Hi Christian,
Gammarus roeseli hat geschrieben:Kann von euch jemand sagen, mit welchen Langzeitfolgen zu rechnen ist??
was diese Aktion in der Eger für Langzeitfolgen hat, kann ich Dir von hier aus nicht genau sagen. Womit Du aber rechnen kannst möchte ich Dir anhand eines Beispiels, dem Leidensweg unserer Kinzig, aus unserer Region deutlich machen.
Die Kinzig ist ein Nebenfluss des Mains und fließt viele Kilometer durch ein sanftes Hügelland. Der Bach war nie ein Spitzen-Salmonidengewässer (jedenfalls zu meiner Zeit nicht mehr), aber ein paar Forellen und einige Äschen waren immer "drin". Aber das Schönste war immer, im Herbst die vielen Jungäschen aus wilder Aufzucht zu sehen, die den Bach in großen Schwärmen bevölkerten.
Das ging so lange bis die grüne Faust (=Bauernlobby) es durchsetzte, dass wegen angeblich großer Hochwaserschäden ein Rückhaltebecken gebaut werden sollte. Ein Standort wurde ausgeküngelt und die Staumauer gebaut. Kein normaler Mensch konnte damals die Standortwahl des Rückhaltebeckens begreifen, da die Hauptwasserbringer weit unterhalb in die Kinzig münden! Irgendetwas war da bei der Planung verdammt schief gegangen.
Trotz aller Bedenken seitens Fischer und Natürschützer, die Staumauer wurde gebaut, der See füllte sich mit Wasser.
Wie das nun mal so ist, weckt eine so große neu enstandene Wasserfläche auch Begehrlichkeiten. Die lokalen Angelvereine pachteten den See und brachten einen "Erstbesatz", bestehend aus zigtausenden K1 und unzähligen einsömmrigen Hechten ein. Soweit so gut. Jetzt kommt die Parallele zu Eurem "Unfall" an der Eger.
Schon nach einigen Jahren zeigte sich, dass der Stausee sowohl völlig ungeeignet zur Vermeidung von Hochwasser unterhalb war als auch schnell stark verschlammte. Der Schlamm musste irgendwie wech. Einfachste Methode: Staudamm öffnen und den Schlamm durch das ausströmende Wasser in den Bach/Fluss befördern. Das Wasser der Kinzig sah anschließend so aus wie Eures derzeit in der Eger.
Aber nicht nur die Schlammfracht bekamen die Fischer unterhalb der Staumauer "geschenkt" sondern auch einen kostenlosen Besatz mit tausenden von 2 - 4-pfündigen Karpfen und Unmengen von Schusshechten!
Der Schlamm setzte sich flussabwärts viele Kilometer in allen ruhigen Gumpen und Strümungskehren knietief ab. Er verstopfte und begrub alle Laichplätze der Salmoniden und aus wars mit der schönen Äschenpopulation. Karpfen und Hechte machten den größeren Fischen durch Nahrungskonkurrenz und Wegfressen (Hechte) den völligen Garaus. Nach diesem Megagau für den Bach habe ich noch zwei Jahre, völlig erfolglos, die Fliegengerte an dem Bach geschwungen. Dann war es klar, das hat keinen Sinn mehr und habe aufgegeben.
Diese Art Schlammdusche musste der Bach in der Vergangenheit schon mehrfach über sich ergehen lassen. Ignoranz und Skrupellosigkeit sind halt leider oft miteinander gepaart.
Also, das wäre so in etwa was Du für Euren Bach als Langzeitfolge des "Irrtums" zu gewärtigen hast.
Ich kenne den Zustand der Kinzig zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht. Möglicherweise hat sich das ja alles wieder zum Besseren gewendet. Vielleicht kann mir da jemand mal Rückmeldung geben.