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Ab welcher größe sind Bachforellen in der Regel Laichreif?

Verfasst: 25.11.2009, 12:37
von Andreas F.
Hallo.

Ich hab einen kleinen Bach im Dorf in dem wir schon als Kinder gespielt haben und auch mal mit der Hand Bafos gefangen haben.
Heute habe ich mir mal die Zeit genommen den Bach wieder etwas unter die Lupe zu nehmen. Der Bach ist meistens so um die 50-70cm breit und vielleicht 20-30cm tief.

Ich habe von 2 kleinen Brücken geschaut.
Bevor es unter die eine geht ist ein kleiner Gumpen, ca 40-50cm tief, darin war leider keine Forelle. Früher stand da immer ein stattlicher Fisch, ca 40cm würde ich schätzen. Als der Bach unter der Brücke rauskam konnte ich eine von ca 20cm und eine von etwa 15cm sehen.

An der anderen Brücke war das ganz anders. Ich könnte oberhalb 7 Forellen spotten, die größten so ca 20cm, die restlichen so um die 10cm.
Unterhalb 2, von ca 10-15cm.

Also bin ich zu einer anderen Stelle im Wald wo früher (vielleicht 10 Jahre her) auch immer eine große von ca 40 Stand, auch hier das selbe Bild, sehr viele zwischen 10 und 20 cm, aber nichts größeres.
Danach bin ich zu einer weiteren Stelle wo es etwas tiefer ist, auch hier wieder keine Große, nur ne unmenge von kleinen und mittleren.


Früher gab es einen Teil der Ortsstrecke der ca 2-3m breit war, ca 10-15cm tief. Dort standen immer ein paar kleine.
Dieser teil ist heute total verwachsen. dichtes Gras an beiden Seiten, der Bach noch ca 30cm breit, schnell und auch ordentlich tief.

An einer Stelle weiter unterhalb wo Gärten sind war das Wasser früher ca 30-40cm Tief und langsam fließend, auch hier ist heute eine schnellere Rieselstrecke.


Das Gewässer hat sich also von der Struktur stark verändert.
Kann es sein dass die großen Laichfische komplett verschwunden sind?
Wieso gibt es so extrem viel mehr kleine und mittlere Fische also noch vor 10-15 Jahren?
Und kann es einfach nur sein dass sich die Laichfische woanders eingestellt haben?
Was aber auch komisch wäre, denn typische "Hotspots" sind leer.

Sind die 20cm Fische schon Laichreif und wie alt werden Fische von der Größe ca sein?

Und sollte man eventuell durch kleine Wehre (also irgendwo mal so 30cm aufstauen) und das Entfernen des Grases usw die Strukturen ändern?

Gruß Andreas

Verfasst: 25.11.2009, 13:13
von hdidi
Hy,
ich kann Dir die eigentliche Frage nicht beantworten.
Kann Dir nur sagen, daß an meinem Bach ( etwa 4-5m breit und im Schnitt nicht tiefer als 30-50cm ) das gleiche ist.
Also es sind momentan wahnsinnig viele kleine Bafos mit 5-10cm unterwegs, doch recht viele mit 15-20cm und wirklich ganz wenige mit etwa 30 - 40cm.
Was bei mir möglich ist, daß die natürliche Reproduktion vom Abschnitt oberhalb kommt, da dieser nicht befischt wird.
Ansonst verändert der Bach sein Gesicht, nicht den Verlauf paarmal im Jahr, je nachdem wieviel Wasser da nach heftigen Regen daherkam.

Grüssle
Dieter

Verfasst: 25.11.2009, 13:21
von Andreas F.
Der Bach wird und wurde noch nie befischt, obwohl es gerade mit der Fliege werferisch reizvoll wäre.

Re: Ab welcher größe sind Bachforellen in der Regel Laichrei

Verfasst: 25.11.2009, 13:23
von Maggov
Bungo hat geschrieben:Hallo.


Das Gewässer hat sich also von der Struktur stark verändert.
Kann es sein dass die großen Laichfische komplett verschwunden sind?
Wieso gibt es so extrem viel mehr kleine und mittlere Fische also noch vor 10-15 Jahren?
Und kann es einfach nur sein dass sich die Laichfische woanders eingestellt haben?
Was aber auch komisch wäre, denn typische "Hotspots" sind leer.

Sind die 20cm Fische schon Laichreif und wie alt werden Fische von der Größe ca sein?
Hallo Andreas,

diese Frage lassen sich aus Deiner Beschreibung nicht 100%-ig sicher beantworten, deshalb versuche ich es etwas genereller:

Ein Wasser ist prinzipiell in der Lage eine gewisse Biomasse an Fisch hervor zu bringen. Die Extremfälle wären einer oder sehr wenige aber riesige Fische (alle anderen würden gefressen oder aus dem Revier vertrieben) und der andere Gegenpool wäre sehr viele kleine Fische (in Reinform wäre es eine Verbuttung).

Wie viel Biomasse insgesamt aus einem Wasser hervorgeht wird duch zahlreiche Faktoren bestimmt. Die wichtigsten dürften:

- Wassertemperatur
- Nährstoffeintrag und Nahrungsvorkommen
- Strukturen im Wasser
- Predatorendruck
- Wasserqualität (also Sauerstoffgehalt und Güte)

sein. Ich habe bestimmt irgendeinen Faktor vergessen ;)

Nun zur Frage wann eine Forelle laichfähig ist. Soweit ich weiß ist dies im zweiten Jahr spätestens jedoch im dritten Lebensjahr der Fall. Jetzt kommt es eben drauf an wie schnell die Fische abwachsen. In einem nahrungsarmen Bergbach der vielleicht 6 Monate im Jahr eisfrei ist sind die Forellen vielleicht 20 cm groß - in einem nährstoffreichen Wiesenbach vielleicht schon 50 cm, je nachdem.

Die Tatsache dass die "Hotspots" nicht besetzt waren heißt nicht dass die Fische weg sind. Gerade zur Laichzeit ist es gut möglich dass diese sich an den Laichplätzen sammeln und nicht die klassischen Standplätze einnehmen.

Vielleicht hast Du ja nochmals Gelegenheit ans Wasser zu gehen - schau doch mal ob Du Laichgruben findest, vielleicht halten sich die Bachforellen noch in der Nähe auf. Such' nach möglichst gut durchspülten Kiesbänken die nicht trocken fallen.

LG

Markus

Verfasst: 25.11.2009, 14:24
von Andreas F.
Hallo Markus.

Also Ich komme aus Hessen, du kannst dir also denken wie das Klima hier meistens ist ;)

Einen Extremfall vermute ich hier nicht, der Bestand erschein mir immer recht ausgewogen, jedoch nicht sehr viel für das Gewässer.

Ich arbeite mal die Punkte ab:

- Wassertemperatur
- Wie gesagt, komme aus mittelhessen, der Bach wird für die größe also recht durchschnittlich sein, gemessen habe ich noch nie.


- Nährstoffeintrag und Nahrungsvorkommen
- Hohes Nahrungsvorkommen. Habe schon Mehrfach Bachflohkrebse usw für den Gartenteich geholt. Es wimmelt unter jedem Stein und im kiesigen Grund nur so davon.

- Strukturen im Wasser
- Mittlerweile weniger "langsame" Kiesflächen. Die Ortstrecke war früher eigentlich Laichgebiet wie aus dem Bilderbuch, früher sah man da sogar Laichgruben (also helle "flecken" mit denen ich damals nichts anfangen konnte) Heute gibt es mehr durchgehende schnellere Rieselstrecken.

- Predatorendruck
- Mhh, Noch nie nen Reiher oder Kormoran gesehen. Fische über 40cm auch noch nie. Evtl langen mal paar katzen rein...


- Wasserqualität (also Sauerstoffgehalt und Güte)
- Sehr gut, zumindest wenn ich mal so die Bioindikatoren betrachte. Bachflohkrebse, Köcherfliegen, Libellen im Überfluss. Auch Sauerstoff sollte dank der vielen Rieselstrecken und rauschen genug da sein.

Ich schaue heute gegen Nachmittag nochmal an ein paar anderen Stellen nach. Nur viel weiter nach oben zum Laichen können die Fische nicht, ca 300m weiter oben fließt der Bach durch einen Teich, das allerdings schon seit sicherlich 30-40 Jahren.


Gruß Andreas

.

Verfasst: 25.11.2009, 16:00
von Jürgen Anacker
hallo andreas,

markus hat die punkte schon gut beschrieben ..auf was man da achten kann...betreff wenig fisch im wasser.

manchmal ist es aber so...das fisch drin sein kann...den man gar nicht sieht :D. ich kenne manche flüsse die ich befische....da wird geschimpft...schlecht besetzt...keine fische drin! wenn man aber dann vielleicht um 6h morgens oder sehr spät am abend vorbei kommt und sich wirklich die zeit nimmt die bestimmte bereiche genau beobachtet...da tauchen die fischen manchmal plötzlich auf...weil sich vielleicht das standverhalten oder die aktivität über die jahre geändern haben.
das selbe gilt auch für unsere zweibeinigen "freunde mit federgewand"...ob er grau oder schwarz ist. auch hier kenne ich aussagen...bei uns gibt es keinen reiher oder kormoran...und wenn man dann zeitig morgens unterwegs ist...sieht man doch den ein oder anderen kollegen am ufer auf der pirsch stehen!

auch bei einem e-fischen können...wahre wunder sichtbar gemacht werden......................

gruss, jürgen

Verfasst: 25.11.2009, 16:02
von Andreas F.
Nach meinem letzten Post hab ich mich nochmal auf den Weg gemacht um den Bach, vorallem den zugewachsenen Bereich, der früher komplett frei uns kiesig war, zu beobachten.

Also Bewaffnet mit Polbrille, Gummistiefeln und ca 10 Stückchen Forelli hab ich mir das Stück angeschaut.

Auf den ersten Blick KEIN Fisch in der tiefen aber klaren Rinne zu erkennen.
Bis ich Forelli reingeworfen habe.
Irgendwie habe ich das Gefühl die frühere Kinderstube ist nun das Altenheim ;)
Auf jedes Forelli kamen mehrere Forellen! Größe bis 40+
Die Fische haben sich wohl dem Gewässer angepasst.

Vom Querschnitt ungefähr so:
Bild
Links früher, als noch jedes Jahr bereinigt wurde, rechts heute.
Die Roten Punkte sind die Standorte der Fische.

Danach habe ich mit einer Anwohnerin, mittlerweile fast 80, gesprochen, die ich schon ewig kenne.
Seit 10 Jahren hat wohl keiner mehr Bewuchs entfernt. Früher hat man das 2 mal im Jahr gemacht, was dann wohl ein Klacks war. Anfang vom Jahr wollten sie dann mit einem Bagger in die Bach fahren und alles ausgraben!!! Allerdings haben sie die Gemeinde nicht übers Grundstück gelassen.
Früher oder später wird da jedoch der Kahlschlag erfolgen befürchte ich und von den Leuten macht sich über die Fische erstmal keiner Gedanken, deshalb will ich bald mal auf die Gemeinde fahren und mit denen sprechen, das es wenigsten von Hand und nach und nach gemacht wird, das die Forellen eine Chance haben.

Ich konnte allerdings weder Laichgruben noch geeignete Laichplätze finden.
Und nochmal zum Thema Predatoren. Die Katze der Nachbarn hatte wohl vor einigen Wochen einen großen Krebs an sich hängen der sich im Fell festgekrallt hat, evtl ist der ja auch Konkurrent, wobei der wohl um die Großen auch nen Bogen macht.

Gruß Andreas

Verfasst: 25.11.2009, 16:54
von Maggov
Hi Andreas,

na zumindest haste Laichfische drinnen. Die Tatsache dass Du viele kleine Fische siehst lässt drauf schliessen dass es auch Laichmöglichkeiten gibt. Vielleicht hast Du sie einfach noch nicht gefunden.

Man muss ein Gewässer lange und gut beobachten bevor man es wirklich gut kennt. Die Tatsache dass Du als Kind dort viel unterwegs warst hilft sicherlich aber reicht noch nicht aus um dies behaupten zu können.

Mir machen derartige Beobachtungen sehr viel Spaß und man kann auch viel in Bezug auf das erfolgreiche Fischen lernen. Also nur weiter so!

Die Krebse stellen für Fische allenfalls als Laichräuber eine Gefahr dar - ansonsten kann es eher gegenteilig sein dass diese sich vor den Fischen in Acht nehmen sollte. Wenn Du welche fangen willst versenke einfach die Katze im Bach :twisted:

Ich drücke Dir die Daumen für den Behördengang - der Einsatz ehrt Dich und wünsche viel Spaß bei kommenden Besichtigungen.

LG

Markus

Verfasst: 27.11.2009, 08:33
von FoolishFarmer
Bachforellen können sehr wohl schon bei 15-20cm oder auch weniger laichreif sein. An einem kleinen Bach vor meiner Haustür hab ich die vergangenen Wochen wieder etliche dieser Größe beim Gruben-Bauen und Laichspiel beobachtet.

Ein Blick rüber zu den Lachsen zeigt, dass diese bereits mit 15cm und 1,5 Jahren Alter geschlechtsreif werden können - zumindest die Milchner. Das was früher mal als "frühreif" bezeichnet wurde, ist inzwischen als biologischer Vorsprung bekannt: Die kleinen Parrs können sich schon das erste Mal noch vor ihrer Wanderung fortpflanzen. Dadurch das viele von Ihnen (neben aber auch ohne einen großen Bock) die Eier eines großen Weibchens befruchten, erhöht sich die genetische Diversität.

.

Verfasst: 27.11.2009, 09:50
von Jürgen Anacker
hallo andreas,

sei doch froh das dein bach sich so entwickelt hat! und das für die forellen die natur...natürliche unterstände geschaffen hat!

ihr müßt jetzt darauf achten...damit man nicht typisch "deutsch" mit dem bagger oder ähnliches anrückt...um das ganze nach "norm" zu ändern.


außerdem kann das dann eine ganz "coole" fischerei werden...wenn ein bach so zugwachsen ist...und man plötzlich einen buschmann an der leine hat :)

gruss, jürgen

Verfasst: 27.11.2009, 10:15
von Maggov
Hi Paddy,

das bestreitet doch auch keiner (ich hatte das Beispiel von Forellen in der hochalpinen Region angeführt).

Genau deshalb würde ich mich aber mit cm-Angaben in diesem Kontext zurückhalten.

LG

Markus

Verfasst: 27.11.2009, 14:48
von FoolishFarmer
Hi,
Maggov hat geschrieben:Hi Paddy,

das bestreitet doch auch keiner ...
Das war auch so nicht gemeint. Ich wollte damit nur nochmal bekräftigen, dass auch Forellen sich schon in recht kleiner Größe fortpflanzen können - es braucht dazu keine 40cm-Exemplaren.