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Nächtliche Besucherin unbekannt

Verfasst: 29.05.2005, 17:19
von todde
Moin an alle Entomologen,

neulich nächtens fand ein lichthungriges Insekt den Weg in meine Kemenate und ließ sich nach einigem Geflatter auf der Tapete nieder.
Köcherfliegen kenne ich. Schlammfliegen auch. Nun wohne ich direkt angrenzend an einem Naturschutzgebiet umgeben von Wiesen und Feldern am Waldesrand und einigen kleineren bis größeren Tümpeln und Teichen in unmittelbarer Nähe; da schwirrt so einiges...
Das Gerät hatte etwa 3 bis 3,5 cm Länge. Nach dem Fototermin fasste ich die Unbekannte vorsichtig bei den Flügeln und entließ sie dem Geschick der Fledermäuse.
Wer mag sie gewesen sein? Sollte ich sie jemals wiedersehen?
Also, hindienliche Sachweise bitte, meine Damen und Herren!

Gruß
todde
Bild

Verfasst: 29.05.2005, 18:22
von Marco Reisen
Hi

Ist eine Köcherfliege :-)

Gruß Marco
(mit einem Seitenbild von Flügel kann ich die Art Bestimmen)

Verfasst: 29.05.2005, 22:12
von Jürgen Gaul
Hallo Todde,

wie schon Marco richtig feststellte, handelte es sich bei Deiner nächtlichen Besucherin um eine Köcherfliege.

Was die Art anbetrifft, wird es schon schwieriger. Gesetzt den Fall, die Größenangabe 30-35 mm stimmt, kommen eigentlich nur 2 Alternativen in Frage:

a) Es handelt sich um eine Vertreterin der Gattung Phryganea (P. grandis oder P. bipunctata), die beide mit Flügellängen bis 30 mm zu den größten Köcherfliegenarten Mitteleuropas zählen.

b) Du kommst gar nicht aus Kiel, sondern aus Tschernobyl und es handelt sich um eine Mutation einer normalerweise nur 2 mm langen Hydroptila-Art ;)

Falls die Größenangabe großzügig geschätzt sein sollte (typisch Fischer!) würde ich aufgrund der Flugzeiten und Deiner Beschreibung der Umgebung auf eine Köcherfliege aus der Familie der Limnephilidae tippen, die immerhin auch eine Flügellänge von über 20 mm erreichen können.

@KyllFischer:
mit einem Seitenbild von Flügel kann ich die Art bestimmen

Toll, erzähl mal, wie Du das machst. Die mir bekannten Köcherfliegenspezialisten (H. Malicky, P. Neu, K.-J. Maier) betonen immer wieder, dass eine Artbestimmung nur mit Hilfe der genitalmorphologischen Merkmale möglich ist.

Einen angenehmen Wochenanfang wünscht Euch
Jürgen

Verfasst: 29.05.2005, 22:20
von Olaf Kurth
Original geschrieben von Jürgen Gaul
.... @KyllFischer:

Toll, erzähl mal, wie Du das machst. Die mir bekannten Köcherfliegenspezialisten (H. Malicky, P. Neu, K.-J. Maier) betonen immer wieder, dass eine Artbestimmung nur mit Hilfe der genitalmorphologischen Merkmale möglich ist.....



Ruuuuuuuummmmmmmmmsssss - die virtuelle Watschn' hat gesessen!!!!!!


Gruß und schönen Wochenanfang, :cool: :rolleyes: ;) :D

Olaf

Verfasst: 30.05.2005, 17:36
von Marco Reisen
Hi
@Jürgen
Muss ich dir zu 100% Recht geben :-(

Die Art genau zu bestimmen ist schwer

Ich muss wohl mehr auf meine Schreibweise achten, ich habe mich da Falsch ausgedrückt.
Mit der "Art" habe ich die Familie und evt. die Gattung gemeint. nach meinem wissen werden für die Bestimmungen der Imagines der Köflies, neben der Form des Genitalapparates, und die Merkmale wie Länge der Fühler und Vorhandensein, Fehlen von Ocellen Flügelform und deren Aderung, Existenz der Discoidalzelle in den Flügeln, sowie Anzahl der Sporne an den Beinschienen Bestimmt. Und deshalb kann man durch ein Seitenbild, vom Flügel evt. die Gattung, bestimmen. sofern man was erkennt.

Klar das ich ins offene Messer laufe mit meiner aussage "ART" aber hab nicht gedacht das es wörtlich genommen wird.
Naja nix für ungut kann passieren.

TL Marco

Verfasst: 30.05.2005, 17:44
von todde
Aha! Doch eine Köcherfliege. Die mir zu Gesicht geführte Art hatte bisher zwar eine vergleichbare Form war aber etwas kleiner und zeigte eine etwas rustikalere, dunkelbraune Färbung.


@ Jürgen Gaul: Dieses Exemplar hielt ich ihrer hellen Erscheinung und ihres flatterhaften Benehmens wegen einen Augenblick lang für eine migrierte Stade-AKW-Fliege aus dem südlichen Niedersachsen. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah liegt :D Zum Glück ist DAMIT ja nun schulz.

Nach dem Abzählen von Schuss und Kette auf dem Foto und Anlegen eines Lineals am Original habe ich eine Länge des Körpers von 26 bis 27 mm ermittelt. Somit ergebe ich mich dem Verdacht der unterbewussten Dimensionstransformation, die bei Anglern nun einmal so manifest und doch so beglückend ist. Mea culpa!

Mein anderes Buch wird dann wohl eines der hier besprochenen Bücher zur Insektenkunde werden.

Vielen Dank an die flugs herbeigeeilten Fliegenexperten
todde

Verfasst: 30.05.2005, 19:35
von Maggov
Hallo,

nur Interesse halber:

Wie untersucht man denn die Genitalien einer Köcherfliege? ... :D ...

Nix für ungut und T.L.

Maggov

Verfasst: 30.05.2005, 20:10
von Jürgen Gaul
Hi Todde,

aha, er räumt bezüglich der Länge des Objekts die offensichtlich genetisch bedingte, anglertypische Neigung zur Übertreibung von in diesem Falle lächerlichen 35 % (26 anstatt 35 mm im Extremfall) reumütig ein :D . Nichtsdestotrotz dürfte meine erste Einschätzung (Phryganea sp.) richtig sein, da sowohl Größe, Flugzeit und Habitat (Tümpel, Teiche) mit Deinen Angaben übereinstimmen. Die ebenfalls in Frage kommenden Limnephilus-Arten sind doch um einiges kleiner.

@Marcus:
Ich hatte schon so etwas in dieser Richtung vermutet, weil oftmals mit den taxonomischen Begriffen "Familie", "Gattung" und "Art" etwas großzügig umgegangen wird. Es war nicht meine Absicht, Dich "ins Messer laufen zu lassen", aber es hätte ja sein können, dass mir neuere Erkenntnisse entgangen sind ;)

@Maggov:
Du wirst's vielleicht nicht glauben, aber es gibt tatsächlich Bestimmungsliteratur, die sich in Abbildungen ausgiebig mit dem Bau der Genitalorgane der Köcherfliegen beschäftigt. Zur Untersuchung derselben ist natürlich ein Stereomikroskop erforderlich.

Viele Grüße
Jürgen