Besatz mit Mutterfischen
Verfasst: 13.02.2005, 19:53
Hallo Leute!
In letzter Zeit hört man immer öfter, dass Bewirtschafter im Herbst einen Besatz mit adulten Forellen (ich nenne sie mal unabhängig vom Geschlecht "Mutterfische"), also grossen bis sehr großen Forellen aus Teichwirtschaften tätigen, in der Hoffnung, dass diese dann im Gewässer erfolgreich ablaichen.
Wie ihr euch denken könnt, halte ich diesen Weg für wirtschaftlich, fischereilich und ökologisch unsinnig und bedenklich. Ohne pauschale Urteile zu fällen, drängt sich mir der Verdacht auf, dass derartige Massnahmen von Teichwirten forciert werden, die ja umso mehr verdienen, je größer die verkauften Besatzfische sind. In Einzelfällen mag es auch vorkommen, dass die Teichwirte dadurch auch alte Laichfische aus ihrer Zucht für teures Geld verkaufen (die ja nur mehr Gonaden schlechter Qualität produzieren).
Folgende Argumente sprechen aus meiner Sicht dagegen und wurden großteils auch schon dokumentiert:
1) Eingewöhnung
Je grösser der besetzte Fisch, umso schwerer gewöhnt er sich im Gewässer ein. Das ist ja umgehend bekannt und akzeptiert.
2) Erfolg
Ich bezweifle, dass die Mutterfische synchron mit dem Wildfischbestand laichreif werden bzw. überhaupt laichreif werden, nachdem das Umsetzen mit enormem physiologischen Stress verbunden ist (Umgewöhnung an Strömung, Naturnahrung, Temperaturschwankungen, ...)
3) Konkurrenz
Die Mutterfische sind i.d. Regel größer als die Wildfische und können - sofern sie sich am Laichgeschäft überhaupt beteiligen - diese von günstigen Laichplätzen verdrängen.
4) Genetik / Erbanlagen
Bei diesen Mutterfischen handelt es sich um Individuen, welche in der Fischzucht in besonders kurzer Zeit besonders groß geworden sind. Es ist davon auszugehen, dass derartige Individuen (durch Zuchtauswahl über viele Generationen) Erbanlagen tragen, welche zum Überleben im Fließgewässer besonders schlecht geeignet sind (sie sind besonders "verfressen", haben einen hohen Energieumsatz, sind besonders unvorsichtig, gewöhnt an konstante Wassertemperaturen, schlechte Schwimmer, ...)
5) Geeignetes Material
Genetisch, gesundheitlich und reproduktionsbiologisch unzweifelhaft geeignetes Material wird auf dem Markt kaum erhältlich sein.
6) Wirtschaftlichkeit
Der Mutterfischbesatz ist teuer und der Laicherfolg fraglich; Das Überleben der Mutterfische (bzw. Verbleiben im Revier) vom Spätsommer/Frühherbst bis zum Ende der Schonzeit (Frühjahrshochwässer!!) recht unwahrscheinlich - d.h. eine direkte Attraktivierung der Fischerei wird nur eingeschränkt erreicht werden können.
7) Ursachen statt Symptome
Wenn zu Beginn der Schonzeit der Adultfischbestand zu gering ist, so heisst das i.d. Regel, dass während der Saison zu viel entnommen wurde. Primär ist durch eine restriktivere Entnahme zu reagieren, z.B. Zwischenbrittelmass (Ursachen- statt Symptombekämfung).
Trotzdem würde mich interessieren, ob und welche Erfahrungen ihr damit gemacht habt.
- In wie vielen Gewässern wird ein derartiger Mutterfischbesatz betrieben?
- Habt ihr positive Erfahrungen gemacht und die Fische beim Ablaichen beobachten können.
- Wie ist eure Meinung zu den oben genannten Argumenten?
- Könnt ihr euch trotz dieser Argumente ein Szenario vorstellen, wo ein Besatz mit Mutterfischen sinnvoll ist?
Als sinnvollere Alternative würde sich das Cocooning (Vibertboxen) mit Eimaterial anbieten (sofern überhaupt ein Defizit an Jungfischen besteht und der limitierende Faktor nicht fehlende Einstände für Adultfische o.ä. darstellen; Voraussetzung ist das Vorliegen von geeigneten Laichplätzen zum Eingraben der Boxen und günstigen Jungfischhabitaten - aber das gilt natürlich ebenso beim Mutterfischbesatz).
Die Geschlechtsprodukte können durch Elekotroabfischung von Laichreifen Fischen aus dem jeweiligen Gewässer gewonnen werden. Diese Individuen haben durch das Abwachsen bis zur Geschlechtsreife auch bewiesen, dass sie für das jeweilige Gewässer geeignete Erbanlagen tragen).
Klar ist, dass dies mit einem höheren Arbeitsaufwand verbunden sein wird.
Ich freue mich auf Rückmeldungen,
clemens
In letzter Zeit hört man immer öfter, dass Bewirtschafter im Herbst einen Besatz mit adulten Forellen (ich nenne sie mal unabhängig vom Geschlecht "Mutterfische"), also grossen bis sehr großen Forellen aus Teichwirtschaften tätigen, in der Hoffnung, dass diese dann im Gewässer erfolgreich ablaichen.
Wie ihr euch denken könnt, halte ich diesen Weg für wirtschaftlich, fischereilich und ökologisch unsinnig und bedenklich. Ohne pauschale Urteile zu fällen, drängt sich mir der Verdacht auf, dass derartige Massnahmen von Teichwirten forciert werden, die ja umso mehr verdienen, je größer die verkauften Besatzfische sind. In Einzelfällen mag es auch vorkommen, dass die Teichwirte dadurch auch alte Laichfische aus ihrer Zucht für teures Geld verkaufen (die ja nur mehr Gonaden schlechter Qualität produzieren).
Folgende Argumente sprechen aus meiner Sicht dagegen und wurden großteils auch schon dokumentiert:
1) Eingewöhnung
Je grösser der besetzte Fisch, umso schwerer gewöhnt er sich im Gewässer ein. Das ist ja umgehend bekannt und akzeptiert.
2) Erfolg
Ich bezweifle, dass die Mutterfische synchron mit dem Wildfischbestand laichreif werden bzw. überhaupt laichreif werden, nachdem das Umsetzen mit enormem physiologischen Stress verbunden ist (Umgewöhnung an Strömung, Naturnahrung, Temperaturschwankungen, ...)
3) Konkurrenz
Die Mutterfische sind i.d. Regel größer als die Wildfische und können - sofern sie sich am Laichgeschäft überhaupt beteiligen - diese von günstigen Laichplätzen verdrängen.
4) Genetik / Erbanlagen
Bei diesen Mutterfischen handelt es sich um Individuen, welche in der Fischzucht in besonders kurzer Zeit besonders groß geworden sind. Es ist davon auszugehen, dass derartige Individuen (durch Zuchtauswahl über viele Generationen) Erbanlagen tragen, welche zum Überleben im Fließgewässer besonders schlecht geeignet sind (sie sind besonders "verfressen", haben einen hohen Energieumsatz, sind besonders unvorsichtig, gewöhnt an konstante Wassertemperaturen, schlechte Schwimmer, ...)
5) Geeignetes Material
Genetisch, gesundheitlich und reproduktionsbiologisch unzweifelhaft geeignetes Material wird auf dem Markt kaum erhältlich sein.
6) Wirtschaftlichkeit
Der Mutterfischbesatz ist teuer und der Laicherfolg fraglich; Das Überleben der Mutterfische (bzw. Verbleiben im Revier) vom Spätsommer/Frühherbst bis zum Ende der Schonzeit (Frühjahrshochwässer!!) recht unwahrscheinlich - d.h. eine direkte Attraktivierung der Fischerei wird nur eingeschränkt erreicht werden können.
7) Ursachen statt Symptome
Wenn zu Beginn der Schonzeit der Adultfischbestand zu gering ist, so heisst das i.d. Regel, dass während der Saison zu viel entnommen wurde. Primär ist durch eine restriktivere Entnahme zu reagieren, z.B. Zwischenbrittelmass (Ursachen- statt Symptombekämfung).
Trotzdem würde mich interessieren, ob und welche Erfahrungen ihr damit gemacht habt.
- In wie vielen Gewässern wird ein derartiger Mutterfischbesatz betrieben?
- Habt ihr positive Erfahrungen gemacht und die Fische beim Ablaichen beobachten können.
- Wie ist eure Meinung zu den oben genannten Argumenten?
- Könnt ihr euch trotz dieser Argumente ein Szenario vorstellen, wo ein Besatz mit Mutterfischen sinnvoll ist?
Als sinnvollere Alternative würde sich das Cocooning (Vibertboxen) mit Eimaterial anbieten (sofern überhaupt ein Defizit an Jungfischen besteht und der limitierende Faktor nicht fehlende Einstände für Adultfische o.ä. darstellen; Voraussetzung ist das Vorliegen von geeigneten Laichplätzen zum Eingraben der Boxen und günstigen Jungfischhabitaten - aber das gilt natürlich ebenso beim Mutterfischbesatz).
Die Geschlechtsprodukte können durch Elekotroabfischung von Laichreifen Fischen aus dem jeweiligen Gewässer gewonnen werden. Diese Individuen haben durch das Abwachsen bis zur Geschlechtsreife auch bewiesen, dass sie für das jeweilige Gewässer geeignete Erbanlagen tragen).
Klar ist, dass dies mit einem höheren Arbeitsaufwand verbunden sein wird.
Ich freue mich auf Rückmeldungen,
clemens