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Aeschen im Rhein.... bald Vergangenheit?
Verfasst: 17.07.2006, 09:09
von gmischol
Diese Meldung stammt vom 4. Juli.
Aeschen im Rhein schon bald wieder von Massensterben bedroht
Die hohen Wassertemperaturen machen den Aeschen im Rhein bereits wieder zu schaffen. Jakob Walter, Fischereiaufseher des Kantons Schaffhausen hofft deshalb, dass in den nächsten Wochen das Wetter kälter und der Rhein nicht noch wärmer wird. Ab 26 Grad Wassertemperatur müsse man mit einem erneuten Massensterben bei den Aeschen rechnen, betonte Walter. Dies nachdem sich der Bestand der Aeschen dank dem Aeschenfangverbot und der gezielten Aufzucht langsam ein wenig erholt hat vom Hitzesommer 2003. Im Moment misst der Rhein 23 Grad und die ersten toten Aeschen wurden bereits angespült. Falls es alle paar Jahre einen Hitzesommer wie im Jahr 2003 gibt, wird es irgendwann keinen Aeschen mehr im Rhein geben. Dies sagte Walter gegenüber Radio Munot. 95 Prozent der Aeschen im Rhein überlebten den Sommer 2003 nicht.
Der Link dazu:
http://www.schaffhausen.ch/pages/newsde ... p?ID=10335
am 14.7.2006
Warme Rheintemperaturen weiter kritisch für Äschenbestand
Die Lage für die Äschen im Rhein bleibt kritisch. Wie Jakob Walter, Kantonaler Fischereiaufseher, gegenüber Radio Munot sagte, wird man am Montag entscheiden, ob man die geplanten Massnahmen zum Schutz der Äschen umsetzten wird. Falls dem so ist, werden die Zuflüsse zum Rhein für die Fische zugänglich gemacht, so dass sich die Fische im kühleren Wasser erholen können. Mit diesen Massnahmen könnten jedoch nur wenige Äschen gerettet werden, so Walter. Wie eine Umfrage von Radio Munot ergeben hat, rechnen die Fischer in der Umgebung mit einer ähnlichen Katastrophe wie im Hitzesommer 03. Wenn dieses Jahr wieder viele Äschen sterben wird es schwierig, den Bestand aufrecht zu erhalten. In den letzten Tagen wurde im Rhein ein Höchstwert von 24 Grad gemessen. Im Hitzesommer 03 lagen die Rheintemperaturen bei 25 bis 26 Grad.
http://www.schaffhausen.ch/pages/newsde ... p?ID=10552
und vom Wetter keine Besserung in Sicht!
Wenn das so weitergeht, werden wir das Fischen auf Salmoniden in Europa nur noch an wenigen Gewässern ausüben können. Traurig!!!!!
Gaudenz Mischol
Verfasst: 17.07.2006, 13:11
von pehers
Servus Gaudenz!
Dein Schlusswort ist zwar verständlich, aber ich glaube nicht, dass es letztlich schon so weit gekommen ist wegen der Erwärmung, sondern weil die Querfragmentierung und die damit verbundene geringe Fließgeschwindigkeit der Gewässer das Wasser überhaupt erst auf so hohe Temperaturen steigen lässt. Die heissen Sommer an sich, sind da noch nicht schuld daran!
Trotzdem ist es natürlich furchtbar, wenn sich diese Katastrophe wiederholen würde. Hoffentlich passiert das nicht!
Beste Grüße,
Hans
P.S.: Vielleicht wären Regentänze angebracht!!!
Verfasst: 17.07.2006, 14:09
von gmischol
Hallo Hans
da hast Du sicher recht, viel ist auch durch Strukturveränderungen an den Flüssen bedingt, an vielen Quellbächen wird im Quellgebiet auch zunehmend Grund- und Quellwasser für die Wasserversorgung des Menschen entnommen.
Nur, gerade die Strukturveränderungen bestehen ja bereits seit Jahren oder Jahrzehnten. Nachgewiesenermassen sind in der Schweiz die mittleren Wassertemperaturen in den letzten Jahren gestiegen und dies konnte mit dem Rückgang der Fangzahlen von Forellen korreliert werden. Und dass ein Aeschensterben im Rhein nach 2003 schon wieder droht, glaube ich nicht, dass dies rein durch die Querverbauungen und langsameren Fliessgeschwindigkeiten bedingt ist. Die Sommer spielen ja wirklich verrückt. Italien trocknet aus, bei uns ist die Temperatur im Juni ca 3 Grad über dem langjährigen Mittel, wenn der Juli weiterhin bei Temperaturen um die 30 Grad (bis Ende Woche bis 34° vorausgesagt) bleibt, dann gibt dass eine Abweichung von mehr als 4°. Das ist nicht einfach Zufall oder eine Laune der Natur, und mit diesen hohen Temperaturen, va ohne Unterbruch mit einer Abkühlung, geht auch die Aufheizung der Gewässer einher.
Im Endeffekt spielt es ja eigentlich keine Rolle, warum die Gewässer so warm werden, die Aesche hält es darin einfach nicht mehr aus.
Und wenn dann einmal die Gletscher weg sind, dann werden auch diese Gewässer, die heute durch das vermehrte Abschmelzen noch mit mehr Wasser und kühleren Temperaturen profitieren, sich weiter aufheizen und die Salmoniden sich auch dort verabschieden.
Ich werde mir wohl wegen diesen Aussagen den Vorwurf eines Pessimisten gefallen lassen müssen, aber ehrlich gesagt, mir macht das Angst, va um etwas, was mir wirklich am Herzen liegt, die Natur mit all ihren Facetten.
Gruss
Gaudenz Mischol
Verfasst: 17.07.2006, 17:30
von pehers
Servus!
Hoffen wir trotzdem, dass nicht so heiss gegessen, wie gekocht wird! Und vor allem, dass die Äschen für's erste mal davonkommen!!!!!
L.G.
Hans
Verfasst: 25.07.2006, 16:02
von pehers
Servus Gaudenz!
Hast Du Dich länger nicht gemeldet, weil die Katastrophe perfekt ist, oder weil bis dato zum Glück noch nichts passiert ist?
Wie geht's also den Äschen, den "Ladies of the Stream" im Rhein?
Besten Dank für eine kurze Antwort,
Hans
Zum Glück
Verfasst: 25.07.2006, 17:34
von gmischol
Hallo Hans
nein, bis heute ist noch nichts passiert oder es wurde einfach nicht berichtet. Die Temperaturen im Rhein nähern sich aber unaufhaltsam den 26°, Wahnsinn!!!
Zur Rettung der Aeschen wurden entlang des Rheins im Kanton Schaffhausen die Zuflüsse von Bächen ausgebagert, um den Aeschen ein Aufsteigen in diese kühleren Gewässer (so hofft man jedenfalls) zu erleichtern und damit sie sich dort erholen können. Scheinbar scheint dies zu funktionieren, jedenfalls liegen bis heute keine Meldungen von einem Aeschensterben vor.
Ich sehne nur das Ende dieser Woche her, damit endlich eine kleine Abkühlung kommt. So wie es aussieht ist diese aber leider auch nur von kurzer Dauer, nächste Woche sind wieder Temperaturen deutlich über 30° angesagt.
Ich frage mich schon manchmal, ob ich da einer Panikindustrie verfallen bin oder ob die Erwärmung unserer Erde nicht doch schon eine Tatsache ist. Ungeheurlich kommt es mir wirklich vor. Die Antwort ist sicher nicht einfach, wirklich wissen werden wir es dann wenn es eintritt.
Ich hoffe schwer, dass alles gut für die Aeschen ablaufen wird, aber der nächste heisse Sommer kommt bestimmt wieder. Viele solche Hitzeperioden werden sie nicht durchstehen.
Gruss
Gaudenz
Kleiner Nachtrag
Verfasst: 26.07.2006, 08:33
von gmischol
In der Schweiz sind schon mehrere Bäche teilweise oder auch ganz ausgetrocknet, in anderen Bächen ist der Wasserstand so niedrig und die Temperaturen stark am Steigen, so dass sie vorsoglich abgefischt und die Fische in grössere Gewässer umgesetzt werden. Das rettet zwar die Fische aber die Bäche selber sind wohl dadurch stark geschädigt.
Nach 2003 ist das innert 3 Jahren der zweite solche Sommer mit Extremtemperaturen und Trockenheit über Monate. An den meisten Messstationen der Schweiz werden in der Regel 3-6 Hitzetage (mehr als 30°) gezählt. Dieses Jahr zählen wir bis Ende Juli bereits 10-20 Hitzetage. Das wird unser Gewässersystem und auch die daran lebende Fischfauna komplett verändern. Das Klima in diesen Sommern entspricht demjenigen von Südfrankreich, Spanien oder Süditalien.
Solche Sommer hat es früher sicher auch gegeben, nicht aber in einer solchen Häufung.
Gaudenz
Verfasst: 02.08.2006, 15:58
von FliFi-Rudi
Hallo zusammen,
.....“Aeschen im Rhein schon bald wieder von Massensterben bedroht“....
ich versuche hier einmal ein wenig Zuversicht rüber zu bringen (sehe die Lage an einigen Stellen des Rheins aber genauso bedenklich)!
Aber bevor Ihr all zu sehr „schwarz seht“...... Frage: welcher Rhein ist oben gemeint?
...bedenkt, der Rhein ist sehr groß und Schaffhausen war 2003 ein Extremfall – also kann man die gemachten Aussagen „der gesamte Rhein ist betroffen“ so nicht stehen lassen – denn dies wäre reine Panikmache und muss deshalb relativiert werden.
z.B. wir am Oberrhein hatten 2003 fast keine toten Äschen gefunden, hatten aber auch weiter über 26°C Wassertemperatur (berichtigt mich, ich glaube es waren sogar bis zu 36°C direkt bei den Rheinfällen!?).
Denn wer den (Hoch-/Ober-)Rhein kennt, der weis, dass es dort sehr viele Stellen gibt, an denen kühles Grundwasser von z.B. dem Schwarzwald, ...... einfließt (Geologische Ausarbeitungen des Rheingraben zeigen dies auch deutlich), dort ziehen sich die Fische zurück. Problem dabei - An diesen Stellen sammeln sich dann sehr viele Fische – dass dort dann wieder ganz andere Bedrohungen sind ist klar (z.B. Eine die Schwarz ist und sich von Fischen ernährt).
Übrigens, wir haben gestern Abend mit einem geeichten Thermometer „nur“ 18°C im Uferbereich gemessen (ich vermute, dies ist einer der o.g. Ausströmungsbereiche des Grundwassers), in der Hauptströmung waren es wohl 2-3°C mehr (hatten nur Watstiefel an, konnten deshalb nicht tiefer rein - übrigens, wir waren nicht zum Fischen dort

), ist aber auch nur ein punktueller Wert, wie der von den Messstationen auch.
Die Maßnahme – Bäche anzubaggern, um Rückzugsgebiet zu schaffen finde ich etwas eigenartig– viele Bäche sind schon jetzt fast leer und ob das Wasser dort dann kühler ist.........? Aber immer noch besser als die Äschen, Barben und Forellen in einen großen See zu werfen (gabs auch schon, stand sogar in der örtlichen Presse!).
Ich persönlich denke auch nicht, dass zukünftig die Salmoniden (im Rhein) ganz verschwinden werden - denkt mal an das Lachsprojekt und die Unsummen was dieses Projekt kostet – und was schon alles bewegt wurde. Ich denk wir sollten noch etwas Geduld haben, denn es tut sich einiges am (Ober)Rhein um diesem gezielt entgegen zu arbeiten (Renaturierung, Fuischpässe, Rückbau von Wehren, Rückhalteraum bei Hochwasser, mehr Abfluss - im Moment ca. 50-60Kubik/früher waren es nur 20-30Kubik im Sommer,...). Es dauert natürlich länger, wie man „damals“ benötigte um alles kaputt zu machen, es besteht aber durchaus Hoffnung, auch wenn heute leider zu viele „Mitredner“ involviert sind, die zu viele Eigeninteressen haben.
Also, Kopf hoch – es ist noch nichts verloren – jeder Fischer/Verein sollte aber aktiv daran mitwirken - es gibt extrem gute Beispiele dafür z.B.
http://www.av-weil.de/!
Gruß vom Altrhein
Flifi-Rudi
Verfasst: 03.08.2006, 09:46
von gmischol
Hallo Rudi
die Situation hat sich nun sicher langsam entschärft. Die Temperaturen in Reckingen und Rheinfelden gehen langsam züruck, die Abkühlung und der Regen sind ein Segen.
Trotzdem, dieser Juli war extrem. Solche Extreme hat es schon immer einmal gegeben, aber nicht in diesen Frequenzen. Dieses Jahr ist es noch einmal gut gegangen und ich hoffe schwer, dass die vielen vorgeschlagenen Massnahmen auch umgesetzt werden zur Renaturierung. Viele Veränderungen der letzten 30 bis 40 Jahre haben zu diesen Umständen beigetragen, wie Kanalisierung, Abholzen von Auenwäldern etc.
Ich war vor ca 10 Tagen an meinem Hausbach, dessen Temperatur tagsüber auch gegen 25° stieg, da es sich aber um ein kleineres Gewässer handelt, hat er sich in der Nacht meistens wieder auf ca 18° abgekühlt. Und was ich dabei auch feststellen konnte, dass wirklich an gewissen Stellen das Wasser deutlich (sprich gemessene 5-6°C) kühler war, obwohl kein Seitenbach einmündete. Ich kann mir das nur durch aufquellendes Grundwassser erklären. Aber auch bei Einmündungen von Seitenbächen lag die Temperatur ein paar Grad tiefer als im Hauptwasser. Also denke ich dass diese Massnahmen im Rhein auch sinnvoll sind, gleichzeitig sollte aber auch der Einstieg in diese für das Laichgeschäft so wichtigen Gewässer auch wieder geöffnet werden.
Genau so wie Du hoffe ich schwer, dass es nie soweit kommt, dass Salmoniden aus unseren Gewässern verschwinden. Gewisse Anzeichen, dass die Temperaturen gestiegen sind gibt es aber schon. In vielen bisher klassichen Salmoniden-Gewässern kommt die Barbe und der Döbel immer häufiger vor und ein Algenwachstum nimmt auch offensichtlich zu.
So nun das es wieder mehr Wasser und auch kühlere Temperaturen herrschen, werde ich morgen wieder einmal mein Rütchen schwingen, es gibt halt nichts schöneres.
Gruss
Gaudenz