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Manche Tage sind scheinbar gleich - und doch so anders
Verfasst: 16.07.2008, 09:46
von Looocke
Guten Morgen liebe Fliegenfischerfraktion
Die Frage bzw. das Erlebnis wurde bestimmt schon Disskutiert...leider kann ich das Thema aber nicht finden.
Folgende Situation:
Ich war vor einem Monat an einer schönen Fliegenfischerstrecke. Ein warmer Tag, der Wasserstand war niedrig, das Wasser klar und die Forellen nahmen mit Freude meine Trockenen.
Gestern war ich wieder an dieser Strecke....ebenfalls ein warmer Tag mit niedrigem, klaren Wasser. Trotzdem präsentierte sich der Fluss ganz anders als vor einem Monat. Kaum Aktivität seitens der Fische zu verzeichnen. Die Trockenfliegen, die vorher (und auch an vielen anderen Flüssen) noch zum Erfolg führten, weckten nicht das Interesse der Fische. Kurz um: Meine Fliegenbox war am Ende durchgefischt.....ich hatte nichtmal einen Biss zu vermelden. Auch mit der Nympfe war nichts zu machen.
Die Unterschiede, die mir noch aufgefallen sind waren folgende: Gestern war es deutlich windiger. Zudem lag ich mit dem Dienstag noch recht nah am Wochenende (Vll. die Fische vom Wochenenede wo viele Fliegenfischer dort waren noch scheu etc.???)
Meine Frage: Warum sind manche Tage scheinbar so gleich und doch total anders? Ich habe das schon öfters erlebt.....man manchen Tagen geht "alles" und an manchen verzweifelt man.
Gibt es da Erklärungsversuche für? Oder fressen die Fische an manchen Tagen einfach nichts?
Grüße Locke
Verfasst: 16.07.2008, 10:44
von Pulce D'Aqua
Hallo Locke,
mir ging es gestern ganz genauso. Am Abend kochte das Wasser förmlich, aber keine der Forellen nahm meine angebotenen Trockenfliegen. Ich konnte auch nicht erkennen, nach welcher Fliegenart die Forellen schnappten. Einige größere helle Köcherfliegen, wenige ein Zentimeter große helle Eintagsfliegen und dazwischen noch weniger braune 2 Zentimeter große Eintagsfliegen konnte ich erkennen. Die Forellen schnappten aber eindeutig nur nebensächlich nach diesen.
Ich könnte mir vorstellen, dass die Forellen Aufsteiger aufsammelten, ansonsten hatte ich es nämlich auch mit allen gängigen Mustern ausprobiert. Leider ohne Erfolg.
Am Vorfach lag es bei mir nicht, es war verjüngt auf 0,14 Millimeter bei 3 Meter Gesamtlänge.
Zuvor hatten sie aber noch ohne murren nach meinen Streamern geschnappt und letzte Woche Dienstag konnte ich um dieselbe Uhrzeit viele Forellen fangen. Ich glaube also nicht, dass sie noch
zu verschrocken vom Wochenende waren.
Auch wenn gestern die Wetterverhältnisse und Umstände nicht perfekt waren und den Tag über kaum Forellen Fliegen von der Oberfläche aufnahmen, war am Abend richtig was los.
Ich kann mir das auch nie erklären, denke aber es hängt von vielen Faktoren ab. Vielleicht weiß ja jemand mehr...
Liebe Grüße
Fredi
Verfasst: 16.07.2008, 10:54
von Maggov
Hallo zusammen,
aus meiner Sicht zwei unterschiedliche Situationen - deshalb zwei Antworten in einem Post:
Ich habe ähnliche Situationen auch schon gehabt, dass ein Fluss an zwei anscheinend vergleichbaren Situationen unterschiedliche "Beißbereitschaften" der Fische aufweist. Ich denke dass dies sich nicht generell beantworten lässt aber hier - in Bayern - gibt es zwei Theorien dazu die ich häufiger als Erklärung höre.
1. Vollmond - die Fische waren nachts aktiv und sind satt
2. Ostwind - ein Phänomen dass ich (subjektiv) oft erlebe dass an Tagen mit Ostwind die Viecher einfach schlechter beissen. K.A. warum.
Zu dem zweiten Post eine Empfehlung:
In diesem Fall auch mal Midges in absolut kranken Hakengrössen probieren. Eine ähnliche Situation hatte ich neulich auch. Es waren (sogar mehr) Köcherfliegen udn Eintagsfliegen am Wasser, die Fische stiegen aber nicht auf entsprechende Imitationen. Mit einer 21-er Migde (Parachtue) habe ich dann Erfolg gehabt.
Viele Grüsse
Markus
.
Verfasst: 16.07.2008, 11:13
von Jürgen Anacker
…ich kenne solche situationen auch!
selbst befische ich 7 flüsse unterschiedlicher art…an der wiesent ist der juli meißt der monat wo nach der maifliegenzeit weniger geht…wo man zwar gut fängt aber es halt ein bissi zäher geht

… an der regnitz wo ich schwerpunktmäßig dem raubfisch nachstelle (übrings mit einem sehr guten bestand) … gilt meine theorie 3 tage gleiches wetter ob regen oder sonnenschein…da beisst der hecht…auch bei den gebirgsflüssen ist es manchmal unterschiedlich an den tagen…manchmal fängt man an der partnach super gut und an loisach gar nichts und umgedreht…
eines aber hab ich festgestellt in all den jahren…und ist überall fast gleich…hat man ostwind…dann geht’s schwerer…dann rostet der haken…wie ein freund von mir immer meint
natürlich ist der blick auf das gewässer wichtig…was für aktivitäten die insekten gerade durchführen…wie klar ist das wasser oder nicht...und, und, und.
das schönen an unserem hobby ist…es zählen eben die kleinen dinge…die den erfolg ausmachen oder nicht…und die muss man erkennen und erspüren!!!…und es ist halt nicht alles berechenbar! Vielleicht so wie im wirklichen leben…………
gruss, jürgen
Verfasst: 16.07.2008, 11:39
von Pulce D'Aqua
Hallo,
also, es war gestern windig und so weit ich weiß auch Vollmond oder nahe daran. Beide Theorien könnten also zutreffen. Abends sind aber wie gesagt sehr viele Forellen aktiv gewesen und haben nach Fliegen geschnappt.
Das Gewässer war glasklar und relativ niedrig. Eine ganze Menge Fische haben ab ca. 8 Uhr nach irgendetwas geschnappt und sind teilweise richtig wild gesprungen. Fluginsekten habe ich bereits beschrieben. Es waren tatsächlich sehr viele Mücken am Wasser, eine Midge habe ich nicht probiert. Ich habe nicht einmal welche in meinem Sortiment

.
Naja grundsätzlich gehören Schneidertage einfach dazu und ohne diese wäre es auch nur halb so interessant.
Es ist allerdings doch verwunderlich, wieso trotz der starken Aktivität keine der Forellen sich für die ungefähr 20 verschiedenen, sonst gut funktionierenden Muster interessiert hatte.
Liebe Grüße,
Fredi
Verfasst: 16.07.2008, 12:01
von Looocke
Moin!
Danke für die Antworten bis hierher.
Die Situationen die wir beschreiben sind natürlich unterschiedlich:
Bei dir war Aktivität vorhanden, bei mir nicht. (Zugegeben: Ich bin um 7 Uhr Abends aus dem Wasser gestiegen weil ich wenig Hoffnung hatte)
Daher könnten die Erklärungen mit dem mond/Wind natürlich stimmen. Leider weiß ich jetzt natürlich nicht, wie der Wind gestern stand bzw. ob Vollmond war.
Was mich noch interessieren würde ist, ob sich die Situationen im Laufe des Tages bei euch auch gedreht haben?? Meine Erfahrungen sind da eher, dass wenn es ein schlechterer Tag ist, sich auch zum Abend hin nicht viel (es kann schon etwas besser werden) ändert.
Grüße Locke
Gflügelte Naßfliege
Verfasst: 16.07.2008, 12:31
von Royal Coachman
Hallo Freunde !
Es gibt solche Tage, an denen die Forellen nicht aktiv sind und zwar weder nach Trockenfliegen noch nach Nymphen. Besonders wenn das Nahrungsangebot im betreffenden Gewässer überdurchschnittlich ist (zb. Köcherfliegen) ist, kommt das vermehrt in der zweiten Jahreshälfte vor.
Ritz beschreibt in seinem Buch einen solchen Tag, an dem nur durch den Beißreflex einige wenige Fische gefangen wurden.
Was die steigenden Forellen betrifft, die nichts nehmen, so geht hier am besten eine geflügelte Naßfliege, nicht zu klein, 12 oder sogar 10 noch am besten. Das wird als lohnenswerter Zwischenhappen auch von großen Fischen akzeptiert. Hat man keine dabei, einfach die unteren Hecheln wegschneiden und die Fliege nicht fetten; die Farbe grau ist zu bevorzugen, mit langem Vorfach die steigenden Fische überwerfen und durchziehen. Besonders in stehenden Gewässern kommt dies Abends öfter vor, wobei hier noch die Jagd der Forellen auf junge Schnecken, die sich über den See treiben lassen, erschwerend hinzu kommt .
Interessanterweise scheiden Nymphen meist völlig aus.
freundlichst
Royal Coachman
Verfasst: 16.07.2008, 12:39
von Pulce D'Aqua
Hallo Royal Coachman,
das klingt interessant. Vermutlich wäre das eine Lösung gewesen. Ich war so auf das Trockenfliegenfischen konzentriert, eine Nassfliege wäre vielleicht besser gewesen. Daran denkt man nur gar nicht, wenn man die Forellen hüpfen und hüpfen sieht.
Ich habe übrigens oberhalb eines Stauwehres gefischt, wo das Wasser eher einem See gleicht.
Liebe Grüße,
Fredi
Verfasst: 16.07.2008, 13:25
von Humpinger
Bei Ostwind beißen nur Selbstmörder! Dies pflegte ein uralter Fischer in meinem alten Verein immer zu sagen. Ich habe auch die Erfahrung gemacht das bei besagtem Wind deutliche weniger Fische beißen als bei vergleichbaren bedingungen ohne Ostwind....
Gruß Dirk
Verfasst: 16.07.2008, 13:40
von Maggov
Hallo Gebhard,
die Nassfliege hatte ich nicht erwogen da Fredi schrieb, dass er Aufsteiger probiert hat. Mir ging's an besagtem Tag ebenso schlecht mit Nassfliegen nachdem ich die Emerger probiert hatte. Bin aber auch ein schlechter Nassfliegenfischer.
Ich verstehe zwar nicht warum aber manchmal steigen die Fische auf Mini-Midges und lassen die grossen Brummer von Köcher- und Eintagsfliegen links liegen.
Ich meine, dass man bei Fischen die auf Midges steigen ein Phänomen beobachten kann - die Frequenz mit der sie steigen scheint mir höher bzw. sehr hoch. Ich denke die Fische stehen flach - zum einen damit sie nicht so viel Aufwand betreiben müssen zum anderen um diese Mini-fliegen überhaupt sehen zu können.
LG
Markus
P.S.: Ein Trockenfliegenmuster / Emerger für die von Dir genannten Schnecken ist mir bis heute noch nicht eingefallen

Schneckenmuster
Verfasst: 16.07.2008, 15:27
von Royal Coachman
Hallo Markus !
Schneckenmuster gehen nicht, das ist schon probiert worden, funktioniert nicht, keiner weiß warum.
Das ist ungefähr das gleiche wie der Maikäfer, wir haben am Inn Forellen gefangen die waren prall voll mit Maikäfern. Aber auch der echte (damals vor 20 Jahren!) brachte nicht einen Biß!
freundlichst
Gebhard
Verfasst: 16.07.2008, 16:14
von Maggov
Hallo Gebhard,
dafür gehen die Maikäfer bei Aiteln prima

(weiß ich aus einer Anekdote meines Opas der das ausprobiert hatte) - Sollen sich übrigens geschmacklich auf die Fische ausgewirkt haben.
Ich persönlich fände es schön wieder mehr von den Brummern zu sehen - egal ob die Forellen darauf abfahren oder nicht.
LG
Markus
Verfasst: 16.07.2008, 21:46
von ROBBY
@ Fredi
Hi Fredi, ich war gestern Abend auch an der Nagold, so ab 20:00 Uhr. Ich habe immer meine Probleme, wenn ein Spinnerfall einsetzt, also wenn die weiblichen erwachsenen Eintagsfliegen zur Eiablage zurückkommen. Dann schwimmen tausende Redspinner tot oder absterbend die Nagold runter. Die Fische steigen überall am laufenden Band und ignorieren meine Fliege. Ich habe einfach noch kein passendes Muster gefunden oder biete die Fliege falsch an. Wenn diese Situation eintritt packe ich zusammen und wechsle die Stelle (das ist für mich nicht befriedigend, aber erfolgreicher und weniger frustrierend). Dann suche ich Bereiche mit schnellem Wasser unterhalb von Rauschen etc. Dort schlüpfen um diese Zeit eigendlich immer Köcherfliegen. Entweder ich fische dann flussauf mit CDC Segepuppe oder mit bräunlichen Klinkhammer (Parachute Puppenimitation super zu sehen, auch wenns dunkel wird), oder wenn das nicht funktioniert fische ich mit Sedgepuppen oder Buck Caddies flussab und lasse die Fliege über das Wasser furchen - das funzt eigentlich immer.
Gruß Robby
Spinnerfall
Verfasst: 16.07.2008, 23:04
von Royal Coachman
Hallo Robby !
Versuche doch bei Spinnerfall einmal einen roten Humpy, die unteren Hechel kürzen, nicht fetten und mit einem kleinen Ruck am Ende der freien Drift unter Wasser ziehen.
Das müßte eigentlich funktionieren.
freundlichst
Royal Coachman
Verfasst: 17.07.2008, 08:28
von ROBBY
Hallo RC,
meinst du dieses Teil
http://www.flyfishingconnection.com/pat ... low+Humpy/ ?
sieht ziemlich fett aus.
Gruß Robby