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Schmerzempfinden von Fischen

Verfasst: 30.10.2004, 20:16
von Jürgen Gaul
Gerade erhalte ich den neuen "Fliegenfischer" und schon der Blick aufs Titelblatt offenbart es wieder einmal: "Fische empfinden einfach keinen Schmerz!". Der Blick ins Innere relativiert diese kühne Aussage allerdings etwas, denn hier ist zu lesen "Können Fische Schmerz empfinden?" und der promovierte Autor, der die hinlänglich bekannten und ausgiebig diskutierten Arbeiten von Prof. Rose bzw. von Lynne Sneddon zitiert, meint aus der Arbeit von Rose folgern zu können, dass das "gelegentliche Zurücksetzen von fair gefangenen Fischen keine Tierquälerei sein kann", gesteht dann aber bereits im nächsten Satz ein, dass Fische im Drill in eine Stesssituation gelangen. Aber auch hier hat der Autor für uns schon einen Trost parat: "Stress ist kein Leiden, sondern ein allgegenwärtiger Mechanismus, die körperliche Leistungsfähigkeit kurzfristig zu steigern."

Wohlan denn, sorgen wir durch ungehemmtes C&R für eine optimale körperliche Kondition unserer Salmoniden!

TL Jürgen

Verfasst: 30.10.2004, 20:45
von stekus
Wenn du das Titelbild ansprichst könntst du es ja hierher verlinken. Nich jeder hat das budget sich solche Zeitschriften regelmäßig zu besorgen.

Zum Thema: Ich denke Fische fühlen keinen "intelligenten" Schmerz. Denkt mal, wenn euch jemand einen Haken reinsticht, würdet ihr dann wie der Fisch die Flucht ergreifen wenn Spannung auf die Schnur kommt, oder würdet ihr dem Zug an der Schnur folgen um Schmerzen zu verringern? Meine These: Durch unseren Zug an der Leine bringen wir den Fisch aus dem Gleichgewicht und er versucht das eben wieder zu erlangen. Dabei muss er natürlich gegen den Schnurzug anarbeiten. Erst kurz vor der Landung, bzw. wenn der Fisch den Menschen erblickt bekommt er Angst und möchte fliehen!

Verfasst: 30.10.2004, 22:08
von Jürgen Gaul
Original geschrieben von stekus
Wenn du das Titelbild ansprichst könntst du es ja hierher verlinken. Nich jeder hat das budget sich solche Zeitschriften regelmäßig zu besorgen.
Was bitte, lieber Stekus, soll ich denn auf welche Art und Weise hier verlinken :confused:. Sorry, aber vielleicht steht mir auch nur einer auf der Leitung?

Jürgen

Verfasst: 30.10.2004, 23:11
von Royal Coachman
Hallo Jürgen !

Das mit dem Schmerzempfinden wird ja schon seit Jahrzehnten diskutiert und ich möchte nicht schlauer sein als viele Wissenschaftler.
Da ich aber an einem See aufgewachsen bin ( zumindest im Sommer ) und wir als Jugendliche fast ausschließlich auf Hecht geblinkert und geschleppt haben, beobachtete ich immer wieder , daß tief hängende Hechte kaum kämpften sondern dem Zug nachgegeben und verhältnismäßig schnell ans Boot gekommen sind . Auch heute noch stelle ich immer wieder fest, daß Forellen die in der Zunge gehakt sind, sich im Drill anders verhalten als Fische die in der Spange hängen . Aber der Panikfaktor ist natürlich einzuberechnen und deshalb sind diese Beobachtungen leider ziemlich wertlos.

Aber die Idee durch C&R die Kondition zu heben gefällt mir außerordentlich,
da werde ich einen Selbstversuch machen , habe derzeit Stress im Beruf, mal sehen.
Werde mich mit den Erfolgen im Forum wieder melden .

Weg mit den Hanteln, her mit dem Stress
meint euer
Royal Coachman

Verfasst: 31.10.2004, 00:12
von Olli D
Hallo,
und was ist wenn Fische Schmerz empfinden, geht ihr dann nicht mehr fischen.
olli

Verfasst: 31.10.2004, 00:38
von Royal Coachman
Hallo Olli !

Seit ich als Kind einmal gesehen habe, wieviele Zander, Hechte usw in den Stellnetzen der Berufsfischer elendiglich zu Tode gequält wurden, bin ich mit unserer Fischerei zufrieden.

Das ist ein Klaks gegenüber den Beruffischern, denn da kommt das Hältern noch dazu .

mit freundlichen Grüßen

Royal Coachman

Verfasst: 31.10.2004, 17:04
von Jürgen Gaul
Original geschrieben von Olli D
und was ist wenn Fische Schmerz empfinden, geht ihr dann nicht mehr fischen.
olli
Hi Olli,

nachdem diese Frage wahrscheinlich nie völlig zu klären ist, können wir es gottseidank weiterhin bei unserer gemeinsamen Leidenschaft belassen.

Allerdings halte ich es bei der Wahl des Geräts mit der Regel "so stark wie nötig". Eine Fischerei z.B. auf Äschen mit superleichten Ruten und Schnurklassen und Vorfachspitzen von 0,10 und darunter ist für mich äußerst fragwürdig.

Jürgen

Verfasst: 31.10.2004, 17:34
von Maifliege
Hallo zusammen,

ich denke, dass Fische selbstverständlich "Schmerz" empfinden. D. h. sensible Nervenfasern melden dem Gehirn oder einer untergeordneten "Zentrale" (z. B. Rückenmark) einen Zustand der körperlichen Versehrtheit/Verletzung, dazu gehört auch eine ungwollte Richtungsänderung. Also, die Information über die Verletzung kommt zentral irgendwie an, geht auch nicht anders, sonst wär die jeweilige Art längst ausgemendelt. Das ist bei allen höheren Tieren sicher. Auf diese Information wird je nach "Programm" reagiert. Ist "Flucht" die adäquate Reaktion ham wer den Drill.... Aber darf man diesen überlebenswichtigen "Reflex" vermenschlichen? Der Mensch mit seinem Wissen über die Endlichkeit des Daseins verarbeitet z. B. einen "Vernichtungsschmerz" unter Hinzunahme aller Informationen über Krankheit, Folgen usw. -z. B. schmerzte mich der unfallbedingte Verlust der Wurffähigkeit meines Wurfarmes ggf. psychisch mehr als das tatsächliche Aua-. Dies ist aber bei Tieren grundsätzlich nicht gegeben. Also "Schmerz" im Sinne von Wahrnehmung ist selbstverständlich auch bei Fischen zu bejahen. Aber dann? Ein Hund an der Hundeleine leidet ev. genauso, Reiterei wolln wer mal gar nicht betrachten. Pferde sind nicht dazu gebaut Gewichte aufm Rücken zutragen -sonst wären die Fohlen auch da oben-, ist eine einzige "Quälerei ". Insgesamt ist der Tiernutz eine unglückliche Diskussion. Tiere nehmen m. E. also das was wir Menschen als Schmerz definieren sehr wohl wahr, hat aber in der Tierwelt einen ganz anderen Stellenwert, ist ein auf den Erhalt der Art ausgerichteter Mechanismus. Unvergleichbar mit dem was wir selbst mit "Schmerz" verbinden.
TL
Matthias

Verfasst: 31.10.2004, 19:30
von cgx
Also,...
die Untersuchung des Herrn Rose beschäftigt schon seit einiger Zeit Foren, insbesondere in den USA und England. Den Abschlussbericht habe ich (u.a.) im Original gelesen und ich muss sagen, dass das Ergebnis in einigen Magazinen und Forenbeiträgen oftmals, wie die Flüsterpost zitiert wurde. Herr Rose sagt (auch das ist nur eine extreme Kurzfassung), dass die mentale Dimension des Schmerzes bei Fischen nicht mit unserer vergleichbar ist, weil bei uns Bewußtseinselemente für das Schmerzempfinden eine maßgebliche Rolle spielen (befrage einen Masochisten, was Schmerz ist?!). Demnach ist das Ergebnis keine Beruhigungspille für zukünftiges Handeln am Wasser.

Verfasst: 08.01.2005, 06:55
von stefan grau
....>>Demnach ist das Ergebnis keine Beruhigungspille für zukünftiges Handeln am Wasser.<<

....wird aber als solche angeboten, insbesondere in Angelzeitschriften