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Jig-Nymphen / Mini-Jigs

Verfasst: 29.01.2007, 18:48
von Optimist
Hallo,

kaum bin ich im Forum, da habe ich auch schon die erste Frage:

Ich habe die heftige Diskussion über das Czech Nymphing aus 2005 im Forum durchgelesen, weil ich gar nicht wußte, was darunter überhaupt zu verstehen ist. Jetzt lese ich in der neuesten "Fliegenfischen" einen Artikel über Jig-Nymphen und wie erfolgreich sie seien, weil man sie aufgrund ihres Gewichtes sehr tief präsentieren kann ohne allzu großes Hängerrisiko, da der Jig-Haken ja nach oben zeigt. Ist dies nicht im Prinzip dem Czech Nymphing vergleichbar, nur daß hier mit einer statt mit drei Fliegen gefischt wird? Ich selbst bin überwiegend begeisterter Trockenfliegen-Fischer, aber hätte natürlich auch nichts gegen etwas mehr Erfolg mit anderen FlieFi-Methoden einzuwenden... Andererseits erinnert mich die Beschreibung ehrlich gesagt schon ein bißchen an das Angeln mit Gummifisch auf Raubfische...

Wer kann mir zur Jig-Nymphen-Fischerei etwas erzählen und hat eine begründete Haltung für oder gegen diese Art des Fliegenfischens??

Freundliche Grüße,
Christoph :?

Verfasst: 29.01.2007, 19:34
von Maggov
Hallo Christoph,

das wird ein lustiger Thread. So ein Thema in der Schonzeit, da wetzen sicher schon einige das Messer. ;)

Aber zum Thema:

Jigs funktionieren gut - auf alle Fälle. Der Unterschied zwischen Jig und Goldkopfymphe ist der Winkel zwischen Öhr und Hakenschenkel. Ansonsten lassen sich beide Varianten gleich Binden und fischen. Weiterhin wird der Jig auch gerne eingestrippt - aber ich kenne auch Leute die das mit GK-Nymphen machen.

Jigs sind an manchen Gewässern nicht erlaubt. GK-Nymphen erstaunlicher weise schon... verstehe es wer will. M.M. nach wurden Jigs für die Spinnrute konzipiert - eine der wenigen Möglichkeiten (neben der wasserkugel) um mit der Spinnrute fliegenähnliche Köder anzubieten. Dementsprechend ist auch das Wurfverhalten - die Dinger sind so Schwer, dass Du damit entweder mit kurzer Leine á la Czech Nymphing fischen musst oder entsprechend schwere Schnurklassen verwenden solltest.

Das mit den Hängern und der hakenseite stimmt. Genauso wie Deine Assoziation zum Gummifisch. Was an Jigs so "Neu" und "toll" sein soll, dass man gleich einen ganzen Artikel deshalb schreibt verstehe ich jetzt nicht - die Dinger gibt es seit den 80-er jahren in Deutschland. Aber Fliegenfischen hat letztes Jahr ja auch einen langen Artikel über den Wooly Bugger (oder wie auch immer man den schreibt) veröffentlicht und der ist nun wirklich ein alter Hut gewesen...

Im Frühjahr sicher eine gute Wahl.

Ich persönlich bevorzuge ebenfalls die Trockene und gehe zunehmend von stark beschwerten Nymphen weg. In der einen oder anderen Ausnahmesituation (sehr schnelles Wasser, sehr tief und wenig Platz zum Vorhalten) nehme ich eine stärker beschwerte Nymphe. Weil ich kein Interesse habe Jigs regelmässig zu Fischen binde ich sie auch nicht. - Jedem das Seine halt...

Ich hoffe das hat Dir etwas geholfen.

Viele Grüsse

Markus

Verfasst: 29.01.2007, 23:02
von Rattensack
Hallo,

für mich ist ein hegerisches Argument gegen die Jigs, dass bei großen Haken regelmäßig augen dran glauben müssen .. bei kleinen Jig-Nymphen zählt das Argument aber nicht ... da seh ich keinen unterschied, weil auch konventionelle Nymphen kann man beliebig beschweren.

jig + ohne widerhaken is schlechte kombination bei streamern, weil man viel verliert viele fische, wenn sie den kopf schütteln, auch ein argument dagegen, weil dann manche vielleicht nicht widerhakenlos fischen ...

würd's aber nicht generell verteufeln ...

Clemens

Verfasst: 30.01.2007, 10:01
von pehers
Servus!

Ich sehe das ähnlich wie Clemens, dass ein maßgeblicher Unterschied erst in größeren Größen bemerkbar bzw. schädlich ist. Die feine englische Art ist ein Jig allerdings nicht, obwohl ich der Ehrlichkeit halber zugeben muß, dass in meiner Verzweiflungsbox sich schon ein oder zwei finden werden - denn funktionieren tun sie bestens!

L.G.
Hans

Verfasst: 30.01.2007, 20:27
von aeschenking
pehers hat geschrieben: Die feine englische Art ist ein Jig allerdings nicht
Also die feine englische Art, wenn ich das schon höre. Immer noch gibt es den Streit, welche Form des Fliegenfischens jetzt gut ist oder nicht.

Es obliegt jedem selber zu entscheiden wie er seine Fische fängt und wieviele, denn man kann den ganzen Tag über nicht damit rechnen, dass die Fische an der Oberfläche treibende Insekten aufnehmen. Besonders etwas größere Exemplare stehen vornehmlich den ganzen Tag am Grund und nehmen Nymphen auf. Große Äschen sind dafür ein Paradebeispiel. Damit ist man als Trockenfliegenspezialist, eher auf der falschen Seite.

Also man sollte nicht zwischen Trocken-, Naß- und Nymphenfischer unterscheiden, denn grundsätzlich möchte jeder Fische überlisten, egal ob mit der "feinen englischen" oder einer anderen Art.

Die Jigs sind weltklasse!!!

So jetzt habe ich mich aber schön zurückgehalten! :twisted:

Ein Petri an alle

Verfasst: 30.01.2007, 20:44
von Theoretiker
Hallo,

eine Frage:
Kennt jemand einen Onlineshop, wo man Nymphen kaufen kann, die auf diese Jighaken gebunden sind?

Danke!

Verfasst: 30.01.2007, 21:11
von Maggov
Hallo Daniel,

gugsu:

http://www.trout-fishing.org/catalog/ad ... 7f&x=0&y=0

ist jetzt nur einer. Bei dem bekannten Auktionshaus wirste sicher auch fündig und die anderen Online-Shops werden auch was haben (einige zumindest).

@aeschenking:
Auf das Argument haben hier einige gewartet - musste ja kommen. Ich hatte in meinen Ausführungen geschrieben, dass ich den Unterschied zwischen einer Goldkopfnymphe (entsprechend beschwert) und einem Jig in der Art des Fischens nicht verstehe. Vielleicht kannst Du mich ja aufklären was da der Unterschied ist. Die Aussage von Pehers interpretiere ich eher dahingehend, dass es sich wohl nicht um die grazielste Form des Fliegenfischens (z.B. kleinste Muster und zarte Präsentation) bezieht. Oder findest Du es etwas elegant wenn 3 Gramm blei in den Fluss platschen. Ob man damit einen scheuen Fisch bei Niedrigwasser nicht eher verschreckt sei mal dahingestellt.

Ob Jig-Fischen Fliegenfischen ist oder nicht konnte ich bis zu Deinem Post nirgendwo lesen.

Mir fällt ein Spruch von Haffner ein zum Thema Geschmack - aber der würde hier gegen die Regeln verstossen. Deshalb bleibe ich dabei:
Jeder wie er mag.

In diesem Sinne nix für ungut und viel Spaß am Wasser (egal mit welcher Fliege)

Viele Grüsse

Markus

P.S.: ich kann's mir nicht verkneifen: - lebender Köderfisch fängt auch sehr effizient! :evil: muss man ihn deshalb benutzen?

Verfasst: 30.01.2007, 21:27
von Suki
Hallo Kollegen

Des mit den Jigs ist glaub ich sooo ne Sache .
Ich persönlich hab noch nie mit welchen gefischt weil Ich auch ohne Sie gut fange und wenn man auch mal nixxx fängt auch egal .
Bin aber auch erst seit dem Bericht auf die aufmerksam geworden .
Was ich nur an denen als schlecht sehe ist das wenn die dinger mal gegen den Blank knallen (Was jedem passieren kann) dann hat man den Salat .

Sonnst schließe Ich mich den Meinungen bis jetzt an . Man kann Sie mal Probieren ein MUSS sind sie aber nicht .




Liebe Grüße

Suki :smt026

Verfasst: 30.01.2007, 21:39
von Optimist
Hallo zusammen,

erst einmal ganz herzlichen Dank für die raschen Antworten. Für mich ist diese erste aktive Fliegenfischer-Forum-Erfahrung dank Euch bisher sehr positiv, (auch wenn ich schon ein bißchen Angst habe, ein solches Thema aufzuwerfen und so womöglich ein mittleres "Gemetzel" :smt021 unter Euch loszutreten). :lol:

Können wir festhalten: Jig-Nymphen fangen ihre Fische, dürfen (sollten) als eine Möglichkeit unter vielen durchaus in einer Fliegendose vorhanden sein, sind bei Beachtung bestimmter Regeln (z. B. kleine Größe; eigentlich selbstverständliche Selbstdisziplin, daß man ein Gewässer z.B. nicht "leerfischt" -ich selbst setze die meisten Fische zurück-, etc.) durchaus auch für einen Fliegenfischer als Variante akzeptabel oder gar empfehlenswert und erfüllen unter diesen Voraussetzungen jedenfalls nicht den Tatbestand der Unsportlichkeit oder "Naturschändung"???

Auf jeden Fall habe ich aufgrund der bisherigen Beiträge nicht das Gefühl, ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, wenn ich mir ein paar Jig-Nymphen binden lasse und diese im Frühjahr mal ausprobiere...

Wenn die Jigs aber so gut fangen, wie von einzelnen von Euch beschrieben, wundert es mich allerdings schon ein wenig, daß nicht mehr Fliegenfischer dazu stehen, sie auch zu verwenden. Irgendwie werde ich das Gefühl noch immer nicht ganz los, daß sie doch ein bißchen verpönt sind und nicht nur ich Angst hatte, mich damit u.U. vom ""fairen"" -mir fällt gerade kein besserer Ausdruck ein- Fliegenfischen ein wenig zu entfernen.

Schönen Abend noch,
Christoph

P.S.: Noch 61 Tage bis zum Saisonstart in der Eifel...! (Noch viel Zeit zum "Philosophieren" und "Theoretisieren"!) :smt051

Verfasst: 30.01.2007, 21:57
von Optimist
Hallo Markus,

Dein bewußt provokatives post scriptum verstehe ich zwar und teile die Aussage, ich selbst habe in meinem ersten Beitrag ja auch von meiner Assoziation mit dem Gummifisch-Angeln auf Raubfische erzählt, aber Du wirst mir recht geben, daß immer noch ein himmelweiter Unterschied zwischen Kunstködern -und seien es Jig-Nymphen oder tatsächlich Gummifische oder Wobbler- einerseits und dem Fischen mit lebendem (!) Köderfisch andererseits besteht ... (Sonst könnte man um der Provokation willen ja gleich auch das u.U. erfolgreiche "Reißen" von Fischen, wie ich es mal in Spanien vor vielen Jahren gesehen habe, als Vergleich aufführen. Ich denke,wir sollten schon die Kirche im Dorf lassen.)

Lieben Gruß,
Christoph

Verfasst: 31.01.2007, 08:03
von pehers
Servus!

Ich glaube, dass die Jigs nicht gerade als das "ToDo" schlechthin gelten hat zweierlei Gründe:

1. Es meines Erachtens eine Sache die aus dem Spinnfischen kommt (Huch!)

2. Gerade der extrem Winkel des Jig- Hakens lässt meines Erachtens den Hakenbogen nach oben in das Maul von Fischen eindringen, was die Sache eben für die Augen der Fische gefährlich macht. (Das ist nach meiner Erfahrung bei einem normalen Hakenbogen eines Goldkopfnymphe auch in großen Größen nicht so massiv gegeben.) Darum sind Jigs auch in einigen Gewässern verboten. Ich sehe zwar auch nich den riesen Unterschied, aber so is es halt.

@ Äschenking: Weltklasse :wink: ! Aber Markus hat ja für mich schon alles dazu gesagt! Ausserdem bitte ich Dich, doch meine Posts vollständig zu lesen, womöglich mit dem Willen sie auch zu verstehen.

Beste Grüße,
Hans

Verfasst: 31.01.2007, 09:45
von Maggov
Hallo Christoph,

ich habe mir lange überlegt das Post scriptum zu setzen und es nachträglich eingefügt. Du hast die Intention dahinter richtig verstanden und ich wollte einfach mal in der Sprache antworten wie aeschenking (ich habe immer noch keinen Namen dahinter gelesen) hier seinen 2-ten Post gebracht hat.

Eine Bitte:
Prüfe vor Dir selbst welche Methode Du fischen und verantworten willst. Nicht alle Postulate die gesetzt wurden sind auch sinnvoll und das Hinterfragen unseres Tuns fördert Fortschritt und Verständnis in unserem Sport. Deshalb wäre es schön, wenn Du für Dich selbst Fliegenfischen definierst, Dich mit Werten und Zielsetzung auseinandersetzt (Widerhaken, Fairness gegenüber dem Individuum Fisch, Waidgerechtigkeit, etc.) und Dir dadurch die Unsicherheit ersparst ob Du jetzt was richtig oder falsch machst.

Wo Jigs erlaubt sind kannst Du sie fischen - und sie werden auch fangen. Alternativ nimmste eine entsprechende Goldkopfnymphe und wirst genauso gut fangen. Evtl. haste mal nen Hänger mehr - aber das ist aus meiner sicht der einzige Unterschied in Punkto Effektivität.

Den Aspekt von Hans bzgl. des Winkels zwischen Öhr und Hakenschenkel finde ich sehr interessant. Kann gut sein, dass das zu den Verboten geführt hat.

@Hans: wollte Dir nichts vorwegnehmen ;)

In diesem Sinne: Viele Grüsse und v.a. viel Erfolg (egal mit welcher Fliege)

Markus

Verfasst: 31.01.2007, 10:53
von pehers
Servus Markus!

Passt scho, im Gegenteil: Danke Dir! So habe ich wenigstens die Gewissheit, dass man verstehen kann, was ich so schreibe!

Eins wollte ich noch mal hier festhalten: Wenn ich irgendwas runter machen will, dann merkt das jeder! Und dann bleibts nicht bei der Frage "ob das die feine englische Art" ist. 8)

L.G.
Hans

Verfasst: 31.01.2007, 10:56
von sedge111
Hallo,

ich habe bisher noch nie jigs verwendet.

Das Verbot von jigs und das Zulassen von Goldkopfnymphen an vielen Strecken zB. beim Heger an der Traun kam mir aber bisher immer sehr, sehr scheinheilig vor. Meist hatte ich den Eindruck, dass die Streckenbetreiber ausschließlich die scheinbar durchaus vorhandenen Fängigkeit der jigs fürchteten.

Neu sind mir die Argumente von Clemens und Hans bezüglich der potentiell duch jigs verursachten Augenverletzungen. Sollten derartige Verletzungen tatsächlich vermehrt beim Einsatz von jigs auftreten wäre das für mich ein absolutes nogo-Argument.

Da ich keine praktische Erfahrung mit jigs habe, wäre es für mich interessant zu wissen, ob auch andere Fliegenfischer solche Erfahrungen (vermehrtes Haken im Augenbereich) gemacht haben?

Grüße!

Tom

Wat is´n ein Jig

Verfasst: 31.01.2007, 15:04
von Marco Reisen
Hallo

Zunächst wäre erst einmal zu klären "Was ist ein Jig"?

Unterscheiden wir Jigs von anderen Fliegen nur durch den Haken, also den klassischen mit nach oben stehenden Hakenöhr, oder ist ein Jig einfach nur ein Haken mit einer im vorderen Teil angebrachten Beschwerung ?

Im Zeitalter des Wolframs sind für mich Goldkopfnymphen nichts anderes als Jigs, die dinger gehen alle Kopfüber runter.
Was ist aber nun wenn man leicht Goldköpfe nutzt und diese mittels Bleiwicklungen austariert ? so das das Gewicht gleichmäßig auf der länge hingesehen verteilt ist, ist das dann auch ein Jig ?

Was ist mit Nymphen die im Thoraxbereich Bleiwicklungen haben, auch Jig ?

CZ-Nymphen und die Upsidedown-Nymphen sind auch nur Beschwerte Fliegen, die schnell auf Grund gehen sollen, für was anderes sind die nicht gemacht worden.

Ich bin der Meinung das der einzige Unterschied zwischen allen, nur das Fischen selbst ist, und die anbietetechnik.

Gruß Marco