Hallo miteinander,
Tom hat mit seiner Frage nach einen LINK ein Problem aufgezeigt:
wir haben in D keine ordentlichen Infos zum Thema wie die südlichen Nachbarn:
http://www.oekf.at/Seiten/E3%20Kormoran ... rreich.htm (mein Tip)
Die sich ewig wiederholenden Diskussionen (auch hier im Board) zeigen den Bedarf!
Hier mal einige Brocken die ich mit zusammengesucht habe da ich mit der Darstellung der Vogelfreunde nicht zufrieden war.
Natürlich wird über die >Heimkehr< des Kormorans viel Unsinn geredet, viele der Gewässern die er heimgekehrt ist gab es vor 100Jahren gar nicht. Eeben darin liegt auch ein Teil des Problems.
Der Kormoran ist in Deutschland heimisch wie Reh, Dorsch, Seehund, Halsbandsittich oder der Waschbär. Das Problem mit >heimisch< liegt darin, das es an den Grenzen der Bundesrepublik festgemacht ist und Tiere umfasst die sich dort selbständig(!) über mehrere Generationen halten können. Deshalb sind auch der Waschbär, der Halsbandsittich - die ja zweifellos vom Menschen ausgesetzt wurden - inzwischen heimisch.
Das ist die derzeitige rechtliche Lage. Jegliche Diskussion über historische Vorkommen ist ein netter Beitrag zu Allgemeinbildung bringt uns aber nicht weiter. Auch Haarspaltereien über „ursprünglich heimisch“ „indigen“ oder „autochthon“ sind genauso fruchtlos. Und als invasiv werden nicht mal die Waschbären oder Nilgänse angesehen.
Deshalb ist es egal ob die ursprüngliche Art Ph. Carbo carbo war (der ist auch heute gelegentlicher Wintergast) oder Ph. Carbo sinensis (den wir jetzt als Brutvogel haben). Beide Unterarten lassen sich wohl nur anhand des Schnabelwinkels (…) und genetisch sicher Unterscheiden. Größe und Farbe sind wohl nicht so sicher.
JA der genetische Unterschied ist nachweisbar! Aber ebenso die aktuell stattfindende Vermischung der beiden Unterarten z.B. in den englischen Binnenkolonien. Da sich beide Unterarten bei der Würmeiszeit getrennt haben muss man sich fragen was sie so lange gehindert hat sich wieder zu vermischen.
In Meck-Pom gab es bereits ab den 1950ern eine Bestand an Kormoranen (der unter Kontrolle gehalten wurde und bei den Vogelfreunden gern und konsequent beim Bejubeln der Erfolge der Vogelschutzrichtlinie von1979 vergessen wird) - somit ist er bei uns eine heimische Art.
Das massive Vorkommen der Kormorane in Brandenburg von ca. 1780 bis 1880(?) ist belegt, ebenso die Bekämpfung der Vögel in Brandenburg und Norddeutschland.
Fontane schreibt zu BBG:
„Der Kormoran kam. Der Kormoran oder schwarze Seerabe, sonst nur in Japan und China heimisch, hatte auf seinen Wanderzügen auch einmal den baltischen Küstenstrich berührt und es am ›Werbellin‹ anscheinend am wohnlichsten gefunden. Denn hier war es, wo er sich plötzlich zu vielen, vielen Tausenden niederließ. ….
Die Fischer mühten sich umsonst, sie zu vertreiben. Es gab damals Kormorans am Werbellin, wie Fliegen in einer Bauernstube, und ein paar hundert mehr oder weniger machte keinen Unterschied. Auch der Forst litt, denn in manchem Baume hatten die Kormorans zehn Nester und es schien nicht möglich, ihrer Herr zu werden. Da ward endlich ein Vernichtungskrieg beschlossen. Alle Förster aus den benachbarten Revieren wurden herangezogen, das Gardejägerbataillon in Potsdam schickte seine besten Schützen und so rückte man ins Feld. Zuletzt waren Pulver und Blei stärker als die Kormorans, und sie blieben entweder auf dem Platze oder setzten ihren Zug in friedlichere Gegenden fort. Sind auch nicht wieder gekommen. Aber die Muränen auch nicht.“
→ widerspricht in etlichen der Darstellung der Vogelfreunde - oder?
Nach SCHALOW 1919 haben sich Kormorane ab dem ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts verstärkt in Brandenburg angesiedelt. In der Folge bildeten sich lokal riesige Kolonien... In den 1880er Jahren ist die Art in Brandenburg ausgerottet worden."
NAUMANN (…) beschreibt die Einwanderung der Art von der unteren Oder aus...
Obgleich uuser Kormoran an den Küsten des baltischen Meeres, besonders an denen des finnischen und botnischen Busens, seit Jahrhunderten bekannt war, so fehlt es doch an Nachrichten, daß er dort jemals und irgendwo in solchen Massen aufgetreten fei, wie in den neuesten Zeiten an einigen Stellen der deutschen Küsten dieses Meeres, namentlich in so schnell anwachsender Menge, wie hier. Vor seinem erwähnten Erscheinen auf Fühnen, scheint ein großer Zeitraum zu liegen, in welchem so etwas nicht vorgekommen ist; aller Welt war dieses damals etwas Neues und Unerhörtes.
Die einzelnen oder wenigen Kormorane, welche bis ins mittlere Deutschland kamen, hatten sich bloß verflogen, denn es geschähe zu allen Jahreszeiten; wir haben solche im Anfang des Juli, des September, im Oktober und andern Monaten erhalten, auch waren die meisten dieser bloß junge Vögel.
Auf den dänischen Inseln der Ostsee waren sie z. B. vor etwa 30 Jahren eine seltene Erscheinung; man hatte bis hierher nur zuweilen einen Einzelnen gesehen, als im Jahre I8IV zuerst so viele bei der Insel Fühnen erschienen und ihren Nistplatz in einer Waldung, nicht weit vom Seeufer, wählten, daß Jedem diese fremden Gäste auffallen mußten, deren Zahl in jedem Frühjahr in so starker Progression fortwuchs, daß nach 5, Jahren viele Tausend Brüten dort auskamen, daß man sie alles Ernstes verfolgen und zu vertilgen trachten mußte,
Linné hatte 1758 schon die Nominalart Pelecanus / Phalacrocorax carbo beschrieben.
Die („große“) Kormoranscharbe wurde damals von den beiden kleinen (Krähen – und Zwerg-) Scharben unterschieden.
1798 „entdeckt“ Blumbach (auch Shaw) seinen „Sinensis“ auf den Kupferstich, um diese Zeit als die Besiedlung in Brandenburg beginnt, werden dann noch weitere Kormoran-Arten benannt: verschiedene baumbrütende und mittelgroße...
Rohweder schreibt im "Vögel Schleswig-Holsteins" 1875:
Hat sich erst vor ca. 50 Jahren in unserm Lande angesiedelt, nistede bald in starken Colonien an mehreren Stellen der Ostküste, ist jetzt bis auf einige kleine Gesellschaften ausgerottet, die bald hier, bald dort sich Heimstätten suchen.
JÄCKEL 1860/80 : 'Systematischen Übersicht der Vögel Bayerns' als "seltene Gäst".)
Angaben zur Unterart sind eher selten wie hier:
Fürchtegott Grässner, Oberlehrer an den Franckeschen Stiftungen zu Halle, Vögel Deutschlands und ihre Eier, Halle 1860 . Die Kormoranscharbe. (Kormoran). C. cormoranus, Meyer. (Pelecanus carbo, Gmel. Linn.)
Hauptfarbe glänzend violetschwarz; Hinter kopf mit einem Federbusch; Kehle und Gegend hinter den Augen weiss; das nackte Gesicht olivenfarbig; Kehlsack grünlichgelb ; Schnabel dunkelaschgrau, Firste schwarz; Füsse schwarz. Länge 3 Fuss, Flügelspannung 5 Fuss. Besucht nur in strengen Wintern unsere Küsten und Binnengewässer.
„violetschwarz“ Beschreibt dann wohl den Carbo,...
BALDNER „Ein Scharff ist bey uns unbekannt und gibt deren nicht viele. Er ist der größte Wasservogel, der sich mit Fischen ernähret, es ist einer mit sampfden Federn, 7 Pfundt schwer, ist ein sehr fräßiger Vogel, wann er will genug fressen, muss er all Tag ein Pfundt Fisch haben... im Jahr 1649 am 4. November habe ich diesen Scharff geschossen.“
In dieser Zeit (so um 1600 ..1625 bis 1650) war die Kormoranfischerei am engl. und am franz. Hofe. „„Man kann diesen Vogel, jung ausgezogen, auch zum Fischfange abrichten und traf ihn sonst in manchen Falknerien an, besonders wo deren Wärter oder Falkonire Holländer waren, die ihn aus ihrem Vaterlande mitbrachten.“ (Naumann)
Laut Meyers Lexikon von 1894 brachten Holländer im 17. Jahrhundert die Technik des Fischens mit gezähmten Kormoranen aus Asien nach Europa
---> passt irgendwie nicht
Aber bereits um 1648 waren Kormorane Wintergäste in Böhmen – jedoch keine Brutvögel.
Gessner 1557 „So man diesen am Rhein bey uns siehet, sol es ein Zeichen einer grossen Kälte seyn, daß zu besorgen die Rehen erfrieren; ….“
→ also kein Brutvogel, kein regelmäßiger Überwinterer, in CH wird der K. heute als neue Brutvogelart angesehen..
Nach 1500 gibt es Beschreibungen der Jagt mit Kormoranen aus Italien …
Albertus 13jhd. „„In unseren Gegenden kommt ein schwarzer Wasservogel vor, der Fische in Flüssen und Meeren jagt und in diesen sehr großen Schaden anrichtet“, schreibt zum Beispiel Albertus Magnus im 13. Jahrhundert. „Er ist grau an Brust und Bauch und langsamen Flugs und bleibt lange unter Wasser, wenn er taucht, und er hat einen gezähnten Schnabel, so wie die Sichel eines Schnitters gezähnt ist, und mit dem hält er glitschige Fische fest, und er bewirkt, dass, wenn er auf einem Baum sitzt, die Zweige, auf die sein Kot fällt, dürre werden.“
-->> grau an Brust und Bauch – der kannte dann wohl nur die Jungvögel?
Hildegard von Bingen 12Jhdt. beschreibt „ die alkreya …. nimmt reine Nahrung … zu sich und frisst bisweilen sogar kranke Fische. Ihr Fleisch taugt als Speise weder für Gesunde noch für Kranke….“ keine genaueren Angaben
(Aber auch den Sagenvogel Greif, den Vogel Strauß, den Pfau, den Papagei und den Pelikan.)
Notker Labeo um 1000
„Vone suftoda unde fone charo bin ih so mager samaso pellicannus der in Egipto fliuget in dero einote dero aha nili, den phisioligi zihent daz er nieht des neuerdeuue des er ferslindet, nieht mera danne hie in disen seuuen diu scarba.
Viel Spaß beim rätseln über welche Gegend Notker schreibt oder was „scarba“ sind – manche übersetzen das auch als „Taucher“
7 .. 9 Jhd. Archäologische Funde Haithabu (Schleswig-Holstein) – Unterart unklar
Soweit meine Zusammenstellung, nagelt mich bitte nicht aufs Jahr fest, ich habe einiges aus der Erinnerung eingetippt anderes hatte ich noch zur Hand.
Gut Nacht
Max