Schweden: Solo- und Extremtouren
Verfasst: 06.06.2009, 05:47
Mit Katamaran, Kanu und Rucksack in Schweden.
Hallo Martin („xtralite“) und Schwedenfreunde, es hat ein wenig gedauert, aber jetzt zum Sommer hin will ich Euch, auch auf Wunsch einiger, hier ein paar Tipps und Anregungen zum Fliegenfischen mit Katamaran und Kanu oder als Wanderer in der schwedischen Wildnis geben. Eigentlich sollte es auch einen eigenen Teil zum Thema Ausrüstung geben, doch das lasse ich aus Vereinfachungsgründen an den passenden Stellen mit einfließen.
Die Anregungen beruhen auf meiner gut 20-jährigen persönlichen Erfahrung in Lappland und im Härjedalen und gehen zunächst einmal von Solotouren, wie ich sie schon etliche Male mit Kanu und Angelkatamaran mit und ohne Zelt unternommen habe, aus. Bei diesen ist noch viel mehr als sonst der Sicherheitsaspekt zu beachten, als wenn man zu zweit oder dritt unterwegs ist. Doch auch bei mehreren Teilnehmern sollte er immer im Vordergrund stehen.
Die Tipps richten sich an die, die noch keine oder erst wenig Erfahrung dort oben haben, noch keine wirklichen Wildnistouren durchgeführt haben und eben solche mal machen wollen. Aber vielleicht finden ja auch noch ein paar alte Hasen nützliche Anregungen.
Wir alle kennen diese wunderbaren Reiseschilderungen, bei denen unter besten Wetter- und Angelbedingungen tolle Bilder und Schilderungen entstehen. Bei diesen Artikeln sollte man jedoch immer im Hinterkopf haben, dass man natürlich am liebsten über gelungene Reisen berichtet. Mißlungene Reisen, aus welchen Gründen auch immer, werden meistens unter den Teppich gekehrt, darüber zu berichten macht ja auch keinen Spass.
Gerade Touren in die Einsamkeit von Tundra, Fjäll oder Waldgebieten bedürfen einer gründlichen Vorbereitung und ohne eine gewisse Erfahrung sollte man von wirklich extremen Touren erst mal die Finger lassen. Während man in einem Angelcamp, auf einem Campingplatz oder in der Nähe von Ortschaften eher darauf bauen kann, in angemessener Zeit bei Bedarf Hilfe rufen zu können, ist man in der Wildnis auf sich selbst gestellt. Der nächste Arzt, Angelladen oder Outdoorladen ist meist mehrere Tage entfernt, Handynetze existieren oft nicht oder funktionieren nur von Bergspitzen aus, auf diese sollte man sich sowieso nicht verlassen (!) und. Planungs- oder Verhaltensfehler können schnell lebensgefährlich werden.
Bei Touren in die richtige Wildnis sollte man „Worst-Case-Szenarien“ in die Planung einbeziehen und beim Aufenthalt dort berücksichtigen, hier gibt es meiner Meinung nach vier wesentliche Faktoren:
1. Der Zeitfaktor, d.h. die Tour braucht viel mehr Zeit als geplant
2. Der Wetterfaktor, d.h. statt Sommer- herrscht andauernd Schlechtwetter
3. Der Ausrüstungsfaktor, d.h. Ausrüstung geht kaputt oder geht verloren
4. Der Körperfaktor,d.h. man wird krank
Bereits bei der Planung sollte man für möglichst jeden Extremfall einen, besser mehrere, Pläne haben, wie man sich dann verhält. Erst in der Wildnis bei Eintreten des Falls darüber nach zu denken, ist zu spät.
Zu Faktor 1.
Längere Touren, speziell extremere Touren, sollten immer am Anfang des Urlaubs unternommen werden. Aus verschiedenen Gründen. Entweder verzögert sich schon die Anreise, der evt. gebuchte Hubschrauber ist defekt oder kann wegen Schlechtwetter erst am nächsten Tag starten. Oder die Tour selbst dauert länger als geplant (Gründe evt. Faktor 2. bis 4.). Man darf auf keinen Fall unter Zeitdruck kommen, denn man wird unter Stress eher Fehler machen und unnötig höhere Risiken eingehen: Und Fehler kann man sich in der Wildnis nicht leisten. Schon ein unter Zeitdruck falsch gesetzter Schritt und dadurch verstauchter Fuss kann lebensgefährlich werden.
Wenn man für die Tour selbst z.b. 7 Tage veranschlagt, sollte man die gesamte Planung auf das 1,5-fache, hier also mindestens 11 Tage, ausrichten, d.h. man sollte mindestens 14 Tage Urlaub inkl. An- und Abreise zur Verfügung haben.
Eine sorgfältige Informationsbeschaffung im Vorwege über Schneeverhältnisse im Fjäll (manche Fjällbäche und -flüsse steigen bei heißem Sommerwetter extrem und können dann nicht mehr gequert werden), über Wasserstände und erwartete Wettterentwicklungen ist sehr wichtig. Wirklich gute Informationsquellen sind die Helikopterfirmen (auch wenn man keinen Flug gebucht hat), sie sind täglich in den Zielgebieten vor Ort unterwegs und kennen meist auch gute Alternativgewässer, sollte das gewünschte nicht fischbar sein.
Zu Faktor 2.
Gerade bei einer mehr als für 4-5 Tage geplanten Tour sollte man das Wetter genau im Auge behalten. Wer als Wanderer unterwegs ist, sollte bei Erkundungstouren rund um das Basislager oder Verlegen seines Zeltplatzes daran denken, dass die Bäche im Fjäll vormittags auf Grund der kalten Nacht vorher wegen des dann niedrigeren Wasserstandes leichter zu queren sind. An warmen Sommertagen schwellen sie durch das Schmelzwasser zum Nachmittag und Abend hin oft stark an, der Wasserstand kann dann durchaus einen halben Meter höher als am Morgen sein!
Für Wasserwanderer ist es sehr wichtig, bei einsetzendem Starkregen sich darüber im Klaren zu sein, dass auch bisher relativ einfach zu befahrende Stromschnellen schnell um ein bis zwei Wildwasserklassen steigen können und dann möglicherweise nicht mehr fahrbar sind. Gut, mögen einige jetzt denken, dann wird eben umgetragen. Doch auch das kann durchaus unmöglich werden, speziell bei großen Flüssen vom Typ Lainioälv oder Kaitumälv. Solche Flüsse gehen bei starkem Anstieg häufig extrem in die Breite, und wenn dann (was dort oben häufig der Fall ist) um die Stromschnellen herum Sumpfland ist, bekommt man große Probleme. In einem Jahr Anfang der 2000er (ich meine 2003 oder 2004 war es) regnete es um Kiruna herum tagelang so stark, dass der Lainioälv statt der üblichen 80-100m weit über 300m breit wurde. Fast sämtliche Stromschnellen wurden zu tosenden Infernos und die Steine an diesen waren praktisch nicht wieder zu erkennen, weil unter Wasser. Ein weiteres erhebliches Problem entsteht durch stark steigendes Wasser an solchen durch Sumpfland fließenden Gewässern: man findet keine hoch genug liegende und damit von unten trockene Zeltplätze mehr !!!
Hat die Tour gerade erst begonnen, muss man ein Hochwasser eventuell aussitzen, und dann ist es gut, wenn man mehr Proviant mitgenommen hat, als nur für die für die unter normalen Umständen geplante Zeit. Denn mit Fisch als Verpflegung sollte man dann nicht unbedingt rechnen, bei Hochwasser gehen die Äschen meist runter an geschützte Stellen am Grund und die sonst ergiebigen Stellen sind oft nicht mehr erreichbar. Manchmal erreicht man mit schwersten Nymphen noch einige Fische oder mit dem Streamer in den Randbereichen und Rückströmungen die eine oder andere Forelle, doch verlassen kann man sich darauf nicht mehr. Ich habe für solche Fälle immer einige kleine schlanke aus Flashabou gebundene und damit auch mit der 5er oder 6er noch zu werfende Hechtstreamer dabei, sie haben mir schon so manches Mal das Abendessen gesichert. Überhaupt hat meine Erfahrung mich gelehrt, die eigentlichen Vorräte soweit wie möglich zu schonen und viel Fisch zu essen. Denn wenn man ein solches dauerhaftes Schlechtwetter aussitzen muss oder gar für ein paar Tage krank wird, ist es von großem Vorteil auf diese Vorräte dann zurückgreifen zu können.
Zu Faktor 3.
Zu einer guten Vorbereitung gehört auf jeden Fall eine leichte aber umfassende und qualitativ hochwertige Outdoor-Ausrüstung. Ich zähle hier mal die Sachen auf, die sich bei mir seit Jahren bewährt haben. Einige könnten seltsam, ja vielleicht sogar komisch erscheinen, doch wenn Ihr die Begründung lest, leuchtet so manches sicher ein.
Das Zelt:
Das Zelt ist das wichtigste an der Ausrüstung. Es ist die Schutz- und Trutzburg gegen Regen, Kälte, Wind und Mücken (!!!). Und überlebenswichtig, wenn Ihr krank werdet, z. B. bei Fieber. Wer in der Einsamkeit beim Fischen oder Waserwandern ein Vollbad nimmt, muss schleunigst aus den nassen Klamotten raus und sich aufwärmen (Beispiel für einen Worst-Case-Fall: Ihr rutscht Nachts bei minus 5 Grad Außen- und 8 Grad Wassertemperatur sowie starkem Nordwind im Fluss aus. Ohne Zelt (und natürlich sehr gutem Schlafsack) wird das ganz schnell lebensgefährlich, Fieber ist dann noch das geringste Problem, hier besteht die Gefahr einer Lungenentzündung).
Ich habe ein Tunnelzelt, einen Hilleberg-Nachbau, das inzwischen 22 Jahre alt und durch gute Pflege, d.h. im wentlichen trockene dunkle Lagerung, noch immer in Topform ist. In den letzten 20 Jahren habe ich sicher weit über 1.000 Zelte dort oben gesehen, und zu sicher 95% waren Tunnelzelte. Das nicht ohne Grund. Die meisten guten Tunnelzelte lassen sich auch alleine in weniger als 5 Minuten aufbauen, oft ist das Innenzelt schon eingehängt. Das hat große Vorteile, denn bei Regen wird das Innenzelt beim Aufbau nicht nass, man hat bei Wind auch keine Aufbauprobleme und bei schwierigem Untergrund reichen im Prinzip vier Heringe für einen zunächst vorläufigen Stand aus. Wenn man sie richtig abspannt, sind diese Zelte auch orkansicher.
Wer gerade plant, ein Zelt zu kaufen, sollte ein sand- oder beigefarbenes Modell wählen, diese heizen sich lange nicht so sehr auf wie grüne Zelte. Wichtig ist auch die Möglichkeit einer kompletten Diagonallüftung durch zwei Absiden. Denn nicht immer ist es möglich, das Zelt im Schatten aufzubauen, und wenn man dann nach durchfischter Nacht am Tag bei Sonnenschein ausschlafen will, wird ein Sackgassenmodell mit nur einer Apside schnell zum Backofen. In einem Zwei-Apsidenmodell kann man auch über Tag nur in Badehose durch die komplette Durchlüftung mückensicher ausruhen. Es gibt sogar silberbeschichetete Varianten, die bieten neben dem kühleren Innenraum noch den Vorteil, dass man im Notfall besser gefunden wird.
Eine kleine 3x4m-Bauplane sollte nicht fehlen, sie wird so gefaltet und unter das Zelt gelegt, das kein Rand übersteht, sonst läuft bei Regen Wasser unter den Zeltboden und man drückt trotz der bei den heutigen Zelten hohen Wassersäule beim hinkniehen Wasser durch den Zeltboden. Die Plane kann bei Moos- oder Sandboden auch zum Bau eines kleinen Sonnenschutzes über dem Zelt dienen. Dann steht es bei Sommerwetter im Schatten und der Schlaf über Tag ist noch erholsamer.
Die Nähte sollte man gleich nach dem Kauf einmal zur Sicherheit mit Nahtdichter versehen. Mein Zelt hat dies am Anfang gleich erfahren und bis heute noch nicht einen Tropfen durchgelassen.
Als Heringe empfehle ich einen Satz Alu-Nägel von 20cm Länge. Die sind sehr leicht und extrem stabil. Sie lassen sich auch in sehr harte Böden gut eintreiben.
Der Schlafsack:
Ob Daune oder Kunstfaser ist Geschmackssache, nur ein Top-Vierjahreszeiten-Schlafsack sollte es sein. Er muss eine Komforttemperatur von mindestens minus 15 Grad haben. Zum einen, weil die Leistung über die Jahre und bei längerem kalten und feuchtem Wetter nachlässt und zum anderen weil man bei Fieber oder Auskühlung durch ein Bad keine Reserven hat. Und es kann nicht nur in Lappland auch im Sommer nachts bis unter minus 10 Grad runter gehen (mehrmals selbst erlebt).
Beim Kauf darauf achten, dass der Reißverschluss sich ohne zu haken leichtläufig in einem Rutsch aufreißen läßt. Aus zwei Gründen: erstens, weil man oft nachts bei niedrigen Temperaturen sich schön einmummelt und den Verschluß bis zur Nase hochzieht. Wenn dann vormittags die Sonne auf das Zelt brennt, herrschen schnell mal über 30 Grad im Zelt. Man wacht wie vom Hammer getroffen auf und will nur noch raus. Zweitens und noch blöder: abends am Feuer hat man vielleicht das eine oder andere Bier getrunken und morgens beim Aufwachen platzt fast die Blase. Dann will man nur noch schnell raus.Man reißt wie wild am Reißverschluß und wehe der klemmt dann!
Man sollte vor dem Kauf den Schlafsack auch Probeliegen und das Inlet genau ansehen und fühlen. Manche Microfaserinlets sind so rutschig, dass man durch das ständige Wälzen im Schlaf bei nur minimaler Schrägung mit den Füßen früher oder später gegen die Zeltwand rutscht. Bei Regen wird dann schnell mal das Fußteil durchweicht. Das passiert besonders schnell bei Verwendung von Therm A Rest-Isomatten.
Die Isomatte:
Ob Schaumstoff oder Therm A Rest ist egal. Vorteil von Schaumstoff ist jedoch, dass sie nie geflickt werden müssen und keine Probleme mit spitzen Gegenständen haben. Und sie wiegen um einiges weniger als die Komfortmatten.
Der Kocher:
Muss jeder selbst wissen, aber der Trangia ist in meinen Augen unschlagbar. Auf jeden Fall eine Teflonpfanne nehmen, weil praktischer. In Schweden und Norwegen ist Spirutus nur als teurer Rödsprit zu finden, daher genug Spiritus mitnehmen oder Gaskartuschen verwenden. Gas hat auf jeden Fall einen höheren Brennwert und ist bei Kälte schneller.
Das Feuerzeug:
Unbedingt mindestens zwei mitnehmen, ohne Feuer kein warmes Essen.
Das Minitool:
Ein Minitool mit Klinge, Schere, Säge und Schraubenzieher leistet gute Dienste und ist bei Verlust des Taschenmessers Gold wert. Die Säge ist deshalb wichtig, weil sich die auch nach langem Regen noch immer recht trockenen unteren Totäste der Tannen nach nur kurzem Ansägen besser abbrechen lassen.
Die Maurerschnur:
20m Maurerschnur wiegen fast nichts, sind als Notabspannleine, zum wäschetrocknen oder reparieren von Ausrüstung immer gut zu gebrauchen. Und sie hat eine hohe Tragkraft.
Das kleine Küchenbrett:
Eine feste Unterlage zum filetieren und Malzeiten zubereiten ist für mich ein Muss. Ein kleines leichtes Küchenbrett aus Hartholz erleichtert einem das Leben sehr. Hartholz weil es sich durch Nässe nicht verbiegt.
Die Wasserflasche:
Eine 1,5 L-PET-Flasche gehört dazu. Lieber eine vom Typ Cola oder Sprite nehmen, sie wiegen kaum was und sind nahezu unzerstörbar.Die Trangiatöpfe sind ja schon durch das Kochen besetzt, so muss man nicht für jeden Schluck Wasser mit dem Becher zum Fluss und gerade bei Krankheit hat man immer was zu trinken im Zelt.
Die Mückenmittel:
Die Mittel Off , Stermino und Latexhandschuhe habe ich bereits ausführlich im Allgemeinen Forum unter „Effektive Mückenmittel“, letzter Eintrag dort am 3.3.09, beschrieben. Bitte dort nachsehen.
Das Reparaturset:
Für Zelt, Schlafsack und Klamotten sollte man Nadel (Naddel?, wohl kaum) und Faden dabei haben. Ein paar unterschiedliche kräftige Nadeln und Faden aus Kunststoff gehören dazu. Eine kleine Rolle Faserklebeband und Aquaseal natürlich, damit kann man fast alles wieder zusammenflicken.
Die Pinkeldose:
Klingt übel, ist aber Gold wert. Wer morgens im Zelt aufwacht ist meist auch entsprechend verschwitzt. Jetzt mit voller Blase in Unterhose in`s Freie zu stürzen ist eigentlich Selbstmord. Darauf warten die Mücken nur und der Überfall ist vorprorammiert. Dafür hab ich eine ausgediente und entgratete (!) 800ml Blechdose im Zelt, und auf Touren, bei denen ich auf das Gewicht achten muss, eine leere 1L Tetrapack-Einheit dabei. In die kann man dann von den Mücken vollkommen ungestört im Zelt reinpinkeln und die Dose dann nur durch eine kleine Öffnung mit langem Arm auskippen. Man sollte sich dabei aber immer an die gleiche Öffnung halten. Sonst verteilt man rund um`s Zelt seine Duftmarke. Vor dem ersten "Erguss" ca. einen halben Meter von der Zeltöffnung entfernt etwas Erde ausheben, da dann das Bier, den Saft oder was auch immer entsorgen und wieder mit Moos oder einem Stein abdecken. Funkioniert natürlich nur auf durchlässigem Boden. Auf Felsen würd ich die Finger davon lassen, sonst läuft die Suppe noch unter das Zelt.
Die Notapotheke:
Dort hinein gehören Fieber-/ Schmerztabletten, eine kleine Tube Wundsalbe (z.B. Bepanthen 20g), Wasserdichte Pflaster unterschiedlicher Größe, eine Mullbinde, Taschentücher, ein Minispiegel und Latexhandschuhe. Schmerztabletten bedürfen keiner Erklärung. Wundsalbe und wasserdichte Pflaster in Kombination mit den Latexhandschuhen sind sehr wichtig. Wenn Ihr Euch z.B. an der Hand verletzt muss die Wunde auf jeden Fall gesäubert und ordentlich versorgt werden. Und sie muss unbedingt trocken bleiben! Sonst verheilt sie nicht und dann kann es zur Blutvergiftung kommen, es reicht aber schon für heftige Probleme aus, wenn Ihr die Hand nicht mehr benutzen könnt. Gerade Verletzungen an der Fingerkuppe oder im Bereich des Nagelbetts sind sehr schmerz- und dauerhaft, da diese Bereiche immer in Bewegung sind und durch Gebrauch laufend verformt werden.Mit Salbe, wasserdichtem Pflaster und Latexhandschuhen funktioniert der Heilungsprozess hervorragend. Und man kann sogar weiterfischen! Füße/Beine, Hände und Augen sind die bei weitem wichtigsten Körperteile, die Euch wieder nach Hause bringen. Daher auch der Spiegel. Ihr seid dort draußen allein unterwegs, keiner kann Euch helfen wenn Euch ein Zweig ins Auge schlägt oder auch nur ein Knott mit Anlauf da rein fliegt.
Ich bin vor Jahren mal an einem Fluss in Lappland weit ab vom Schuss wegen zweier wackeliger Steine ausgerutscht und mit dem Kopf auf einem hohen spitzen Stein aufgeschlagen. Das Ergebnis war eine Platzwunde an der Stirn. Ich hab geblutet wie ein Schwein, konnte aber nicht abschätzen, wie ernst es evt. war. Mit Tape hab ich damals die Wunde verschlossen und weitergefischt. Der nächste Arzt wäre über 60km und viele Stunden entfernt gewesen. Zum Glück hat sich die Wunde schnell ohne genäht werden zu müssen wieder verschlossen.
Nehmt den Tipp mit der Notapotheke daher bitte ernst!
Grundsätzliches zum Umgang mit der Ausrüstung:
Die beste Ausrüstung nützt Euch nichts, wenn sie verloren geht oder ein Defekt auftritt. Das heißt z.B. für Kanu oder Katamaran: immer richtig auf Land ziehen und mit einem Seil an Baum, Strauch oder Stein sichern. Ohne kommt ihr nur schwer wieder zurück. Das Zelt immer mindestens einen, besser sogar zwei Meter über der Wasserlinie aufbauen und gegen Sturm komplett abspannen. Dabei das Tunnelzelt in Längsrichtung zum Wind aufbauen. Wenn Ihr das Zelt beim Fischen nicht richtig abgespannt verlasst und Sturm aufkommt, muss es ja nicht gleich wegfliegen. Es reicht aber schon, wenn eine heftige Windböe das Gestänge zerbricht.
Und ich hab es erlebt, wie schnell Flüsse dort oben ansteigen können. Als ich einmal auf einer Kanutour zum Fischen ging, begann es abends um 22.00 Uhr zu regnen und zwar heftigst. Der Regen war so stark, dass ich nach zwei Stunden mit dem Fischen aufhörte und es mir in meiner Tunnelzelt- Trutzburg gemütlich machte. Der unglaubliche Regen prasselte ohne Unterbrechung durchgehend bis 12.00 Uhr am nächsten Tag auf mein Zelt, das ich einen Meter über der Wasserlinie und 30 Meter vom Fluss entfernt aufgebaut hatte. Mein Kanu hatte ich abends komplett auf Land gezogen, auf den Rücken umgedreht und an einem Baum fest gemacht.
Als ich am nächsten Tag gegen Mittag aus meinem Zelt guckte, war der Fluss gerade eben noch 5 Meter von meinem Zelt entfernt, mein Kanu schwamm zum Glück noch immer fest vertäut und jetzt "richtig" herum in der Rückströmung und hatte 15cm Wasser drin. Wow, ich hab nicht schlecht gestaunt!
Zu Faktor 4.
Wenn man allein unterwegs ist, egal ob nah an Ortschaften oder in der Pampa, wichtig ist eines generell: Jeder Schritt und jede Handlung sollte überlegt gemacht werden. Der Gedanke „Das mach ich mal eben schnell“ führt oft zum Unglück. Man sollte immer den zweiten Schritt kennen und planen, egal ob beim Waten oder an Land.
Richtig krank zu werden auf einer Solotour ist wohl der wahre Worst-Case. Mir ist er zum Glück bisher erspart geblieben. Sollte er aber eintreten, ist eine hochwertige Outdorrausrüstung, ausreichend Verpflegung (Trinkwasser gibt es ja genug) und die Notapotheke die beste Lebensversicherung. Und doch gibt es einen Punkt, der einen beunruhigen kann: Was ist, wenn man so krank ist, dass man es kaum noch aus dem Zelt schafft?
Man sollte sein Zelt zwar nicht direkt am Fluss oder See, aber nach Möglichkeit in Sichtweite davon aufbauen. Denn die Flüsse sind die Pulsadern dort oben, da halten sich die meisten Leute auf oder kommen vorbei. Und dafür ist dann ein kleines Teil eventuell lebensrettend. Eine küchentischgroße leuchtorangefarbene Plane oder Folie mit großer schwarzer Aufschrift „HJÄLP!“ oder „HELP!“, die vom Fluss oder See aus gut lesbar ist. Eine solche Farbe fällt ungemein auf in einer sonst grün-braunen Landschaft. Und gerade an Flüssen, auf denen Kanuten oder Raftinggruppen vorbeikommen, ist dies die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Wenn nichts am Zelt darauf hindeutet, dass dort jemand drin liegt, der Hilfe braucht, hält auch keiner an oder guckt rein. Warum auch, das ist ja nicht üblich und woher sollen die anderen auch von Eurer üblen Lage wissen? Die Plane auf jeden Fall nicht senkrecht, sondern schräg im 45-Grad-Winkel aufhängen, so kann sie auch aus der Luft gesehen werden!
Ich hab in schwedischen Zeitschriften und Büchern schon von Todesfällen von „Solisten“ gelesen, die tagelang schwer krank am Fluss in ihren Zelten lagen und nur noch einen Abschiedsbrief verfassen konnten. Wenn man da nicht irgendwie auf sich aufmerksam machen kann stirbt man still und unbemerkt vor sich hin.
So, das war`s für heute. Es war auch nur eine Auswahl der wesentlichen Tipps. Eine Menge Anregungen kennen die meisten sicher schon, aber diese Ausführungen sind ja auch nicht für die langjährigen Nordlandfahrer, sondern für die, die es noch werden wollen.
Über Anregungen und Tipps von Euch würde ich mich auf jeden Fall freuen.
Euch allen viel Spass im Urlaub!
Gruß
Ralf
Hallo Martin („xtralite“) und Schwedenfreunde, es hat ein wenig gedauert, aber jetzt zum Sommer hin will ich Euch, auch auf Wunsch einiger, hier ein paar Tipps und Anregungen zum Fliegenfischen mit Katamaran und Kanu oder als Wanderer in der schwedischen Wildnis geben. Eigentlich sollte es auch einen eigenen Teil zum Thema Ausrüstung geben, doch das lasse ich aus Vereinfachungsgründen an den passenden Stellen mit einfließen.
Die Anregungen beruhen auf meiner gut 20-jährigen persönlichen Erfahrung in Lappland und im Härjedalen und gehen zunächst einmal von Solotouren, wie ich sie schon etliche Male mit Kanu und Angelkatamaran mit und ohne Zelt unternommen habe, aus. Bei diesen ist noch viel mehr als sonst der Sicherheitsaspekt zu beachten, als wenn man zu zweit oder dritt unterwegs ist. Doch auch bei mehreren Teilnehmern sollte er immer im Vordergrund stehen.
Die Tipps richten sich an die, die noch keine oder erst wenig Erfahrung dort oben haben, noch keine wirklichen Wildnistouren durchgeführt haben und eben solche mal machen wollen. Aber vielleicht finden ja auch noch ein paar alte Hasen nützliche Anregungen.
Wir alle kennen diese wunderbaren Reiseschilderungen, bei denen unter besten Wetter- und Angelbedingungen tolle Bilder und Schilderungen entstehen. Bei diesen Artikeln sollte man jedoch immer im Hinterkopf haben, dass man natürlich am liebsten über gelungene Reisen berichtet. Mißlungene Reisen, aus welchen Gründen auch immer, werden meistens unter den Teppich gekehrt, darüber zu berichten macht ja auch keinen Spass.
Gerade Touren in die Einsamkeit von Tundra, Fjäll oder Waldgebieten bedürfen einer gründlichen Vorbereitung und ohne eine gewisse Erfahrung sollte man von wirklich extremen Touren erst mal die Finger lassen. Während man in einem Angelcamp, auf einem Campingplatz oder in der Nähe von Ortschaften eher darauf bauen kann, in angemessener Zeit bei Bedarf Hilfe rufen zu können, ist man in der Wildnis auf sich selbst gestellt. Der nächste Arzt, Angelladen oder Outdoorladen ist meist mehrere Tage entfernt, Handynetze existieren oft nicht oder funktionieren nur von Bergspitzen aus, auf diese sollte man sich sowieso nicht verlassen (!) und. Planungs- oder Verhaltensfehler können schnell lebensgefährlich werden.
Bei Touren in die richtige Wildnis sollte man „Worst-Case-Szenarien“ in die Planung einbeziehen und beim Aufenthalt dort berücksichtigen, hier gibt es meiner Meinung nach vier wesentliche Faktoren:
1. Der Zeitfaktor, d.h. die Tour braucht viel mehr Zeit als geplant
2. Der Wetterfaktor, d.h. statt Sommer- herrscht andauernd Schlechtwetter
3. Der Ausrüstungsfaktor, d.h. Ausrüstung geht kaputt oder geht verloren
4. Der Körperfaktor,d.h. man wird krank
Bereits bei der Planung sollte man für möglichst jeden Extremfall einen, besser mehrere, Pläne haben, wie man sich dann verhält. Erst in der Wildnis bei Eintreten des Falls darüber nach zu denken, ist zu spät.
Zu Faktor 1.
Längere Touren, speziell extremere Touren, sollten immer am Anfang des Urlaubs unternommen werden. Aus verschiedenen Gründen. Entweder verzögert sich schon die Anreise, der evt. gebuchte Hubschrauber ist defekt oder kann wegen Schlechtwetter erst am nächsten Tag starten. Oder die Tour selbst dauert länger als geplant (Gründe evt. Faktor 2. bis 4.). Man darf auf keinen Fall unter Zeitdruck kommen, denn man wird unter Stress eher Fehler machen und unnötig höhere Risiken eingehen: Und Fehler kann man sich in der Wildnis nicht leisten. Schon ein unter Zeitdruck falsch gesetzter Schritt und dadurch verstauchter Fuss kann lebensgefährlich werden.
Wenn man für die Tour selbst z.b. 7 Tage veranschlagt, sollte man die gesamte Planung auf das 1,5-fache, hier also mindestens 11 Tage, ausrichten, d.h. man sollte mindestens 14 Tage Urlaub inkl. An- und Abreise zur Verfügung haben.
Eine sorgfältige Informationsbeschaffung im Vorwege über Schneeverhältnisse im Fjäll (manche Fjällbäche und -flüsse steigen bei heißem Sommerwetter extrem und können dann nicht mehr gequert werden), über Wasserstände und erwartete Wettterentwicklungen ist sehr wichtig. Wirklich gute Informationsquellen sind die Helikopterfirmen (auch wenn man keinen Flug gebucht hat), sie sind täglich in den Zielgebieten vor Ort unterwegs und kennen meist auch gute Alternativgewässer, sollte das gewünschte nicht fischbar sein.
Zu Faktor 2.
Gerade bei einer mehr als für 4-5 Tage geplanten Tour sollte man das Wetter genau im Auge behalten. Wer als Wanderer unterwegs ist, sollte bei Erkundungstouren rund um das Basislager oder Verlegen seines Zeltplatzes daran denken, dass die Bäche im Fjäll vormittags auf Grund der kalten Nacht vorher wegen des dann niedrigeren Wasserstandes leichter zu queren sind. An warmen Sommertagen schwellen sie durch das Schmelzwasser zum Nachmittag und Abend hin oft stark an, der Wasserstand kann dann durchaus einen halben Meter höher als am Morgen sein!
Für Wasserwanderer ist es sehr wichtig, bei einsetzendem Starkregen sich darüber im Klaren zu sein, dass auch bisher relativ einfach zu befahrende Stromschnellen schnell um ein bis zwei Wildwasserklassen steigen können und dann möglicherweise nicht mehr fahrbar sind. Gut, mögen einige jetzt denken, dann wird eben umgetragen. Doch auch das kann durchaus unmöglich werden, speziell bei großen Flüssen vom Typ Lainioälv oder Kaitumälv. Solche Flüsse gehen bei starkem Anstieg häufig extrem in die Breite, und wenn dann (was dort oben häufig der Fall ist) um die Stromschnellen herum Sumpfland ist, bekommt man große Probleme. In einem Jahr Anfang der 2000er (ich meine 2003 oder 2004 war es) regnete es um Kiruna herum tagelang so stark, dass der Lainioälv statt der üblichen 80-100m weit über 300m breit wurde. Fast sämtliche Stromschnellen wurden zu tosenden Infernos und die Steine an diesen waren praktisch nicht wieder zu erkennen, weil unter Wasser. Ein weiteres erhebliches Problem entsteht durch stark steigendes Wasser an solchen durch Sumpfland fließenden Gewässern: man findet keine hoch genug liegende und damit von unten trockene Zeltplätze mehr !!!
Hat die Tour gerade erst begonnen, muss man ein Hochwasser eventuell aussitzen, und dann ist es gut, wenn man mehr Proviant mitgenommen hat, als nur für die für die unter normalen Umständen geplante Zeit. Denn mit Fisch als Verpflegung sollte man dann nicht unbedingt rechnen, bei Hochwasser gehen die Äschen meist runter an geschützte Stellen am Grund und die sonst ergiebigen Stellen sind oft nicht mehr erreichbar. Manchmal erreicht man mit schwersten Nymphen noch einige Fische oder mit dem Streamer in den Randbereichen und Rückströmungen die eine oder andere Forelle, doch verlassen kann man sich darauf nicht mehr. Ich habe für solche Fälle immer einige kleine schlanke aus Flashabou gebundene und damit auch mit der 5er oder 6er noch zu werfende Hechtstreamer dabei, sie haben mir schon so manches Mal das Abendessen gesichert. Überhaupt hat meine Erfahrung mich gelehrt, die eigentlichen Vorräte soweit wie möglich zu schonen und viel Fisch zu essen. Denn wenn man ein solches dauerhaftes Schlechtwetter aussitzen muss oder gar für ein paar Tage krank wird, ist es von großem Vorteil auf diese Vorräte dann zurückgreifen zu können.
Zu Faktor 3.
Zu einer guten Vorbereitung gehört auf jeden Fall eine leichte aber umfassende und qualitativ hochwertige Outdoor-Ausrüstung. Ich zähle hier mal die Sachen auf, die sich bei mir seit Jahren bewährt haben. Einige könnten seltsam, ja vielleicht sogar komisch erscheinen, doch wenn Ihr die Begründung lest, leuchtet so manches sicher ein.
Das Zelt:
Das Zelt ist das wichtigste an der Ausrüstung. Es ist die Schutz- und Trutzburg gegen Regen, Kälte, Wind und Mücken (!!!). Und überlebenswichtig, wenn Ihr krank werdet, z. B. bei Fieber. Wer in der Einsamkeit beim Fischen oder Waserwandern ein Vollbad nimmt, muss schleunigst aus den nassen Klamotten raus und sich aufwärmen (Beispiel für einen Worst-Case-Fall: Ihr rutscht Nachts bei minus 5 Grad Außen- und 8 Grad Wassertemperatur sowie starkem Nordwind im Fluss aus. Ohne Zelt (und natürlich sehr gutem Schlafsack) wird das ganz schnell lebensgefährlich, Fieber ist dann noch das geringste Problem, hier besteht die Gefahr einer Lungenentzündung).
Ich habe ein Tunnelzelt, einen Hilleberg-Nachbau, das inzwischen 22 Jahre alt und durch gute Pflege, d.h. im wentlichen trockene dunkle Lagerung, noch immer in Topform ist. In den letzten 20 Jahren habe ich sicher weit über 1.000 Zelte dort oben gesehen, und zu sicher 95% waren Tunnelzelte. Das nicht ohne Grund. Die meisten guten Tunnelzelte lassen sich auch alleine in weniger als 5 Minuten aufbauen, oft ist das Innenzelt schon eingehängt. Das hat große Vorteile, denn bei Regen wird das Innenzelt beim Aufbau nicht nass, man hat bei Wind auch keine Aufbauprobleme und bei schwierigem Untergrund reichen im Prinzip vier Heringe für einen zunächst vorläufigen Stand aus. Wenn man sie richtig abspannt, sind diese Zelte auch orkansicher.
Wer gerade plant, ein Zelt zu kaufen, sollte ein sand- oder beigefarbenes Modell wählen, diese heizen sich lange nicht so sehr auf wie grüne Zelte. Wichtig ist auch die Möglichkeit einer kompletten Diagonallüftung durch zwei Absiden. Denn nicht immer ist es möglich, das Zelt im Schatten aufzubauen, und wenn man dann nach durchfischter Nacht am Tag bei Sonnenschein ausschlafen will, wird ein Sackgassenmodell mit nur einer Apside schnell zum Backofen. In einem Zwei-Apsidenmodell kann man auch über Tag nur in Badehose durch die komplette Durchlüftung mückensicher ausruhen. Es gibt sogar silberbeschichetete Varianten, die bieten neben dem kühleren Innenraum noch den Vorteil, dass man im Notfall besser gefunden wird.
Eine kleine 3x4m-Bauplane sollte nicht fehlen, sie wird so gefaltet und unter das Zelt gelegt, das kein Rand übersteht, sonst läuft bei Regen Wasser unter den Zeltboden und man drückt trotz der bei den heutigen Zelten hohen Wassersäule beim hinkniehen Wasser durch den Zeltboden. Die Plane kann bei Moos- oder Sandboden auch zum Bau eines kleinen Sonnenschutzes über dem Zelt dienen. Dann steht es bei Sommerwetter im Schatten und der Schlaf über Tag ist noch erholsamer.
Die Nähte sollte man gleich nach dem Kauf einmal zur Sicherheit mit Nahtdichter versehen. Mein Zelt hat dies am Anfang gleich erfahren und bis heute noch nicht einen Tropfen durchgelassen.
Als Heringe empfehle ich einen Satz Alu-Nägel von 20cm Länge. Die sind sehr leicht und extrem stabil. Sie lassen sich auch in sehr harte Böden gut eintreiben.
Der Schlafsack:
Ob Daune oder Kunstfaser ist Geschmackssache, nur ein Top-Vierjahreszeiten-Schlafsack sollte es sein. Er muss eine Komforttemperatur von mindestens minus 15 Grad haben. Zum einen, weil die Leistung über die Jahre und bei längerem kalten und feuchtem Wetter nachlässt und zum anderen weil man bei Fieber oder Auskühlung durch ein Bad keine Reserven hat. Und es kann nicht nur in Lappland auch im Sommer nachts bis unter minus 10 Grad runter gehen (mehrmals selbst erlebt).
Beim Kauf darauf achten, dass der Reißverschluss sich ohne zu haken leichtläufig in einem Rutsch aufreißen läßt. Aus zwei Gründen: erstens, weil man oft nachts bei niedrigen Temperaturen sich schön einmummelt und den Verschluß bis zur Nase hochzieht. Wenn dann vormittags die Sonne auf das Zelt brennt, herrschen schnell mal über 30 Grad im Zelt. Man wacht wie vom Hammer getroffen auf und will nur noch raus. Zweitens und noch blöder: abends am Feuer hat man vielleicht das eine oder andere Bier getrunken und morgens beim Aufwachen platzt fast die Blase. Dann will man nur noch schnell raus.Man reißt wie wild am Reißverschluß und wehe der klemmt dann!
Man sollte vor dem Kauf den Schlafsack auch Probeliegen und das Inlet genau ansehen und fühlen. Manche Microfaserinlets sind so rutschig, dass man durch das ständige Wälzen im Schlaf bei nur minimaler Schrägung mit den Füßen früher oder später gegen die Zeltwand rutscht. Bei Regen wird dann schnell mal das Fußteil durchweicht. Das passiert besonders schnell bei Verwendung von Therm A Rest-Isomatten.
Die Isomatte:
Ob Schaumstoff oder Therm A Rest ist egal. Vorteil von Schaumstoff ist jedoch, dass sie nie geflickt werden müssen und keine Probleme mit spitzen Gegenständen haben. Und sie wiegen um einiges weniger als die Komfortmatten.
Der Kocher:
Muss jeder selbst wissen, aber der Trangia ist in meinen Augen unschlagbar. Auf jeden Fall eine Teflonpfanne nehmen, weil praktischer. In Schweden und Norwegen ist Spirutus nur als teurer Rödsprit zu finden, daher genug Spiritus mitnehmen oder Gaskartuschen verwenden. Gas hat auf jeden Fall einen höheren Brennwert und ist bei Kälte schneller.
Das Feuerzeug:
Unbedingt mindestens zwei mitnehmen, ohne Feuer kein warmes Essen.
Das Minitool:
Ein Minitool mit Klinge, Schere, Säge und Schraubenzieher leistet gute Dienste und ist bei Verlust des Taschenmessers Gold wert. Die Säge ist deshalb wichtig, weil sich die auch nach langem Regen noch immer recht trockenen unteren Totäste der Tannen nach nur kurzem Ansägen besser abbrechen lassen.
Die Maurerschnur:
20m Maurerschnur wiegen fast nichts, sind als Notabspannleine, zum wäschetrocknen oder reparieren von Ausrüstung immer gut zu gebrauchen. Und sie hat eine hohe Tragkraft.
Das kleine Küchenbrett:
Eine feste Unterlage zum filetieren und Malzeiten zubereiten ist für mich ein Muss. Ein kleines leichtes Küchenbrett aus Hartholz erleichtert einem das Leben sehr. Hartholz weil es sich durch Nässe nicht verbiegt.
Die Wasserflasche:
Eine 1,5 L-PET-Flasche gehört dazu. Lieber eine vom Typ Cola oder Sprite nehmen, sie wiegen kaum was und sind nahezu unzerstörbar.Die Trangiatöpfe sind ja schon durch das Kochen besetzt, so muss man nicht für jeden Schluck Wasser mit dem Becher zum Fluss und gerade bei Krankheit hat man immer was zu trinken im Zelt.
Die Mückenmittel:
Die Mittel Off , Stermino und Latexhandschuhe habe ich bereits ausführlich im Allgemeinen Forum unter „Effektive Mückenmittel“, letzter Eintrag dort am 3.3.09, beschrieben. Bitte dort nachsehen.
Das Reparaturset:
Für Zelt, Schlafsack und Klamotten sollte man Nadel (Naddel?, wohl kaum) und Faden dabei haben. Ein paar unterschiedliche kräftige Nadeln und Faden aus Kunststoff gehören dazu. Eine kleine Rolle Faserklebeband und Aquaseal natürlich, damit kann man fast alles wieder zusammenflicken.
Die Pinkeldose:
Klingt übel, ist aber Gold wert. Wer morgens im Zelt aufwacht ist meist auch entsprechend verschwitzt. Jetzt mit voller Blase in Unterhose in`s Freie zu stürzen ist eigentlich Selbstmord. Darauf warten die Mücken nur und der Überfall ist vorprorammiert. Dafür hab ich eine ausgediente und entgratete (!) 800ml Blechdose im Zelt, und auf Touren, bei denen ich auf das Gewicht achten muss, eine leere 1L Tetrapack-Einheit dabei. In die kann man dann von den Mücken vollkommen ungestört im Zelt reinpinkeln und die Dose dann nur durch eine kleine Öffnung mit langem Arm auskippen. Man sollte sich dabei aber immer an die gleiche Öffnung halten. Sonst verteilt man rund um`s Zelt seine Duftmarke. Vor dem ersten "Erguss" ca. einen halben Meter von der Zeltöffnung entfernt etwas Erde ausheben, da dann das Bier, den Saft oder was auch immer entsorgen und wieder mit Moos oder einem Stein abdecken. Funkioniert natürlich nur auf durchlässigem Boden. Auf Felsen würd ich die Finger davon lassen, sonst läuft die Suppe noch unter das Zelt.
Die Notapotheke:
Dort hinein gehören Fieber-/ Schmerztabletten, eine kleine Tube Wundsalbe (z.B. Bepanthen 20g), Wasserdichte Pflaster unterschiedlicher Größe, eine Mullbinde, Taschentücher, ein Minispiegel und Latexhandschuhe. Schmerztabletten bedürfen keiner Erklärung. Wundsalbe und wasserdichte Pflaster in Kombination mit den Latexhandschuhen sind sehr wichtig. Wenn Ihr Euch z.B. an der Hand verletzt muss die Wunde auf jeden Fall gesäubert und ordentlich versorgt werden. Und sie muss unbedingt trocken bleiben! Sonst verheilt sie nicht und dann kann es zur Blutvergiftung kommen, es reicht aber schon für heftige Probleme aus, wenn Ihr die Hand nicht mehr benutzen könnt. Gerade Verletzungen an der Fingerkuppe oder im Bereich des Nagelbetts sind sehr schmerz- und dauerhaft, da diese Bereiche immer in Bewegung sind und durch Gebrauch laufend verformt werden.Mit Salbe, wasserdichtem Pflaster und Latexhandschuhen funktioniert der Heilungsprozess hervorragend. Und man kann sogar weiterfischen! Füße/Beine, Hände und Augen sind die bei weitem wichtigsten Körperteile, die Euch wieder nach Hause bringen. Daher auch der Spiegel. Ihr seid dort draußen allein unterwegs, keiner kann Euch helfen wenn Euch ein Zweig ins Auge schlägt oder auch nur ein Knott mit Anlauf da rein fliegt.
Ich bin vor Jahren mal an einem Fluss in Lappland weit ab vom Schuss wegen zweier wackeliger Steine ausgerutscht und mit dem Kopf auf einem hohen spitzen Stein aufgeschlagen. Das Ergebnis war eine Platzwunde an der Stirn. Ich hab geblutet wie ein Schwein, konnte aber nicht abschätzen, wie ernst es evt. war. Mit Tape hab ich damals die Wunde verschlossen und weitergefischt. Der nächste Arzt wäre über 60km und viele Stunden entfernt gewesen. Zum Glück hat sich die Wunde schnell ohne genäht werden zu müssen wieder verschlossen.
Nehmt den Tipp mit der Notapotheke daher bitte ernst!
Grundsätzliches zum Umgang mit der Ausrüstung:
Die beste Ausrüstung nützt Euch nichts, wenn sie verloren geht oder ein Defekt auftritt. Das heißt z.B. für Kanu oder Katamaran: immer richtig auf Land ziehen und mit einem Seil an Baum, Strauch oder Stein sichern. Ohne kommt ihr nur schwer wieder zurück. Das Zelt immer mindestens einen, besser sogar zwei Meter über der Wasserlinie aufbauen und gegen Sturm komplett abspannen. Dabei das Tunnelzelt in Längsrichtung zum Wind aufbauen. Wenn Ihr das Zelt beim Fischen nicht richtig abgespannt verlasst und Sturm aufkommt, muss es ja nicht gleich wegfliegen. Es reicht aber schon, wenn eine heftige Windböe das Gestänge zerbricht.
Und ich hab es erlebt, wie schnell Flüsse dort oben ansteigen können. Als ich einmal auf einer Kanutour zum Fischen ging, begann es abends um 22.00 Uhr zu regnen und zwar heftigst. Der Regen war so stark, dass ich nach zwei Stunden mit dem Fischen aufhörte und es mir in meiner Tunnelzelt- Trutzburg gemütlich machte. Der unglaubliche Regen prasselte ohne Unterbrechung durchgehend bis 12.00 Uhr am nächsten Tag auf mein Zelt, das ich einen Meter über der Wasserlinie und 30 Meter vom Fluss entfernt aufgebaut hatte. Mein Kanu hatte ich abends komplett auf Land gezogen, auf den Rücken umgedreht und an einem Baum fest gemacht.
Als ich am nächsten Tag gegen Mittag aus meinem Zelt guckte, war der Fluss gerade eben noch 5 Meter von meinem Zelt entfernt, mein Kanu schwamm zum Glück noch immer fest vertäut und jetzt "richtig" herum in der Rückströmung und hatte 15cm Wasser drin. Wow, ich hab nicht schlecht gestaunt!
Zu Faktor 4.
Wenn man allein unterwegs ist, egal ob nah an Ortschaften oder in der Pampa, wichtig ist eines generell: Jeder Schritt und jede Handlung sollte überlegt gemacht werden. Der Gedanke „Das mach ich mal eben schnell“ führt oft zum Unglück. Man sollte immer den zweiten Schritt kennen und planen, egal ob beim Waten oder an Land.
Richtig krank zu werden auf einer Solotour ist wohl der wahre Worst-Case. Mir ist er zum Glück bisher erspart geblieben. Sollte er aber eintreten, ist eine hochwertige Outdorrausrüstung, ausreichend Verpflegung (Trinkwasser gibt es ja genug) und die Notapotheke die beste Lebensversicherung. Und doch gibt es einen Punkt, der einen beunruhigen kann: Was ist, wenn man so krank ist, dass man es kaum noch aus dem Zelt schafft?
Man sollte sein Zelt zwar nicht direkt am Fluss oder See, aber nach Möglichkeit in Sichtweite davon aufbauen. Denn die Flüsse sind die Pulsadern dort oben, da halten sich die meisten Leute auf oder kommen vorbei. Und dafür ist dann ein kleines Teil eventuell lebensrettend. Eine küchentischgroße leuchtorangefarbene Plane oder Folie mit großer schwarzer Aufschrift „HJÄLP!“ oder „HELP!“, die vom Fluss oder See aus gut lesbar ist. Eine solche Farbe fällt ungemein auf in einer sonst grün-braunen Landschaft. Und gerade an Flüssen, auf denen Kanuten oder Raftinggruppen vorbeikommen, ist dies die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Wenn nichts am Zelt darauf hindeutet, dass dort jemand drin liegt, der Hilfe braucht, hält auch keiner an oder guckt rein. Warum auch, das ist ja nicht üblich und woher sollen die anderen auch von Eurer üblen Lage wissen? Die Plane auf jeden Fall nicht senkrecht, sondern schräg im 45-Grad-Winkel aufhängen, so kann sie auch aus der Luft gesehen werden!
Ich hab in schwedischen Zeitschriften und Büchern schon von Todesfällen von „Solisten“ gelesen, die tagelang schwer krank am Fluss in ihren Zelten lagen und nur noch einen Abschiedsbrief verfassen konnten. Wenn man da nicht irgendwie auf sich aufmerksam machen kann stirbt man still und unbemerkt vor sich hin.
So, das war`s für heute. Es war auch nur eine Auswahl der wesentlichen Tipps. Eine Menge Anregungen kennen die meisten sicher schon, aber diese Ausführungen sind ja auch nicht für die langjährigen Nordlandfahrer, sondern für die, die es noch werden wollen.
Über Anregungen und Tipps von Euch würde ich mich auf jeden Fall freuen.
Euch allen viel Spass im Urlaub!
Gruß
Ralf