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Ungerader Blank - Evt. Abweichen von Overlap-Ausrichtung?
Verfasst: 31.12.2007, 19:58
von Hiker
Moin

,
Ich bin ziemlich neu hier und würde gerne den Rutenbauerfahrenen unter euch eine Frage zum anstehenden Aufbau meines neuen G.Loomis GLX F1088-4 Blanks (Klasse 8, 9ft, 4tlg.) stellen.
Das wird die erste Rute sein, die ich aufbaue - Ich werde zuvor jedoch auf einem alten Blank Ringwicklungen und Lackieren üben, bevor es dann an den eigentlichen Blank geht.
Zum Stand der Dinge: Die Rutenwickelbank ist so gut wie fertig, die Schlangenringe sind auch schon da und die übrigen Komponenten werden hoffentlich bald aus Ammiland eintreffen...
Jetzt habe ich schon mal mit Tape die Ringabstände makiert und mich daran gemacht, die Overlaps aller 4 Teile zu ermitteln.
Dabei wurde ich kompetent von "Fyggi" unterstützt und auch er durfte dabei feststellen, dass so ein G.Loomis Blank nicht ganz 100% gerade sein kann (dazu später mehr).
Wir konnten die Springpunkte der oberen 3 Rutenteile ermitteln und auch den Overlap somit feststellen. Das Handteil ist so kräftig, das es witzlos wäre dort noch einen Springpunkt realistisch feststellen zu wollen (ist ja ne 8er).
Bei der Ausrichtung der Overlaps auf einer Linie kam dann die Frage der Fragen (ich hoffe, dass ich mit meinen Schilderungen richtig liege, ansonsten einfach bitte schreiben, wenn was unstimmig oder fälschlich dargesetellt war

):
Wie werden denn nun die Rutenringe am besten angeordnet??? Entweder auf oder entgegenüber dem Overlap, was der "harten Blankseite" entspräche.
Oder auf der "weichen Blankseite", was einem um 90° zum Markierungspunkt verschobenen Punkt jeweils nach links oder rechts entspräche.
Letztendlich ist das wohl Geschmackssache und ich habe dass selber zu entscheiden. Das wichtige jedoch war, dass bei einer Ausrichtung der mittleren Teile nach dem Overlap, das Spitzenteil irgendwie nicht mit in einer Flucht wäre und dass das Ganze dann "krumm" ist.
Nach Rotieren des Spitzenteils um 90° (ein Viertel) nach links jedoch hob sich die Krümmung in der Linie der Ringausrichtung auf.
Das würde heissen, die Rute wäre in der Konfiguration im Spitzenteil zur weichen Seite, in den unteren Teilen zur harten Seite ausgerichtet.
Jetzt die entscheidene Frage an unsere Rutenbauerfahrenen: Ist das eine mögliche Lösung oder ergeben sich dadurch irgendwelche beachtenswerten Erscheinungen für das Wurfverhalten?
Die Frage hatte ich anderswo schon einmal gestellt, leider waren die Antworten abzusehenderweise nicht gerade zahlreich. Ich hoffe, dass mir hier unter den Rutenbaulern weitergeholfen werden kann

.
Vielen Dank im Voraus - Ich würde mich über Hinweise und Hilfestellung freuen

.
Beste Grüsse, Hiker

Verfasst: 01.01.2008, 15:50
von olewillers
Moin Hiker,
ich habe das Gefuehl dass Du hier zwei Sachen in einen Topf wirfst die nicht in einen gehoeren.
Blankqualitaet / Fertigungsqualitaet von Fabrikruten:
> Bei Loomis kommt es durchaus mal vor dass ein Blank nicht ganz gerade ist. So lang das Ding keine komplette Banane ist und nur etwas von der Ideallinie abweicht wirst Du spaeter beim Fischen/Werfen keinen Unterschied zu einer ganz geraden Rute feststellen koennen. Sollte die Abweichung zu gross sein solltest Du den Blank tauschen (oder hast Du vielleicht relativ guenstig einen 2. Wahl Blank gekauft?)
> Viele wenn nicht gar die meisten Fabrikruten werden gefertigt ohne dass auf den so genannten Springerpunkt auch nur in irgendeiner Weise Ruecksicht genommen wird. Daraus liesse sich schliessen dass fuer viele Fliegenfischer kein spuerbarer Unterschied daraus ableiten laesst.
Aufbau:
> Weiche Seite nach unten: Die Rute wird beim Rueckschwung und ggfs. beim Anschlag etwas weicher reagieren als bei umgekehrtem Aufbau. Weiterer Vorteil bei einer Kuestenrute ist das du beim Doppelzug im Vorschwung alle moeglichen Reserven mobilisieren kannst um ordentlich Schnur rauszufeuern. Waere meine Wahl bei einer schnellen Rute fuer die Kueste.
> Harte Seite nach unten: im Umkehrschluss haerterer Anhieb, staerkerer Rueckschwung und softerer Vorschwung. Diesen Aufbau habe ich schon verwandt um eine relativ weiche Bachrute etwas anhiebstaerker zu machen.
> Wenn es Dich beruhigt steck die Rute einmal optisch gerade (und von der overlap schiene abweichend) zusammen und bapp die Ringe mit Tesakrepp an die richtigen Stellen und schwing die Rute ein paar Male hin und her und schau ob die Rute in irgendeine Richtung ausbricht. Wenn nicht kann die RUte auch so zusammen gebaut werden. (Sage z.B. richtet die Blanks nach optischen Gesichtspunkten aus und liefert die Blanks mit weissen Punkten an den Ueberschueben aus um dem Rutenbauer die in deren Augen bestmoegliche optische Ausrichtung vorzugeben.)
> Generell bleibt zu bemerken ein nackt zusammengesteckter Blank der 100%ig gerade ist u.U. nach Beringung/Wicklung/Lackierung einfach etwas der Schwerkraft folgt und dann auch nicht mehr total gerade ist...
> Ringabstaende: Willst Du die von Loomis vorgegebenen verwenden?
Rgds, Ole
Noch Fragen? PN
Verfasst: 01.01.2008, 19:40
von Hiker
olewillers hat geschrieben:Ringabstaende: Willst Du die von Loomis vorgegebenen verwenden?
Danke für die Antwort. Ich habe die Ringabstände nach den Maßen für die Blanks von G.Loomis selbst makiert. Es gibt die als .pdf zum Download.
Greets, Hiker

Verfasst: 01.01.2008, 23:12
von olewillers
... Ringe an von Loomis vorgegebener Stelle auf den Blank (mit Klebeband)setzen, Rolle dran, Schnur durch und mal unter Spannung setzen und schauen ob sich ein gleichmaessiges Bild ergibt (einfallwinkel=Ausfallwingel...). Eventuell entsprechend korrigieren.
Rgds,
Ole
Verfasst: 02.01.2008, 17:16
von Dirk Janßen
@ole
Sehr schön beschrieben.
Falls jemand mit der folgenden Grafik nicht konform geht, bitte melden.
Wer die Grafik nicht zu deuten weiss, bitte nicht melden.
TL
Dirk
PS Im Keller dreht gerade 'ne frisch lackierte Rute ihre Runden 
Verfasst: 02.01.2008, 20:46
von olewillers
Hallo Dirk Miro,
das iss ja nen verdammt Geiler Lack den Du da gerade im Keller verwendest. Von dem Anbieter haette ich gerne einmal die Adresse - sollte der nicht schon in einer Haftanstalt wohnen... Mal im Ernst was haben die Kringel und Pfeile zu beudeuten? Passiert das wenn nach dem Surrealismus auf die blaue Phase (Neujahr) der Entzug folgt? Oder war meine heutige Sauerstoffdosis in der Daenischen Ostsee zu hoch? Oder beides...
@ Hiker: Letzten Beitrag von Dirk bitte missachten, wenn nicht will ich aber UNBEDINGT nen Foto der fertigen Rute bekommen...
Rgds,
Ole
Verfasst: 02.01.2008, 21:22
von Hiker
Moin - ich meins nich böse, aber ich denke, die Bilder 3) und 4) sind inhaltlich falsch (wenn nein, warum nicht???).
Das mit dem Overlap auf dem Bild könnte man ja noch verstehen. Mit der stärkeren der Beiden harten Seiten... . Aber warum der Blank bei der Ausrichtung der Ringe auf einer der weicheren Seiten ausbrechen soll, dass widerspricht allem was ich bisher erfahren habe.
Meine Frage war ja auch nur, ob man eben das Spitzenteil - im Gegensatz zu allen anderen Teilen - entlang der anderen "Achse" (die ja numal dann entweder die weiche oder harte Seite darstellt), ausrichten kann.
Ich merke schon, dass es dort viel Ansichten gibt. Ich habe gestern mal n bissl an meinem Blank "rumgeschoben" und denke eine gute Ringausrichtung gefunden zu haben, die sich nach den für die Seiten repräsentativen Querschnittsachsen ausrichten - ohne dass der Blank dann in der Flucht krumm ist.
Bis die Amerikaner endlich mal das Zubehör liefern, kann ich momentan nicht weitermachen. Daher berichte ich dann später von den Fortschritten und wie es dann geworden ist.
Greets, Hiker

Verfasst: 03.01.2008, 08:40
von sedge111
Hallo,
auch ich habe mich schon ausführlich mit der overlap-Bestimmung beschäftgigt und führe diese beim Aufbau von Ruten mit viel Sorgfalt durch. Jedoch komme ich immer mehr zu der Erkenntnis, dass ich dies eher aus psychologsichen Gründen mache und dass die Diskussione bezüglich der overlap-Bestimmung ein sehr überbewertetes Thema ist.
Wird nicht die heilige Kuh overlap(spine) durch die unterschiedlichen Griffhaltungen schon fast ad absurdum geführt? Kaum eine Fliegenfischer hält doch seine Rute exakt vertikal in der Flucht der Ringanordnung? Wäre der overlap von so auschlagebender Bedeutung, so könnte ein Fliegenfischer, der gewohnheitsmäßig seine Rute um einige Grad versetzt hält niemals exakt präsentieren..............
Rutenbauer wissen, dass bei der Bestimmung des overlaps sehr häufig mehrere Springpunkte zu finden sind bzw. dass der overlap niemals genau parallel zum blank verläuft.
Wer schon mal einen sage-blank aufgebaut hat, weiss, dass sage die blanks werkmässig mit Ringmarkierungspunkten ausstattet. Ich gehe mal davon aus, dass entlang dieser Punkte auch die Werksruten von sage beringt werden. Ich habe schon einige sage-Ruten aufgebaut, aber der von mir bestimmte overlap/spine stimmte nich nie(!) mit den Werksmarkierungen überein!
Mir sind keine Zahlen bekannt, aber ich habe noch von keinem Fall gehört, dass ein Kunde seine Werks-Sagerute wieder zum Handler zurückgebracht hat, weil der overlap falsch bestimmt war...........
Meine Devise,
bestimmt den overlap so gut es geht , baut Eure Ruten sorgfältig auf und habt den größtmöglichen Spass damt ohne (!) permant über die "richtige" overlap-Bestimmung nachzudenken!
Grüße!
sedge111
Verfasst: 03.01.2008, 10:28
von sts
Hallo,
Sage markiert die Biegelinie des Blanks mit seinen Markierungspunkten. Die Ringe werden dann so gesetzt, dass die Biegung des Blanks nach oben zeigt. Das Gewicht der Ringe zieht den Blank dann sozusagen nach unten und lässt ihn gerade aussehen. Die meisten Hersteller machen das auf diese Art und beschäftigen sich eher nicht mit "Splines". Winston sagt das beispielsweise auch ganz offen auf seiner Website (im Video über die Herstellung der Kohlefaserruten). Auch ich habe noch nie gehört, dass einer seine Rute umtauscht, weil sie nicht geradeaus wirft.
Grundsätzlich halte ich die Diskussion um Overlaps für deutlich überbewertet und ich bin mir sicher, dass mit "falscher" Ausrichtung die Rute genau so gut oder schlecht geradeaus wirft wie mit korrekter Ausrichtung.
Ich denke schon, dass sich zwei identische und identisch aufgebaute Blanks, wo man die Ringe einmal auf die weiche und bei der anderen auf die harte Seite setzt, im direkten Vergleich etwas anders "anfühlen" könnten. Dafür müsste man aber beide unmittelbar nebeneinander werfen können.
Ich persönlich mache die Overlap-Ausrichtung so gut wie möglich, nicht zuletzt um Diskussionen mit Kunden zu vermeiden. Insbesondere an vielteiligen Ruten geht das übrigens mit zwei Kugellagern, mit denen ich sozusagen den Blank greife, einfach und schnell.
@ Hiker, mein Fazit: Mach es so gut wie möglich und wie Du ein gutes Gefühl hast. Ich bin mir sicher, Du wirst hinterher nicht das Gefühlt haben, es falsch gemacht zu haben.
Gruß
Stefan
Verfasst: 03.01.2008, 11:54
von Joerg Giersbach
Hallo Leute!Schließe mich da ganz der Aussage von Stefan an!!! Gruß Jörg
GLX-Blank aufgebaut?
Verfasst: 19.01.2008, 12:19
von Fly-Only
Moin, die Herren,
mich würde jetzt mal interessieren, ob die Rute fertig ist und sie vernünftig arbeitet? Ich frage daher, weil ich vor einer Weile einen dieser Blanks aufgebaut habe (9´#6). Nach Fertigstellung habe ich massive Abweichungen in der Performance im Verhältnis zu konfektionierten GLX-Ruten festgestellt (z.B. geringeres Wurfgewicht und schlechteres Rückstellvermögen). Abgesehen davon, dass ich selten so einen schiefen Blank in der Hand hatte.
Nun wäre ich mal neugierig, was für einen Eindruck das neue Stöckchen macht? Denn ich gehe davon aus, das Herr Hiker auch schonmal eine konfektionierte GLX geworfen hat und daher Unterschiede feststellen kann.
MfG,
Frank
PS: Mit Unterschieden meine ich jetzt übrigens keine aufbaubedingten Toleranzen, sondern deutlich spürbare Differenzen, als würde man eine ähnlich, aber eben doch andere Rutenserie werfen.
Verfasst: 19.01.2008, 13:03
von sts
Hallo Frank,
die Abweichungen können verschiedene Ursachen haben:
- Fertigungstoleranzen
- Änderungen am Blank, von denen der Kunde vielleicht gar nichts mit bekommt.
- Der Blank könnte falsch ausgezeichnet gewesen sein.
- Ausstattungsdetails (z.B. leichte Schlangenringe bzw. relativ schwere Einlageringe)
- Hast Du die beiden Ruten mit der gleichen Schnur geworfen? Das kann einen erheblichen Einfluss haben.
Für die nicht ganz preisangemessene Qualität ist Loomis leider bekannt. Vielleicht tut sich da ja zukünftig mal etwas in positiver Richtung.
Gruß
Stefan
Verfasst: 19.01.2008, 13:52
von Tisie
Hallo Sedge111,
sedge111 hat geschrieben:Ich habe schon einige sage-Ruten aufgebaut, aber der von mir bestimmte overlap/spine stimmte nich nie(!) mit den Werksmarkierungen überein!
da es bei mir gerade aktuell ist ... beringst Du entlang der Sage-Markierung oder auf dem von Dir ermittelten Overlap?
Danke & Gruß, Matthias
Re: GLX-Blank aufgebaut?
Verfasst: 19.01.2008, 13:52
von Hiker
Fly-Only hat geschrieben:Moin, die Herren,
mich würde jetzt mal interessieren, ob die Rute fertig ist und sie vernünftig arbeitet?
Moin, ich schreibe was, sobald sie fertig ist. Momentan habe ich keine Zeit dafür, denn gut Ding will Weile haben. ZUdem müssen noch ein paar Komponenten eintrudeln. Mitte bis Ende Februar ist damit zu rechnen.
Greets, Hiker

Verfasst: 19.01.2008, 14:09
von Fly-Only
Moin, Herr Hiker,
na, da bin ich ja mal gespannt.
@ Stefan
die Abweichungen können verschiedene Ursachen haben
Lieber Stefan, das ist mir bestens bekannt. Soweit ich mich erinnere, sprachen wir mal über die Problematik.
MfG,
Frank