Lieber Marco,
auch wenn die Mär vom aasfressenden Aal - bedingt durch die bekannten Pferdekopf-Aufnahmen aus der "Blechtrommel" - noch immer die Runde machen, nein, nein, nein, Aale essen kein Aas!!!
Du kannst die Aasfliege also getrost vergessen.
In einem früheren Angelleben habe ich mich oft mit den schmackhaften Schlänglern beschäftigt, habe ihnen nachgestellt und habe sie mit unterschiedlichsten Methoden erbeutet. Streng genommen ist diese katadrome Fischart kein Süßwasserfisch, obwohl sie (Männchen 6-9, Weibchen 8-12 Jahre) sich die meiste Zeit ihres Lebens dort aufhalten.
Aale nutzen über Tage jedes Versteck am Gewässergrund (Steine, Steinplatten) oder in der Uferregion (altes Wurzelwerk, Totholz) als Versteck. Das wäre eine mögliche Erklärung für Aale in Tierkadavern (und auch Wasserleichen). Natürlich sind die aasfressenden Kleintiere (Muscheln, Maden, Krebtiere) ein weiter Grund, der Aale anzieht. Wir haben uns z.B. früher mal einen Rinderkopf vom Schlachthof geholt, ihn angeleint und mitdestens drei Tage in der Sonne liegen lassen (bis er fast wieder laufen konnte). Nachdem er in den Fluss geworfen wurde, wollten wir nach einigen Tagen mal nachsehen - niente, null, nothing - kein Ool vorhanden.
Dass Aale ausgesprochene Feinschmecker sind, berichten u. a. Berufsfischer, die tote Rotaugen in ihren Stellnetzen fanden, deren Bauchhöhlen von Aalen aufgerissen wurde und die nur die Leber der Fische fraßen. Aale besitzen neben einigen Schmetterlingen den ausgeprägtesten Geruchsinn im Tierreich. Während wir Millionen Geruchsmoleküle brauchen, um einen bestimmte Stoff identifizieren zu können, braucht der Aal gerade mal 2 Moleküle des Stoffs und erkennt ihn. Deshalb fangen z.B. Raucher (Nikotin am Finger) weniger Aale, wenn sie ihre Würmchens aus den Dosen fingern und am Haken befestigen. Der Geruch des Nikotins lässt sich aber mit frischem Gras oder Mutterboden fast beseitigen. Sie würden sogar gor nix fangen, wenn sich bereits tote und verwesende Würmer in der Dose befinden, denn der Geruch überträgt sich ebenfalls.
Wollte eigentlich gar nicht so viel schreiben, aber der Aal ist nach wie vor einer der rätselhaftesten Fische: Französischen Forschern sind zwar beeindruckende Aufnahmen vom Paarungsverhalten der Aale in einigen hundert Metern Tiefe in der Sargassosee gelungen. Was aber wirklich beim eigentlichen Laichvorgang in mehr als 4000 Meter Tiefe geschieht, wissen wir noch immer nicht. Die Druckverhältnisse lassen es nicht zu. Zum Vergleich: Eine normale Scheckkarte müsste das Gewicht von 30 Tonnen aushalten können.
Zweifellos werden die Fische beim Laichvorgang stark geschwächt. Innere Organe wie der Darmtrakt sind auf der mehr als 5000 km weiten Wanderung (z.B. aus der Sieg) schon rückgebildet, also aufgezehrt worden. Ob die Tiere allerdings direkt nach dem Ablaichen sterben, oder noch einen Weile als Tiefseefisch weiterleben, wissen wir nicht. Im Laichgebiet der Aale ist noch kein toter Blankaal gefunden worden. Es bleibt ein Rätsel.
Mann, Mann, Mann, das alles nur, weil Marco die "Aasfliege" erwähnt hat................
Eins noch: Da wir uns ja in den letzten Tagen sehr viel mit fehlgeleiteter Jugendarbeit beschäftigen mussten, hier ein kleines Beispiel dafür, wie sich dem vielleicht vorbeugen lässt:
http://www.schulmodell.de/naturkunde/kl ... Fische.htm
(da kann sogar Hardy noch was lernen

)
Gruß, Olaf