Sommerfahrplan Schweden, Urlaubstipps Teil II
Verfasst: 20.02.2009, 01:45
Hallo Schwedenfreunde und Ihr, die es werden wollt,
habe bereits von einigen Leuten direkt an mich gerichtete Anfragen nach Planung und Gewässertipps erhalten. Alle erhalten eine vernünftige Antwort, versprochen, sorry, wenn`s eine kleine Weile dauern sollte, zwischendurch muss ich aber auch noch mal arbeiten (leider?, zum Glück?, wohl beides), also Antworten kommen.
Bei diesen Anfragen habe ich gemerkt, dass sich wiederholende grundsätzliche Fragen bei der Urlaubsplanung auftauchen, die ich mir aufgrund meiner Routine (unbewußt) nicht mehr stelle.
Für die, die noch keine Routine haben, folgen einige Tipps.
Bei der Vorbereitung des Urlaubs (nicht nur in Schweden) sollte man vorher einige Punkte klären, z.B.:
1. Wieviel Zeit (Tage) habe ich zur Verfügung?
2. Wie viele Personen kommen mit?
3. Welches Verkehrsmittel nutze ich?
4. Wie viel Geld habe ich zur Verfügung?
5. Was sind meine Zielgebiete und damit meine Zielfische? bzw umgekehrt
6. Welche Informationen sind wichtig?
7. Wo erhalte ich Informationen?
8. Welche Ausrüstung? Mit Ausrüstung ist nicht Angelgerät sondern Zelt, Schlafsack, Kanu usw. sowie einige kleine Helferleintipps gemeint, i.S. Angelgerät haben die meisten genug Ahnung und sonst gibt es hier in vielen Beiträgen reichlich Infos.
Die einzelnen Punkte sind natürlich von einander abhängig, jeder beeinflusst den anderen.
1. Die Frage nach der Zeit.
Nach ihr richtet sich die Auswahl der Zielgebiete. Wer nur eine Woche zur Verfügung hat, sollte einen "todsicheren" Tipp erhalten haben, oder sich auf ein möglichst vielfältiges aber überschaubares Gebiet beschränken. Vielfältig, damit man bei den meisten Wetterlagen und Wasserständen fischen kann und notfalls Ausweichgewässer hat. Eine gute Kombination ist es, wenn man einen mindestens mittelgroßen Fluss, ein paar kleine Flüsse, einige Wald- und einige Fjällseen in der Nähe (im Umkreis von maximal 2-3 Autostunden) hat. Problem an Kurzurlauben ist, das man nicht auf gutes Wetter oder fallendes Wasser warten kann, man muss reagieren (also ausweichen), sonst ist die Woche rum und man fährt frustríert nach Hause. Meine Erfahrung ist, dass von einem Drei-Wochen-Urlaub mindestens zwei Dreitagesperioden oder eine Woche am Stück wegen Sturm, kaltem Nordwind, Hochwasser usw. zwar immer noch schön, aber eigentlich unterdurchschnittlich sind. Mit zu niedrigem Wasser hatte ich noch nie Probleme, da ich immer mindestens zwei große Flüsse in Reserve habe (aber ich fahre auch selten unter drei Wochen weg und eher an die großen Lapplandflüsse).
Das Platzwechseln in komplett andere Gebiete ist bei kurzen Urlauben im Verhältnis zur Urlaubslänge sehr zeitintensiv. Wenn man es doch riskieren will, sollte man früh morgens weiterfahren, dann kann man spätestens am Nachmittag das neue Gewässer inspizieren und noch wichtiger noch vor Ladenschluss eine Angelkarte kaufen. Denn i.d.R. befindet Ihr Euch ab Mittelschweden in der "Pampa". Die Angelkarten gibt es in den Touristbüros oder Angelläden, oft aber an Dorftanke oder -kiosk aber die machen meist am frühen Abend zu! Das kann sehr ärgerlich sein, man hat doch noch einen Alternativfluss gefunden, die Fische steigen, man ist total heiß und dann ist es schon 17.30 und die nächste Karten-Ausgabestelle ist inklusive Schotterpiste 70, 80 oder sogar mehr Kilometer weit weg. So wurden übrigens schon viele Schwarzangler "über Nacht" in Schweden geboren.
Die Planung kann bei zweiwöchigen oder noch längeren Reisen auch mehrere Zielgebiete enhalten, die dann auch mal einen ganzen Reisetag auseinander liegen können. Vor einem Platzwechsel sollte man sich unbedingt über die aktuellen Wetterverhältnisse und Wasserstände (aber auch die der letzten Tage) dort schlau machen. Es nützt nichts, nach einer Woche Dauerregen im Härjedalen nach Östersund weiterzufahren, nur um dort festzustellen, dass es dort genauso geschüttet hat. Manchmal ist es in einem solchen Fall klüger, das Wetter auszusitzen, um auf kleinere Flüsse, die schneller fallen oder auf eine Seenfischerei auf Forelle, Äsche und Saibling auszuweichen.
2. - 4. Diese Punkte sind eng verknüpft, besonders, wenn man mit dem Auto fährt. Einen zweiwöchigen Urlaub im Härjedalen oder um Östersund herum kann man schon für 350,- bis 400,- Euro machen, dabei gehe ich mal von zwei Personen im Auto, von einer Fahrstrecke von 1.900km bis zum Ziel (700km in Deutschland, 1.200km in Schweden) und mindestens 1.000km vor Ort aus. Macht für hin und zurück gesamt 4.800km, gerundet 5.000km. Die 1.000km vor Ort sind in zwei Wochen schnell erreicht, wenn sich erst mal umsehen muss.
Bei einem angenommenen Benzinverbrauch von 9 Litern und 1,20Euro/L macht das 540,- Euro. Hinzu kommen die beiden Beltbrücken für 140,- Euro (hin und zurück). Ergibt pro Person 340,- Euro, um hin und zurück zu kommen. Und das ist schon pessimistisch gerechnet. Hinzu kommen Angelkarten pro Person für ca. 50,- bis 80,- Euro für die zwei Wochen. Eine Wochenkarte kostet in Schweden meist um die 200,- SEK = 22,- Euro, Tageskarten um die 50,- / 60,- Euro = 6,- bis 7,- Euro. Wenn Ihr also nicht jeden Tag ein neues Gewässer befischt kommt Ihr damit hin.
Verpflegung rechne ich nicht mit ein, denn auch zu Hause müsstet Ihr Euch verpflegen, das sind damit keine speziellen Urlaubskosten. Meine Erfahrung ist, dass man bei einem Auto-Urlaub in Schweden sich meist günstiger verpflegt als in gleicher Zeit zu Hause. Ich jedenfalls bin dort viel genügsamer, und außerdem esse ich dort zwei bis dreimal Fisch täglich in allen Variationen. Man sollte zwar so planen, dass man auch bei tagelangem Sch....wetter gebug Vorräte mit hat, aber ich habe bisher immer reichlich von meiner Verpflegung wieder mit nach Hause genommen.
Wenn Ihr sogar zu dritt seid, ein sparsameres Auto fahrt und Glück mit Wetter und Gewässern habt und somit dort oben nur einige Kilometer vor Ort fahrt, weil Ihr nicht so viel suchen müsst, dann könnt auf unter 300,- Euro für zwei Wochen Urlaub kommen! Ich habe zwei Freunde, die jedes Jahr mit einem Golf TDI für zwei Wochen nach Lappland fahren, pro Person für unter 300,- Tacken.
Bei dieser Rechnung gehe ich natürlich vom Zelten in der Wildnis aus. Am Österdalälv bei Rot und Älvdalen müsstet Ihr noch mindestens 10 Tage a 7,- Euro draufrechnen, wenn Ihr Euch auf den dort für Naturfreunde eingerichteten halbwilden Campingplätzen am Fluss niederlasst.
Wie oben geschrieben, ich empfehle das Auto. Man ist einfach flexibler. Und es gibt ohne Auto noch ein Problem: viele schöne Gewässer liegen sehr weit abseits der Hauptrouten der Busse, man muss dann zeitintensiv an das Gewässer wandern. Trampen könnt Ihr vergessen, das kennen die Schweden nach meiner Erfahrung überhaupt nicht. Ich hatte mal einen deustchen Angler direkt nördlich Östersund auf der E45 mitgenommen, der hatte es trotz dichtem Verkehr am Nachmittag in drei Stunden nicht geschafft, seinen rausgehaltenen Daumen in eine Autofahrt nach Norden umzumünzen. Ganz anders sieht die Sache aus, wenn Ihr schwedisch sprecht. Dann kann man die Schweden höflich an einer Tankstelle ansprechen und hat sehr gute Chancen, mitgenommen zu werden. Fragt aber aus Höflichkeit immer, ob das was kostet, und wenn wieviel. Dann bekommt Ihr eventuell als Antwort:"Zahl, was es Dir wert ist". Achtung, sehr gute Gelegenheit für ein dickes Fettnäpfchen !!! Denn hier müsst Ihr Fingerspitzengefühl beweisen, gebt Ihr zu wenig, seid Ihr knauserig, gebt Ihr zu viel, seid Ihr der großkotzige Tourist. Ich kenne keine allgemeingültigen "Fahrpreise", aber als Richtlinie sind ein "Femtilapp" d.h. 50,- SEK (6,50 Euro) pro schwedische Meile (10km) wohl angemessen.
Was in Schweden gut funktioniert sind die Verbindungen durch die großen Überlandbusse zwischen demn Ortschaften auf den Hauptrouten im Land. Sie sind sehr schnell (fahren oft mit 110-120km/h), günstig (ungefähre Faustregel: pro km eine Krone) und bieten viel Stauraum, man kann i.d.R. gut Fahrräder mitnehmen. Für die, die leider nicht schwedisch lesen können etwas schwierig, aber trotzdem, unter dem Stichwort "Länstrafik(en)" kombiniert mit dem Namen der jeweiligen Region wie "Värmland", "Dalarna", "Jämtland" "Västerbotten" "Norrbotten" oder "Lappland" findet Ihr bei Google die jeweiligen Busunternehmen. Selbst wenn ihr davon nichts lesen könnt, auf den Startseiten ist meist eine Telefon-Nr. angegeben. Wenn Ihr die Schweden-Vorwahl 0046 + die angegebene Nr. (die Orts-Null weglassen) wählt, erreicht Ihr fast immer nette, sehr zuvorkommende und (!) englischsprechende Leute. Man kann auch auf gut Glück irgendein schwedisches Busunternehmen anrufen, und fragen, ob die einem bei Busverbindungen rund um Sveg, Östersund oder sonstwo helfen können. Man erhält dann eben eine andere Telefon-Nr. Auf diese Weise wurde mir bisher immer sehr gut geholfen. Höflich sein (wird in Schweden groß geschrieben) und nett fragen, damit kommt man dort oben ganz weit!
Bei den Fährverbindungen kenne ich persönlich nur zwei von Dänemark nach Schweden, nämlich Grena - Varberg und Frederikshavn - Göteborg, beide Stena-Line. Für diejenigen im Berliner Raum bieten sich natürlich die Fähren nach Trelleborg an, wie voll die im Sommer sind, kann ich nicht sagen.
Die Fähre von Grena nach Varberg ist besonders nett, aber auch beliebt. Die optimale Verbindung ist die Nachtfähre von Freitag auf Samstag. Speziell bis Mitte Juni ist sie selten ausgebucht. Sie fuhr bisher um 23.55 ab und kam morgens um 6.00 in Varberg (80km südlich von Göteborg) an.
Man kann zwar Kabinen mieten, ist aber nicht inbedingt nötig, ich hab meist gut in den großen Salons geschlafen. Grena-Varberg ist ne typische Alternativ-Route für Leute mit schmalem Geldbeutel. Man spart ein paar Kilometer nach Norden, aber das beste ist, dass man mindestens fünf Stunden Schlaf im Warmen bekommt. Ich fahre in den letzten Jahren die Große-Belt-Brücke und Öresund-Fähre, aber für mich sind es ja auch nur gut 500km nach Göteborg. Für Mittel und süddeutsche Angler hat die Möglichkeit, sich auf der Fährüberfahrt auch ohne Kabine richtig auszuschlafen, sicher ihren Reiz. Preislich eigentlich günstige Fähren, nur in der Hauptsaison und dann über Tag wird es doch teurer. Die Belt- und Öresundquerungen dagegen kosten immer gleich viel, da gibt es keine Haupt- oder Nebensaison.
Ein Tipp für die Rückfahrt (gilt aber auch für die Hinfahrt): Ein Fährtermin setzt Éuch unter Zeitdruck! Da darf auf der evt. langen Hin- oder Rückfahrt zur Fähre nichts dazwischen kommen, sonst wird es knapp. Meine oben erwähnten 300,- -Euro-Lappland-Urlauber hatten letztes Jahr einen technischen Defekt am Golf, weswegen der nicht ausgehen durfte. Das bedeutete: Nicht beim Tanken ausmachen, keine Schlafpause mit Zelt, nur unbeqeume Nickerchen auf dem Beifahrersitz und das 20 Stunden am Stück auf 1.800km durch Schweden. Die beiden waren ziemlich fertig, als sie in Travemünde ankamen. Auf der Rückfahrt möchte ich lieber die Fahrt genießen, und nicht gehetzt werden. Wenn man in der Hauptsaison eine Fähre verpasst, fährt man mit Pech erst am nächsten Tag weiter, plant die Rückfahrt daher bitte nicht zu knapp. Die Öresundfähren fahren alle 20 Minuten, ich empfehle diese statt der Öresundbrücke, denn Pause machen muss man ja sowieso, da kommt die Fähre gerade recht (und sie spart noch ein paar km).
Punkt 5.
Zíelfische werden für die meisten Äsche, Forelle und Saibling sein. Auch in Bezug auf die Gewichtung in dieser Reihenfolge (wenn man schon länger in den Norden fährt dreht sich die Gewichtung meist mit der Zeit). Als Nordland-Neuling sollte man sich zunächst auf Äsche und Forelle konzentrieren. Die Äschen lassen einen selten im Stich, nur bei starkem Hochwasser bleiben sie am Grund und das Steigen hört oft gänzlich auf. Ganz anders die Forellen, sie weichen dem Wasserdruck gern aus, indem sie sich an den Rand und in die Rückströmungen verziehen. Problem bei hohem Wasserstand ist meist, dass die Flüsse bis in die Wälder reichen und die Wurfpositionen kompliziert werden. Das Waten bei Hochwasser ist wegen der so manches Mal großen und kantigen Steine dann eine halsbrecherische Sache.
In eigentlich allen Waldflüssen Schwedens kommt die Äsche vor. Im Härjedalen beträgt das Verhältnis beim Fang von Äsche zu Forelle ca. 20:1, in manchen Flüssen mal schlechter oder besser, auch von Tag zu Tag schwankend, doch im Schnitt passt es. Richtung Norden wird das Verhältnis oft, aber nicht generell zu Gunsten der Forelle besser. Tatsache ist aber, dass die Durchschnittsgrößen nach Norden hin teilweise erheblich steigen. Das liegt am meist geringeren Befischungsdruck im Norden, der wiederum durch die Abgeschiedenheit vieler Gewässer sinkt. Und die großen Gewässer im Norden bieten den Fischen mehr Platz zum Abwachsen. Während man im Härjedalen Anfang Juli an den meisten Flüssen nahezu jede Stelle (in Kombination mit viel Erfahrung beim Waten) anwerfen kann, ist dies in Lappland schon viel schwieriger, oft nicht möglich.
Wer mehr auf Forelle aus ist, sollte sich mehr Richtung Grenzgebirge zu Norwegen aufmachen, d.h. ein bißchen mehr an Höhe gewinnen. Es gibt von Idre aus nach Norden am Grenzgebirge entlang bis nach Finnland viele kleine feine Flüsse und Bäche mit guten Forellenbeständen. Wichtig ist an diesen Fließgewässern, daß man wirkliche Pirschfischerei betreibt. Da man meist am Ufer entlangschleicht und eine entsprechend hohe Silhouette abgibt, sind die Fische dann schnell gewarnt.
Was im Härjedalen und um Östersund herum wirklich Spass macht und so manchen Urlaub retten kann, ist das Angeln in den vielen Seen, ob vom Ufer oder Boot aus. In fast jedem See schwimmen Forellen, um Tännas herum auch noch Äschen, die sogar in erheblichen Größen. 50er Fische sind relativ häufig, es werden zudem jedes Jahr Äschen von über 2kg dort gefangen. Am Österdalälv hab ich mal nen netten älteren Einheimischen getroffen, dessen größte Äsche im Rogengebiet 2,7kg wog.
Aber: Tännas ist sehr erschlossen, an den Flüssen dort kann durchaus relativ viel los sein! Die Seen dort sind jedoch groß und zahlreich genug, dass sich dort das Ganze schnell verläuft.
Wenn Ihr mal was von einem "Tjärnsystem" lest oder hört, handelt es sich um eine sehr interessante Geschichte. Tjärn bedeutet übersetzt "Teich". Schwedische Teiche reichen größentechnisch aber von einem halben bis zu mehreren Dutzend Hektar. In unserem Sinne also eher Seen. Ein Tjärnsystem bietet die schöne Möglichkeit, sich mit Rucksack und Zelt auf ein- oder mehrtägigen Touren von See zu See zu fischen, wenn diese dann noch durch kleine Bäche mit einander verbunden sind, optimal. Gerade im kahlen Fjäll hat man in solchen Tjärnsystemen gute Chancen auf Forelle und Saibling (Wetter muss natürlich passen). Ein sehr großes Tjärnsystem gibt es westlich von Östersund zwischen Indalsälven im Norden und Oviks- sowie Anarisfjäll im Süden.
Von Saiblingen im Fluss würde ich dem Neuling erst mal abraten, das ist selbst für sehr erfahrene Fliegenfischer immer wieder eine echte Herausforderung.
Wenn Ihr noch keine genauere Vorstellung vom Zielgebiet habt, ist Östersund als Ausgangspunkt und für den Zeitraum Ende Juni bis Ende Juli eine gute Wahl. Östersund ist mit Bahn, Bus und Auto gut erreichbar. Es gibt einen sehr guten Angelladen in der Storgatan 19 am Marktplatz: "Jakt & Fiskeservice AB" (nur 400m vom Touristbüro entfernt). Keine schlechte Info-Quelle. Um Östersund herum kann man eigentlich alles machen, was das Fliegenfischerherz begehrt: Äschen- und Forellenfischen in Harkan, Langan, Indalsälven, Damman, Giman, Ammeran um nur einige Flüsse zu nennen. Zudem überall Seen, viele mit Forelle und Saibling. Vorher recherchieren und vor Ort gezielt fragen und ein wenig probieren, dann klappt es oft schneller als man glaubt.
Für einen Urlaub würde ich als Neuling mir immer mindestens zwei Wochen Zeit nehmen. Es gehen schnell 2-3 Tage zur Orientierung drauf, manchmal ist das erste Ziel doch nicht so gut wie erwartet, dann kann man noch mal wechseln, und man kann eine Schlechtwetterphase eher mal aussitzen und es bleibt dann trotzdem noch genügenbd Zeit für einen gelungenen Urlaub.
Zu Punkt 6. und 7.
Wichtig können bereits im Winter Informationen über die Schneehöhe sein, dann im Frühjahr und im Mai über die Wetterentwicklung vor Ort. Es dauert ein paar Jahre, aber dann kann man aus dieser Kombination schon ziemlich genau eine Tendenz abschätzen, ob einen Hochwasser oder ein passender Wasserstand erwartet. Man kann das auch bleiben lassen und einfach mal 14 Tage, 7 Tage und am Tag vor der Abfahrt in einem Angelladen vor Ort anrufen und nach dem aktuellen Wetter, Wasserstand und -temperatur sowie denen der letzten Woche fragen. Speziell im Angelladen hat man gute Chancen auf halbwegs brauchbare Infos. Bei Touristbüros habe ich da so meine Zweifel, zu oft habe ich schon gehört, dass der Wasserstand "normal" sei. Bei dieser Info ist dann schon alles dabei gewesen, von 100cm über bis 60cm unter "Normal". Es ist sowieso relativ, was in Schweden ein Normalwasserstand ist. Ein brauchbarer Richtwert sind die Flechten auf den Steinen, besonders in Lappland. Wenn diese 10-20cm aus dem Wasser ragen, kann man von einem normalen Wasserstand reden. Eine absolute Ausnahme ist dabei aber das Touristbüro in Sorsele, Lappland. Da sitzen meist Angler mit Ahnung am Telefon, die dann wissen, wovon sie reden.
Wichtig sind auch Infos zur Wassertemperatur, fragt per Telefon vor Ort nach, solange diese zwischen 12 und 15 Grad liegt, muss man sich keine Gedanken machen. Darunter kann es (muss es aber nicht) schwierig sein. In Lappland sind die Fische noch toleranter, besonders nach unten. Da kann man auch schon bei 8 bis 9 Grad eine Super-Trockenfischerei haben. Und Saiblinge sind sowieso Kaltwasserfische, da muss jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln. Bei Temperaturen über 16 Grad kommt es oft vor, dass Äschen sehr träge werden. Sie spüren den geringeren Sauerstoff und die Fressphasen werden sehr kurz. Auch im Drill merkt man das, da kann man 50er Äschen in einer halben Minute an Land bringen. Wenn Ihr ein solches Verhalten mal bemerkt, stellt das Angeln auf Äsche dann bitte ein, denn viele ausgedrillte und zurückgesetzte Fische scheinen sich zunächst zwar wieder zu erholen, treiben später aber Bäuchlings ab und sterben. Dadurch hat schon so manch einer ohne es zu ahnen in Lappland ein Massaker angerichtet. Diese 16-Grad-Grenze ist nicht generell gültig, aber in den 15 Jahren Lappland habe ich das schon 7 oder 8 mal erlebt.
Auf Bachforellen kann man bei Wassertemperaturen über 16 Grad eher ohne schlechtes Gewissen angeln, die können damit besser umgehen.
Die Wetterentwicklung in Eurer Urlaubsregion während Ihr dort seid ist auch sehr wichtig, besonders wenn Ihr Mehrtagestouren mit Rucksack oder Kanu plant. Diese Info ist sehr leicht zu beschaffen. An jeder Tankstelle, in jedem Supermarkt liegen die jeweiligen Regionalzeitungen aus. Dort drin gibt es immer einen Wetterteil, den man auch ohne Schwedischkenntnisse versteht. Dieser ist unmißverständlich bebildert ebenso wie die Drei-Tage-Vorhersage. Auf die kann man sich sehr gut verlassen, selbst im Fjäll. Die Schweden kennen ihr Wetter sehr gut, auch die regionalen Besonderheiten.
Die wichtigste Informationen beziehen wir alle aus Landkarten. Und gerade hier habe ich den wichtigsten Tipp für Euch (den kennen auch viele der alten Hasen noch nicht): Die Seite "lantmateriet.se" ist für uns Gold wert. Unter Google die Sucheinstellungen um "schwedisch" ergänzen und los geht`s. Die ganze schwedische Landschaft vom Wald bis zum Fjäll ist dort mit Luftbildern mit einer Auflösung von 2m hinterlegt. Surft da mal ein wenig rum, braucht ein bißchen Übung. Unter "Kartor" gibt es den LLink "Kartor, Flyg- och satellitbilder", da auf "Flygbilder" und "Digitala Flygbilder SWEREF 99" und "Färgsatt sverige 2m" . Da eröffnet sich Euch eine sehr interessante Welt, denn auf den Zoom-Laufleisten rechts des Bildes könnt ihr zwischen Luftbild und Landkarte laufend wechseln.
So kann man sich sein Zielgebiet schon vorher von oben ansehen. Für meine Raftingtouren habe ich mir die entsprechenden Luftbilder und Landkarten im gleichen Maßstab ausgedruckt, wasserdicht laminiert und hatte sie so immer griffbereit im praktischen 12cm x 8cm -Format in der Watjacke.
Der große Vorteil, ganz besonders für Kanuten und Raftingfans ist, dass man viele kurze Stromschnellen und kleine Wasserfälle auf den Luftbildern erkennt, die selbst auf der besten "Grönakartan" (den schwedischen Fjällwanderkarten Maßstab 1:50.000, die eigentlich schon ein sehr genaues Bild der Landschaft wiedergeben) nicht eingetragen sind.
Bitte nehmt den auf den Luftbildern erkennbaren Wasserstand nicht als alleinige Basis für Eure Planung. Die Luftbilder sind zwar alle im Sommer entstanden, dafür über viele Jahre. Manchmal ist ein Fluss oder auch nur ein Abschnitt davon bei Hochwasser, im nächsten Bild aber bei Niedrigwasser aufgenommen worden. Aber als grundsätzliche Informationsquelle insbesondere über Wasserfälle und Stromschnellen, die man eindeutig am Weißwasser auf den Bildern erkennt, ist diese Seite klasse. Auf einem anderen Link "KartSök och ortnamn" könnt Ihr Orte, Seen, Flüsse, eben alles was einen Namen in Schweden hat, suchen. Zudem könnt Ihr für geplante Wanderungen mit dem kleinen Lineal über dem Bild Entfernungen abmessen. Die Strecke wird in km unter dem Bild angezeigt.
Gebt im Internet einfach Kombinationen aus dem Namen des Gewässers und "fiske" oder "Flugfiske" ein, dann werdet Ihr reichlich Infos bekommen. Übrigens, viele Flüsse enden mit...ån, dieses å bekommt Ihr mit der Tastenkombination Alt gedrückt halten + Eingabe der Ziffern 134 hin. Erweitert oft die Ergebnisse.
Meine ersten Schwedischkenntnisse habe ich mir damals mit einem Wörterbuch beim Durchsehen eines Buches über das Angeln in Jämtland und Härjedalen angeeignet. Und das ging schneller als ich dachte. Versucht es!
So, dann viel Spass beim Suchen, Luftbilder checken usw.. Nächstes Mal geht`s mit der Region um Arjeplog und den Polarkreis weiter.
Bis dann
Ralf
habe bereits von einigen Leuten direkt an mich gerichtete Anfragen nach Planung und Gewässertipps erhalten. Alle erhalten eine vernünftige Antwort, versprochen, sorry, wenn`s eine kleine Weile dauern sollte, zwischendurch muss ich aber auch noch mal arbeiten (leider?, zum Glück?, wohl beides), also Antworten kommen.
Bei diesen Anfragen habe ich gemerkt, dass sich wiederholende grundsätzliche Fragen bei der Urlaubsplanung auftauchen, die ich mir aufgrund meiner Routine (unbewußt) nicht mehr stelle.
Für die, die noch keine Routine haben, folgen einige Tipps.
Bei der Vorbereitung des Urlaubs (nicht nur in Schweden) sollte man vorher einige Punkte klären, z.B.:
1. Wieviel Zeit (Tage) habe ich zur Verfügung?
2. Wie viele Personen kommen mit?
3. Welches Verkehrsmittel nutze ich?
4. Wie viel Geld habe ich zur Verfügung?
5. Was sind meine Zielgebiete und damit meine Zielfische? bzw umgekehrt
6. Welche Informationen sind wichtig?
7. Wo erhalte ich Informationen?
8. Welche Ausrüstung? Mit Ausrüstung ist nicht Angelgerät sondern Zelt, Schlafsack, Kanu usw. sowie einige kleine Helferleintipps gemeint, i.S. Angelgerät haben die meisten genug Ahnung und sonst gibt es hier in vielen Beiträgen reichlich Infos.
Die einzelnen Punkte sind natürlich von einander abhängig, jeder beeinflusst den anderen.
1. Die Frage nach der Zeit.
Nach ihr richtet sich die Auswahl der Zielgebiete. Wer nur eine Woche zur Verfügung hat, sollte einen "todsicheren" Tipp erhalten haben, oder sich auf ein möglichst vielfältiges aber überschaubares Gebiet beschränken. Vielfältig, damit man bei den meisten Wetterlagen und Wasserständen fischen kann und notfalls Ausweichgewässer hat. Eine gute Kombination ist es, wenn man einen mindestens mittelgroßen Fluss, ein paar kleine Flüsse, einige Wald- und einige Fjällseen in der Nähe (im Umkreis von maximal 2-3 Autostunden) hat. Problem an Kurzurlauben ist, das man nicht auf gutes Wetter oder fallendes Wasser warten kann, man muss reagieren (also ausweichen), sonst ist die Woche rum und man fährt frustríert nach Hause. Meine Erfahrung ist, dass von einem Drei-Wochen-Urlaub mindestens zwei Dreitagesperioden oder eine Woche am Stück wegen Sturm, kaltem Nordwind, Hochwasser usw. zwar immer noch schön, aber eigentlich unterdurchschnittlich sind. Mit zu niedrigem Wasser hatte ich noch nie Probleme, da ich immer mindestens zwei große Flüsse in Reserve habe (aber ich fahre auch selten unter drei Wochen weg und eher an die großen Lapplandflüsse).
Das Platzwechseln in komplett andere Gebiete ist bei kurzen Urlauben im Verhältnis zur Urlaubslänge sehr zeitintensiv. Wenn man es doch riskieren will, sollte man früh morgens weiterfahren, dann kann man spätestens am Nachmittag das neue Gewässer inspizieren und noch wichtiger noch vor Ladenschluss eine Angelkarte kaufen. Denn i.d.R. befindet Ihr Euch ab Mittelschweden in der "Pampa". Die Angelkarten gibt es in den Touristbüros oder Angelläden, oft aber an Dorftanke oder -kiosk aber die machen meist am frühen Abend zu! Das kann sehr ärgerlich sein, man hat doch noch einen Alternativfluss gefunden, die Fische steigen, man ist total heiß und dann ist es schon 17.30 und die nächste Karten-Ausgabestelle ist inklusive Schotterpiste 70, 80 oder sogar mehr Kilometer weit weg. So wurden übrigens schon viele Schwarzangler "über Nacht" in Schweden geboren.
Die Planung kann bei zweiwöchigen oder noch längeren Reisen auch mehrere Zielgebiete enhalten, die dann auch mal einen ganzen Reisetag auseinander liegen können. Vor einem Platzwechsel sollte man sich unbedingt über die aktuellen Wetterverhältnisse und Wasserstände (aber auch die der letzten Tage) dort schlau machen. Es nützt nichts, nach einer Woche Dauerregen im Härjedalen nach Östersund weiterzufahren, nur um dort festzustellen, dass es dort genauso geschüttet hat. Manchmal ist es in einem solchen Fall klüger, das Wetter auszusitzen, um auf kleinere Flüsse, die schneller fallen oder auf eine Seenfischerei auf Forelle, Äsche und Saibling auszuweichen.
2. - 4. Diese Punkte sind eng verknüpft, besonders, wenn man mit dem Auto fährt. Einen zweiwöchigen Urlaub im Härjedalen oder um Östersund herum kann man schon für 350,- bis 400,- Euro machen, dabei gehe ich mal von zwei Personen im Auto, von einer Fahrstrecke von 1.900km bis zum Ziel (700km in Deutschland, 1.200km in Schweden) und mindestens 1.000km vor Ort aus. Macht für hin und zurück gesamt 4.800km, gerundet 5.000km. Die 1.000km vor Ort sind in zwei Wochen schnell erreicht, wenn sich erst mal umsehen muss.
Bei einem angenommenen Benzinverbrauch von 9 Litern und 1,20Euro/L macht das 540,- Euro. Hinzu kommen die beiden Beltbrücken für 140,- Euro (hin und zurück). Ergibt pro Person 340,- Euro, um hin und zurück zu kommen. Und das ist schon pessimistisch gerechnet. Hinzu kommen Angelkarten pro Person für ca. 50,- bis 80,- Euro für die zwei Wochen. Eine Wochenkarte kostet in Schweden meist um die 200,- SEK = 22,- Euro, Tageskarten um die 50,- / 60,- Euro = 6,- bis 7,- Euro. Wenn Ihr also nicht jeden Tag ein neues Gewässer befischt kommt Ihr damit hin.
Verpflegung rechne ich nicht mit ein, denn auch zu Hause müsstet Ihr Euch verpflegen, das sind damit keine speziellen Urlaubskosten. Meine Erfahrung ist, dass man bei einem Auto-Urlaub in Schweden sich meist günstiger verpflegt als in gleicher Zeit zu Hause. Ich jedenfalls bin dort viel genügsamer, und außerdem esse ich dort zwei bis dreimal Fisch täglich in allen Variationen. Man sollte zwar so planen, dass man auch bei tagelangem Sch....wetter gebug Vorräte mit hat, aber ich habe bisher immer reichlich von meiner Verpflegung wieder mit nach Hause genommen.
Wenn Ihr sogar zu dritt seid, ein sparsameres Auto fahrt und Glück mit Wetter und Gewässern habt und somit dort oben nur einige Kilometer vor Ort fahrt, weil Ihr nicht so viel suchen müsst, dann könnt auf unter 300,- Euro für zwei Wochen Urlaub kommen! Ich habe zwei Freunde, die jedes Jahr mit einem Golf TDI für zwei Wochen nach Lappland fahren, pro Person für unter 300,- Tacken.
Bei dieser Rechnung gehe ich natürlich vom Zelten in der Wildnis aus. Am Österdalälv bei Rot und Älvdalen müsstet Ihr noch mindestens 10 Tage a 7,- Euro draufrechnen, wenn Ihr Euch auf den dort für Naturfreunde eingerichteten halbwilden Campingplätzen am Fluss niederlasst.
Wie oben geschrieben, ich empfehle das Auto. Man ist einfach flexibler. Und es gibt ohne Auto noch ein Problem: viele schöne Gewässer liegen sehr weit abseits der Hauptrouten der Busse, man muss dann zeitintensiv an das Gewässer wandern. Trampen könnt Ihr vergessen, das kennen die Schweden nach meiner Erfahrung überhaupt nicht. Ich hatte mal einen deustchen Angler direkt nördlich Östersund auf der E45 mitgenommen, der hatte es trotz dichtem Verkehr am Nachmittag in drei Stunden nicht geschafft, seinen rausgehaltenen Daumen in eine Autofahrt nach Norden umzumünzen. Ganz anders sieht die Sache aus, wenn Ihr schwedisch sprecht. Dann kann man die Schweden höflich an einer Tankstelle ansprechen und hat sehr gute Chancen, mitgenommen zu werden. Fragt aber aus Höflichkeit immer, ob das was kostet, und wenn wieviel. Dann bekommt Ihr eventuell als Antwort:"Zahl, was es Dir wert ist". Achtung, sehr gute Gelegenheit für ein dickes Fettnäpfchen !!! Denn hier müsst Ihr Fingerspitzengefühl beweisen, gebt Ihr zu wenig, seid Ihr knauserig, gebt Ihr zu viel, seid Ihr der großkotzige Tourist. Ich kenne keine allgemeingültigen "Fahrpreise", aber als Richtlinie sind ein "Femtilapp" d.h. 50,- SEK (6,50 Euro) pro schwedische Meile (10km) wohl angemessen.
Was in Schweden gut funktioniert sind die Verbindungen durch die großen Überlandbusse zwischen demn Ortschaften auf den Hauptrouten im Land. Sie sind sehr schnell (fahren oft mit 110-120km/h), günstig (ungefähre Faustregel: pro km eine Krone) und bieten viel Stauraum, man kann i.d.R. gut Fahrräder mitnehmen. Für die, die leider nicht schwedisch lesen können etwas schwierig, aber trotzdem, unter dem Stichwort "Länstrafik(en)" kombiniert mit dem Namen der jeweiligen Region wie "Värmland", "Dalarna", "Jämtland" "Västerbotten" "Norrbotten" oder "Lappland" findet Ihr bei Google die jeweiligen Busunternehmen. Selbst wenn ihr davon nichts lesen könnt, auf den Startseiten ist meist eine Telefon-Nr. angegeben. Wenn Ihr die Schweden-Vorwahl 0046 + die angegebene Nr. (die Orts-Null weglassen) wählt, erreicht Ihr fast immer nette, sehr zuvorkommende und (!) englischsprechende Leute. Man kann auch auf gut Glück irgendein schwedisches Busunternehmen anrufen, und fragen, ob die einem bei Busverbindungen rund um Sveg, Östersund oder sonstwo helfen können. Man erhält dann eben eine andere Telefon-Nr. Auf diese Weise wurde mir bisher immer sehr gut geholfen. Höflich sein (wird in Schweden groß geschrieben) und nett fragen, damit kommt man dort oben ganz weit!
Bei den Fährverbindungen kenne ich persönlich nur zwei von Dänemark nach Schweden, nämlich Grena - Varberg und Frederikshavn - Göteborg, beide Stena-Line. Für diejenigen im Berliner Raum bieten sich natürlich die Fähren nach Trelleborg an, wie voll die im Sommer sind, kann ich nicht sagen.
Die Fähre von Grena nach Varberg ist besonders nett, aber auch beliebt. Die optimale Verbindung ist die Nachtfähre von Freitag auf Samstag. Speziell bis Mitte Juni ist sie selten ausgebucht. Sie fuhr bisher um 23.55 ab und kam morgens um 6.00 in Varberg (80km südlich von Göteborg) an.
Man kann zwar Kabinen mieten, ist aber nicht inbedingt nötig, ich hab meist gut in den großen Salons geschlafen. Grena-Varberg ist ne typische Alternativ-Route für Leute mit schmalem Geldbeutel. Man spart ein paar Kilometer nach Norden, aber das beste ist, dass man mindestens fünf Stunden Schlaf im Warmen bekommt. Ich fahre in den letzten Jahren die Große-Belt-Brücke und Öresund-Fähre, aber für mich sind es ja auch nur gut 500km nach Göteborg. Für Mittel und süddeutsche Angler hat die Möglichkeit, sich auf der Fährüberfahrt auch ohne Kabine richtig auszuschlafen, sicher ihren Reiz. Preislich eigentlich günstige Fähren, nur in der Hauptsaison und dann über Tag wird es doch teurer. Die Belt- und Öresundquerungen dagegen kosten immer gleich viel, da gibt es keine Haupt- oder Nebensaison.
Ein Tipp für die Rückfahrt (gilt aber auch für die Hinfahrt): Ein Fährtermin setzt Éuch unter Zeitdruck! Da darf auf der evt. langen Hin- oder Rückfahrt zur Fähre nichts dazwischen kommen, sonst wird es knapp. Meine oben erwähnten 300,- -Euro-Lappland-Urlauber hatten letztes Jahr einen technischen Defekt am Golf, weswegen der nicht ausgehen durfte. Das bedeutete: Nicht beim Tanken ausmachen, keine Schlafpause mit Zelt, nur unbeqeume Nickerchen auf dem Beifahrersitz und das 20 Stunden am Stück auf 1.800km durch Schweden. Die beiden waren ziemlich fertig, als sie in Travemünde ankamen. Auf der Rückfahrt möchte ich lieber die Fahrt genießen, und nicht gehetzt werden. Wenn man in der Hauptsaison eine Fähre verpasst, fährt man mit Pech erst am nächsten Tag weiter, plant die Rückfahrt daher bitte nicht zu knapp. Die Öresundfähren fahren alle 20 Minuten, ich empfehle diese statt der Öresundbrücke, denn Pause machen muss man ja sowieso, da kommt die Fähre gerade recht (und sie spart noch ein paar km).
Punkt 5.
Zíelfische werden für die meisten Äsche, Forelle und Saibling sein. Auch in Bezug auf die Gewichtung in dieser Reihenfolge (wenn man schon länger in den Norden fährt dreht sich die Gewichtung meist mit der Zeit). Als Nordland-Neuling sollte man sich zunächst auf Äsche und Forelle konzentrieren. Die Äschen lassen einen selten im Stich, nur bei starkem Hochwasser bleiben sie am Grund und das Steigen hört oft gänzlich auf. Ganz anders die Forellen, sie weichen dem Wasserdruck gern aus, indem sie sich an den Rand und in die Rückströmungen verziehen. Problem bei hohem Wasserstand ist meist, dass die Flüsse bis in die Wälder reichen und die Wurfpositionen kompliziert werden. Das Waten bei Hochwasser ist wegen der so manches Mal großen und kantigen Steine dann eine halsbrecherische Sache.
In eigentlich allen Waldflüssen Schwedens kommt die Äsche vor. Im Härjedalen beträgt das Verhältnis beim Fang von Äsche zu Forelle ca. 20:1, in manchen Flüssen mal schlechter oder besser, auch von Tag zu Tag schwankend, doch im Schnitt passt es. Richtung Norden wird das Verhältnis oft, aber nicht generell zu Gunsten der Forelle besser. Tatsache ist aber, dass die Durchschnittsgrößen nach Norden hin teilweise erheblich steigen. Das liegt am meist geringeren Befischungsdruck im Norden, der wiederum durch die Abgeschiedenheit vieler Gewässer sinkt. Und die großen Gewässer im Norden bieten den Fischen mehr Platz zum Abwachsen. Während man im Härjedalen Anfang Juli an den meisten Flüssen nahezu jede Stelle (in Kombination mit viel Erfahrung beim Waten) anwerfen kann, ist dies in Lappland schon viel schwieriger, oft nicht möglich.
Wer mehr auf Forelle aus ist, sollte sich mehr Richtung Grenzgebirge zu Norwegen aufmachen, d.h. ein bißchen mehr an Höhe gewinnen. Es gibt von Idre aus nach Norden am Grenzgebirge entlang bis nach Finnland viele kleine feine Flüsse und Bäche mit guten Forellenbeständen. Wichtig ist an diesen Fließgewässern, daß man wirkliche Pirschfischerei betreibt. Da man meist am Ufer entlangschleicht und eine entsprechend hohe Silhouette abgibt, sind die Fische dann schnell gewarnt.
Was im Härjedalen und um Östersund herum wirklich Spass macht und so manchen Urlaub retten kann, ist das Angeln in den vielen Seen, ob vom Ufer oder Boot aus. In fast jedem See schwimmen Forellen, um Tännas herum auch noch Äschen, die sogar in erheblichen Größen. 50er Fische sind relativ häufig, es werden zudem jedes Jahr Äschen von über 2kg dort gefangen. Am Österdalälv hab ich mal nen netten älteren Einheimischen getroffen, dessen größte Äsche im Rogengebiet 2,7kg wog.
Aber: Tännas ist sehr erschlossen, an den Flüssen dort kann durchaus relativ viel los sein! Die Seen dort sind jedoch groß und zahlreich genug, dass sich dort das Ganze schnell verläuft.
Wenn Ihr mal was von einem "Tjärnsystem" lest oder hört, handelt es sich um eine sehr interessante Geschichte. Tjärn bedeutet übersetzt "Teich". Schwedische Teiche reichen größentechnisch aber von einem halben bis zu mehreren Dutzend Hektar. In unserem Sinne also eher Seen. Ein Tjärnsystem bietet die schöne Möglichkeit, sich mit Rucksack und Zelt auf ein- oder mehrtägigen Touren von See zu See zu fischen, wenn diese dann noch durch kleine Bäche mit einander verbunden sind, optimal. Gerade im kahlen Fjäll hat man in solchen Tjärnsystemen gute Chancen auf Forelle und Saibling (Wetter muss natürlich passen). Ein sehr großes Tjärnsystem gibt es westlich von Östersund zwischen Indalsälven im Norden und Oviks- sowie Anarisfjäll im Süden.
Von Saiblingen im Fluss würde ich dem Neuling erst mal abraten, das ist selbst für sehr erfahrene Fliegenfischer immer wieder eine echte Herausforderung.
Wenn Ihr noch keine genauere Vorstellung vom Zielgebiet habt, ist Östersund als Ausgangspunkt und für den Zeitraum Ende Juni bis Ende Juli eine gute Wahl. Östersund ist mit Bahn, Bus und Auto gut erreichbar. Es gibt einen sehr guten Angelladen in der Storgatan 19 am Marktplatz: "Jakt & Fiskeservice AB" (nur 400m vom Touristbüro entfernt). Keine schlechte Info-Quelle. Um Östersund herum kann man eigentlich alles machen, was das Fliegenfischerherz begehrt: Äschen- und Forellenfischen in Harkan, Langan, Indalsälven, Damman, Giman, Ammeran um nur einige Flüsse zu nennen. Zudem überall Seen, viele mit Forelle und Saibling. Vorher recherchieren und vor Ort gezielt fragen und ein wenig probieren, dann klappt es oft schneller als man glaubt.
Für einen Urlaub würde ich als Neuling mir immer mindestens zwei Wochen Zeit nehmen. Es gehen schnell 2-3 Tage zur Orientierung drauf, manchmal ist das erste Ziel doch nicht so gut wie erwartet, dann kann man noch mal wechseln, und man kann eine Schlechtwetterphase eher mal aussitzen und es bleibt dann trotzdem noch genügenbd Zeit für einen gelungenen Urlaub.
Zu Punkt 6. und 7.
Wichtig können bereits im Winter Informationen über die Schneehöhe sein, dann im Frühjahr und im Mai über die Wetterentwicklung vor Ort. Es dauert ein paar Jahre, aber dann kann man aus dieser Kombination schon ziemlich genau eine Tendenz abschätzen, ob einen Hochwasser oder ein passender Wasserstand erwartet. Man kann das auch bleiben lassen und einfach mal 14 Tage, 7 Tage und am Tag vor der Abfahrt in einem Angelladen vor Ort anrufen und nach dem aktuellen Wetter, Wasserstand und -temperatur sowie denen der letzten Woche fragen. Speziell im Angelladen hat man gute Chancen auf halbwegs brauchbare Infos. Bei Touristbüros habe ich da so meine Zweifel, zu oft habe ich schon gehört, dass der Wasserstand "normal" sei. Bei dieser Info ist dann schon alles dabei gewesen, von 100cm über bis 60cm unter "Normal". Es ist sowieso relativ, was in Schweden ein Normalwasserstand ist. Ein brauchbarer Richtwert sind die Flechten auf den Steinen, besonders in Lappland. Wenn diese 10-20cm aus dem Wasser ragen, kann man von einem normalen Wasserstand reden. Eine absolute Ausnahme ist dabei aber das Touristbüro in Sorsele, Lappland. Da sitzen meist Angler mit Ahnung am Telefon, die dann wissen, wovon sie reden.
Wichtig sind auch Infos zur Wassertemperatur, fragt per Telefon vor Ort nach, solange diese zwischen 12 und 15 Grad liegt, muss man sich keine Gedanken machen. Darunter kann es (muss es aber nicht) schwierig sein. In Lappland sind die Fische noch toleranter, besonders nach unten. Da kann man auch schon bei 8 bis 9 Grad eine Super-Trockenfischerei haben. Und Saiblinge sind sowieso Kaltwasserfische, da muss jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln. Bei Temperaturen über 16 Grad kommt es oft vor, dass Äschen sehr träge werden. Sie spüren den geringeren Sauerstoff und die Fressphasen werden sehr kurz. Auch im Drill merkt man das, da kann man 50er Äschen in einer halben Minute an Land bringen. Wenn Ihr ein solches Verhalten mal bemerkt, stellt das Angeln auf Äsche dann bitte ein, denn viele ausgedrillte und zurückgesetzte Fische scheinen sich zunächst zwar wieder zu erholen, treiben später aber Bäuchlings ab und sterben. Dadurch hat schon so manch einer ohne es zu ahnen in Lappland ein Massaker angerichtet. Diese 16-Grad-Grenze ist nicht generell gültig, aber in den 15 Jahren Lappland habe ich das schon 7 oder 8 mal erlebt.
Auf Bachforellen kann man bei Wassertemperaturen über 16 Grad eher ohne schlechtes Gewissen angeln, die können damit besser umgehen.
Die Wetterentwicklung in Eurer Urlaubsregion während Ihr dort seid ist auch sehr wichtig, besonders wenn Ihr Mehrtagestouren mit Rucksack oder Kanu plant. Diese Info ist sehr leicht zu beschaffen. An jeder Tankstelle, in jedem Supermarkt liegen die jeweiligen Regionalzeitungen aus. Dort drin gibt es immer einen Wetterteil, den man auch ohne Schwedischkenntnisse versteht. Dieser ist unmißverständlich bebildert ebenso wie die Drei-Tage-Vorhersage. Auf die kann man sich sehr gut verlassen, selbst im Fjäll. Die Schweden kennen ihr Wetter sehr gut, auch die regionalen Besonderheiten.
Die wichtigste Informationen beziehen wir alle aus Landkarten. Und gerade hier habe ich den wichtigsten Tipp für Euch (den kennen auch viele der alten Hasen noch nicht): Die Seite "lantmateriet.se" ist für uns Gold wert. Unter Google die Sucheinstellungen um "schwedisch" ergänzen und los geht`s. Die ganze schwedische Landschaft vom Wald bis zum Fjäll ist dort mit Luftbildern mit einer Auflösung von 2m hinterlegt. Surft da mal ein wenig rum, braucht ein bißchen Übung. Unter "Kartor" gibt es den LLink "Kartor, Flyg- och satellitbilder", da auf "Flygbilder" und "Digitala Flygbilder SWEREF 99" und "Färgsatt sverige 2m" . Da eröffnet sich Euch eine sehr interessante Welt, denn auf den Zoom-Laufleisten rechts des Bildes könnt ihr zwischen Luftbild und Landkarte laufend wechseln.
So kann man sich sein Zielgebiet schon vorher von oben ansehen. Für meine Raftingtouren habe ich mir die entsprechenden Luftbilder und Landkarten im gleichen Maßstab ausgedruckt, wasserdicht laminiert und hatte sie so immer griffbereit im praktischen 12cm x 8cm -Format in der Watjacke.
Der große Vorteil, ganz besonders für Kanuten und Raftingfans ist, dass man viele kurze Stromschnellen und kleine Wasserfälle auf den Luftbildern erkennt, die selbst auf der besten "Grönakartan" (den schwedischen Fjällwanderkarten Maßstab 1:50.000, die eigentlich schon ein sehr genaues Bild der Landschaft wiedergeben) nicht eingetragen sind.
Bitte nehmt den auf den Luftbildern erkennbaren Wasserstand nicht als alleinige Basis für Eure Planung. Die Luftbilder sind zwar alle im Sommer entstanden, dafür über viele Jahre. Manchmal ist ein Fluss oder auch nur ein Abschnitt davon bei Hochwasser, im nächsten Bild aber bei Niedrigwasser aufgenommen worden. Aber als grundsätzliche Informationsquelle insbesondere über Wasserfälle und Stromschnellen, die man eindeutig am Weißwasser auf den Bildern erkennt, ist diese Seite klasse. Auf einem anderen Link "KartSök och ortnamn" könnt Ihr Orte, Seen, Flüsse, eben alles was einen Namen in Schweden hat, suchen. Zudem könnt Ihr für geplante Wanderungen mit dem kleinen Lineal über dem Bild Entfernungen abmessen. Die Strecke wird in km unter dem Bild angezeigt.
Gebt im Internet einfach Kombinationen aus dem Namen des Gewässers und "fiske" oder "Flugfiske" ein, dann werdet Ihr reichlich Infos bekommen. Übrigens, viele Flüsse enden mit...ån, dieses å bekommt Ihr mit der Tastenkombination Alt gedrückt halten + Eingabe der Ziffern 134 hin. Erweitert oft die Ergebnisse.
Meine ersten Schwedischkenntnisse habe ich mir damals mit einem Wörterbuch beim Durchsehen eines Buches über das Angeln in Jämtland und Härjedalen angeeignet. Und das ging schneller als ich dachte. Versucht es!
So, dann viel Spass beim Suchen, Luftbilder checken usw.. Nächstes Mal geht`s mit der Region um Arjeplog und den Polarkreis weiter.
Bis dann
Ralf