Seite 1 von 1
Wie klein bindet Ihr Eure Streamer
Verfasst: 07.09.2009, 12:49
von hares ear
Moin,
nach den Kurzbissen beim letzten Streamerfischen habe ich angefangen zwei meiner Lieblingsstreamer Muster auf Hakengrösse 10 zu binden.
Clouser Deep Minnow und einen norwegischen Streamer
http://www.thetroutbum.com/en/flytying/ ... skesteamer
Hat einer von Euch Erfahrung mit kleinen Streamern? Welche Muster bindet Ihr?
TL
Florian
Verfasst: 07.09.2009, 14:50
von ROBBY
Hallo Florian,
ich gehe einfach mal davon aus, daß Du von der Forellenfischerei mit dem Streamer ausgehst. Mit dem Streamer fische icheigentlich nur dann, wenn andere Methoden (Trocken/Nassfliege oder Nymphe) nicht mehr erfolgversprechend sind. Sei es wegen zu hohem Wasserstand, Trübung oder aus anderen Gründen.
Mit dem Streamer möchte ich große Fische fangen und verwende deshalb eher große Fliegen. Wooly Bugger in Hakengröße 4-6 - die können dann locker 10-12cm groß sein- stellen für eine ausgewachsene Forelle überhaupt kein Problem dar. Beim Hechtstreamern auf große Bunny-Fliegen (Hakengröße 0/2 - 0/4) habe ich schon oft Attacken von Bachforellen mit 30cm gesehen.
Streamer in Größe 10 Fische icheigentlich nie.
Gruß Robby
Verfasst: 07.09.2009, 15:26
von hares ear
Hallo Robby,
Deine Annahme ist richtig es geht um Forellen. Ich hatte bei normalem Wasserstand auf Nymphe, Nass- und Trockenfliege kaum Reaktionen. Es sind grosse Mengen an kleinen Fischen (einschliesslich zu meiner Freude Elritzen) im Wasser, daher "match the hatch" Einsatz eines Streamers. Viele Attacken, auch von grossen Fischen, mit verhältnismäßig wenig gehakten Fischen.
TL
Florian
Verfasst: 07.09.2009, 16:03
von greypanther
Hi Florian,
besteht denn wirklich ein Unterschied zwischen einem Mini-Streamer und einer Nassfliege der Größe 10? Da gibt es doch nicht wirklich einen, oder?
In dem von Dir geschilderten Falle würde ich Nassfliegen versuchen, die Fischbrut imitieren, wie z.B. Alexandra, Peter Ross und Teal Blue and Silver, zu fischen. Und das nicht nur in Größe 10 sondern auch deutlich kleiner.
Darüber hinaus habe ich solche "Überfluss"-Situationen auch schon häufig erlebt, wenn die angebotenen Fliegen nicht oder nur mit offensichtlichem Widerwillen angenommen wurden, weil die Fische einfach nicht fressen wollen sondern eher aus Spieltrieb oder Aggression die Fliege attackieren. Da hilft oft, leider nicht immer, Muster zu präsentieren, die sich hinsichtlich Farbgebung, Größe und Silhouette deutlich von dem gerade vorhandenen Nahrungsüberfluss unterscheiden.
Verfasst: 07.09.2009, 16:31
von hares ear
Hallo Klaus,
die Überlegung habe ich auch angestellt. Eine 12er Alaxandra brachte allerdings keine auch nur annähernd vergleichbare Anzahl Bisse,
TL
Florian
Verfasst: 07.09.2009, 17:35
von greypanther
Das zeigt m.E., dass die Fische einfach nicht fressen wollten. Die größeren Streamer haben wahrscheinlich die Neugier und/oder Aggression der Fische erregt, daher die größere "Biss"-Zahl. Aber, fressen wollten die höchstwahrscheinlich nicht.
Es gibt solche Tage! Muss man halt einfach akzeptieren.
Verfasst: 10.09.2009, 10:06
von Tom
Hallo,
ich binde manche Streamer auch auf 10er Haken, vor allem Cristal Bugger; also mit Cactus-Chenille statt Hechel am Hakenschenkel. In orange eine regelrechte Fangmaschine für Regenbogen. Kommt deswegen nur zum Einsatz, wenn ich noch ein, zwei Fische für den Grill brauche. Auch die Hakeigenschaften sind gut. Ganz gemeine Dinger. Die lass ich in der Regel stecken, wenn es nicht um gezielte Entnahme geht.
Petri
Tom
Verfasst: 10.09.2009, 14:46
von Achim Stahl
Moin,
also wie war das jetzt?
- Wenn ich eine Kleinfischimitation binde und die Fliege "
Streamer" nenne, ist das per se schon mal anrüchig und geht absolut gar nicht, wenn ich das auf einem kleinen Haken mache...
... nenne ich das Teil aber "
Naßfliege", ist alles wunderbar?!
Ist es denn politisch korrekt, wenn ich Wooly-Bugger-
Nymphen auf zwölfer Haken binde und damit auch ab und zu einen beißunlustigen Fisch fange?
fragt sich
Achim
Verfasst: 10.09.2009, 18:24
von Rolf Renell
Hallo Florian ,
es gibt
Gewässerstrukturen mit Salmonidenbesatz in denen der
Brutfischanteil anderer Spezies enorm hoch ist und paralell das Insektenvolumen rel. gering ist ,hier bilden sich bei Forellen früher und stärker als sonst die Aufnahme von Fischchen als Nahrung heraus.Daher kann dies duchaus Sinn machen.Natürlich wie Klaus beschrieben hat unabhängig der klassischen Führungsweise lässt sich eine grössere Nassfliege so führen ,bei einigen Mustern ist der Übergang sehr fliessend.
Ob man dies noch als Nassfliege oder schon als Streamer oder fancy lure bezeichnet soll derjenige entscheiden für den es wichtig ist,schön wäre wenn du etwas über Führungsweise ,Historie und Anwendung weisst oder anliest ,viel Erfolg ,
beste Grüsse,
Rolf
Verfasst: 10.09.2009, 20:01
von greypanther
Hi Achim,
Du musst da was missverstanden haben. Ich kann leider in meinem Beitrag kein Wort über eine Forderung nach „politischer“ Korrektheit einer Fliegenbezeichnung finden. Deshalb hier meine Sicht der Dinge etwas ausführlicher, ohne jetzt eine endlose Grundsatzdebatte lostreten oder führen zu wollen oder Anspruch auf den „Stein der Weisen“:
1. m.E. bestehen deutliche funktionale Unterschiede zwischen Streamer und Nassfliege, die vor allem in der verschiedenen Größe, Silhouette und der Bindeweise dieser Fliegentypen begründet sind. Imho sind Streamer Immitationen oder auch meinetwegen Karrikaturen von größeren Beutefischen, Blutegeln oder sogar Kleinsäugern. Streamer (deswegen heißen die so) wurden ursprünglich für den Einsatz in schnell fließenden Gewässern oder Gewässerteilen „designed“ (das Einsatzgebiet dieser „Fliegen“ hat sich allerdings inzwischen stark erweitert).
Aufgrund dieser Tatsache werden Streamer-Muster auf besonders große und (zum Teil) besonders langschenklige Haken gebunden.
2. werden Materialien, die für einen Streamer taugen, bzw. dessen Bindeweise auf einen Haken der Größe 10 oder 12 gebunden bzw. übertragen, so macht dies die so entstandenen Fliegen in meinen Augen noch lange nicht zu Streamern. Sondern sie ähneln m.E. in ihrer Funktion und Erscheinungsweise eher einer Nassfliege, welche doch ganz andere, deutlich kleinere Nährtiere (Flohkrebse, Insektenlarven der unterschiedlichsten Entwicklungsstufen, Fisch-Minibrut etc.), in Form und/oder Bewegung imitieren soll und auch ganz anderen Gewässer- und fischereilichen Situationen im Vergleich zu den Streamern gefischt wird.
Hinzu kommt, dass beim „Downsizing“ viele Streamermaterialien (wie z.B. Hahnen/Hennenhechel-Schwingen, Marabou, Glitzertinsel-Fäden, Bucktail), die für den Streamer-Bau unentbehrlich sind, immer mehr an Mobilität und damit Attraktivität verlieren. Fellstreifen auf einen Haken der Größe 12 gebunden transformieren die Fliege zu einem unförmigen Klumpen.
Das alles hat nichts mit „politischer“ (was immer das auch heißen mag. Wenn schon, dann müsste es „nomenklatorischer“) Korrektheit oder Inkorrektheit gar nichts zu tun, wenn die Unterscheidung zwischen Streamer und Nassfliegen aufgrund der genannten Kriterien erfolgt sondern eher mit persönlichen praktischen Ansichten, die jeder für sich haben und entwickeln mag.
Ich hoffe, das bringt etwas Licht in die Dunkelheit.
Verfasst: 10.09.2009, 20:04
von hares ear
Hallo Rolf,
ich habe schon das Eine oder Andere zum Thema gelesen. Vor ganz vielen Jahren das Buch von Norbert Eipeltauer, danach ein bischen was von Dave Whitlock, der ja leider recht zurückhaltend mit seinen Binderezepten ist.
Bei dem bewussten Fischen habe ich querstrom geworfen, die Schnur die erste Führung im Ruhigwasser am gegenüberliegenden Ufer übernehmen lassen. Da beide Streamer recht viel Eigenleben haben, habe ich die Schnur nur wenig gestrippt. Die Hakquote liess sich durch konsequentes "strip striking" verbessern.
@ Achim ich sehe da nur die Unterscheidung vom Muster her und micht von der Hakengrösse. Also mein 10er Clouser ist ein Streamer, eine 8er Alexandra eine grosse Nassfliege
TL
Florian
Verfasst: 11.09.2009, 11:14
von Achim Stahl
Moin Klaus,
das Mißverständnis besteht, glaube ich, vor allem darin, dass ich mich bei meinen Äußerungen gar nicht auf deine Postings bezogen habe.
Mit dem, was du geschrieben hast, stimme ich weitestgehend überein.
Aufhänger für meine Gedanken waren vielmehr diese Sätze:
Mit dem Streamer fische icheigentlich nur dann, wenn andere Methoden (Trocken/Nassfliege oder Nymphe) nicht mehr erfolgversprechend sind.
Mit dem Streamer möchte ich große Fische fangen und verwende deshalb eher große Fliegen. Wooly Bugger in Hakengröße 4-6 - die können dann locker 10-12cm groß sein- stellen für eine ausgewachsene Forelle überhaupt kein Problem dar.
Ich selbst habe mich schon öfters geoutet, gerne mit dem Streamer zu fischen. Oft wird dieses Outing mit einem ziemlichen Naserümpfen quittiert, als wäre Streamerfischen etwas primitives oder unpassendes. Nicht selten gehen dann aber die Empörten wieder los, werfen ihre Nymphe schräg stromab und
streamern sie zügig wieder ein.
Dieses intolerante Prinzipien-nach-außen-tragen, ohne sie zu hinterfragen und ohne sich über die Verhaltensweise der Fische und ihren Speiseplan auseinanderzusetzen erlebe ich sehr häufig.
Darauf war mein Posting gemünzt.
Viele Grüße!
Achim
Verfasst: 11.09.2009, 11:21
von greypanther
Jo, Achim, dem stimme ich vollsten Herzens zu; und danke für Deine Klarstellung. Bin nämlich auch ein begeisterter Streamer-Fan und fische diese, wenn immer es die Gewässer- bzw. Witterungssituation (oder Zielfisch) erfordert.
Bei klarem Niedrigwasser allerdings bevorzuge ich Auskriecher-Muster, Nymphen und Nassfliegen in kleineren Größen.
Verfasst: 12.09.2009, 12:24
von Johannes
Hallo Florian,
mein Hausgewässer ist ein nahrungsreicher, kleiner (aber relativ tiefer) Wiesenbach, in dem die Forellen äußerst steigfaul sind. Nur im Hochsommer sind sie manchmal hinter den Köcherfliegen her...ansonsten muss man sie mit dicken Nymphen und kleinen Streamern (Na klar, die Definitionsübergänge können dann schnell fließend sein...) in der Tiefe suchen.
Ich habe aufgrund von immer wieder auftretenden Fehlbissen jahrelang experimentiert und habe mich mittlerweile bei Hakengröße 8 eingependelt, ich binde auf den Streamerhaken von Kamasan (B800 glaube ich, ich kann leider gerade nicht nachschauen)
Bei sehr klarem Wasser fische ich die 10er Variante, das ist schon relativ klein. Bei 6er Haken habe ich schon deutlich mehr Fehlbisse (die Forellen werden selten größer als 40cm, sie liegen meist zwischen 30 und 36cm).
Die Muster halte ich, wegen viel Totholz und weiterer Hängerstrukturen im Wasser, äußerst unterkomplex. Ein aufwändiger Streamer sieht natürlich schön aus, raubt beim Binden (wenn man es fürs Fischen tut und nicht für die Galerie oder Dose) aber enorm viel Zeit...umso bitterer, wenn man bei jedem Fischtrip zwangsläufig wegen vieler Hängerstrukturen einige Streamer "unterwasser vertäut".
Ich fische entweder schwarze oder graue Muster mit einem Schwanz aus Kaninchenhaar-Marabou-Mix (spielt auch bei kurzen Längen recht ansprechend), einem Körper aus Chenille oder Dubbing und beschwertem Kopfbereich, entweder Goldkopf, Tungsten oder Bleiwicklung. So "jiggt" der Streamer schön unter Wasser. Behechlung etc. lasse ich weg, ich halte sie für unnötig.
Gegebenenfalls lasse ich auch den Perlenkopf weg und nehme nur eine Unter-Bleiwicklung, setze den Kopf dann aber z.B. mit einem signalgelben Chenille-Kopf in Kontrast zum sonst dunklen Körper ab.
Dir weiterhin viel Erfolg am Wasser!
Johannes
Verfasst: 13.09.2009, 09:24
von hares ear
Hallo Johannes,
danke für die konstruktive Antwort. Die deep clouser binde ich mit weissem Polarfuchs als Bauch, zwei stark reflektierenden (ich glaube der Handelsname ist "trilobal") Flashsträngen und graues Eichhorn als Schwinge. Das Ganze dauert 3 Minuten zu binden und schwimmt upside down. Vor Allem wenn man den Rat des Herrn Clouser in seiner ursprünglichen Bindeanleitung beachtet und die Augen 1/3 des Hakenschenkels vom Öhr entfernt einbindet hat dieser Streamer eine schöne Jig Aktion und die beiden Haararten sorgen für einiges Eigenleben.
Den oben genannte norwegischen Streamer binde ich je nach Größe mit einem großen Goldkopf oder einem kleinen Conehead. Durch das Marabou hatz auch dieser Streamer einiges an "eingebautem" Leben. Er ist allerdings schon etwas aufwendiger zu binden
TL
Florian