Re: Mitterweißenbach in Oberösterreich - FliegenFischen 04/2
Verfasst: 19.01.2016, 16:38
Servus an alle!
Habe leider ein bisserl Stress gehabt in letzter Zeit ... daher verspätet noch einige Statements von mir:
1. Es gibt die viel zitierten ökonomischen Gesetzmäßigkeiten, die zu derartigen Bewirtschaftungsformen führen einfach nicht (oder nur in sehr geringem Ausmaß)! Wenn ich an einem Wasser Besatzkosten habe, die die Höhe der Pacht an sich teilweise übersteigen, kann das keine Gesetzmäßigkeit sein, sondern nur ökonomischer Unfug! Ich würde einfach weniger Lizenzerlöse benötigen, um kostendeckend zu arbeiten. Ich würde daher auf viele "Trophy Fischer" verzichten können - nach Adam Riese tw. auf 50%. Irgendwann beißt sich die Katze in den Schwanz...
2. Recht geben muss ich leider all jenen, die die berechtigte Gegenfrage gestellt haben, wo es denn Gewässer in Österreich gibt, die nicht mit fangfähigen Fischen besetzt werden. Dies ist leider die traurige Wahrheit: Es gibt sie nur sehr, sehr vereinzelt und dann meist nur eingeschränkt zugänglich. Leider wird eben fast überall fangfähig dazu besetzt. Da ist aber wieder das Problem, von dem wir ausgegangen sind, die Ursache: Solange (nur oder in erster Linie) das nachgefragt wird, wird es so bleiben. Daher wäre Information auch darüber das oberste Gebot verantwortungsvoller Berichterstattung. Auch das von mir genannte Revier an der Steyr wird leider - neben EIbesatz von Bachforellen & Äschen - mit fangfähigen Regenbogen (Durchschnitt ca. 35cm) zur Entnahme besetzt. Nur diese dürfen auch entnommen werden. Mit Kapitalen muss man, kann man aber nicht rechnen - wenn ihr versteht, was ich meine...
3. Gerade weil ich einige deutsche Gewässer kennen gelernt habe (von NRW bis Bayern), frage ich mich, was sich die Gäste an einer Gmundner Traun, Ager oder einem Weissenbach denken. Ihr habt in vielen Bundesländern teilweise sehr produktive Gewässer, an denen es durchaus schwierig ist, maßige Fische zu fangen, und glaubt ernsthaft, dass in Österreichs teils kargen Bächen Kapitale an der Tagesordnung stehen würden? Das verwundert mich doch sehr.
4. Ganz dramatisch finde ich den Irrglauben, dass ausgewilderte, aber domestizierte Fische tatsächlich der Reproduktion nützen würden. Zahlreiche wissenschaftliche Studien beweisen, dass der Domestikationseffekt schon bei der Aufzucht bis zum Brütling in der Anstalt zu einer dramatischen Reduktion des Reproduktionserfolgs führt.
5. Die einzige sinnvolle Dienstleistung oder das einzige Know-How, das ein Guide an einem solchen Bach dem Gast bietet, ist das Wissen darum, wo der Laster mit den Fischen zufährt bzw. wo sich die Fische nachher hin verteilen. Ich habe den Bach von der Straße angesehen - da könnte ich auch guiden, ohne einmal dort gefischt zu haben, weil die Fische wie in der Fischzucht in den Pools in Schwärmen stehen - und das sind teils kapitale Bachforellen, die eigentlich ein Revier beanspruchen(wird wohl nichts mit der Haltung in relativ kleinen Becken zu tun haben...) und meistens unsichtbar sein sollten (ich kenne ein große Bachforelle, die habe ich bisher zwei mal gesehen, war aber oft dort...). Das ist alles lachhaft. Im großen und Ganzen kann ich sagen, dass man von diesen Guides vorsichtig formuliert "sehr selektiv informiert" wird. Ich habe für einen Guide in Montana ca. € 500,00 bezahlt und der hat mir am Madison River, der einen der besten Salmonidenbestände in den USA aufweist, ehrlich gesagt, dass eine 40iger Forelle ein sehr guter Fisch ist. Vielleicht auch eine Schönung der Wahrheit zur Kundenbindung (falls ich einfach zu blöd war, einen ordentlichen Fisch zu fangen), aber immerhin hat er mir keine Fische aus der Fischzucht verkauft...
Wünsche allen, die das gerne mögen, noch viel Spaß im Forellen-Disneyland und verabschiede mich mit einem Petri Heil,
Hans
Habe leider ein bisserl Stress gehabt in letzter Zeit ... daher verspätet noch einige Statements von mir:
1. Es gibt die viel zitierten ökonomischen Gesetzmäßigkeiten, die zu derartigen Bewirtschaftungsformen führen einfach nicht (oder nur in sehr geringem Ausmaß)! Wenn ich an einem Wasser Besatzkosten habe, die die Höhe der Pacht an sich teilweise übersteigen, kann das keine Gesetzmäßigkeit sein, sondern nur ökonomischer Unfug! Ich würde einfach weniger Lizenzerlöse benötigen, um kostendeckend zu arbeiten. Ich würde daher auf viele "Trophy Fischer" verzichten können - nach Adam Riese tw. auf 50%. Irgendwann beißt sich die Katze in den Schwanz...
2. Recht geben muss ich leider all jenen, die die berechtigte Gegenfrage gestellt haben, wo es denn Gewässer in Österreich gibt, die nicht mit fangfähigen Fischen besetzt werden. Dies ist leider die traurige Wahrheit: Es gibt sie nur sehr, sehr vereinzelt und dann meist nur eingeschränkt zugänglich. Leider wird eben fast überall fangfähig dazu besetzt. Da ist aber wieder das Problem, von dem wir ausgegangen sind, die Ursache: Solange (nur oder in erster Linie) das nachgefragt wird, wird es so bleiben. Daher wäre Information auch darüber das oberste Gebot verantwortungsvoller Berichterstattung. Auch das von mir genannte Revier an der Steyr wird leider - neben EIbesatz von Bachforellen & Äschen - mit fangfähigen Regenbogen (Durchschnitt ca. 35cm) zur Entnahme besetzt. Nur diese dürfen auch entnommen werden. Mit Kapitalen muss man, kann man aber nicht rechnen - wenn ihr versteht, was ich meine...
3. Gerade weil ich einige deutsche Gewässer kennen gelernt habe (von NRW bis Bayern), frage ich mich, was sich die Gäste an einer Gmundner Traun, Ager oder einem Weissenbach denken. Ihr habt in vielen Bundesländern teilweise sehr produktive Gewässer, an denen es durchaus schwierig ist, maßige Fische zu fangen, und glaubt ernsthaft, dass in Österreichs teils kargen Bächen Kapitale an der Tagesordnung stehen würden? Das verwundert mich doch sehr.
4. Ganz dramatisch finde ich den Irrglauben, dass ausgewilderte, aber domestizierte Fische tatsächlich der Reproduktion nützen würden. Zahlreiche wissenschaftliche Studien beweisen, dass der Domestikationseffekt schon bei der Aufzucht bis zum Brütling in der Anstalt zu einer dramatischen Reduktion des Reproduktionserfolgs führt.
5. Die einzige sinnvolle Dienstleistung oder das einzige Know-How, das ein Guide an einem solchen Bach dem Gast bietet, ist das Wissen darum, wo der Laster mit den Fischen zufährt bzw. wo sich die Fische nachher hin verteilen. Ich habe den Bach von der Straße angesehen - da könnte ich auch guiden, ohne einmal dort gefischt zu haben, weil die Fische wie in der Fischzucht in den Pools in Schwärmen stehen - und das sind teils kapitale Bachforellen, die eigentlich ein Revier beanspruchen(wird wohl nichts mit der Haltung in relativ kleinen Becken zu tun haben...) und meistens unsichtbar sein sollten (ich kenne ein große Bachforelle, die habe ich bisher zwei mal gesehen, war aber oft dort...). Das ist alles lachhaft. Im großen und Ganzen kann ich sagen, dass man von diesen Guides vorsichtig formuliert "sehr selektiv informiert" wird. Ich habe für einen Guide in Montana ca. € 500,00 bezahlt und der hat mir am Madison River, der einen der besten Salmonidenbestände in den USA aufweist, ehrlich gesagt, dass eine 40iger Forelle ein sehr guter Fisch ist. Vielleicht auch eine Schönung der Wahrheit zur Kundenbindung (falls ich einfach zu blöd war, einen ordentlichen Fisch zu fangen), aber immerhin hat er mir keine Fische aus der Fischzucht verkauft...
Wünsche allen, die das gerne mögen, noch viel Spaß im Forellen-Disneyland und verabschiede mich mit einem Petri Heil,
Hans