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Seeadler und Kormoran/Reiher
Verfasst: 05.11.2006, 19:52
von Mario Mende / Sachsen
Es wird häufig publiziert, daß sich Seeadler u.a. auch von Kormoranen ernähren. Da ich die Gelegenheit habe, in einem Seeadlergebiet (60+Horste) zu wohnen und zu arbeiten habe ich natürlich jegliche Freizeit damit verbracht, a) den Kormoran mit der Schrotfliege zu fangen und b) den/die Seeadler zu beobachten.
In den 70 er Jahren, so die Aussagen von Vogelschützern war 1 (ein) Kormoran die Sensation.
Heute sind 300 Stück auf einem See kein Thema mehr. Die Seeadler ignorieren die Vögel einfach. Ich konnte nicht einmal beobachten, daß ein Seeadler auch nur einen Scheinangriff machte. Beim Absammeln von Fischen (wie Karpfen) in der warmen Jahreszeit hingegen, wurde ich mehrfach Zeuge.
Meine persönliche Meinung ist, der Seeadler wird sich nur in der Notzeit oder in der unmittelbaren Aufzucht der Jungvögel von Kormoranen stören lassen.
ZUNEHMEND sind vor allem die Graureiher. Eine Art, die man nicht unterschätzen sollte! Zwar ist der Reiher kein guter Fischer, von 20 Schnabelstößen erwischt er vielleicht mal einen Fisch, aber die Verletzungsrate ist sehr hoch. Ich denke, auch hier wird man zunehmend Probleme bekommen.
Wie sieht es bei Euch aus, kann jemand den Graureiher/Silberreihertrend nach oben bestätigen?
Bei uns sind seit ca. einer Woche die Kormorane in Hundertschaften angereist und man kann förmlich morgens die Uhr nach Ihnen stellen.
@ Küstenjungs: Was habt Ihr für Beobachtungen mit Fischadlern und Kormoran gemacht? Schönen Sonntach noch @ all!
Verfasst: 05.11.2006, 20:36
von Wolfgang Hinderjock
Aus eigener Erfahrung und Beobachtung mit Kormoran und Seeadler, Angriffe auf adulte Kormorane konnte ich bisher nur zwei beobachten und zwar einen an einem Eisloch auf dem Schweriner See, es war ein eher lustloser und auch erfolgloser Versuch
Die Konstellation war etwa so, ein Eisloch von ca. 40m Durchmesser voller Stockenten und Bläßrallen, im Umkreis, etwa 5-10m vom Eisrand entfernt 58 Seeadler(vom Fernsehen N3 übrigends dokumentiert).
Die Seeadler hockten dort herum und warteten auf die stark geschwächten Bläßrallen, welche von ihnen zu Fuß geschlagen wurden ohne aufzufliegen.
Der andere von mir beobachtete Angriff erfolgte auf einen einzelnen jagenden Kormoran an einer innerstädtischen Bucht, die nur etwa 50-60cm Wassertiefe aufweist, so daß der tauchende Kormoran dem Adler nicht aus dem Blickfeld geraten konnte. Der Angriff war erfolgreich!
Der Adler flog damals die Bucht täglich über einen längeren Zeitraum an.
Vor einigen Jahren war, ebenfalls am Schweriner See, genauer auf dem Außensee im Ramper Moor das Plündern und Beunruhigen der dort ansässigen Kormorankolonie(5000 Piepmätze) durch Seeadler zu beobachten. Ob und wieviele Jungvögel tatsächlich erbeutet wurden war durch die Distanz nicht zu erkennen, jedoch war der Beunruhigungeffekt erheblich.
Ob das anschließende Verschwinden der Kolonie damit in Zusammenhang steht ist reine Spekulation, eventuell hat man anderweitig nachgeholfen.
Zu einer Reduktion der Gesamtpopulation dürfte es jedenfalls nicht geführt haben.
Verfasst: 05.11.2006, 21:21
von Hartmut
Nach meinen Informationen hat es der Seeadler auf die Kücken der Kormorane abgesehen und plündert die Nester. Angriffe auf adulte Vögel sollen eher die Ausnahme sein.
Vermutlich passt sich der Seeadler seiner Beute an und geht den Weg des geringsten Widerstands. Wenn er leichtere Beute findet als die Kormorakücken wird er diese bevorzugen.
Auf jeden Fall hinkt der Seeadler der explosionsartigen Vermehrung des Kormorans sehr weit hinterher und ist derzeit keine Alternative für ein natürliches Gleichgewicht um den schwarzen Vogel in die Schranken zu weisen.
Graureiher beobachte ich auch sehr oft, jedoch mehr auf der Wiese beim Mäusefangen als am Wasser beim Fischen.
Allerdings fange ich regelmäig Fische mit frischen oder bereits abgeheilten Stichverletzungen die vom Reiher stammen.
Waidmanns Heil!
Hartmut
Verfasst: 05.11.2006, 21:44
von Mario Mende / Sachsen
Hallo Hartmut und Wolle,
wir haben hier fast nur Zigeuner (also keine unmittelbaren Brutstätten), aber die sind nicht blöd.
Sobald die ein Auto stehen sehen, gehen die hoch auf sichere Entfernung.
Die riechen förmlich den "Braten". Entweder man steht so versteckt, daß die einen nicht erkennen, oder man trägt Flecktarn. Gelbe Gummistiefel reichen aus und die gehen schlagartig hoch. Kurioserweise müssen die einen 7.Sinn haben-die wissen genau, wo der Herbstbesatz eingebracht wurde.
Wir können echt nur hoffen , unsere Nachbarn in Masuren/Polen machen mal richtig Platz in der Kolonie.
Verfasst: 05.11.2006, 22:06
von Hartmut
Hallo Mario,
wenn die schwarzen Gesellen wirklich so scheu sind, sollte eine Schrottkarre zunächst als Vogelscheuche genügen. Wenn sich die Vögel an das Vehikel gewöhnen muss es hin und wieder zubeissen und seinen Standort verändern.
Eine weitere Möglichkeit, die ich mir vorstellen könnte, wäre eine Patroullie der Vereinsmitglieder, abwechselnd entlang der betroffenen Gewässerstrecken.
Wenn sich sehr viele engagierte Fischer an dieser Maßnahme beteiligen würden, könnten die Fischräuber bei ihren Beutezügen massiv gestört werden und in andere Reviere ausweichen, an denen sie auch vertrieben werden.
Was hälst Du von diesem Vorschlag?
Grüße
Hartmut
Re: Seeadler und Kormoran/Reiher
Verfasst: 05.11.2006, 22:13
von WST
Mario Mende / Sachsen hat geschrieben:ZUNEHMEND sind vor allem die Graureiher. Eine Art, die man nicht unterschätzen sollte! Zwar ist der Reiher kein guter Fischer, von 20 Schnabelstößen erwischt er vielleicht mal einen Fisch, aber die Verletzungsrate ist sehr hoch. Ich denke, auch hier wird man zunehmend Probleme bekommen.!
Ich kann dies nur bestätigen, gerade hinsichtlich der Oberläufe von Pinnau und Krückau(Elbnebenflüsse).
Etliche Meerforellen von ca. 2 bis 4 Pfund hatten "Einstiche", vermutlich vom Graureiher.
An der unteren Stör(unterhalb von Kellinghusen bis Itzehoe) hat es dieser Vogel nicht so leicht: oft befindet er sich in relativer Nähe beim eigenen Angeln, doch ich habe bisher noch nie gesehen, dass er mit dem Schnabel zustoßen und dann mit eine Beute das Weite suchen konnte.
Verfasst: 05.11.2006, 22:19
von WST
Hartmut hat geschrieben:Eine weitere Möglichkeit, die ich mir vorstellen könnte, wäre eine Patroullie der Vereinsmitglieder, abwechselnd entlang der betroffenen Gewässerstrecken.
Im Bereich vom Rosensee - Stausee an der Schwentine bei Raisdorf/Kiel - habe ich noch keine Kormorane bemerken können, trotz der Tatsache, dass sich ihr Lieblingsfisch, der Aal, dort in stattlicher Anzahl und Größe aufhält.
Vermutlich hängt dies damit zusammen, dass sich um den gesamten See herum ein recht frequentierter Wanderweg befindet
Verfasst: 05.11.2006, 22:39
von Mario Mende / Sachsen
@ Hartmut:
Ja ne alte Karre wäre schon nicht schlecht, aber ich befürchte- das Ordnungsamt wittert sofort eine Bußgeldquelle.
Was mich ebenfalls etwas beschäftigt, die Kormorane haben ja keine Fettschicht in/auf den Federn. Aber heute früh trots heftigen Windes und Regen kamen die Burschen eingeschwebt.
Bewachung durch Vereinsmitglieder ist nicht schlecht-aber in den Ortschaften, die befriedeter Bereich sind (Jagdausübung unmöglich) fallen die Kameraden K-punkt sehr sicher ein. Wenn es nicht kracht, dann ist für die alles OK.
Selbst für Schreckschußwaffen benötigt man bei uns eine Schießgenehmigung, was immer nur für einen Zeitpunkt möglich ist.
Das Nonplusultra ist noch nicht erfunden.
K. sind auch ziemlich schußhart im Ggs. zu Gänsen, Enten oder etwa Reihern. Wenn man die nicht voll erwischt, dann fallen die geflügelt aufs Wasser und dann tauchen die ab. Selbst der Hund hat da teilweise Probleme die schnell zu bekommen.
@ Wolfgang: wir haben das hier auch festgestellt- beim Reiher wird auch mal der Fisch etwas größer angespießt. Vereinzelt tritt auch der Gänsesäger bei uns auf. Die eindeutige Zuordnung der Hiebzeichen ist nicht immer deutlich auf einen Pipmatz festzulegen.
Verfasst: 05.11.2006, 23:06
von Werner48
Hallo,
was den Seeadler als "Kormoranvertilger" betrifft, stimme ich Hartmuts Ansicht zu. Patroullien durch Fischer halte ich nur in Ausnahmefällen für sinnvoll und machbar.
Bei der De- facto- Vernichtung des Äschenbestandes an meinem Hausfluss hat sich die Geschichte innerhalb weniger Tage so abgespielt, dass 50-60 Kormorane überfallartig eingefallen sind, ( Vorher war nur hin und wieder mal ein einzelner zu sehen.) und ehe auch nur jemand eine Idee hatte, wie man reagieren könnte, die Äschen abgeräumt haben.
Erleichtert wurde den Viechern ihr Geschäft dadurch, dass die Äschenstandplätze sich auf den 10 km Fluss im Wesentlichen auf etwa 5 Kiesbänke konzentrierten.
Auf einen solch plötzlichen Masseneinfall an einem begradigten "Fluss" ohne Versteckmöglichkeiten kann man nicht angemessen reagieren durch ständige Patroullien.
Ich glaube, das Problem K. bleibt uns erhalten, solange es kein europaweites Bestandsmanagement gibt.
Verfasst: 06.11.2006, 06:20
von Mario Mende / Sachsen
http://www.bilder-speicher.de/Misty5997 ... -page.html
Moin Werner,
vor allem ist das Problem, so schnell kann keiner reagieren wie die einfliegen.
Zuviel Bürokratie.
Es gibt auch Geräte, die einen Ton, ähnlich des Seeadler ausstoßen. (Wir haben eins im Einsatz) Dort hat man schon eine Verminderung der Kormorane zu erwarten, aber genau hier schlagen die Reiher völlig ungestört

zu.
Verfasst: 06.11.2006, 09:06
von roland k
Eine weitere Möglichkeit, die ich mir vorstellen könnte, wäre eine Patroullie der Vereinsmitglieder, abwechselnd entlang der betroffenen Gewässerstrecken.
Wenn sich sehr viele engagierte Fischer an dieser Maßnahme beteiligen würden, könnten die Fischräuber bei ihren Beutezügen massiv gestört werden und in andere Reviere ausweichen, an denen sie auch vertrieben werden.
Was hälst Du von diesem Vorschlag?
Hallo Hartmut,
sicherlich hilft der Vorschlag deiner Strecke jedoch ist das Floriansprinzip keine Lösung der Problematik. Die Kormorane sind weiterhin in starker Überzahl vertreten und fressen weiterhin genüsslich ihren frischen Fisch. Unser Ziel muss eine zahlenmäßig angepasste Bestandsdichte gemessen an den vorhandenen Gewässern sein. Sprich pro 10 Ha. Wasserfläche ein K. dass muss reichen.
Roland
Verfasst: 06.11.2006, 09:26
von Frank.
Liebe Leute,
bei einem innerstädtisch in Göttingen gelegenen See mit gutem Fischbestand wissen die Kormorane sehr genau, daß sie dort sicher vor dem Abschuß sind: Sie jagen ganz ungeniert in 10 m Entfernung vom Ufer und lassen sich auch durch Klatschen, Rufen, Rutenwedeln überhaupt nicht stören. Vergrämen ist schlicht unmöglich - die kümmern sich überhaupt nicht um Menschen. Sogar Ruderboote lassen sie direkt an sich vorbeifahren, ohne auch nur Ansätze von Fluchtverhalten zu zeigen.
Einen stark wachsenden Reiherbestand kann man bei uns in Südniedersachsen ebenfalls beobachten, schon seit Jahren.
Aber ich habe hier im Forum schon so oft über die Kormorane lamentiert, daß ich es für heute bei diesen kurzen Sätzen belasse. Es ist manchmal wirklich zum Verzweifeln.
Euer Frank
Verfasst: 06.11.2006, 20:13
von Hartmut
Hallo zusammen,
wenn ich die bitteren Beiträge dieses Postings lese bleibt mir nur noch die Flucht nach vorne auf der Suche nach positiven Effekten durch den K-druck!
Vielleicht engegieren sich einige Gewässerbewirtschafter und sorgen für eine bessere Struktur in ihrer Bewirtschaftungsverantwortung, damit dem schwarzen Gesellen die Jagd auf unsere letzten Restbestände von wildlebenden Fischen erschwert wird.
Wer hat noch Ideen für eine positive K-Wirkung?
Viele Grüße
Hartmut
Verfasst: 06.11.2006, 20:29
von WST
Frank Möbus hat geschrieben:Aber ich habe hier im Forum schon so oft über die Kormorane lamentiert, daß ich es für heute bei diesen kurzen Sätzen belasse. Es ist manchmal wirklich zum Verzweifeln.
Mir fällt im Moment leider auch nichts produktives dazu ein.

Verfasst: 07.11.2006, 09:59
von Maggov
Hallo zusammen,
hier laufen 2 K-Threads paralell deshalb poste ich hier auch mal.
Sofern sich Kormorane auch von totem Fisch ernähren würden mir 2 Alternativen einfallen:
- Platzieren von vergifteten Ködern in Bäumen oder anderen Stellen wo neben Kormoran möglichst wenig andere Vögel hinkommen (für ein Gebiet mit Seeadlern allerdings sehr bedenklich einzustufen!)
- "Anfüttern von Kormoranen" analog zu einer Salz-Leck-Stelle für Rehe
Wenn der Kormoran halbwegs "ökonomisch" denkt wird er die toten Fische bevorzugen (weniger Energieaufwand)...
Viele Grüsse
Markus