Vor ca 80 Jahren!
Verfasst: 07.06.2012, 10:26
DAMALS !
Aus der Zeitung "der Tiroler Fischer" von Hans Margreiter!
Häusliche Leiden des Fischers !
Erhielt ich da kurz nach Ostern ein sehr schön blau in Maschinenschrift abgefasstes Schreiben, das so anhub: „Sehr geehrter Herr! Die Osterfeiertage haben uns heuer mit herrlichem warmen Wetter überrascht und diejenigen Herren, welche wegen der bis dahin herrschenden kühlen Witterung die Ergänzung der Frühjahrsgarderobe verschoben hatten, werden sich jetzt beeilen, dies nach zu holen. Auch Sie, sehr geehrter Herr, werden noch eine Lücke oder eine schadhafte Stelle in Ihrer Garderobe entdecken! Auch Sie verfechten sicherlich die Ansicht, es sei besser, einen Anzug zuviel als einen zu wenig zu besitzen!“---im häuslichen Kreise möchte ich das gerade nicht verfechten---„da durch das öftere Wechseln die Kleider geschont werden und eine rechtzeitige Nachschaffung sich immer durch die ungleich längere Lebensdauer der Kleider bezahlt macht.“
Ein sehr beherzigenswerter Rat und Vorschlag, aber wer bezahlt?
Dachte ich, wer kümmert sich denn so um meine Kleidung? Und fand den zierlichen Vermerk, dass eine „seit 100 Jahren auf dem soliden Wiener Handwerksboden bestehende Maßschneiderei hochachtungsvoll zeichnend, gefl. und gesch. Antwort erwarte“. Natürlich, wenn man einen Anzug braucht, wird man von Innsbruck ausgerechnet nach Wien gehen, das für uns wegen der heutigen Bahnpreise wie am anderen Ende der Welt liegt. Was das gefl. und gesch. bedeuten soll, darüber ließe sich streiten, mein jüngster Bub—die Kinder lernen ja heutzutage spielend schrecklich viel Neuartiges in der Schule---war der Ansicht, es hieße geflucht und geschimpft. Das scheint sich später auch bewahrheitet zu haben, weil ich jetzt das Unklügste tat, was unter solchen Umständen geschehen konnte.
Ich habe nämlich meine teure Gattin in das Schreiben eingeweiht. Als sie von meiner mangelhaften Garderobe hörte, wandte sich ihre Entrüstung nicht etwa gegen die vorlaute Maßschneiderei, sondern gegen mich und es fiel die Behauptung, das käme daher, weil ich,
besonders beim Fischen, immer so verwahrlost herumlaufe, zerfranst, das Futter zerrissen, die Taschen nicht in Ordnung usw.; das wisse man offenbar auch schon in Wien. Ich soll nur gleich den Fischerrock hergeben, damit er in Ordnung gebracht werde.
Fortsetzung folgt
Aus der Zeitung "der Tiroler Fischer" von Hans Margreiter!
Häusliche Leiden des Fischers !
Erhielt ich da kurz nach Ostern ein sehr schön blau in Maschinenschrift abgefasstes Schreiben, das so anhub: „Sehr geehrter Herr! Die Osterfeiertage haben uns heuer mit herrlichem warmen Wetter überrascht und diejenigen Herren, welche wegen der bis dahin herrschenden kühlen Witterung die Ergänzung der Frühjahrsgarderobe verschoben hatten, werden sich jetzt beeilen, dies nach zu holen. Auch Sie, sehr geehrter Herr, werden noch eine Lücke oder eine schadhafte Stelle in Ihrer Garderobe entdecken! Auch Sie verfechten sicherlich die Ansicht, es sei besser, einen Anzug zuviel als einen zu wenig zu besitzen!“---im häuslichen Kreise möchte ich das gerade nicht verfechten---„da durch das öftere Wechseln die Kleider geschont werden und eine rechtzeitige Nachschaffung sich immer durch die ungleich längere Lebensdauer der Kleider bezahlt macht.“
Ein sehr beherzigenswerter Rat und Vorschlag, aber wer bezahlt?
Dachte ich, wer kümmert sich denn so um meine Kleidung? Und fand den zierlichen Vermerk, dass eine „seit 100 Jahren auf dem soliden Wiener Handwerksboden bestehende Maßschneiderei hochachtungsvoll zeichnend, gefl. und gesch. Antwort erwarte“. Natürlich, wenn man einen Anzug braucht, wird man von Innsbruck ausgerechnet nach Wien gehen, das für uns wegen der heutigen Bahnpreise wie am anderen Ende der Welt liegt. Was das gefl. und gesch. bedeuten soll, darüber ließe sich streiten, mein jüngster Bub—die Kinder lernen ja heutzutage spielend schrecklich viel Neuartiges in der Schule---war der Ansicht, es hieße geflucht und geschimpft. Das scheint sich später auch bewahrheitet zu haben, weil ich jetzt das Unklügste tat, was unter solchen Umständen geschehen konnte.
Ich habe nämlich meine teure Gattin in das Schreiben eingeweiht. Als sie von meiner mangelhaften Garderobe hörte, wandte sich ihre Entrüstung nicht etwa gegen die vorlaute Maßschneiderei, sondern gegen mich und es fiel die Behauptung, das käme daher, weil ich,
besonders beim Fischen, immer so verwahrlost herumlaufe, zerfranst, das Futter zerrissen, die Taschen nicht in Ordnung usw.; das wisse man offenbar auch schon in Wien. Ich soll nur gleich den Fischerrock hergeben, damit er in Ordnung gebracht werde.
Fortsetzung folgt