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Erfahrungen mit Flurocarbon?

Verfasst: 03.09.2009, 13:06
von strongbow
Tja, Leuts,

ich möchte hier mal ein Thema zur Diskussion stellen, das mir etwas auf den Nägeln brennt. Das kommt so:

Vor meinem diesjährigen Männerurlaub habe ich mich bei einem nicht ganz unbekannten größeren Tackle Shop in Bayern mit dem neuesten und angeblich besten Flurocarbon eines ebenfalls größeren und bekannten amerikanischen Herstellers eingedeckt. Na, den Namen will ich nicht verschweigen: Wir reden von Rio.

Zu meinem allergrößten Mißfallen ging gleich der zweite gehakte Lachs Sekunden nach dem Take verloren. ein Grillse von vielleicht 5 - 6 Pfund. Das Vorfach war glatt gebrochen. Der Fisch schwimmt nun garniert mit einer Sunray Shadow und einem Doppelhaken Größe 12 durch den Fluß(zum Glück für den Lachs und zur Beruhigung meines Gewissens ein Haken mit Minibarbs).

Durch dieses unerquickliche Erlebnis gewitzt geworden, unterzog ich das Vorfach nun alle zwei Stunden einem "Zippertest": Den Haken in den Reissverschluss meiner Watjacke eingehängt und kräftig, auch ruckig, gezogen. Das Ergebnis war niederschmetternd. Das Zeuchs wurde offensichtlich durchs Werfen mürbe, die Knotenfestigkeit war desaströs.

Abends besprach ich das bittere Ergebnis mit einem Briten, der wahrscheinlich schon mehr Lachse gesehen und gehakt hat als meine 5er-Rute Alande.. also eine ganze Menge (das Namedropping erspare ich mir, aber der Mann darf als Kapazität gelten). Er meinte nun, Fluorocarbon sei bei der Jagd auf richtige Fische ein Desaster, er vertraue dem Material nach schlechten Erfahrungen nicht mehr. Dann zückte er mehrere Spulen "Maxima", ließ mich die Stärke wählen (ich entschied mich für 0.35) und schnitt mir 3 Meter ab.

Diese 3 Meter antikes Low Tech Nylon haben meinen Urlaub gerettet!!! Knotenfest, geschmeidig, zuverlässig!

Das teuere Flurozeuchs werde ich nun auf die berserkerhaft kämpfenden Alande meines Hausflusses aufbrauchen... 8) :wink:

Die negativen Erfahrungen mit Flurocarb wurden gestern abend auch durch einen Mann bestätigt, der gelegentlich stärkere Schuppenträger als Alande und Döbel befischt. Sein Rat: Finger weg - dem Kram ist nicht zu trauen. Eingermaßen positive Erfahrungen hätte er nur mit "Riverge" gemacht, aber auch dem würde er bei der gezielten Jagd auf starke Beute nur bedingt über den Weg trauen.

Um das Posting abzurunden, ein Zitat aus der aktuellen T&S, Rubrik: "Frag den Ghillie", S. 46: Frage T&S: "What`s the most common error made by fishers?" Antwort head gillie Colin Reid. "In recent times, I would have to say the use of fluorocarbon for salmon fishing. I would like to see it banned at Gordon Castle - we`ve lost so many fish." And so on...

Also frei heraus: Wie haltet Ihr es mit dem Flurocarb?

Ich werde es weiter zum feinen Nymphenfischen verwenden, wenn ich nicht ernstlich damit rechne, Fische über 2 Pfund zu erbeuten.

Für alle kampfstarken Gegner ("richtige Fische") wird ab jetzt aber wieder ausschließlich Nylon verwendet (Maxima, nehme ich an...).

Bin gespannt auf Eure Antworten..

Strongelchen

Verfasst: 03.09.2009, 13:56
von Olli D
Also,
ich benutze es ganz gerne, allerdings das günstige von Cormoran oder so kostet 125m 10,50€.
Allerdings hab ich das immer nur als 14er, ist so meine Universalschnur.
Wenn ich höhere Schnurstärken brauche, neheme ich lieber ganz normale, Stroft oder so.
Ich glaube die Fluocarbonschnüre sind auch nicht alle gleich in ihrer Qualität.
Gut fand ich auch das von Scierra, gabs auch mal günstig, wurde dann aber immer teurer, hattte auch schon einige andere probiert, war viel Schrott dabei.
Auf der anderen Seite will ich aber auch nicht 1 5€ oder mehr für 25m Schnur ausgeben.

Olli

Verfasst: 03.09.2009, 14:15
von ROBBY
Hallo Leute,

ich verwende eigentlich nur noch Stroft!!

0,30 - 0,25 zum Streamern auf Forellen, 0,20 - 0,18 zum Nymphen und 0,18 - 0,16 Trocken (in Ausnahmen mal 0,14 aber eher sehr selten)

Fängt, hält und funktioniert tadellos.

Mehr muss und kann Tippetmaterial auch nicht können. Ausserdem stimmt die Preis-Leistung. Ich nehme immer die 100m Rollen - da sieht man das schwarze nicht so schnell.
:D

Auf den nächsten Drill mit Vorfachmatrial, auf das man sich verlassen kann.

Gruß Robby

Verfasst: 03.09.2009, 14:18
von Ringo
Moin!

Ich benutze seit Jahre Fluocarbon und habe recht gute Erfahrungen gemacht. Mit .22er FC habe ich ohne Verluste einige Steelhead bis ca. 80cm gefangen. Allerdings sind dabei einige Dinge zu beachten:

Wenn die Schnur beim Knoten warm wird verliert sie dramatisch an Tragkraft. Gut anfeuchten und gaaaaaanz langsam zusammen ziehen. Sobald die Schnur kringelt: abschneiden und nochmal von vorne!
Auch Windknoten werden nicht besonders gut vetragen.

Fluocarbon hat ohnehin eine geringere Tragkraft als herkömmliches Mono. Wer sonst mit .20er mono fischt sollte also lieber .25er FC ö.ä. verwenden.

Es gibt gutes und weniger gutes Fluocarbon. Das Material einiger Hersteller ist wirklich schlecht. Ich denke die meisten kaufen ihre Schnüre zu und stellen sie nicht selber her. Daher ist auch ein großer Name keine Garantie für eine gute Schnur. Ich habe mit Riverge gute Erfahrungen gemacht. Ist aber nicht ganz umsonst.
Da STROFT bisher sehr gute Schnüre produziert bin ich mal gespannt ob sich die Erwartungen an die neuen FC Schnüre auch erfüllen.

Gruß
Ringo

Verfasst: 03.09.2009, 14:19
von Ringo
ROBBY hat geschrieben: ich verwende eigentlich nur noch Stroft!!

0,30 - 0,25 zum Streamern auf Forellen, 0,20 - 0,18 zum Nymphen und 0,18 - 0,16 Trocken (in Ausnahmen mal 0,14 aber eher sehr selten)
Sprichst du von STROFT GTM oder FC? Bei FC wird noch zwischen FC1 und FC2 unterschieden.

Verfasst: 03.09.2009, 14:31
von derflow
Hallo!

Ich halte es ähnlich wie Robby - Stroft ! Preis/Leistung ist top. Habe auch schon diverse Versuche mit den von Olli genannten 25m-Spulen für 15€ durch. Das Zeugs von Scierra ist auch gut - habe glücklicherweise noch nen kleinen Vorrat wenns unbedingt Fluocarbon (brauch ich selten - fische oft im trüben :D ) sein muss.
Ich habe mir im vergangenen Jahr zum Meerforellenfischen von Exori (aus dem Powerbait/Ekel - Troutprojectprogramm) eine Vorfachspule (50m irgendwas um die 8€) 0,25er Fluocarbonmaterial gekauft und war recht positiv überrascht.Sowohl was Tragkraft und Knotenfestigkeit als auch Abriebsfestigkeit angeht. Vielleicht ist das Zeug in anderen Durchmessern auch noch mal ne Überlegung wert.

Verfasst: 03.09.2009, 15:09
von Olli D
Stimmt das von Exori ist auch ganz gut, wurde dann nach Markteiführung aufwendig verpackt und glei doppelt so teuer.
Olli

Verfasst: 03.09.2009, 16:05
von Rolf Renell
Ich bin bekennender F.C. Feind ,für mich gibt es keine Notwendigkeit dafür ,das Verhältnis von Preis , Qualität und Nutzen steht für mich in keinem Verhältnis,die Situationen wo man es besonders benötigen würde sind rel. überschaubar ,geht meist auch anders,sicherlich Vorteile bei der sommerlichen Clearwater Situation oder mal beim Mefo Fischen ansonsten nicht meins ,überzeugt mich nicht ,dazu kommen wie immer die Marketinglinien einiger Hersteller bzw. Importeure,geht so weit das es seit längerem oberflächenbeschichtetes Mono gibt aber als 100% FC. ausgegeben wird ,natürlich mit günstigerem Preis,zu transparent ;-),
jedem das Seine natürlich ,
beste Grüsse,
Rolf

Verfasst: 03.09.2009, 17:50
von Achim Stahl
Moin,

ich verwende fast ausschließlich Fluorcarbon Tippets und das ohne irgendwelche Probleme.

Die Qualitätsunterschiede bei Fluorcarbon sind gewaltig. Es gibt eine riesige Menge Müll auf dem Markt, das bei einem Windknoten sofort zu Bruch geht. Ich habe die verschiedenen Anbieter so ziemlich alle durch und muß sagen, dass ich nur im obersten Preissegment befriedigendes Material gefunden habe. Im Klartext sind das Riverge Grand Max und Froghair. Die anderen hier angesprochenen FCs kenne ich auch. Sie sind allesamt bei mir wegen mieser Knotenfestigkeit durchgefallen.

Bei Froghair FC ist die Knotenfestigkeit enorm. Windknoten schwächen das Vorfach viel weniger als das bei normalem Monofil der Fall ist. Das Material hat auch eine ganz gute Dehnung und fühlt sich für FC ziemlich geschmeidig an.

Das Riverge hat eine sehr hohe Tragkraft, und die Knotenfestigkeit ist auch gut. Es ist dafür aber nicht so elastisch und geschmeidig wie das Froghair.

Das Stroft FC soll auch gut sein, habe ich aber selbst noch nicht getestet.

Was mich immer wieder erstaunt, ist, dass viele die unzähigen Fluorcarbonsorten auf dem Markt über einen Kamm scheren und dann zu dem Schluß kommen, das Zeug taugt nichts. Bei normalem Monofil wird teilweise auch unglaublicher Mist angeboten und jeder weiß das. Kein erfahrener Angler würde erwarten, dass eine Tausendmeterspule aus irgendeinem windigen E-Bay-Shop für 3,98 € mit einer Schnur wie zum Beispiel Stroft vergleichbar ist.

Aber zurück zum Fluorcarbon: Die von mir benutzten Fluorcarbonspitzen sinken besser ein , sind schlechter sichtbar und sind abriebfester als normales Monofil. Bei sehr hohen Wassertemperaturen, wie in der Karibik, schneidet sich normales Monofil, zum Beispiel Stroft, sehr schnell selbst ein und reißt bei einem kurzen Ruck sofort an den Knoten. Fluorcarbon hält da wesentlich zuverlässiger. Beim Küstenfischen auf Meerforelle oder Meeräschen ist es inzwischen absolut Standart, da es viel weniger sichtbar ist und die beschwerten Fliegen auch besser führt.

Für das Trockenfliegenfischen benutze ich FC-Spitzen weil ich sie schön in den Oberflächenfilm eintauchen und dann kaum sichtbar sind. Selbst bei klarstem Wasser und heikelsten Fischen musste ich seither nicht mehr unter 0,15 mm gehen.

Beim Lachsfischen hatte ich bisher auch überhaupt keine Probleme mit FC. Dadurch, dass es etwas steifer ist, werfe ich weniger Windknoten hinein, und es ist sehr abriebfest. Die schlechtere Sichtbarkeit gibt mir ein gutes Gefühl, auch wenn ich sehr dicke Stärken fische. Abgerissen habe ich bisher nur Hänger - und die auch nur mit Brachialgewalt.


Viele Grüße!


Achim

Verfasst: 03.09.2009, 19:17
von Harald aus LEV
Meine Erfahrungen mit FC waren ebenfalls geteilt.
Ich vertraue lieber auf normales Monofil.
Das hat sich bewährt und hält, was es verspricht.
Nur wenn es absolut hell und klar ist, verwende ich FC.
Ansonsten bin ich kein Freund von FC.

Gruß
Harald

Verfasst: 03.09.2009, 20:53
von 2404mefo
Hej Leute,
bin Küstenfischer und fische seit Jahren mit FC. Mein Glück war wahrscheinlich, dass ich als erstes mit Riverge-FC fischte. Bin seit dem begeistert .
Allerdings sind die FC-Unterschiede extrem. Auch ich habe einiges ausprobiert. War viel Schrott dabei.
Die gezogenen Vorfächer von Froghair sind absolut empfelenswert.
Mittlerweile bin ich bei Varivas gelandet und bin damit sehr zufrieden, sowohl bei den gezogenen Vorfächern als auch beim Tippetmaterial.
Eins noch zur Preisgestaltung. Auch ich finde die Preise für hochwertiges FC nicht toll. Aber wir reden vom Vorfach, dem wohl wichtigsten Teil unserer Ausrüstung, meiner Meinung nach. Für die "Wäscheleine" die das Vorfach hinaus befördert geben wir richtig viel Geld aus, und beim Vorfach wird dann gespart? Eher nicht.
Sicherlich sollte man auch FC mit den entsprechenden Knoten versehen. Perfectionloop und Rapala-Knoten funktionieren ohne Probleme.
Das schnellere Absinken von FC ist für mich ebenfalls wichtig.
Auch die Steifigkeit des FC ist für mich eher von Vorteil, fische eh nicht unter 0,26 Spitze.
Für meine Fischerei ist FC zum Standart geworden und ich bin bekennender FC-Fan.
TL
Thomas

Verfasst: 04.09.2009, 07:36
von Nymph-Tom
Hallo,

ich verwende seit Jahren das genannte Rio Fluroflex aber nur als spitzen und nur zum Äschenfischen. Habe bisher nie probleme damit gehabt aber eine Äsche ist eben auch kein Lachs. Für Forellen, Lachs etc habe ich die Erfahrung gemacht, dass Flurcarbon sowieso nicht nötig ist.

Gruss,
Tom

Verfasst: 04.09.2009, 08:55
von Ringo
Nymph-Tom hat geschrieben:Für Forellen, Lachs etc habe ich die Erfahrung gemacht, dass Flurcarbon sowieso nicht nötig ist.
Das kann leider niemand mit Sicherheit feststellen. Wer gestern mit FC 10 Bisse hatte und heute mit Mono auch, könnte behaupten es gäbe keinen Unterschied. Vielleicht hat er aber auch die Chance auf unzählige weitere Bisse vertan. Da die Bissausbeute von sehr vielen (mit Sicherheit auch von einigen uns unbekannten) Faktoren abhängt, können wir nie davon ausgehen die Schnüre bei identischen Bedingungen zu vergleichen.
Unstreitig bleibt, dass FC sowohl Vorteile (z.B.: sinkt schneller als Mono) als auch Nachteile (z.B.: sinkt schneller als Mono) gegenüber herkömmlichem Monofil hat. Welche Eigenschaften gerade überwiegen hängt von der jeweiligen Situation und Angeltechnik (Trocken, Nymphe, Streamer ...) ab. :wink:
Auch die Sichtbarkeit und Knotenfestigkeit ist je nach Trübung des Wassers und den zu erwartenden Fischen unterschiedlich zu bewerten.

Gruß
Ringo

Verfasst: 04.09.2009, 23:41
von Wolfgang Hinderjock
Mir fiel vor Jahren mal ein recht preisgünstiges FC-Material der Firma Dega in die Hände(25m-Spulen).

Das Zeug war zwar ziemlich steif, ließ sich aber sehr gut strecken.
Positiv empfand ich die hohe Oberflächenhärte, welche das Material ziemlich verschleißfest machte, die Knotenfestigkeit war auch sehr hoch.
Die auf der Packung angegebenen Werte, also Durchmesser und Tragkraft stimmten mit der Realität in etwa überein, der Durchmesser stimmte genau, die bei mehreren Reißtests festgestellte Tragkraft lag nur sehr knapp unter der angegebenen (ohne Knoten).

In der Praxis machte sich das Material ganz passabel, die Oberflächenhärte und die Steifigkeit ermöglichte oft noch das wieder "aufschieben" von noch nicht ganz fest gezogenen Windknoten.
Auch überstand das Material die aufregenden Drills von Koppelzäunen, Schwarzerlen, Schilf und hohen Brennesseln wesentlich besser und länger als jedes "normale" Mono, dass mir bisher in die Finger fiel.

Mit anderen FC-Materialien habe ich als eingefleischter Monofiliker so gut wie keine Erfahrungen.

mfg
Wolfgang

Verfasst: 05.09.2009, 01:56
von gespliesste
Hallo,

bin auch kein FC-Fan. Es gibt eine Reihe von grundsätzlichen Materialeigenschaften im Gegensatz zum Monofil die unabhängig von der Marke/Preis/Qualität meinem persönlichen Ansprüchen beim Fischen nicht entgegenkommen.

- Anfällig für bleibende Deformation (Stichwort Knotenfestigkeit)
- relativ steif
- leicht sinkend
- schlechtere Tragfähigkeit als Monofil bei gleichem Durchmesser
- Preis

darüber hinaus bezweifele ich, das eine Gesamtmontage des Vorfachs bei gleicher Tragkraft weniger sichtig ist als mit Monofil. Man muss ja schon aufgrund der grundlegenden Materialeigenschaften dickere Durchmesser verwenden und dazu die schlechtere Knotenfestigkeit beachten.
Die Abriebfestigkeit würde ich eher vernachlässigen, ich knote die Fliege nach zwei/drei gefangen Fischen profilaktisch neu an und habe ausser mit dem Fisch sehr selten Fremdkontakt. Windknoten sind bei mir über die Jahre auch extrem selten geworden.

Dazu finde ich ist FC zum Trockenfliegenfischen völlig ungeeignet, selbts wenn ich es als letztes einsinkendes Endstück nehmen will kann ich es nicht direkt an das Monofil knoten. Und die Verwendung von Pitzenbauerringen verstärkt noch zusätlich die Sinkneigung.

Das Argument das viel Schrott auf dem Markt ist und die guten teuren Marken diese Nachteile alle nicht hätten, habe ich so nicht feststellen können. Die grundlegenden physikalischen Materialeigenschaften kann auch eine noch so teure Marke nicht umgehen.

LG,

Olaf