Servus Roland, Robert, Unz und so,
muß auch noch meinen Senf dazugeben, hab persönlich nicht allzu viel Erfahrung mit Totholzeinbau, ein paar Dinge kann ich aber vielleicht doch zu Rolands Fragen beitragen.
Prinzipiell möchte ich schon vorausschicken - nona - dass man mittelfristig immer versuchen sollte, die Gewässer in einen Zustand zurückzuversetzen,
in dem die natürlichen Prozesse von selbst statt finden können - sprich konkret natürlicher Eintrag von Totholz z.B. durch Seitenerosion in Prallhangbereichen, was abhängig von den ursprünglichen Bedingungen durch Rückführung der Linienführung in einen pendelnden bis mäandrierenden LAuf zu erreichen ist - in Kombination mit der Bereitstellung eines genügend breiten Ufergehölzsaumes. Der glücklicherweise sich massiv ausbreitende Biber besorgt den Rest.
Allerdings wird es lokal oft nicht möglich sein, derartige großzügige Renaturierungsmaßnahmen zu setzten - dort macht der Einbau von Totholz ohne weitergreifende Rückbaumaßnahmen Sinn. Das Einbauen von Störsteinen find ich nur dann gscheit, wenn diese von Natur aus (Geologie) vorgekommen sind. Wir wollen doch nicht Disneyland - artige Gewässer haben. Totholz hingegen ist in praktisch allen natürlichen Gewässern (abgesehen von hochalpinen) ursprünglich ein extrem wichtiges Strukturelement gewesen. Zusätzlich sollte man immer die Anlage von Gewässerrandstreifen mit standortgerechter, holziger Vegetation anstreben, um die natürliche Neubildung von Totholzelementen zu ermöglichen.
Beim verwendeten Material sollte man sich ebenfalls an der Natur orientieren.
Nadelgehölze scheiden aus mehreren Gründen aus:
- sie wachsen von Natur aus in Mitteleuropa fast nie neben fischführenden Gewässern (abgesehen von der Oberen Forellenregion)
- sie sind schwache Strukturgeber (verlieren leicht Nebenäste)
- Fichten verrotten schnell
- sie sind schlecht von Wirbellosen als Nahrung zu verwerten (Harzgehalt)
Optimal geeignet sind Gehölze der Weichen Au, also v.a. Weiden, Erlen, Esche. Diese besitzen oft noch die Fähigkeit, wieder neu auszutreiben - was einen nachhaltigen Effekt gewährleistet.
Man sollte versuchen, möglichst viel Nebenäste an den Stämmen zu lassen und ordentlich dicke Totholzpakete einzubauen - dünne Pakete sind hydraulisch und biologisch fast wirkungslos.
Wurzelstöcke (Stockaustrieb!) bilden oft besonders attraktive und auch ästhetische Strukturen!
Zur Positionierung:
Man sollte versuchen, durch geschickte Positionierung vorhandene Strukturen (wie Kolk-Furt Sequenzen, Pendeln des Strömungsstriches bis hin zu Prall- und Gleithängen), welche sich ansatzweise auch in hart regulierten Strecken bilden, zu verstärken - hier ist viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen gefragt.
Die Schemata unter
http://www.totholz.de geben recht gute Hinweise dazu.
Zum Fixiern der Totholzstrukturen:
Je nach Rahmenbedingungen und Schutzerfordernis (z.B. Gefahr der Verklausung von unterliegenden Brücken) und Abflussbedingungen bieten sich verschieden Möglichkeiten an.
- Fixierung mit Stahlseilen an Piloten oder Ankern (zur Not verdeckte Betonplatten, sonst nach Möglichkeit vergrabene Stämme)
- Einklemmen mit Piloten
- Beschweren oder Einklemmen mit Steinen
- Eingraben der Pakete im Ufer
..
In Gewässern ohne Abflussdynamik (Lahn-/Mühlbäche etc.) kann auch einfach das Ablegen im Gewässer reichen. Hier ist der Nutzen allerdings deutlich geringer, weil die Strukturen leicht verschlammen bzw. kaum bettbildenden PRozesse (Sedimentumlagerung) durch die Strukturen initiiert werden.
Durch Setzen von Erlen oder Weidenstecklingen direkt hinter den Strukturen erreicht man, dass nach Verfaulen des Materials natürlich nachgewachsene Strukturgeber vorliegen!
Zu den rechtlichen Bedingungen in Deutschland kann ich dir leider nicht helfen.
Schließlich natürlich Vereinskollgen davon überzeugen, wie unglaublichwichtig Totholzstrukturen sind ... es soll noch immer vorkommen, das sie aus Gründen der Befischbarkeit entfernt werden.
Ich wünsch euch viel Fisch & wenig Hänger
Clemens