen die Forellenseuche resistent sind. Auch diese Eigenschaft lässt sich durch innerartliche Hybridisierung weitergeben. Schon die Logik sagt einem ja, dass relevante Resistenzen aufgrund ihrer Eigenschaft (resistent gegen z.B. einen Erreger etc.) nicht verloren gehen können, da nur (oder hauptsächlich) Träger dieser Eigenschaft überleben.
5) Dass Nachkommen von Hybriden nach den Mendelschen Gesetzen wieder aufsplitten – sollte man wissen wenn man in der Schule präsent war.

Liebe Grüße,
Hans

P.S.: Hier ein link zu einer schönen Zusammenfassung:
http://www.gw-forum.de/showthread.php?4 ... %D6kotypen
www.soulfishing.eu
I still don't know why I fish or why other men fish, except that we like it and it makes us think and feel. (Roderick L. Haig-Brown, A River Never Sleeps)
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Gammarus roeseli
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Re: Färbung unserer Bachforelle

Beitrag von Gammarus roeseli »

pehers hat geschrieben: Ganz klar ist mir nicht, was hier tw. als unwiderleglich bewiesen behauptet wird.
Hi Hans,

ich glaube nicht, dass hier bisher in diesem Trööt schon etwas "unwiderleglich bewiesen und behauptet wurde."
Wir diskutieren halt nur, sprechen über unser Erfahrungen und wollen uns gern weiterentwickeln.

Danke für den Link!
pehers hat geschrieben: 1) Selbst in Gewässern ohne Fremdbesatz gibt es unterschiedlich gefärbte Bachforellen (in allen Varianten)!
2) Die Färbung von Forellen ist phänotyisch (~ nicht vererbbar) die Zeichnung (Anzahl und Position der Punkte) dagegen ist genotypisch (~ vererbbar).
Deinen Punkt 1. und 2. Kenne ich auch aus der Praxis.

In einen kleinen Nebenfluss vom S. Regen hatten z.B. alle Bachforellen die ich gefangen habe, sehr viele rote Tupfen in der Rückenflosse.

Bild

Bild
pehers hat geschrieben: 3) Endemische Stämme sind bei der Fortpflanzung dominant! Ein einmaliger “Fehlbesatz” wird relativ schnell durch Rückkreuzung herausgemendelt bzw. wird verdrängt und auskonkurrenziert (Jüngst gab es dazu ausgefeilte Versuche durch die Universität für Bodenkultur - es wurde nachgewiesen, dass Besatzfische - auch solche von Nachkommen des autochtonen Bestands ein Jahr nach dem Besatz praktisch nicht mehr nachweisbar sind).
Schön für Österreich, in Deutschland ist aber alles anders, seit über hundert Jahren werden Bachforellen gezüchtet, ausgesetzt und so auch durchmischt. Wie kann da noch von einem einmaligen "Fehlbesatz" (?) die Rede sein? Nicht durchmische Bachforellenbestände sind in D. sicher so etwas wie Stecknadeln im Heuhaufen!

Mal ein Beispiel aus der Praxis.
Die Bachforellen auf den Fotos sind alle aus ein und demselben kleinen Fluss in dem sich die BF auch noch ganz gut natürlich Reproduziert.

Die gesetzten fangfähigen Bachforellen der letzten Jahre sind zum Teil von verschiedenen aber dennoch sicher alles ganz gute Züchter.

Gesetzte Bachforellen eines Jahrgangs.
Bild

Ein Jahr später Fische von einem anderen Züchter.
Bild
Bild

Ein weiteres Jahr später.
Bild
Nachbesatz in dem selben Jahr.
Bild

Und in diesem Jahr schaut der Besatz so aus.
Bild

Die Fische aus Naturverlaichung die ich in den letzten Jahren in dem Wasser gefangen habe, machen auf mich schon einen durchmischten Eindruck.
Bild
Bild
Bild
Bild
Bild
pehers hat geschrieben: 4) Der Verlust von Resistenzen bei Hybridisierung ist Unfug!

Warum??
pehers hat geschrieben: Im Gegenteil: Man kann Resistenzen einkreuzen:


Schon klar, aber wenn man etwas einkreuzen kann, kommt es durch Hybridisierung auch zu Verlusten in den Resistenzen usw.
pehers hat geschrieben: Schon die Logik sagt einem ja, dass relevante Resistenzen aufgrund ihrer Eigenschaft (resistent gegen z.B. einen Erreger etc.) nicht verloren gehen können, da nur (oder hauptsächlich) Träger dieser Eigenschaft überleben.
Dazu sage ich nur eins, jedes Jahr nehmen bei uns auch die gesetzten Bachforellen mit am Laichgeschehen teil (!) und es ist ja auch bekannt, dass durch diese langfristige genetische Vermischung der Bestände, Überlebensfähigkeiten eingebüßt werden können.

LG
Christian
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Re: Färbung unserer Bachforelle

Beitrag von Gammarus roeseli »

pehers hat geschrieben: (Jüngst gab es dazu ausgefeilte Versuche durch die Universität für Bodenkultur - es wurde nachgewiesen, dass Besatzfische - auch solche von Nachkommen des autochtonen Bestands ein Jahr nach dem Besatz praktisch nicht mehr nachweisbar sind).
Hi Hans,

"Laborbedingungen"(!?) stellt sich allerdings die Frage, in wie weit diese Untersuchungen überhaupt Gültigkeit haben und verallgemeinert werden können.

Die reale Wirklichkeit in der freien Natur, schaut scheinbar dann doch ganz anders aus!!

(Besatzforellen- Nachkommen)
Genetische Beurteilung von Bachforellen in Kärnten:
http://www.uni-graz.at/steven.weiss/doc ... report.pdf

In 15 Bächen wurden Bachforellen untersucht, in 3 Bächen gab es noch autochthone donaustämmige Bachforellen, in 10 Bächen waren die donaustämmigen Forellen mit den atlantischen Bachforellenstämmen vermischt und in 2 Bachen gab es anstelle von Donau nur noch die atlantischstämmigen Bachforellen.

Fremde mtDNS (Atlantische) war zu 20 bis 90% in den Bachforellen der 10 Bäche mit vermischten Forellenbestand enthalten.

Wenn Du mal alte Bachforellenpräparate (Museum) Donaustamm mit dem vergleichst was heute so alles in dem selben Fluss schwimmt, wirst Du unter umständen schnell große Unterschiede feststellen in Körperform, Tupfen usw. (Leider öffnet sich der Link nicht mehr.)
Ein Schönes Beispiel dafür ist aber die Illeräsche, (!) als besonderes Merkmal weist sie ein ausgeprägt unterständiges Maus auf. (Leider werden die europäischen Äschen mit unterschiedlichen Merkmalen bisher nicht in Unterarten gegliedert.)

LG
Christian

PS: In dem Link steht:
"Prozentueller Anteil an donau- bzw. atlantischstämmigen mtDNS Haplotypen" in der Tabelle. (Seite 8 )
"Prozentueller Anteil an LDH Genotypen" in der Tabelle. (Seite 9 )
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Re: Färbung unserer Bachforelle

Beitrag von pehers »

Servus!

Ich kenne die Untersuchungen von Steven Weiss und bestreite das keinesfalls. Die Ergebnisse sind eine Folge von vielen Jahrzehnten haarsträubendster Besatzpraxis.
pehers hat geschrieben:Daher stellt sich die Frage, wo permanenter und daher langfristig schädlicher Fehlbesatz vor sich geht? In den Gewässern die von Gastfischern wegen ihres “guten Besatzes” als attraktiv bevorzugt werden. Dort haben endemische Fische - gerade deswegen - nur geringe Chancen.
Wenn Du mein Posting ausnahmsweise mal lesen würdest, bevor der nächste Schwall an Halbwahrheiten abgesondert wird, würdest Du das auch mitbekommen haben. Ganz generell weiß jeder in diesem Forum, der unter dieser Rubrik mitliest, dass ich aus diesen Gründen gegen jeden Besatz bin, denn wenn es zur Vermischung von Stämmen kommt, dann kann das ja nur deshalb der Fall sein, weil natürliche Reproduktion stattfindet. Wie erfolgreich Besatzfische beim Laichgeschehen im Gewässer wirklich sind, möchte ich jetzt nicht mutmaßen. Meines Erachtens ist dann, wenn natürliche Reproduktion stattfindet, Besatz nicht notwendig. Natürlich kann es bei dieser Besatzpraxis, wie Du sie beschreibst, zu einigen Hybriden kommen, die in der F1-Generation das fortpflanzungsfähige Alter erreichen könnten. Die verschwinden aber durch Rückmendelung nach einigen Fischgenerationen – das ist nicht schon nach einem Jahr zu beobachten. Ich kenne mindestens zwei Bäche in Österreich, an denen durch Besatzstopps (ein Fall über nunmehr 13 Jahre) - wenn auch nicht genetisch völlig reine -, aber doch an das Gewässer angepasste, selbst reproduzierende Stämme (Regenbogen und Bachforellen sowie Äschen) entstanden sind. Beide Gewässer wurden davor massiv mit Fischen besetzt.

Es wurde von mir doch klar gesagt, dass sich einmaliger Fehlbesatz auf natürliche Weise durch Verdrängung-/Rückkreuzung von selbst korrigiert. Zu den Versuchen der Boku ist zu sagen, dass diese in freier Wildbahn, an kleinen unbewirtschafteten Oberläufen von Bächen in Niederösterreich, erfolgt sind. Die Studie nennt sich "troutcheck" - die Ergebnisse sind recht eindeutig! Die Daten von Steven Weiss sind bestürzend, aber eben Konsequenz von jahrzehntelangem, oft mehrmals jährlich stattfindenden (Fehl-)Besatz. Aber auch diese Effekte können sich wieder von alleine geben, wenn man Besatz dauerhaft einstellt. Man wird sich meines Erachtens zumindest teilweise von dem Wunsch trennen müssen, dass man wieder "endemische" oder ganz ursprüngliche Stämme nachzüchtet und vermehrt, sondern man wird wohl damit vorlieb nehmen müssen, dass es ein Stamm ist, "der im jeweiligen Gewässer funktioniert".

Zu den Resistenzen: Hier wird Hybridisierung mit Selektion verwechselt! Bei Hybriden haben die Nachkommen den Genpool beider Elternteile, die Nachkommen mit der besten Kombination werden sich durchsetzen (nur die bestangepassten/überlebensfähigen werden sich fortpflanzen = nach Darwin: Survival of the fittest). Die erwähnten Verluste treten bei der Zuchtselektion auf, weil man bestimmte Fische (und deren Erbeigenschaften) von der Vermehrung ausschließt; das geschieht allerdings auch bei der natürlichen Selektion, bei der die Angestammten die Zugesetzten wieder ausdominieren (ua. weil sie eben Resistenzen aufweisen und daher besser angepasst sind).

Was mir einfach auf die Nerven geht, ist Dein stetiges Gejammere, dass alles ein Drama ist und "wir uns am Besten gleich alle ins Lasso werfen sollten", wo doch die Lösungen auf der Hand liegen (obwoh bei der Klientel der heutigen Fliegenfischer schwer durchsetzbar). Aber man kann sich überall engagieren und auch auf einem Weg der kleinen Schritte Erfolge erzielen. Ich habe in meinem Verein ein Brutboxenprojekt durchgesetzt. Wir versuchen, einen möglichst ursprünglichen Stamm für dieses Projekt zu finden. Vereine und Verbände wachen langsam - auch unter wirtschaftlichem Druck - auf. Gejammere hat aber nur selten Erfolg. Ich habe von Dir noch kein Posting gelesen, aus dem persönliches Engagement in auch nur einem dieser Bereiche hervorgeht.

L.G.
Hans
www.soulfishing.eu
I still don't know why I fish or why other men fish, except that we like it and it makes us think and feel. (Roderick L. Haig-Brown, A River Never Sleeps)
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