Schweinehitze!
Verfasst: 27.07.2010, 19:53
Liebe Freunde,
es ist zwar schon drei Wochen her, aber dennoch möchte ich euch ein kleines, recht denkwürdiges Abenteuerchen vom Fischen nicht vorenthalten.
Wet wading war ich an einem der saumäßig heißen Tage spätnachmittags an einem unserer Vorharz-Flüsse unterwegs und habe einen Bereich befischt, wo die Ufer relativ hoch sind; der Bewuchs dort ist sehr hoch und dicht.
Vom Weg aus kann man das Flussufer kaum noch erreichen (die Mischbewaldung aus Brombeeren, Brennesseln und riesigen Herkulesstauden ist nicht eben einladend); nur im Wasser kommt man einigermaßen vernünftig voran - aber auch nur dann, wenn man wirklich ganz genau weiß, wo die tiefen Stellen und vor allem: die Faulschlammfallen sind. Nur an einer einzigen Stelle kann man den Fluss queren, um in diese Strecke hineinzuwaten. Wer nicht weiß, wo die ist, hat verloren.
Dort hat die der Fluss mehrere kleine Seitenarme; an beiden Uferbereichen gibt es einige überschattete, flache "Badewannen", die von ein wenig Wasser durchrieselt werden und zumeist kiesig und ein wenig schlammig sind. Mitunter finden sich dort tiefe Löcher, in denen gute Hechte stehen, aber um die ging es mir an diesem Tage nicht.
In dieser Ecke habe ich meiner Erinnerung nach ab dem Frühsommer noch nie einen anderen Angler getroffen; das ist sozusagen meine "Privatstrecke". Den meisten ist es dort einfach zu schwierig zu Fischen und zu Waten; für etwas kleinwüchsigere Menschen ist das eh nichts. Dafür sieht man dort sehr oft Eisvögel, Ringelnattern und Feuersalamander - ich liebe diese Strecke heiß und innig, zumal dort schöne Fische zu fangen sind.
Als ich mich stromauf eben einer solchen "Badewanne" in einer leichten Linkskurve nähere, wate ich in eine dichte Wolke heftigen Gestanks hinein. Puh, grauenhaft.
Sehr rasch fällt mein Blick auf ein großes, schwarzes Etwas, das reglos mitten in der "Wanne" am gegenüberliegenden Ufer liegt. Beim Näherkommen wird die Sache schnell klar: Dort liegt, mit dem Bauch zu mir gekehrt und platt auf der Seite, offenbar ein großes Wildschwein im Wasser.
"Ach du heilige menschliches Verdauungsprodukt," denke ich, "angeschossen und verludert. Mist. Muss ich wohl den Jagdpächter auftreiben und anrufen."
Auf meiner Seite wird es tief und tiefer, so dass ich mich nur gaanz langsam an das tote Tier herantaste und sehr sorgsam darauf achte, dass Autoschlüssel und Handy nicht geflutet werden. Ich bin vielleicht noch drei, vier Meter von dem Luder entfernt, als ich meine Aufmerksamkeit wieder auf das Schwein richte.
Da hebt sich mit einem blitzschnellen Ruck der mächtige Kopf des vermeintlich halb verwesten Schweins aus dem Wasser: zwei winzige Augen funkeln mich an, und prächtige Hauer verraten, dass ich es mit einem offenbar schon ziemlich alten Keiler zu tun habe.
Wie versteinert bleibe ich stehen.
"OINK!", macht es in überraschender Lautstärke. Der Keiler rappelt sich blitzartig auf die vier Keulen und rast buchstäblich wie die wilde Sau flussaufwärts am Ufer davon. Das Wasser spritzt zu allen Seiten, Zweige brechen, Faulschlammaroma verbreitet sich als nicht eben blumiges Geruchserlebnis über dem Wasser.
Ich habe bestimmt eine Minute lang wie erstarrt im Wasser gestanden, und wahrscheinlich war mein Mund die ganze Zeit weit offen.
Der Keiler hatte offenbar ein ausgiebiges Mittagsschläfchen im schattigen, kühlen Whirlpool verbracht - bis irgend so ein doofer Fliegenfischer ihn aufgeweckt hat.
Eines ist klar: Wenn ich dort das nächste Mal wate, werde ich laut vor mich hinpfeifen. Ich habe nicht die geringste Lust, beim konzentrierten Spähen nach Steigzeichen auf dieses Viech zu zu treten, das dort vielleicht regelmäßig sein Wellness-Programm absolviert bzw. seine Siesta hält.
Euer Frank
es ist zwar schon drei Wochen her, aber dennoch möchte ich euch ein kleines, recht denkwürdiges Abenteuerchen vom Fischen nicht vorenthalten.
Wet wading war ich an einem der saumäßig heißen Tage spätnachmittags an einem unserer Vorharz-Flüsse unterwegs und habe einen Bereich befischt, wo die Ufer relativ hoch sind; der Bewuchs dort ist sehr hoch und dicht.
Vom Weg aus kann man das Flussufer kaum noch erreichen (die Mischbewaldung aus Brombeeren, Brennesseln und riesigen Herkulesstauden ist nicht eben einladend); nur im Wasser kommt man einigermaßen vernünftig voran - aber auch nur dann, wenn man wirklich ganz genau weiß, wo die tiefen Stellen und vor allem: die Faulschlammfallen sind. Nur an einer einzigen Stelle kann man den Fluss queren, um in diese Strecke hineinzuwaten. Wer nicht weiß, wo die ist, hat verloren.
Dort hat die der Fluss mehrere kleine Seitenarme; an beiden Uferbereichen gibt es einige überschattete, flache "Badewannen", die von ein wenig Wasser durchrieselt werden und zumeist kiesig und ein wenig schlammig sind. Mitunter finden sich dort tiefe Löcher, in denen gute Hechte stehen, aber um die ging es mir an diesem Tage nicht.
In dieser Ecke habe ich meiner Erinnerung nach ab dem Frühsommer noch nie einen anderen Angler getroffen; das ist sozusagen meine "Privatstrecke". Den meisten ist es dort einfach zu schwierig zu Fischen und zu Waten; für etwas kleinwüchsigere Menschen ist das eh nichts. Dafür sieht man dort sehr oft Eisvögel, Ringelnattern und Feuersalamander - ich liebe diese Strecke heiß und innig, zumal dort schöne Fische zu fangen sind.
Als ich mich stromauf eben einer solchen "Badewanne" in einer leichten Linkskurve nähere, wate ich in eine dichte Wolke heftigen Gestanks hinein. Puh, grauenhaft.
Sehr rasch fällt mein Blick auf ein großes, schwarzes Etwas, das reglos mitten in der "Wanne" am gegenüberliegenden Ufer liegt. Beim Näherkommen wird die Sache schnell klar: Dort liegt, mit dem Bauch zu mir gekehrt und platt auf der Seite, offenbar ein großes Wildschwein im Wasser.
"Ach du heilige menschliches Verdauungsprodukt," denke ich, "angeschossen und verludert. Mist. Muss ich wohl den Jagdpächter auftreiben und anrufen."
Auf meiner Seite wird es tief und tiefer, so dass ich mich nur gaanz langsam an das tote Tier herantaste und sehr sorgsam darauf achte, dass Autoschlüssel und Handy nicht geflutet werden. Ich bin vielleicht noch drei, vier Meter von dem Luder entfernt, als ich meine Aufmerksamkeit wieder auf das Schwein richte.
Da hebt sich mit einem blitzschnellen Ruck der mächtige Kopf des vermeintlich halb verwesten Schweins aus dem Wasser: zwei winzige Augen funkeln mich an, und prächtige Hauer verraten, dass ich es mit einem offenbar schon ziemlich alten Keiler zu tun habe.
Wie versteinert bleibe ich stehen.
"OINK!", macht es in überraschender Lautstärke. Der Keiler rappelt sich blitzartig auf die vier Keulen und rast buchstäblich wie die wilde Sau flussaufwärts am Ufer davon. Das Wasser spritzt zu allen Seiten, Zweige brechen, Faulschlammaroma verbreitet sich als nicht eben blumiges Geruchserlebnis über dem Wasser.
Ich habe bestimmt eine Minute lang wie erstarrt im Wasser gestanden, und wahrscheinlich war mein Mund die ganze Zeit weit offen.
Der Keiler hatte offenbar ein ausgiebiges Mittagsschläfchen im schattigen, kühlen Whirlpool verbracht - bis irgend so ein doofer Fliegenfischer ihn aufgeweckt hat.
Eines ist klar: Wenn ich dort das nächste Mal wate, werde ich laut vor mich hinpfeifen. Ich habe nicht die geringste Lust, beim konzentrierten Spähen nach Steigzeichen auf dieses Viech zu zu treten, das dort vielleicht regelmäßig sein Wellness-Programm absolviert bzw. seine Siesta hält.
Euer Frank