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Salzfisch im Süßwasser?!
Verfasst: 24.01.2006, 13:51
von allgaeufly
hi leute,
da ja zur zeit auf und an den straßen und parkplätzen (zumindest bei uns hier) das "große schneebeseitigen" begonnen hat und allerorts geschaufelt, gefräst etc. wird, stellt sich mir die frage, was passiert in fließgewässern, wenn der ganze dreck= streusalzhaltiger schnee incl. müll evtl. etwas frostschutz/öl etc. in die gewässer gelangt!?
bei uns z.b. schieben die betreiber eines großen parkplatzes (skilift) den schnee einfach in den fluß und neulich konnte ich beobachten wie eine gemeinde-schneefräse die häufen einfach in die argen gefräst hat (ca. 500m).
also gewässerökologen unter euch: gibt es da probleme? oder erkenntnisse?
gruß
Verfasst: 26.01.2006, 11:26
von Georg
Hallo,
ich denke mal das eine Belastung der Gewässer durch Streusalz keienen erheblichen Einfluss auf die gewässer hat.
An meinem Heimatgewässer der Werra im Raum Mihla/ Treffurt hatten wir vor der Wende eine extreme Belastung durch Abwässer aus der Kaliindustrie (1988: 11g/l) und Forellen wurden immer gefangen. ( Meist Regenbogen)
Diese hielten sich bevorzugt an "Süsswassereinleitern" (Bäche; Quellen) auf, das dürfte aber, wenn man das verhältnis zum Fluss betrachtet kein erhebliches Konzentrationsgefälle bewirkt haben.
Da ja eine Belastung durch Steusalz ( Tauwetter/ Schnee in Fluss kippen) nur über einen begrenzten Zeitraum stattfindet und auch von der Konzentration rechtv gering ausfallen dürfte, glaube ich nicht an eine starke Schädigung des Ökosystems.
Allerdings kann ich mir vorstellen, dass ein solcher Schub in der Laichzeit ordentlich Schaden an den befruchteten Eiern und der Brut nehmen kann (Osmose)
Es gibt doch bestimmt Biologen im Forum, welche sich besser mit der Materie auskennen und einmal mehr darüber berichten könnten.
Mich würde das Thema allgemein interessieren, da das Problem wenn auch in abgeschwächter Form noch immer an der Werra aktuell ist.
M.f.G. Georg
Verfasst: 26.01.2006, 11:35
von Rattensack
Hallo Georg,
ich muss dir wiedersprechen, es gibt wissenschaftliche Arbeiten, welche bereits am 150 mg/l (!!!) Chlorid erhebliche Einflüsse ableiten!
Die Frage ist immer, ob die Tiere an die Ionenkonzentration adaptiert sind,
oder akute Stoßbelastungen auftreten.
Wenn ich Zeit finde, schreib ich mal mehr zu der Sache - das ist bei der Neuerrichtung von Strassen und Einleitung von Strassenabwässern in Gewässer ein sehr aktuelles Thema.
Beste Grüße,
Clemens
Verfasst: 26.01.2006, 13:14
von Georg
Das ist ja richtig, es bezweifelt ja auch keiner, dass die Werra vor 1989 ökologisch fast tot war und auch jetzt durch die immer noch eingebrachten Abwässer der Kali+ Salz AG im Unterlauf als "sehr schlecht " zu bewerten ist.
Die 11000mg/l Cloridkonzentration welche 1988 in Gerstungen gemessen worden sein sollen halte ich für real. Ich denke mal, dass durch die Verdünnung im Unterlauf bei uns immer noch gut 1/3 angekommen sein sollte, was ja immer noch erheblich mehr als der von Dir gennante Wert ist. Es wurden definitiv Aale, Regenbogenforellen und vereinzelt Bachforellen vor 1989 gefangen.
M.f.G. Georg
Verfasst: 01.02.2006, 16:14
von Ruediger
Hallo,
Salz hat auch Vorteile. Aquarianer z. B. kippen Salz in ihre Becken um das verpilzen von Fischeiern zuverhindern. Aus eigenen Beobachtungen kann ich sagen, und dass ist auch wirklich nur eine Beobachtung, dass in der Wesser die ja aus Werra und Fulda besteht, vor der Wende deutlich mehr Zander und Barsch zufangen waren. Vorallem kleine Zander gab es jede Menge. In den Jahren danach, als die Salzfracht stark reduziert wurde haben die o. g. Arten auch stark abgenommen. Ich könnte mir vorstellen, dass von den Fischeiern nicht mehr soviele durchgekommen sind. Wie gesagt, reine Spekulation.
Grüsse
Rüdiger
Verfasst: 01.02.2006, 18:22
von Maggov
Hallo allgfly,
ich habe beim letzten Stammtisch erfahren, dass man diese Leute anzeigen kann, da es nicht erlaubt ist Fremdstoffe in Gewässer einzubringen. Anscheinend sind diese Leute auch mehr oder eben weniger darüber informiert.
Vielleicht hilft es Dir, wenn Du die HErrschaften mal mit diesem Sachverhalt konfrontierst.
Die rechtliche Basis dafür kann ich Dir leider nicht nennen, das wäre jedoch sicher im Forum vom Verband recherchierbar.
Viele Grüsse
Markus
Verfasst: 02.02.2006, 21:44
von allgaeufly
hi leute,
danke erstmal!
@maggov: ich kann mir das gut vorstellen, daß es da rechtliche möglichkeiten gibt! aber wie das immer so ist, haben wir sicher keinen großen einfluß! ich kann mir die lapidaren antworten auf dem ordnungs- oder landratsamt schon vorstellen!
@ruediger: ich weiß ja ned so recht, ob das so nen "positiven" einfluß hat??? bin in chemie ne niete, könnte mir aber vorstellen, daß a.) salz nicht gleich salz ist und b.) die anderen fremdstoffe im altschnee auch ne rolle spielen!
wenn es nur das wäre, aber man ist ja am wasser ständig mit "schweinereien" konfrontiert! mindestens einmal im jahr gülle, dann wieder kiesentnahme, abholzungen etc. . mal die gemeinde, dann ein privater und sogar als fischereiaufseher bist du machtlos, weil es immer irgendwelche klüngel und "spezi"-wirtschaft gibt! im großen wie im kleinen!
gruß
Verfasst: 03.02.2006, 09:45
von Maggov
Hallo allgfly,
ich denke der Gang zur Polizei oder zum Ordnungsamt ist ein vertretbarer Aufwand und ein Versuch wäre es wert. Wenn Du das Gefühl hast, dass die klüngeln würde ich es einfach bei einem anderen Ordnungsamt versuchen (z.B. in einem übergeordneten Kreis oder so).
Ich gehe davon aus, dass Du schon entsprechend schlechte Erfahrungen gesammelt hast und weiß nicht ob die Einleitung eine Ordnungswidrigkeit oder eine Straftat darstellt. Falls es eine Straftat darstellt MUSS die Polizei die Anzeige aufnehmen und dem Staatsanwalt vorlegen. Der kann das erste Mal noch eine Bagetelle draus machen und die Anzeige fallen lassen, häufen sich jedoch die Anzeigen besteht öffentliches Interesse und wenn der Staatsanwalt dann nichts macht kriegt er Probleme. Zur Not könntest Du Dir überlegen die Jungs wg. Sachbeschädigung oder anderen Delikten anzuzeigen um so die Aufmerksamkeit der Behörden zu kriegen.
- Ist nur 'ne Idee - ...
Gruss
Markus
Verfasst: 03.02.2006, 10:16
von Rattensack
Hallo,
wenn die zuständigen Behörden nicht reagieren, ist ein Gang zu den Medien extrem effektiv! Erfolgsgarantie fast 100%!
Lg,
Clemens
Verfasst: 09.02.2006, 00:34
von allgaeufly
hi leute,
kurze info zum thema:
eine gemeinde im gebiet unserer fließwasser, hat eine anzeige bekommen, weil sie lasterweise altschnee (von straßenräumungen) in unser gewässer gekippt hat! sie mußten alles wieder rausbaggern und die PI immenstadt ermittelt! so schilderte es mir heute unser gewässerwart. wenn das kein anfang ist!
guat nacht!
Verfasst: 09.02.2006, 09:47
von Maggov
Hallo allgfly,
geht doch

... Super!
Viele Grüsse
Markus
Verfasst: 08.01.2010, 13:10
von derflow
Die aktuellen Wetterverhältnisse haben mich ein wenig nachdenklich gemacht - mein Hund findet Streusalz Sch*** und für unsere beschuppten Lieblinge kann das Zeug auch nicht besonders gut sein. Bei der Suche hier im Board habe ich diesen Thread gefunden - leider waren die Antworten für mich nicht besonders befriedigend. Deshalb möchte ich das Thema nochmal aufleben lassen.
Habt Ihr schonmal gravierende Auswirkungen auf eure Gewässer feststellen können?
Gibt es aktuelle Fälle?
Wie wirkt sich das Zeug langfristig aus?
Verfasst: 08.01.2010, 21:53
von Zweihandwedler
Ich habe mal in einer Fischzucht gearbeitet, die Jungfische haben 1x wöchentlich eine Ladung Salz bekommen, damit die später besser auf Umweltsituationen reagieren können.
Verfasst: 11.01.2010, 09:56
von Maggov
Hi Jürgen,
mag bei Zucht-/Satzfischen helfen aber was machst Du mit dem Bestand vor Ort?
LG
Markus