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Krebse

Verfasst: 19.03.2006, 10:46
von el-forello
Hallo zusammen,
ich möchte hier ein neues Thema über Bewohner unserer Gewässer starten, die ihr Dasein schon fast wörtlich "im Dunkeln" verbringen.
In unseren Gewässern sind die heimischen Edelkrebse und Steinkrebse, sowie die eingeschleppten Ausländer Galizier.- Kamber.-Signal.- und Sumpfkrebs unterwegs.
Mich würde zum Beispiel interessieren, von welcher Bedeutung der Steinkrebs in einem Bach des Voralpenlandes ist. Macht es Sinn, in einem Gewässer einen Krebsbestand aufzubauen. Ist der Krebs als Fischnährtier von Bedeutung anzusehen, oder werden eigentlich nur die ganz Kleinen gefressen.
Oder ist es einfach so zu sehen, daß er die Artenviellfalt im Bach bereichert, und die Entsorgung von Kadavern in seinem Nischendasein übernimmt ?
Was zum Beispiel, wird gegen die allgegenwärtigen "Amerikaner" unternommen? Gibt es überhaupt greifende Strategien um sie wirksam zu dezimieren?
Was wird für eine stark rückgängige Art, wie z.B. den Steinkrebs, getan ?

Freue mich auf eure Antworten und Erfahrungen,
Peter ;)

Verfasst: 20.03.2006, 11:02
von borlonimarco
Hallo Peter,

Meines Wissens nach gibt es derzeit keine aadäquate Methode gegen die Amerikaner. Den Gallizier würde ich allerdings nicht verteufeln, er ist der osteurop. Verwandte des deutschen Edelkrebs, genauso empfindlich für die Krebspest. Damit kann man leben. Einen Bestand aufzubauen ist schwierig, wenn zum einen Aale da sind, und zum anderen die Amerikaner. Beides sind Faktoren die den Krebsbestand bei Null halten.(Viell. müßte man gegen die Amerikanischen Krebse einfach Aale setzen?)

Der Krebs ist im Butteralter die bevorzugte Nahrung von Zandern und Aalen.

Auch wenn er nur ein Nischendasein fristet, wenn es machbar ist vom finanziellen und ökologischen, würde ich einen Besatz versuchen.


Gruß

Marco

Verfasst: 20.03.2006, 12:00
von Maggov
Hallo Peter,

da Krebse Aasfresser sind, sind sie als "Verwerter" organischer Abfälle - insbesonders in Staubereichen und langsamen Passagen sicherlich.
Weiterhin wäre ein Vorkommen sicherlich eine Berreicherung für das Gewässer im Sinne der Artenvielfalt.

Soweit ich weiß sind die deutschen Krebsarten allerdings ziemlich empfindlich in Bezug auf Wasserqualität und Erkrankungen...

Gruss

Markus

Verfasst: 20.03.2006, 12:25
von Matthias M.
Hallo Peter,

wir haben in unserem Gewässer (ein kleiner Bach) vor etwa 5 Jahren mit 300 Stück europäischen Edelkrebsen besetzt. Bis heute hat sich eine ganz ordentliche Population aufgebaut, ich sehe eigendlich immer Krebse wenn ich am Wasser bin.
Die Bachforellen fressen in meinen Augen fast alle Größen, gerade aber die, die sich frisch gehäutet haben und somit leichte Beute darstellen.

Leider gibt es bei unserem Bach im Unterlauf auch eine sehr starke Population an Signalkrebsen die bis jetzt durch einem steiles Wehr daran gehindert werden in den Oberlauf zugelangen.
Dieses Jahr soll das Wehr imzuge der Renaturierungsarbeiten entfernt werden, mal sehen wie sich das auf die Population an Edelkrebsen auswirkt.

Gruß Matthias

Verfasst: 20.03.2006, 20:58
von el-forello
Hallo Matthias,
mir geht es eigentlich um den Aufbau einer Steinkrebspopulation. Sie werden meiner Ansicht nach eher vernachlässigt, da sie vom kulinarischen Wert, nicht unbedingt in der Sparte atemberaubend geführt werden. Es ist aber die Krebsart, die in den Gewässern im Umland als heimisch anzusehen ist.
Ich habe das Eingangsposting zum Thema bewußt sehr breit gehalten, weil ich denke, daß es ein umfangreiches Thema ist und weil fischereitechnisch nicht angesagt, zu Unrecht in einer Nische verkommt.
@ Wer weiß schon, daß der Galizier um 1900 hauptsächlich aus Rußland geliefert, und in unseren Gewässer mit der Annahme, daß er gegen die Krebspest resistent ist ausgesetzt wurde.
@ Marco - Da gibt`s ja in deiner Gegend schöne Bestände !
@ Matthias - wünsche euch viel Glück, daß dem Edelkrebsbestand nichts passiert. Wie wird euer Krebsbestand von der Fischerei genutzt ?

Gruß
Peter

Verfasst: 20.03.2006, 21:26
von Matthias M.
Hallo Peter,

entnommen werden die Edelkrebse auf keinen Fall, soweit ich weiß sind diese auch in Hessen geschützt.

Gruß Matthias

Verfasst: 20.03.2006, 21:31
von el-forello
Hallo Matthias,
bei den Edelkrebsen ist das O.K. !
Aber die Signalkrebse ? Laßt ihr die gänzlich in Ruhe, damit sie sich schön vermehren ?

Gruß
Peter

Verfasst: 20.03.2006, 22:31
von Matthias M.
Hallo Peter,

bis jetzt haben wir die Singnalkrebse in Ruhe gelassen.
Aber vielleicht sollte man dies ändern bevor das Wehr entfernt wird.

Gruß Matthias

Verfasst: 21.03.2006, 10:31
von el-forello
Hallo Matthias,
und schon sind wir an dem Punkt, wo ich der Meinung bin, nur weil fischereitechnisch uninteressant wird diesesThema vernachlässigt.
Ohne Kritik üben zu wollen, aber ihr habt einen Signalkrebsbestand eigentlich nicht nur geduldet, sondern auch noch gepflegt. Der Grund ( wahrscheinlich) - solange es keine Problme macht usw. ist es egal. So breiten sich die Kameraden aus.
Weshalb werden nicht konseqent Krebsreusen gestellt, und so hin und wieder für die Aktiven in der Sache, ein Krebsessen veranstalltet. Ein Signalkrebs auf dem Teller ist was Exzellentes, im Wasser aber eine tödliche Gefahr.
Noch eine Frage zur Krebspest -
Die K- Pest ist eine seuchenartige Infektionskrankheit mit besonderer Virulenz. Auslöser ist der Schlauchpilz ( Aphanomyces astaci ), welcher bei Kontakt mit einem Europäischen Krebs gleich welcher Art dessen Tod herbeiführt. Dieser Pilz wurde vor ca. 150 Jahren aus Amerika eingeschleppt.

Was kann man gegen den Erreger tun und wie verbreitet er sich? Geschieht es nur durch Kontakt mit Artgenossen, oder wird er im Wasser weitergetragen? Ist ein über lange Zeit "gesund" scheinender Krebsbestand tatsächlich gesund oder gibt es so etwas wie eine Inkubationszeit ?

Gruß
Peter

Verfasst: 21.03.2006, 13:06
von chris/bw
Mh zu unserem vereinsgewässer gehören zwei kleine Seen und ein niederungsflussabschnitt, in den seen haben wir eine sehr gute population an edelkrebsen, Grundangeln ist manchmal sehr schwierig weil man öfters mal nen Krebs am haken hat, jenachdem sollen wir die auch dann in unseren fluss reinsetzen, der fürhrt dierekt an den seen vorbei, aber was mit den Krebsen dann passiert weiß ich leider nicht, könnt ich mal unseren gewässerwart befragen.
jedenfalls stehen auch ion bw die edelkrebse unter Naturschutz soweit ich weiß, auch umliegende Vereine kommen gerne und holen sich bei uns eine packung Krebse für ihre gewässer ab.
Als Nahrung werden die bei uns wohl weniger genommen, in den Seen haben wir mal 80 Zentner (hoffe die größenangabe stimmt) an Zander reingesetzt, nachdem wir letztes Jahr den einen See ablassen mussten um zu desenfizieren (laut vorschrift müssen alle künstliche seen alle 10 jahre sich so einer reinigung unterziehen) und wir haben sage und schreibe ganze 3 Zander heraushohlen können, es war wohl eher so das sich die Fische gegenseitig gefuttert haben.
naja, als Kadaververwerter sind die Krebse sicherlich toll, auch zur Artenerhaltung, allerdings als Nahrung der Fische und zum selber essen halte ich das für sinnlos.

Verfasst: 21.03.2006, 13:23
von JensR
allerdings als Nahrung der Fische und zum selber essen halte ich das für sinnlos.


Hallo,

bei jeder zweiten entnommen Forelle in meinem Hausgewässer finde ich Signalkrebse im Magen - teilweise ich beachtlichen Größen, weit entfernt von Jung-Krebsen.

Große, braune Woolybugger und jede andere Art von Krebsimmiation an der Fliegenrute fängt hier verdammt gut.

Diese Krebse schmecken übrigens ganz hervorragend! Ich mache jedes Jahr mehrmals ein Krebsessen.

Sinnlos ist anders ... ;)


Gruß, Jens

Verfasst: 22.03.2006, 11:21
von el-forello
Sinnlos ist anders...... !:)

Hallo Jens,
daß ist ein Teil meines Anliegens. Sich eben evtl viel Arbeit zu machen, die eigentlich sinnlos ist.
Ich finde es übrigens gut , daß du die (Signal)Krebsbestände kulinarisch nutzt, und so etwas gegen die Ausbreitung tust.
Aber es sind schon ermutigende Aussagen dabei, und wir werden sehen was sich noch gibt.

Gruß
Peter

Verfasst: 22.03.2006, 17:26
von pehers
Servus Freunde!

Ich habe bei einem Vortrag von einem Fischereibiologen, der mit dem Problem des Signakrebses in der Traun konfrontiert und um Lösungen gefragt wurde, folgendes erfahren:

Er ist nicht zu stoppen und wird sich vermutlich bis zum Traunfall ausbreiten.

Er ist selbst in abgschlossenen Systemen, wo Zuwanderung nicht möglich ist, nicht auszurotten: Es wurde an einem See in der Schweiz versucht, den Signalkrebs durch Befischung mit allen, wirklich allen Methoden wieder zu dezimieren! Der Bestand stieg trotzdem kontinuierlich mit den Fängen!

Guten Appetit und beste Grüße,
Hans

Verfasst: 22.03.2006, 19:37
von chris/bw
mh Krebse konnte ich in meinen gefangen Fischen noch nie finden, gut wir haben auch nur edelkrebse, naja abgesehen das die in bw unter naturschutz stehen würd ich trotzdem kein Krebs essen, ich bin kein großer fischesser, ab und zu eben die gefangenen fische oder ect. aber so scampis oder garnelen, hummer, muscheln wäre zwar reuvoll aber irgendwie probier ichs nie^^

Verfasst: 22.03.2006, 19:52
von Jürgen Gaul
Original geschrieben von chris/bw
wir haben auch nur edelkrebse, naja abgesehen das die in bw unter naturschutz stehen
Hallo Chris,

da bist Du falsch informiert. Für die Edelkrebse gibt es in Baden-Württemberg zwar Schonmaße und Schonzeiten, aber außerhalb dieser Beschränkungen darf der jeweilige Fischereiberechtigte Sie sich durchaus aneignen.

Siehe Landesfischereiverordnung vom 3. April 1998:

Edelkrebs, Flusskrebs (Astacus astacus L.)
- Weibchen - Schonzeit: 1. Oktober bis 10. Juli - Mindestmaß: 12 cm
- Männchen - 1. Oktober bis 31. Dezember - 12 cm

Steinkrebs (Astacus torrentium SCHRANK)
- Weibchen - 1. Oktober bis 10. Juli - 8 cm
- Männchen - 1. Oktober bis 31. Dezember - 8 cm

Die eingeschleppten Arten (Signalkrebs etc.) unterliegen weder einer Schonzeit noch einem Mindestmaß.

Viele Grüße
Jürgen