Seite 1 von 1
Mit der Fliege auf Hering
Verfasst: 24.02.2009, 15:50
von mario.s
Hallo,
mir ist letztens beim durchstöbern einiger Angelzeitschriften die Idee gekommen, da ja bald die Zeit dran ist, ob man nicht mal sein Glück auf Heringe versuchen sollte. Im Frühjahr kommen die doch in ziemlich großen Schwärmen an die Küste bzw. in die Häfen gezogen. Mit der Spinnrute hab ich mir den Spaß schon mal gemacht. Wenn son Schwarm da ist, dann macht das richtig Spaß. Und mit einer Sinktip bzw. Sinkschnur stell ich mir das recht einfach vor. Und son fetter Hering macht an einer leichten Rute schon ganz schön rabatz.

Hat das schon mal jemand gemacht?
Mario
Re: Mit der Fliege auf Hering
Verfasst: 24.02.2009, 16:53
von Dirk Janßen
mario.s hat geschrieben:Hat das schon mal jemand gemacht?
Nein, das ist mir zu unwaidmännisch.
Heringe werden mit Heringsfliegen "gefangen" (10 rotweiße Fliegen an großen
Haken [ca. 2/0] am Paternoster mit fettem Blei unten dran).
Dann wird die Angel angehoben und die Heringe "gerissen".
Das ist in meinen Augen kein Fischen.
TL
Dirk
Verfasst: 24.02.2009, 18:11
von Kurt Mack
Hallo!
Ich könnte mir gut vorstellen das das ein Spaß wird. Wenn du nahe genug an die Schwärme rankommst und tief fischst, sollte der Fang kaum ausbleiben. Als Köder vielleicht eine Mysis-Tangläufer-Fliege oder ein Streamer ähnlich den Heringsfliegen.
Ich selbst habe vor vielen Jahren in der Bretagne mit kleinsten Naßfliegen auf Ährenfische??? gefischt. Die waren nicht sehr groß, aber auf Sicht gefischt waren es meine ersten Meeresfische mit der Fliege. Später konnte ich in der Dämmerung noch einige kleine Wolfsbarsche erwischen.
Tschüß, Kurt
Verfasst: 24.02.2009, 18:12
von todde
Moin Mario!
Auch wenn der sensible Herr vom Jadebusen das vielleicht als unwaidmännisch empfindet, oute ich mich hier gerne als jemand, der - aus rein folkloristischen Gründen - ein Mal im Jahr das große rot-weiße Kieler Flatterblei aus der Schublade kramt und mit 3 (sic!) Fliegen auf Goldhaken am Nord-Ostsee-Kanal Heringe "reißt". Nach dreißig Fischen ist dann aber auch Schluss. Lecker gebraten und sauer eingelegt gehört das einfach zum Frühling wie Meerforellen und Maiglöckchen.
Zufallsfänge von Heringen beim Meerforellenfischen kommen immer wieder mal vor und sorgen für Überraschungen. Dabei werden, durchaus waidmännisch, lieber Dirk, bevorzugt kleine Tangläuferfliegen geschnappt.
Gezielt mit der Fliegenrute an den Heringsangelplätzen habe ich es auch schon mal versucht, aber eher mit mäßigem Erfolg. Außerdem ist meist so viel Volk um einen herum, dass du irgendwann entnervt aufgibst, ständig beim Rückschwung auf blind durch's Leben laufende Spaziergänger und Hunde zu achten oder sogenannte Kollegen, die einem bierselig und neugierig zu dicht auf die Pelle rücken, auf Abstand zu halten.
Einzig vom Boot aus könnte ich mir vorstellen, das noch einmal gezielt mit der Fliegenrute zu versuchen. Allerdings musst du schon ordentlich runter mit der Schnur. Aber, neee, wenn schon Sinkschnurfischen, dann freue ich mich lieber auf die Pollacks in Norwegen...
gruß
todde
Verfasst: 24.02.2009, 23:16
von Ralf
Moin Mario,
Heringe gezielt mit der Fliege, den Spaß hab ich mir vor ca. 12 Jahren mal gegönnt, das war in einem kleinen Sportboot-Hafen in der Kieler Bucht. Wegen der enormen Dichte der Schwärme und dem sehr flachen Hafenbecken konnte ich sogar auf Sicht fischen, ich kam am Ende auf gut 20 Heringe bis knapp Mitte 30cm, war ganz nett. Mittlerweile ist das Heringsangeln dort aber verboten, da die meisten sich dort nicht benehmen konnten, es sah nach ein paar Tagen aus wie ein Schlachtfeld (war es wohl auch).
Beim Meerforellenfischen im Mai habe ich immer wieder mal Beifänge von ein paar Heringen, aber gezielt ist das schwierig und es stellt sich die Frage, ob es die Mühe wert ist. In den normalen großen Häfen ist die Kaimauer einfach zu hoch und das Gedränge zu stark. Wenn Du das in Ruhe probieren willst, solltest Du das machen, wenn die meisten Systemangler wieder weg sind, da gibt es abends bis in den Mai oft noch genügend Nachzügler an Heringen. Als Tipp: nicht weit, sondern parallel zur Kaimauer werfen, da laichen die ab. In der Nachsaison hast Du eher Deine Ruhe, in der Hochsaison lass lieber die Finger davon, sonst gibt es nur Ärger! In Skane in Südschweden hatte ich beim Meerforellenfischen mal einen von 42cm, das war schon ein richtiger Mini-Tarpon auf eine 10er Juletrae-Fliege in Pink-Silber. An der 5er ging wirklich die Post ab.
Wie auch Todde versorg ich mich im Frühjahr mit dem herkömmlichen System mit Hering, dann ist es aber auch gut. Er hat sehr wohl Recht, wenn er Dir vom Fliegenfischen in Häfen abrät, einfach zu gefährlich, und da bringst Du die Fliegenfischer eher in Mißkredit. Für das gezielte Fliegenfischen musst Du Dir, wenn Du es unbedingt probieren willst, ne wirklich ruhige Hafen-Ecke suchen, und immer drei Augen im Rücken haben!
Gruß an Todde: mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen!
Und an Dich Dirk: wenn Du die Pilkangler mit 80-Gramm-Blei und 2m-Pilkbewegung meinst, hast Du recht, aber an der feinen Zanderrute mit geflochtener Schnur fängt man, wenn man es beherrscht, zu 95% regulär gehakte Heringe.
Aber genug davon, das nennt sich hier doch Fliegenfischerforum, nicht Heringspilkerforum (Zwinker, Zwinker...).
Viel Glück Mario
Ralf
Verfasst: 25.02.2009, 15:20
von mario.s
Hallo,
ich hatte mir das auch eher als kurzweiligen Zeitvertreib vorgestellt, wenn man zu der Zeit schon mal an der Küste ist. Und mit "Pilkreißen" sollte das nun wirklich nicht in Verbindung gebracht werden. Einfach mit nem kleinen Tangläufer oder son Glitzerfutzel vielleicht noch mit Seitenarm könnte das schon recht nett sein. Ähnlich der Makrelenfischerei. Mal schauen.
Gruß, Mario
Verfasst: 26.02.2009, 12:11
von sundeule
Erstmal zum Reißen: Die Heringe nehmen die Heringsfliegen an der Paternostermontage ganz normal; da wird nicht gerissen.
Wenn Du es denn möchtest gibt es hier und da auch gute Stellen, an denen Fliegenfischen ohne Probleme möglich ist.
Auf Rügen ist zum Beispiel die Wittower Fähre. Da kannst Du ganz entspannt bis dicht an die Fahrrinne waten, stehst bis zum Knie im Bodden und wirfst locker zwischen die Heringe - ganz ohne Spundwand und Spaziergänger.
Ich für meinen Teil habe allerdings wenig Lust darauf, wenn ich an die klebrigen Schuppen denke, die es irgendwie immer schaffen, sich am Blank festzusetzen.

Wenn ich mal eine "Räucherofenorder" von meiner Family bekomme, dann ist es einer der dienstältesten Spinnruten, die noch ein paar Schuppen obendrauf bekommt.