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Hoffnungsloses Nymphenfischen

Verfasst: 11.04.2010, 11:19
von Doc
Hallo Freunde,

Ich bin ein Fliegenfischer, der zu 90% mit einer trockenen Fliege ans Ufer pilgert.
In den Zwischensaisons versuche ich es immer wieder mit der nassen Fliege oder mit der Nymphe.

Zu meinem grossen Bedauern muss ich jedoch konstatieren, dass ich wahrscheinlich ein hoffnungsloser Fall bin, denn ungeachtet der Tatsache, dass ich eine ansehnliche Anzahl von Nymphenbuecher zur besagten Fischtaktik gelesen hab, will es bei mir kaum oder nur in Ausnahmefaellen gelingen, einen Fisch mit der nassen Fliege oder der Nymphe zu haken.
(Gesagt muss jedoch sein, dass ich aus Prinzip nicht mit einem Bissanzeiger fischen will.)

Wer von Euch erfahrenen Fachleuten kann mir einen guten Tipp geben?

Ich bin Euch ewig dankbar fuer jeden Tipp,

Gershom

Verfasst: 11.04.2010, 11:34
von Rattensack
Hallo Gershom,

Es gibt Stellen, da fängt sich der Fisch an der Nymphe wie von selbst. Wichtig ist sich strategisch richtig zu stellen, sodass die Nymphe natürlich abtreibt (genau dieselbe Aufgabenstellung wie beim Trockenfischen) UND man ständig Kontakt zum Köder hat UND trotzdem auf Tiefe kommt. Versuche daran zu arbeiten.

Ich fische auch prinzipiell ohne Bißanzeiger. Wenn du Probleme mit der Bißerkennung hast versuch es schräg stromab. Z.B. in einen Kolkeinrinn die Nymphe reintreiben lassen, wo die Strömungsgeschwindigkeit sukkzessive bis zum Ausrinn bzw. zum eigenen Ufer abnimmt. Da bekommst eine schöne Nymphendrift hin. Hier ist es i.d.R. fast schon zu einfach, zu fangen. Macht trotzdem immer wieder Spaß ;-)

Leider gilt in Anlehnung an homo homini lupus viel zu oft: Die Nymphe ist der Forelle Tod ;-)

Viel Erfolg,
Clemens

Verfasst: 11.04.2010, 11:46
von Doc
Hallo Clemens,

Herzlichen Dank fuer Deine Tipps. Eigentlich probier ich seit jeher, die Sache so anzupacken, wie Du sie beschreibst. Es muss also doch an mir liegen.

Gruss und Dank,

Gershom

Verfasst: 11.04.2010, 12:42
von Frank.
Lieber Gershom,

ganz davon abgesehen, dass ich mich Clemens vollkommen anschließe: Mit diesem Problem bist Du alles andere als alleine ...
Auch bei mir hat es sehr lange gedauert, bis der Knoten geplatzt ist, besonders, was das Fischen mit der Nymphe in toter Drift angeht. Es ist gar nicht mal so, dass man den Biss tatsächlich sieht (geschweige denn: ihn spürt) - man ahnt ihn eher.
Obwohl ich darin mittlerweile, glaube ich, ganz gut bin, würde ich doch darauf wetten, dass mir die meisten Bisse entgehen (ich fische auch ohne Bissanzeiger).

Lass Dich nicht entmutigen! Es liegt nicht an Dir - es liegt an der Sache, die nun einmal schwierig ist ...

Dein Frank

Verfasst: 11.04.2010, 12:54
von greypanther
Hallo Gershom,

ergänzend zu dem was Clemens bereits geschrieben hat, möchte ich Dir noch eine Methode empfehlen, die mir bisher immer (mehr oder weniger) gute Erfolge gebracht hat.
Sofern es die Fischerei-Regeln erlauben, wate an Erfolg versprechenden Stellen ins Wasser und fische dann von diesem Standpunkt aus auf kurze (6 - 8 m) Entfernung stromauf und kontrolliere die Drift der Nymphen zuerst durch Einstrippen einiger Meter an Leine und dann durch Heben der Rute, so dass Du immer Kontakt mit der Nymphe hast. Lasse den Köder auf diese Weise auf Rutenlänge an Dir vorbei treiben und senke die Rute dann wieder zur Horizontalen bis die Nymphe ein paar Meter unterhalb Deines Standortes gelangt ist. Durch den Strömungsdruck werden Fliegenschnur, Vorfach und Nymphe an die Oberfläche gedrückt, was ja dem natürlichen Verhalten von Nymphen beim Schlupf entspricht.
Alternativ dazu kannst Du auch die Nymphe durch steiles Heben der Rute im Nahbereich zum Aufsteigen bringen. Du wirst erstaunt sein, wie nah an Dir dran die Fische oft die Nymphe nehmen.
Bisse erkennt man durch ein Rucken oder das Stehenbleiben der Schnur, so dass kein Bissanzeiger notwendig ist.
Ideal für diese Fischerei sind mittel bis stark beschwerte Nymphen.
Sobald Du mehrere Würfe von einem Standplatz aus gemacht hast einfach ein paar (vorsichtige!!) Schritte stromauf waten und erneut die gesamte erreichbare Fläche abfischen, usf.
Es kann nicht genug betont werden, dass bei dieser Methode "weniger" absolut "mehr" ist! Soll heißen: wirklich nur auf kurze Entfernung fischen, damit man die Nymphe jederzeit unter Kontrolle hat.

Verfasst: 11.04.2010, 13:40
von Doc
Hallo Frank, hallo Klaus,

Herzlichen Dank Euch beiden fuer die ermutigenden Worte sowie die hilfreichen Tipps.
Ich bleib es probieren, auch wenn bei mir beim Nymphenfischen der Mut manchmal schneller abtaucht als eine Tungstennymphe.

Habt herzlichen Dank fuer die genommene Muehe,

Gershom

Verfasst: 11.04.2010, 17:59
von webwood
Hallo Gershom,

Klaus Technik in noch abgespeckterer Version ist sehr einfach und meist haken sich die Fische auch noch selbst. Wirf ca. 6-8 meter stromauf und hebe die Rute in dem Tempo, in dem die Schnur auf Dich zutreibt bis dein Arm in Position zum Rollwurf ist und wiederhole das Ganze.

TL

Thomas

Verfasst: 11.04.2010, 19:54
von Barramundi
Hallo Gershom,

also auch wenn Du aus Prinzip keinen Bissanzeiger verwenden willst, so habe ich doch einen wertvollen Tipp für Dich. Halte doch einfach ein paar Trockefliegen berei, die vielleicht schon nicht mehr so toll sind, oder bei denen der Hakenbogen vielleicht eh schon abgefallen ist. Diese bindest Du einfach statt eines Bissanzeigers in das Vorfach (ist mit abgekniffenem oder nicht mehr vorhandenem Hakenbogen auch dort möglich, wo nur eine Fliege erlaubt ist). Auf diese Weise kann st Du ersten hervorragend herausfinden, ob vielleicht doch gerade etwas auf eine Trockene steigt und zum anderen wunderbar die korrekte Drift der Nymphe kontrollieren, ohne einen klassischen Bissanzeiger verwenden zu müssen. Das Abtauchen der Trockenen signalisiert Dir trotzdem zuverlässig den Biss und nach ein paar Erfolgserlebnissen und etwas Übung kannst Du selbst die Trockene weglassen, wenn Du nicht gefallen an diese vielseitigen Technik gefunden hast.

Vielleicht kommt das ja trotz Deiner Prinzipien in Frage.


Gruß

Florian

Verfasst: 11.04.2010, 20:17
von greypanther
Hi Florian,

das ist natürlich auch eine hervorragende Technik. Und, man kann sie noch insofern abwandeln indem man die buschige Trockenfliege ans Ende und die Nymphe als Springer anknotet. Auf diese Weise kann man unbeschwerte Nymphen (z.B. Hare's Ear) dicht unter der Oberfläche fischen. Sehr effektiv, wenn die Fische Nymphen kurz vor dem Schlupf an der Wasseroberfläche nehmen.
Allerdings ist an vielen (den meisten?) Gewässern in Deutschland die Verwendung von zwei oder mehr Fliegen am Vorfach untersagt.

Welche Technik beim Nymphenfischen man auch immer anwendet, entscheidend für den Erfolg ist imho, dass man auf kurze Entfernung fischt und so die Drift der Fliege(n) in jeder Phase kontrollieren und den Anhieb schnell setzen kann.

Verfasst: 11.04.2010, 21:10
von Mountain Angler
Hallo Gershom,

die Nymphenfischerei in der Death Drift ist die effektivste Fischerei ! Vorausgesetzt man macht es richtig.
Die Nymphe muss nach unten, denn nur dort fängt man die massigen Fische(stromab,rumgetriebene Nymphen bringen zu 90% unerfahrene Schnäpper/kleine Fische)
Nymphengewicht-Vorfachlänge-BISSANZEIGER-und nun wichtiger Tipp-kleine Knetkugel 20cm vor Bissanzeiger. Diese Kügelchen(wirklich nur gaaanz klein) ist meiner Ansicht, the piont of success. Dadurch weiss man, dass das Vorfach wirklich gestreckt ist.
Macht euch doch keinen Krampf mit den Bissanzeigern. Es müssen ja keine zapfengrosse Styroporschwimmer sein. Ein wenig orangen Yarn in die Vorfachschlaufe und gut ist. Stört nicht beim Werfen und man kann es durch die Ringe ziehen(wichtig bei langen Vorfächern)
Tja, und nun üben,üben und üben, aber es lohnt sicht.

under water love
René

Verfasst: 11.04.2010, 21:41
von webwood
Hallo,

weil es gerade zum Thema Bisserkennung passt. Vor einigen Jahren habe ich am Maisinger Bach was recht Interessantes ausprobiert. In einem Kiesfangbecken (so eine Art Wehr) war das Wasser glasklar, ca 2 Meter tief, sehr langsame Strömung und jede Menge Fische dort. Ich habe seinerzeit meine gesamte Nymphendose durchprobiert. Es wurde wirklich jede Nymphe genommen und ich hätte nur Anschlagen brauchen, wenn ich sah, wie der Fisch die Nymphe nam. Ich hatte mich aber darauf konzentriert, ob ich an der Schnurspitze einen Biss erkennen würde. Von ca. 10 Bissen hätte ich bei trüben Wasser vieleicht einen an der Schnur erkannt. Der Rest wäre definitiv unbemerkt geblieben. Normalerweise fische ich in sehr viel schnellerem Wasser und ich denke, das dort der Fisch wie auch bei der Trockenen, schneller und heftiger attakiert.

Anderes Thema:
Wie Frank schrieb, setzt er so manchmal aus dem Bauchgefühl heraus seinen Anhieb und das mit Erfolg, ohne eigentlich zu wissen warum. So habe ich das zumindest verstanden und ich kenne das Gefühl aus eigener Erfahrung. Ich frage mich nur, schreibt man sich da den 7 Sinn zu, oder ist der Zufall eben so häufig, dass das einfach funktionieren muss? Der Hauptanteil der Nahrung wird ja nun unter Wasser genommen (80% hab ich mal gelesen).

TL

Thomas

Verfasst: 11.04.2010, 22:27
von Mountain Angler
Hi Thomas,
kein 7.Sinn, sondern Erfahrung. Irgenwann spürt man, wann die Nymphe die fängigen Wasserzone erreicht hat und die Chance am grössten ist für einen strike.
Falls nun die restlichen Unsichereitsfaktoren wie Nymphengewicht(kein poltern über den Grund, sonder ein knappes drüberhinwegschweben),gestrecktes Vorfach und absolutes natürliches Abdriften einigermassen stimmen, sollte es hinhauen. Da die Nymphe dann nur während kurzer Zeit in der fängigen Zone unterwegs ist hauts dann auch hin........ :roll:

tl,René

Verfasst: 12.04.2010, 09:57
von Doc
Hallo Maenner,

Vielen herzlichen Dank fuer all Eure Tipps. Hier kann ich was mit anfangen (vor allem mit dem Tipp von Florian. Super!).
Vielleicht haette ich am Anfang noch anmerken muessen, dass ich primaer in den Niederlanden fische. Der Umstand, dass man bei uns i. A. keine Forellen findet, bringt natuerlich so seine Tuecken mit sich. Im Ausland, wenn ich auf Forelle fische, hab ich auch deutlich mehr Erfolg mit der Nymphe als in den heimischen Gewaessern. Dennoch: Eine Ausrede ist dies sicherlich nicht, denn die niederlaendischen Fliegenfischer ziehen es i. A. sowieso vor, mit der Nymphe oder der nassen Fliege zu fischen. M. a. W.: Ich bin als primaerer Trockenfliegen-Fischer sowieso ein wenig ein Exote.

Nochmals herzlichen Dank fuer Eure Beitraege. Ich schaetze dies sehr.

Gershom

Verfasst: 12.04.2010, 17:55
von Lutz/H
Eventuell hilft dieser Film weiter:

http://www.youtube.com/watch?v=KSiZnUCAcH0

Den Trick von Rene (Mountainangler) habe ich nicht ganz verstanden,
warum sorgt das Kügelchen vor dem Bißanzeiger , das das Vorfach komplett (nach unten) gestreckt ist?? Da stehe ich etwas auf dem Schlauch, hört sich aber grundsätzlich interessant an.

Grundsätzlich ein kleines, aber immer wieder interessantes Thema.

Verfasst: 12.04.2010, 18:53
von Mountain Angler
Hi Lutz,

das Kügelchen ist nicht dafür Verantwortlich, dass das Vorfach gestreckt ist. Es zeigt dir an, ob es gestreckt ist oder nicht.
Vorallem in verblocktem Wasser, kann es gut sein, dass die Nymphe gar nicht dort ist, wo man es annimmt, weil du versch. Strömungen hast.
Ein kleiner slack im Vorfach und du hast keine Chance einen Biss zu erkennen.
Durch diesen kleinen "Detektor"vor dem eigentlichen Bissanzeiger, kannst du das erkennen und der Schnur ein wenig Zug zu geben, dass du wieder "Spannung" im getackle hast.

lieber Gruss und schönen Abend, René