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Unterschied zwischen wild und zuchtforelle
Verfasst: 29.03.2005, 19:18
von Marcelk
In ein anderes forum (NL) geht gerade eine diskussion uber die unterschiede zwischen wilde bachforelle und zuchtforelle. Es wurde unter anderem behauptet das ein unterschied die weisse umrandung der flossen sein wurde. Ich dachte das es nicht so einfach wahre weil es ja verscheidene stamme von den bachforellen gibt.
Vielleicht kann ein experte mir mal erklaren ob der unterschied uberhaupt sichtbar ist.
Verfasst: 29.03.2005, 22:50
von Markus H.
Hallo,
der einzige Unterschied den ich hier beschreiben kann ist folgender : Bei Wildfischen sind die Flossen meist alle sehr schön ausgebildet. Mit sauberen Rändern und Farben usw.
Bei Zuchtforellen sind dagegen die Flossenränder oft wie abgefressen oder teilweise verstümmelt. Nicht schön anzuschauen. Zudem sind Wildfische meist farbenprächtiger und kampfstärker.
Viele Grüße...
Verfasst: 30.03.2005, 07:36
von Royal Coachman
Hallo Marcelk !
Vom Aussehen her ist es kaum möglich eine Zucht- von einer Wildforelle
zu unterscheiden.
Beim Verhalten im Wasser sieht die Sache schon wieder anders aus .
Durch die Aufzucht im Rundstrombecken wird der Forelle das Verhalten eines Schwarmfisches anerzogen. Man erkennt den Unterschied zwischen Rundstrombecken- und Bachgezogenen beim Einsetzen sofort, die einen bleiben in der für sie neuen Umgebung dicht zusammen, während die im Aufzuchtsbach herangewachsenen Forellen sich sofort verteilen und Unterstände suchen (sofern diese in unseren geschundenen Gewässern überhaupt noch vorhanden sind). Dieses unnatürliche "Schwarmverhalten" hat aber zur Folge, daß z.B einsömmrige Bachforellensetzlinge von den im Wasser befindlichen Wildfischen sofort angegriffen und gefressen werden, da sie atypisches Verhalten zeigen. Erschwerend kommt hinzu, daß den Setzlingen diese Gefahr nicht bewußt ist, sodaß im Grunde nur eine äußerst kostspieliege Forellenfütterung betrieben wird.
Was die Flossen anbetrifft , so beißen die Forellen in der Zucht sich gegenseitig besonders die Brustflossen einfach ab. Durch die Nähe wird der Beißreflex ausgelöst, wenn andauernd etwas vor dem Maul herumwedelt.
Auch ist oft (besonders bei großen Fischen) die Schwanzfosse nur mehr ein für diesen Fisch viel zu kleines Fragment.
Was aber nicht unter diese Kategorie fällt, sind die Abschabungen an der Unterseite der Schwanzflosse, die auf den Standort des Fisches schließen lassen. Fische die fast ausschließlich am Grunde stehen, zeigen diese Merkmale wohingegen "Dauersteiger" perfekte Flossen aufzuweisen haben.
Ein weiteres Merkmal wäre die ortsunübliche Färbung, die Forellen nehmen mit der Zeit die Farbe des Untergrundes an und wenn z.B. im hellen Gebirgsbach plötzlich dunkelbäuchige starkgefärbte Fische auftauchen, so kommt das sicher nicht von einer "Forellenwanderung".
tight lines
Royal Coachman
Erkennen von Wild- und Zuchtfischen
Verfasst: 31.03.2005, 14:03
von Graylinglover
Hallo Marcelk,
dem vorher gesagten möchte ich nur hinzufügen, dass die Bachforelle extrem variabel in Ihrer Färbung und Zeichnung ist. Das heißt die Anzahl der Punkte kann innerhalb eines Gewässers auch bei reinen Wildfischen stark variieren. Trotzdem gibt es zwischen Fischen verschiedener räumlicher und damit genetischer Herkunft durchaus deutliche Unterschiede. Sehr schön ist dies in dem Buch von James Prosek "Trout of the World" dargestellt. Die von von Dir erwähnten Unterschiede in der weissen Umrandung der Bauch- und Afterflosse können m.E. durchaus ein Hinweis auf genetische Unterschiede (Zucht- , Wildfische) sein. Welches dann die Zucht- bzw. Wildfische sind kann man dann entweder an der Zeichnung von Jungfischen (je nach Größe des Besatzes) erkennen oder an den oben schon erwähnten "Haltungsschäden".
Beste Grüße und viele gesunde Wildfische wünscht Dir
Robert
Verfasst: 31.03.2005, 21:40
von Rattensack
Seavas Robert alter Spezi,
is ja witzig, ich hab gestern den Beitrag gelesen, ein bisserl darüber nachgedacht und ebenfalls bei J. Prosek nachgeschlagen. Und siehe da: Weisse Ränder auf After- / Bauchflossen finden sich bei Forellen aus Portugal, Korsika, Frankreich, Italien ... Wusste ja, dass bei autochthonen Donaustämmen (z.B. Nationalpark Kalkalpen), bei der "Eifeler Forelle"... dies typisch ist, aber scheinbar auch bei Fischen aus dem mediterranen Einzugsgebiet.
Wie du sagst - BF = extrem variabel, Herkunft nur durch molekulargenetische Untersuchungen wirklich zu beurteilen. Vielleicht ist aber tatsächlich für ursprüngliche niederländische Forellen / Nordseeeinzugsgebiet diese Färbung nicht typisch - weiss wer was davon?
Lg,
Clemens
P.S. Bei der Gelegenheit ein Buchtip an alle da draussen (vom selben Autor):
James Prosek: Fly-Fishing the 41st. From Conneticut to Mongolia and Home Again. A Fisherman´s Odyssey. Lesen!
Verfasst: 31.03.2005, 21:49
von Rattensack
@Marcelk
Würde dich noch bitten deine Frage zu präzisieren.
Was sind Zuchtforellen?
Ein gezüchteter Stamm (domestizierter, über viele Generationen in Teichwirtschaften gehaltener Stamm, Zuchtauslese, ..). Oder in Teichwirtschaft aufgezogene - genetisch aber vielleicht standorttypische Fische?
Was ist eine Wildforelle?
Eine genetisch "autochthone", u.U aber in einer Fischzucht aufgezogene Forelle? Oder ein Zuchtstamm, der aber wild aufgewachsen ist?
Oder aber ein Wildstamm der wild aufgewachen ist?
Das Thema ist sehr komplex (und bedarf differenzierter Betrachtung)!
Clemens
Verfasst: 31.03.2005, 22:20
von Marcelk
Vielen dank fuer alle antworte.
Bei der frage im anderen forum war eigentlich der unterschied gemeint
zwischen einer forelle die fangfahig ausgesetzt wurde und eine die von klein auf in einen bach lebte (klein ausgesetzt).
Ueber autotochtone forellen wurde nicht gesprochen. Ich glaube auch kaum das es die bei uns gibt. Die wenigen forellen die es bei uns gibt sind warscheinlich mit den stempel "Made in Germany" oder "Made in Denmark" versehen.
Das die sache nicht so einfach war hatte ich schon begriffen weil es soviele stamme von forellen gibt.
Verfasst: 31.07.2005, 12:19
von Hâgar Otter
Das lässt sich schon unkomplizierter beantworten (wenn man sich mal auf die Bachforellen beschränkt):
~ die beschriebenen Flossenschäden können schon bei sog. vorgestreckter Brut aus Zuchtbetrieben auftreten (auch unterproportional kleine Flossen) lassen den Rückschluß auf (älter bis) fangfähig besetzte Fische zu; ein (anfänglich) überdurchschnittlicher Korpulenfaktor > 1 auch!
~ die weißen Flossensäume sind ein Hinweis auf Wildfischabkömmlinge (das verliert sich mit zunehmendxer Domestikation, warum weiß man noch nicht!)
Re: Unterschied zwischen wild und zuchtforelle
Verfasst: 13.05.2012, 17:42
von salat
hallo
dieser thread ist zwar schon uralt
aber da er scheinbar als referenz zum thema gilt schreibe ich meine bemerkungen am besten auch eben hier rein
als einen der wichtigsten punkte, welcher aber noch gar nicht in betracht gezogen worden ist
sehe ich "zivilisationsschaden durch fehlernährung" an!
das führt zu viel mehr "effekten" als das wohl die meisten für möglich halten werden
insbesondere schon in der frühen entwicklungsphase welche besonders wichtig wäre ..
die fische über--leben zwar schon
es ist aber für sie suboptimal z.b. ihre proteine aus soya in den futterpellets zu beziehen
von der abwesenheit von begleitenden spurenelementen und vitaminen u.s.w ganz zu schweigen
da erstaunen mich fehlende weisse ränder an den flossen, kleine mäuler und mangelnde fitness überhaupt nicht!
bei uns menschen ist es nicht anders
bei einer diät aus tiefkühlpizza und bier und vorwiegend sitzender lebensweise
sieht nach einer weile auch keiner so fit aus wie tarzan ...
obwohl ich nicht die kapazität noch den drang habe dies detailliert wissenschaftlich zu belegen klärt dies, zumindest für mich selbst, so einige offene "misterien" auf
gruess
cedi