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Sommeranfang

Verfasst: 06.08.2007, 14:02
von Wolfgang Hinderjock
Samstag sollte ja der Sommer ausbrechen, zumindest hier in Mecklenburg.
Nun ist der Sommer, mit seinen hohen Wassertemperaturen nicht gerade die fliegenfischerische Hochsaison an unseren Bächen.
Aber es hatte ja ausreichend geregnet und zu warm war es ja in letzter Zeit auch nicht.
Mitte letzter Woche stromerte ich mal so am Bach entlang, der führte reichlich Wasser und war natürlich, wie das hier im Sommer immer so ist, ziemlich zugewuchert.
Also wich ich in einen Waldbereich aus, welcher nicht so sehr vom Sonnenlicht durchschienen wird und daher weniger Pflanzenwuchs aufweist.

Nun bin ich an diesem Bach zum Blumenliebhaber geworden, ich liebe nämlich Sumpfschwertlilien, nicht weil das Gemüse so schön blüht, die Zeit ist ja eh schon vorüber, nein ganz einfach, weil unter diesen manchmal recht mächtigen Pflanzen sehr oft jemand wohnt.
Nun streifte ich von Lilie zu Lilie, bei den meisten war ein Trupp kleiner Döbel eingezogen, die auch munter in Bewegung waren.
An einer besonders dicken Schwerlilie, die wohl durch eine Baumlücke etwas mehr Licht bekam, wohnte anscheinend jemand anderes.
Ganz so munter wie der Döbel war der Bewohner nicht, aber wenn er sich mal bewegte, dann bewegte er auch die Wasseroberfläche ganz schön.
Da ich nur so, also bar jeglichen Angelgeräts unterwegs war, verabredete ich mich für Samstag mit eben dieser Schwertlilie und ihrem Untermieter.

Samstag, Sommerbeginn………..
Ich stand wie immer Samstags sehr früh auf, also gegen 11:30……….
Das Wetter war recht verheißungsvoll, es war noch lose bewölkt, nicht zu heiß und es weht noch ein sehr angenehmes Lüftchen.
Ich aß daher erstmal ausgiebig zu Mittag, es war ja noch so früh am Tage.

Der gesamte Angeltrödel war schon im Auto gebunkert, als ich es erreichte, herrschte darin eine fürchterliche Hitze, ja der Sommer war da, die Wolken waren weg, das angenehme Lüftchen auch.

Nun aber hurtig an den Bach, wo ich dann auch nach 20 Min. ankam.

Da man in diesem Abschnitt auf das Waten angewiesen ist, wurstete ich mich erstmal in die Wathose, ist ein älteres Modell, dass mit den Jahren irgendwie eingelaufen ist………
Also früher passte die mal besser………..
Dann kamen die Watschuhe drann.
Oh Mann, das war ein Akt, man kann sich gar nicht vorstellen, wie hart die Dinger werden können, wenn man sie samt anhaftendem Schlamm von der letzten Nebelexpedition im Auto gut durchtrocknen lässt, wobei man sie sinnvoller Weise noch mit einer Kiste Mineralwasser beschwert.
Als ich sie an hatte, war ich erstmal feddich…………..
Ich öffnete einer der Mineralwasserflaschen, nahm einen Schluck der lauwarmen, fade schmeckenden Brühe……….
Nun fix das Gerät aufgeriggt und flotten Schrittes in Richtung Bach,
ach, was sahen meine Augen, da steht doch wer im Bach direkt neben meiner Schwertlilie, ein Fliegenfischer, ein Fremder, in meinem Bach!
Frechheit!
Ich winke grüßend kurz rüber, der Fremde grinst unter seiner Polbrille und winkt freundlich zurück……..
Er wird doch nicht………..?

Nein er wird nicht, er watet weiter hoch, weit aus dem kritischen Bereich heraus.

Nu ja, denk ich mir so, gehste erstmal woanders hin, bis sich da die Lage beruhigt hat.

Ich ging also einige dutzend Schwertlilien weiter stromab, immer schön am Ufer lang, im so genannten Sichelschritt.
Sichelschritt ist, wenn man immer ein Bein weit vorstreckt, den Fuß seitlich an die Pflanzen legt um sie dann nach außen zur Seite zu legen, dann zieht man den inzwischen eingesunkenen zweiten Fuß aus dem Modder und so weiter und sofort.
So kommt man dann, schweißüberströmt sicher aber langsam durch ein Gemisch von mannshohen Brennesseln und Brombeeren voran, wobei man einen Arm frei haben sollte um das Gesicht vor den Brennesseln zu schützen, die dem Sichelschritt entgangen sind.

Während ich mich dann von Lilie zu Lilie, von Gumpen zu Gumpen, Krautrinne zu Krautrinne langsam wieder stromauf angle, höre ich plötzlich Stimmen.
Die Stimmen werden immer lauter, jedoch auch immer panischer.
Ich höre Wortfezen wie, "ich schaffe es nicht....schluchz", " es geht so nicht………schluchtz...schluchtz"
Die Worte kommen von eine Frau welche, zusammen mit ihrer Tochter hilflos in einem quer im Bach liegenden Kanu sitzt, welches an einem umgestürzten Baum fest getrieben ist.
Der Familienvater im zweiten Kanu gibt von hinten im drastischen Tonfall Verhaltesregeln und Anweisungen durch, die Frau ist den Tränen nahe.

Es ist komisch ich empfinde nicht die Spur von Mitleid…..

Nach einer Weile und Tiraden von Anweisungen kommen die Leute frei und ziehen an mir vorbei, der Mann freundlich grüßend und mir bedeutend, dass da noch 8 Boote kommen…….

Ich bin glücklich……….

Die Boote kommen, einer meinte es sei sehr malerisch hier, auch den malerisch da stehenden Angler, also mich, fand er gut………

Ich konnte seine Freude nicht so recht nachvollziehen…

Die Boote waren dann durch, der Mann hatte aber gelogen es waren nicht 8, sondern 10 Boote…….
Langsam zog wieder Ruhe ein, die Döbelchen wurden wieder emsig, dann auch die größeren Döbel, immerhin konnte ich 4 der Kollegen verhaften, an einer der Schwertlilien auch eine kleinere Bachforelle.

Nach einer Weile war ich wieder an meinem Ausgangspunkt angekommen, der fremde Angler war weg, sein Auto auf der anderen Bachseite auch.

Da war sie also die dicke Schwertlilie mit ihrem hoffentlich noch anwesenden Untermieter.

Die Sache sollte mit Bedacht angegangen werden, langsam watete ich die Stelle an, nicht zu weit……..
Ich fing an die Stelle anzuwerfen, es passte fast, nur wenige Zentimeter fehlten, ein wenig mehr verlängert, nur ein ganz klein wenig…………..da hatte ich sie ......
Beim letzten Vorschwung, die Brennessel hinter mir am Ufer………..
Hinwaten war Mist, das hätte Unruhe gebracht……..also Rupfen………
Ich rupfte erfolgreich……
Eine weitere Rupfung später., diesmal wars die Erle, die Fliege kam sogar wieder mit zurück, klappte es endlich.
Genau an der richtigen Stelle, ein Stück oberhalb der Lilie plumste der Streamer ins Wasser, wo er erstmal passiv abtrieb um etwas Tiefe zu gewinnen.
Plötzlich kam der Untermieter hoch, wie auf Bestellung und saugte den passiv treibenden Streamer ein, als sei es das Selbstverständlichste in der Welt.
Der Fisch, ein wirklich starker Fisch stand in ganzer Pracht wenige Zentimeter unter der Oberfläche, der Anschlag kam, das Vorfach auch, ohne Fliege…….
Der Fisch stand noch immer, schüttelte sich leicht und ich sah wie mein Streamer langsam in den Fluten versank., dann versank auch der Fisch, ganz ohne Hast.

Man sollte halt das Tippet doch mal nach einigen Rupfungen prüfen…………

Nachfolgende Versuche mit neuem Tippet, anderen Streamern, Nymphen und Co. brachten an der Stelle leider nichts mehr.

Je nun, der nächste Samstag kommt!

Sehr schön war zum Abschluß des Trips, die Erkenntnis, daß sich nasse Watschuhe sehr leicht ausziehen lassen………dann hab ich die Wasserkiste wieder drauf gestellt.

Verfasst: 06.08.2007, 14:49
von Erzgebirgler
Hallo Wolfgang,
ich konnte mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen, ein wirklich toller Bericht. Ich würde aber an deiner Stelle nicht bis Sonnabend warten!! :D

Verfasst: 06.08.2007, 18:02
von Kanne
Ja, Wolfgang, es gibt sie, diese Sommertage.

Am Samstag fing ich am Stadtrand, dort wo alle fischen einen für meine Verhältnisse sehr großen Fisch. Wenn dort wo alle fischen und man das Auto 2m vom Flussufer entfernt parken kann so große Fische sind, wie mag es da einige Kilometer weiter oben, dort im Wald wo keiner hinkommt zum Fischen erst sein...

Am Sonntag morgen das Auto in den Schatten eines großen Baumes gestellt und von der Fußgängerbrücke aus im Wehrstau auch gleich einige bessere Äschen und Forellen ausgemacht, dort wollte ich die ersten Würfe platzieren.
Als ich mich umzog, kamen Mama, Papa und die drei Kleinen auf die Brücke. Einen Korb voller Steine hatten sie auch mitgebracht. Der klatschende Lärm dauerte etwa 15min, dann gingen sie Nachschub holen.
Auch Papas ermahnende Worte "Der Mann will vielleicht hier Angeln?" halfen nicht.

Beim Versuch die neue Fischtreppe von Unrat zu befreien brach eine Schraube am Rollenfuß, gut das Ersatz im Auto war.

Der Weg Flussab führte mich durch dichtes Weidengestrüpp und Wildschweinkuhlen etwa 1km bis zum nächsten Wehr, das auch eine neue Fischtreppe bekommen hatte.
Störend fand ich das Geknatter der Autos und Motorräder die anscheinend den Wanderweg am anderen Ufer benutzten.
Nach einem weiteren Kilometer durch Gestrüpp, bereits kochend in der Neoprene-Wathose vor mir eine neue Brücke und auf der anderen Flusseite- ein Parkplatz??
Na ja, 15 Jahre war ich nicht mehr in dieser Wüstenei, hätt ich auch mit dem Auto herfahren können.

Dann ein schattiges Plätzchen am Ufer gefunden für`s Mittag.
Das Bier war noch kalt. Als ich die Mettwurst anschneiden wollte merkte ich das mein Messer dort war wo ich am Vortag den Fisch versorgt hatte.
Löseschere, Schnurclipser und Autoschlüssel waren ungeeignet und das Bandmaß brach beim ersten Zurückbiegen und verabschiedete sich in sein Gehäuse. Bei der Suche nach dem Messer war auch das Bier umgefallen.

Die größten Fische auf der gesamten Strecke hatten etwa 12 cm, und der letztendlich noch gelandete Gründling entschädigte auch nicht für die Strapazen.

Etwas missmutig ging ich die drei Kilometer zum Auto zurück, welches seit Stunden in der Sonne stand.

Auf dem Heimweg fand ich mein Messer dort wo es am Vortag liegengeblieben war.
Der fischende Kollege sagte mir "ja, da oben sind überall Baustellen, Fischtreppen usw, ist alles gründlich abgefischt worden".

Na ja, wie kann man bei der Hitze auch fischen gehen?

mfG, Lutz

Verfasst: 06.08.2007, 21:38
von posti
@Wolfgang:
Erstmal Danke für die amüsante Lektüre :lol: :lol: Es war ein bissl wie Konsalik - auf einmal findet man sich mittendrin :lol:
Das war ja tatsächlich ein Sommertag, wie man(n) ihn sich wünscht :-) Es hätte aber noch schlimmer kommen können: was wenn es nicht 10 sondern 11 Boote gewesen wären? :lol: