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Rutenklasse 3, 2, 1, 0, 00...

Verfasst: 02.08.2006, 09:56
von hans.klas
GUTEN MORGEN !

"Fürchte keinen Fisch !", mit diesem Spruch versucht Loomis, beim potenziellen Käufer grenzenloses Vertrauen in seine Ruten zu erzeugen. Aber wie ist das mit den Rutenklassen 3 - 00, -natürlich nicht nur bei Loomis ???

Jack Dennis, Outfitter in Wyoming, fischt auf Großforellen am liebsten mit 3er Ruten, "...it´s my fist love...".

Ein Kunde berichtet im Forum seines Lieferanten, dass er seine 3er Loop Yellow Line problemlos mit einem 77er Graskarpfen einweihte.

Ihr Fliegenfischer, die Ihr leichtes und ultrraleichtes Gerät verwendet, schreibt doch bitte mal von Euren Erfahrungen. Solch ein Gerät schafft ja bestimmt keiner an, um es nur als Köderfischstippe zu benutzen.
Welche Fische geht Ihr damit an unter Berücksichtigung von Größe, Kampfkraft und Strömungsverhältnissen?
Fürchtet Ihr keinen Fisch?
Wie ist es mit Windanfälligkeit und Transportfähigkeit der leichten Schnüre?
Kann mit ultraleichten Ruten überhaupt mit Vernunft gefischt werden oder handelt es sich eher um Verkaufsgags der Rutenbauer?
Hat jemand die Anschaffung einer leichten Rute bereut?

Also, ich würde mich furchtbar freuen, von Euch zu hören und sage schon mal herzlichen Dank an alle Schreiber, die etwas dazu beitragen.

Gruß
Hans

P.S. Schlage "Fürchte keinen Chef !" als Untertitel auf der Startseite des Fliegenfischerforums vor, wundere mich nur, wie ich gerade jetzt drauf komme...(und wie kriege ich jetzt hier das Smilie mit dem zugekniffenen Auge rein ?????)

Verfasst: 02.08.2006, 10:14
von Volker Furrer
Hallo Hans,
als Bachfischer (kleineres Gewässer mit starkem Baumbestand), durchschnittliche Wurfweite ca. 3-8 Meter, bin ich schon vor Jahren auf eine Rute der Klasse 3 (210 cm) umgestiegen.
Und bis heute hat noch keine Forelle, auch nicht die 67 cm Bachforelle von letzter Woche, meine Rute ernsthaft in Bedrängniss gebracht.

Ich nutze diese Rute auch an anderen Gewässern solange nicht ständig Wurfweiten jenseits von 15 bis 20 Meter benötigt werden, und ich nur mit kleinen Nymphen oder Trockenfliegen fische.


Gruß


Volker

Verfasst: 02.08.2006, 10:24
von tackletour
Hallo Hans,

diese Diskussionen hatten wir mit Freunden auch schön häufig.

Wenn ich an einem kleinen Fluß / Bach stehe in welchen in der Regel kleine Fische gefangen werden und das Wasser bzw. Ufer schwer zugänglich, da zugewachsen ist, dann nehme ich gerne eine kürzere leichte 2/3 Rute.

Aber wenn ich wie gestern an einem Fluß stehe, in welchem Forellen bis 60cm gefangen werden inkl. entsprechender Strömung, dann muß ich sagen, dass ich mind. eine 5er Rute dabei habe (und das ist schon ziemlich leicht).

Denn im Drill kannst Du den Fisch mit einer 2/3 kaum kontrollieren. Davon abgesehen ist es für den Fisch auch wesentlich verträglicher, wenn er nicht ewig gedrillt wird.

Also für Bach, etc. finde ich persönlich leichtes Gerät sehr gut und praktisch. Aber aus meiner Sicht sollte man dem Gewässer und Fisch angepasstes Gerät benutzen.

Beste Grüße
Tobias

Verfasst: 02.08.2006, 10:29
von Matthias M.
Hallo Hans,

über dieses Thema wurde schon oft kontrovers diskutiert. Schau mal hier

Gruß Matthias

PS: Semikolon und offene Klammer = ;)

Verfasst: 02.08.2006, 10:33
von MarkoF
Hallo,

die Frage ist doch nicht nur auf was fische ich, sondern auch mit was fische ich (auf den Köder bezogen). Wenn ich gezielt auf Grossforelle gehe, dann nicht mit ner extrem leichten Rute allein aus dem Grund weil ich damit keinen Streamer werfen kann. Wenn mit Glück auf eine 18er Trockenfliege eine Kapitale beisst ist der Werbeslogan vieleicht angebracht. Kann mir vorstellen das das ein tanz wird.

Marko

Verfasst: 02.08.2006, 11:35
von Peter Ross
Hallo,
ich fische so leicht wie möglich. Das bedeutet konkret nach Möglichkeit Klasse 3 oder 4. darunter gehe ich nicht, weil ( mich meistens mitten im Busch befindend ) ich auch mal eine beschwerte Nymphe werfen können will, ohne zum Auto zurückzulaufen zwecks Rutenwechsel.
Die Wurfweite sehe ich dabei nicht als Problem, weil ich mit einer schnellen 7 Fuß 3er genauso weit werfe wie mit einer 8,6 Fuß 5er.
Großforellen kann ich an meinen Bächen nicht erwarten und dass eine schwerere Rute den Drill merkbar verkürzt, wage ich zu bezeweifeln.

Verfasst: 02.08.2006, 13:56
von hans.klas
Hallo Matthias,

danke für den Hinweis, ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Aber das Thema ist ja weiträumig genug.

Grüße
Hans ;)

Verfasst: 02.08.2006, 15:28
von Matthias M.
Hallo Hans,

ich selber fische sehr viel an kleinen Bächen. Diese haben je nach Gewässer meist eine Breite von 1,50 bis 3,50 Meter. Die Fließgeschwindigkeit ist fast das ganze Jahr über sehr gering. Große Fische mit ein paar Ausnahmen kannst du in der Regel nicht erwarten.
Um unter diesen Bedingungen die Fische meist Bachforellen noch für die Fliege zu interessieren ist der Gebrauch von dünneren Vorfachmaterial von Vorteil. Unter diesen Bedingungen sind die ultraleichten Ruten meiner Meinung nach prädestiniert und haben auch einige Vorteile gegenüber höheren Schnurklassen. So erlauben diese Schnurklassen insbesondere im Nahbereich eine sehr saubere und für den Fisch fast nicht wahrnehmbare Präsentation.
Wie schon oben erwähnt kann man, wenn es die Rahmenbedingungen zulassen, auch mit sehr dünnen Vorfachspitzen fischen. Da man davon ausgehen kann, dass diese Ruten Schläge von Fischen besser verkraften und abfedern als höhere Schnurklassen. Deswegen bin ich auch der Meinung, dass bei der Verwendung von Vorfachspitzen dünner als 0,12 mm (sofern es sein muss) der Drill an den meisten ultraleichten Ruten genauso kurz oder sogar kürzer zu bewältigen ist wie an einer Rute höherer Schnurklassen, da man bei dem dünnen Vorfachmaterial eine 5er oder 6er Rute im Drill nicht voll auslasten kann, da sonst gegebenenfalls Vorfachbruch droht. Diese Gefahr besteht bei leichten Schnurklassen nicht.
Was ich schade finde das der Trend bei den ultraleichten Ruten auch zu immer schnelleren Ruten hin geht.
Früher habe ich selber sehr viel mit Klasse 0 gefischt, mittlerweile verwende ich eigentlich nur noch Ruten bis Klasse 2, da die sehr leichten Rutenklassen wie 00, 0 und 1 auch Nachteile bei der Präsentation haben. So lassen sich z.B. sehr buschige Trockenfliegen nicht mehr so genau präsentieren. Eine 2er hingegen erlaubt die Verwendung fast aller Trockenfliegen.

Gruß Matthias

Verfasst: 03.08.2006, 08:43
von Karl
Servus Hans, die ganzen ultra-leicht Ruten (1,0,00) sind ein Marketing Gag von den Herstellern (v.a. vorangetrieben durch Sage, die mit den kleinen Klassen anfingen) und m.M. aus fischereilicher Sicht völlig überflüssig. Die wollten mal was Neues einführen, sich ein neues Kundenklientel schaffen und primär ihren Umsatz steigern. Ich habe mal eine 00 in einem bayerischen Fluß getestet und eine ca.45 RF gedrillt. Grausam. du hast keine Möglichkeit mit diesem feinen Gerät den Drill zu focieren, die Forelle aus der Strömung zu ziehen oder die Richtung zu wechseln. Die macht mit dir was sie will, du kannst warten bis sie müde ist und dann rankurbeln. Ich finde Ruten ab #3 sind ausreichend. Gruß Karl

Verfasst: 03.08.2006, 10:19
von Matthias M.
Hallo Karl,

Orvis hat schon sehr früh eine 1er im Programm gehabt (Superfine oneweight). Sage hat dann Jahre später die erste 0er produziert (SPL). Meines Wissens wurden diese Leichtgewichte für den amerikanischen Markt entwickelt, unter anderem für die Panfisch-Fischerei, die mit der Forellenfischerei eigentlich nichts gemeinsam hat.
Deshalb würde ich diese Ruten nicht als "Marketinggag" bezeichnen.
Nur zum Vergleich, die Amerikaner fischen zum Beispiel auf Panfisch mit Spinnruten von nicht mal 1 Gramm Wurfgewicht.

Die Panfische (bekanntester Vertreter in Deutschland ist wohl der Sonnenbarsch) werden nicht größer als 30 cm und kommen meist in Stillgewässern vor - keine Strömung.

Wenn man die Ruten dort einsetzt wofür sie geschaffen wurden, dann erfüllen sie ihren Zweck. Für die Fischerei an Flüssen mit hohen Strömungsdruck, auf Fische über 30 cm gibt es geeigneteres Gerät, was wohl auch in jeder Hinsicht Fischschonender ist (Meine Meinung).

Gruß Matthias

Verfasst: 03.08.2006, 10:47
von stalling-frank
Hallo Matthias, Hans ...

ich benutze für meine 1er von Dan Craft zwei Schnüre und zwar eine der Klasse 0 und eine der Klasse 2. Die zweier nehme ich für größere Fliegen.
Bei langsam fließenden Bächen ist die leichte Rute bei der Präsentation unschlagbar. Man kann noch so schlecht werfen, man bekommt die Schnur nicht auf das Wasser geklatscht sondern nicht nur die Fliege auch die Schnur landet wie eine Schneeflocke. Fische bis 30 cm sind m.E. kein Problem. Man muss nur den Mut haben, die Durchbiegung der Rute bis zum Griff zu akzeptieren.
Bei schnellerer Strömung hat Karl völlig recht. Hier sollte man auf höhere Klassen gehen.

TL

Frank

PS. Übrigens ist mir jemand bekannt, der nicht hinter Forellen und Äschen her ist sondern der am liebsten mit Ultraleichtgerät auf Ukeleis (Lauben) fischt.

Verfasst: 03.08.2006, 10:57
von Karl
Hallo Matthias, sag ich doch. Aber hier fischen die Leute nunmal mit 00 auf Forellen und nen 30er Barsch mit ner 1gr. Spinnrute zu drillen ist genauso schwachsinnig wie ne Forelle mit ner 00. Nen 30er Barsch drill ich auch mit ner 3er besser und nur weil die Amerikaner diese ultraleicht Fischerei Z.Z. bevorzugen (egal mit was auf was) heißt das noch lange nicht, dass wir das gutheißen müssen. Du siehst auch was in amerik. Auktionshäusern für kleine Rollen (bis 2 3/4") und leichte Ruten geboten wird, dass ist total hip und das dieser ´Trend´ nicht von der entsprechenden Industrie und marketing beeinflusst bzw. gesteuert ist, wage ich mal stark zu bezweifeln. Mit Orvis haste Recht, die gabs schon länger ;-) Grüßchen Karl

Verfasst: 03.08.2006, 11:26
von Matthias M.
Hallo Karl,

den Neu eingeschlagenen Trend der Rutenbauindustrie dieser "Leichtgewichte" nun für die Verwendung von großen Wassern und kapitalen Fischen zu propagieren finde ich selber absolut schwachsinnig. Jedoch dafür wofür sie anfangs entwickelt wurden, haben sie meiner Meinung nach ihre Berechtigung in dieser Nische.
Wie ich schon oben geschrieben habe, habe ich selber sehr viel mit einer Rute der Klasse 0 gefischt, wobei meines Erachtens in Gewässern für diese sie auch geeignet war. Heute fische ich ausschließlich in diesen kleinen Gewässern nur noch Ruten bis Klasse 2, dafür aber vollparabolisch. Diese Rute erlaubt mir fast genauso sanft wie mit einer 0er zu präsentieren und agieren.
Der neueste Trend der Rutenbauindustrie geht zu steiferen Ruten, auch bei den Leichtgewichten hin. Hierdurch verlieren diese Ruten meiner Meinung nach ihre Vorteile, die sie so ausgezeichnet haben, wie z.B. sauberes Arbeiten und präsentieren im Nahbereich, Verwendung von dünnen Vorfachspitzen etc.

Mal sehen wo der Trend das nächste mal hingeht... ;)

Gruß Matthias

Verfasst: 03.08.2006, 21:21
von Electronix
Hallo!

Jetzt will ich auch mal den ultrafeinen auf die Mütze hauen *lol*:D

Matthias hat schon recht: Die Ruten 1#, 0# und 00# wurden fürs Stillwasserfischen auf kleine Weissfische gebaut und genau dafür taugen sie auch! Ich würde damit bestenfalls Rotaugen und Lauben zupfen ;)

Ich glaube, die persöhnliche Einstellung zu diesen Ruten resultiert auch aus der Region, in der man bevorzugt fischt.
In meiner Region (den südlichen Alpen) kann man damit höchsten am Teich vor dem Schilf angeln, denn selbst vermeintlich ruhige Bächen mit nur mäßiger Strömung weißen einen gewaltigen Strömungsdruck auf. Ich selbst bin mittlerweile bei der Bachfischerei auch mit der Trockenen auf Klasse 6# umgestiegen und benötige sie mindenstens. Mit der 5# und etwa 6-7m Leine im Bach hats die Gerte schon arg gebogen... :eek:
Hinzu kommt noch das ständige Vorhandensein von Wind. Bei gut 355 Tage im Jahr mit mindenstens mittelmäßigem Wind wäre jede 1# eine komplette Fehlinvestition. Vom Drill in der harten Strömung reden wir noch nicht mal...

Nehmen wir den Fall von einem schönen, kleinen Bächen irgendwo im Flachland mit praktisch keiner Strömung, Windstille und dazu schöne Äschchen, die steigen; dann kann ich mir sehr gut vorstellen da mit einer 3# ranzugehen. Aber alles was darunter liegt, ist zu schwach und taugt nur mehr zum Stippen.

Ob bloß Marketinggag oder nicht, muss dann jeder selbst entscheiden. Fliegenfischen auf Lauben kann auch Spaß machen..:D

grüsse

Verfasst: 03.08.2006, 21:24
von Electronix
Uuups! Da habn sich glaub ich die Postings überschnitten...

Wird halt heiß diskutiert :)