DAMALS !
Aus der Zeitung "der Tiroler Fischer" von Hans Margreiter!
Häusliche Leiden des Fischers !
Erhielt ich da kurz nach Ostern ein sehr schön blau in Maschinenschrift abgefasstes Schreiben, das so anhub: „Sehr geehrter Herr! Die Osterfeiertage haben uns heuer mit herrlichem warmen Wetter überrascht und diejenigen Herren, welche wegen der bis dahin herrschenden kühlen Witterung die Ergänzung der Frühjahrsgarderobe verschoben hatten, werden sich jetzt beeilen, dies nach zu holen. Auch Sie, sehr geehrter Herr, werden noch eine Lücke oder eine schadhafte Stelle in Ihrer Garderobe entdecken! Auch Sie verfechten sicherlich die Ansicht, es sei besser, einen Anzug zuviel als einen zu wenig zu besitzen!“---im häuslichen Kreise möchte ich das gerade nicht verfechten---„da durch das öftere Wechseln die Kleider geschont werden und eine rechtzeitige Nachschaffung sich immer durch die ungleich längere Lebensdauer der Kleider bezahlt macht.“
Ein sehr beherzigenswerter Rat und Vorschlag, aber wer bezahlt?
Dachte ich, wer kümmert sich denn so um meine Kleidung? Und fand den zierlichen Vermerk, dass eine „seit 100 Jahren auf dem soliden Wiener Handwerksboden bestehende Maßschneiderei hochachtungsvoll zeichnend, gefl. und gesch. Antwort erwarte“. Natürlich, wenn man einen Anzug braucht, wird man von Innsbruck ausgerechnet nach Wien gehen, das für uns wegen der heutigen Bahnpreise wie am anderen Ende der Welt liegt. Was das gefl. und gesch. bedeuten soll, darüber ließe sich streiten, mein jüngster Bub—die Kinder lernen ja heutzutage spielend schrecklich viel Neuartiges in der Schule---war der Ansicht, es hieße geflucht und geschimpft. Das scheint sich später auch bewahrheitet zu haben, weil ich jetzt das Unklügste tat, was unter solchen Umständen geschehen konnte.
Ich habe nämlich meine teure Gattin in das Schreiben eingeweiht. Als sie von meiner mangelhaften Garderobe hörte, wandte sich ihre Entrüstung nicht etwa gegen die vorlaute Maßschneiderei, sondern gegen mich und es fiel die Behauptung, das käme daher, weil ich,
besonders beim Fischen, immer so verwahrlost herumlaufe, zerfranst, das Futter zerrissen, die Taschen nicht in Ordnung usw.; das wisse man offenbar auch schon in Wien. Ich soll nur gleich den Fischerrock hergeben, damit er in Ordnung gebracht werde.
Fortsetzung folgt
Vor ca 80 Jahren!
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Re: Vor ca 80 Jahren!
Häusliche Leiden des Fischers (1. Fortsetzung )
Nachdem ich im Stillen einiges gef. und gesch. hatte --- ich wollte gerade fischen gehen --- wurde der Befehl vollzogen und ich zog mich, an der Fischerei verhindert, zurück, um wenigstens wissenschaftlich daran zu arbeiten, und zwar an der Nomenklatur der Etschforelle, lateinisch Trutta nein Salmo, nein Salar---marmorata, nein genivittatus oder eher macrostigma? oder besser dentex? oder …….verf. und zug.! (das soll hier zugenäht heißen), was ist denn los?
Der hilfreiche Hausgeist, der die Taschen ausbessern sollte, schien Tobsuchtsanfälle bekommen zu haben und schrie in einem fort: “Pfui, Teufel!“ Und warum? Wegen einiger Kleinigkeiten, weil aus der Tasche einige Tolme (Koppen) ohne Kopf, einige Pfrillen (Elritzen) und Grundeln, alle in einwandfreiem, salzgedörrtem Zustand zum Vorschein kamen, danach etliche wohl stark zusammengeschrumpfte Heupferde vom Herbst des vorigen Jahres, dann Dörrpflaumen, die auf Wanderungen oft sehr gute Dienste leisten und etwelche der Tüte entwischte Stücke von Raisigl’s Malzbonbons „Husten sie nicht!“, besonders an kalten Tagen zu empfehlen; sodann kam ein kleiner rötlich geringelter Knäuel hervor, bestehend aus eng verschlungenen und starr getrockneten, ganz harmlosen Regenwürmern.
Als der heulende Geist die wahre Wesenheit dieser letzten verwickelten Dinge erkannt hatte, ging das Toben in ein sanftes hysterisches Lächeln über. Schon glaubte ich, mich wieder in Ruhe meiner Lebensaufgabe, der wissenschaftlichen Nomenklatur unserer armen Fische zuwenden zu können, als meine Frau eine Bemerkung machte ---es klang in fremder Sprache wie Shoking---die meinen Widerspruch herausforderte.
„Wenn ich“, stellte ich mutig fest, „mit den gefangenen Forellen nach Hause komme, herrscht eitel Freude. Wer den Fisch will, muß auch den Köder wollen, wer den Zweck will, muß auch die Mittel gutheißen und der Zweck heiligt die Mittel.“
Ich schwieg erschöpft. Soviel hatte ich, seit ich glücklich verheiratet bin, in einem Atem zu Hause nie mehr gesprochen und war bestrebt, in männlich würdiger Haltung die Wirkung meiner ebenso eleganten als, wie ich glaubte, zwingenden Beweisführung abzuwarten.
Aber „es irrt der Mensch, solang er strebt“. Wider Erwarten vertrat meine Frau eine etwas abweichende Anschauung, der Köder sei für die Fische und nicht für den häuslichen Gebrauch in der Rocktasche und von der Heiligkeit der Tolme, Heuschrecken und Regenwürmer hätte sie überhaupt noch nichts gehört.
Fortsetzung folgt
Nachdem ich im Stillen einiges gef. und gesch. hatte --- ich wollte gerade fischen gehen --- wurde der Befehl vollzogen und ich zog mich, an der Fischerei verhindert, zurück, um wenigstens wissenschaftlich daran zu arbeiten, und zwar an der Nomenklatur der Etschforelle, lateinisch Trutta nein Salmo, nein Salar---marmorata, nein genivittatus oder eher macrostigma? oder besser dentex? oder …….verf. und zug.! (das soll hier zugenäht heißen), was ist denn los?
Der hilfreiche Hausgeist, der die Taschen ausbessern sollte, schien Tobsuchtsanfälle bekommen zu haben und schrie in einem fort: “Pfui, Teufel!“ Und warum? Wegen einiger Kleinigkeiten, weil aus der Tasche einige Tolme (Koppen) ohne Kopf, einige Pfrillen (Elritzen) und Grundeln, alle in einwandfreiem, salzgedörrtem Zustand zum Vorschein kamen, danach etliche wohl stark zusammengeschrumpfte Heupferde vom Herbst des vorigen Jahres, dann Dörrpflaumen, die auf Wanderungen oft sehr gute Dienste leisten und etwelche der Tüte entwischte Stücke von Raisigl’s Malzbonbons „Husten sie nicht!“, besonders an kalten Tagen zu empfehlen; sodann kam ein kleiner rötlich geringelter Knäuel hervor, bestehend aus eng verschlungenen und starr getrockneten, ganz harmlosen Regenwürmern.
Als der heulende Geist die wahre Wesenheit dieser letzten verwickelten Dinge erkannt hatte, ging das Toben in ein sanftes hysterisches Lächeln über. Schon glaubte ich, mich wieder in Ruhe meiner Lebensaufgabe, der wissenschaftlichen Nomenklatur unserer armen Fische zuwenden zu können, als meine Frau eine Bemerkung machte ---es klang in fremder Sprache wie Shoking---die meinen Widerspruch herausforderte.
„Wenn ich“, stellte ich mutig fest, „mit den gefangenen Forellen nach Hause komme, herrscht eitel Freude. Wer den Fisch will, muß auch den Köder wollen, wer den Zweck will, muß auch die Mittel gutheißen und der Zweck heiligt die Mittel.“
Ich schwieg erschöpft. Soviel hatte ich, seit ich glücklich verheiratet bin, in einem Atem zu Hause nie mehr gesprochen und war bestrebt, in männlich würdiger Haltung die Wirkung meiner ebenso eleganten als, wie ich glaubte, zwingenden Beweisführung abzuwarten.
Aber „es irrt der Mensch, solang er strebt“. Wider Erwarten vertrat meine Frau eine etwas abweichende Anschauung, der Köder sei für die Fische und nicht für den häuslichen Gebrauch in der Rocktasche und von der Heiligkeit der Tolme, Heuschrecken und Regenwürmer hätte sie überhaupt noch nichts gehört.
Fortsetzung folgt
Der immer auf Seiten der Fische steht!
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Re: Vor ca 80 Jahren!
Häusliche Leiden der Fischers. (Schluss)
Es dürfte nicht unangebracht sein, an dieser Stelle einen wissenschaftlichen Exkurs einzuschalten. Auf Grund tief schürfender Forschungen vermittles der modernen wissenschaftlichen historischen Methode ist einwandfrei belegt, dass die Logik der Frauen in häuslichen Angelegenheiten zu allen Zeiten unanfechtbar war.
Geneigter Bruder in Petro, Sie werden verstehen, dass auch ich mich nicht außerhalb Zeit und Raum stellen konnte, und die Argumentation meiner Gattin anerkennen musste, „teils dieserhalb, teil außerdem“, würde der selige Busch sagen. Kehren wir nun zu den gegebenen Tatsachen zurück. Die eine Rocktasche wurde umgestülpt und ich begab mich wieder ans Werk, das Geheimnis der wissenschaftlichen Nomenklaturregeln zu ergründen nach Lin. und Cuv., nach Heck. und Flem. nach Bon., Lac., Raf., Gibb., Ag., Mitsch., Val., Günth., Pet., Jur., Dum., usw., nach Pa. und Pi. und Bl…. plötzlich ein Aufschrei, markerschütternd, herzzerreißend! Oh Weh, zerstört die hehre Inspiration , die magisch mich durchdrang, verschwunden die Fülle der Gesichter, die lebensvoll den Spirituspräparaten entströmten und die erhabenen Regeln der Nomenklatur schienen wie giftige Schlänglein hohngrinsend aus entschwindender, nebliger Ferne zu züngeln.
Schreckensbleich rief meine Frau mich zu Hilfe. Was war geschehen? Die Fee hatte mit derben Fingern in die andere Rocktasche gegriffen, wurde darin von einigen Drillingen erfasst und festgehalten. Jeder Fischer weiß, was so ein Drilling , wenn er am Finger festsitzt, leisten kann, noch dazu, wenn an einem anderen der drei Haken der zappelnde Fisch hängt.
Der Rock ist sonst gewiß ein sanftmütiges Kleidungsstück, aber wenn man in Drillinge greift, die im Futter verankert sind, und durch Beuteln loskommen sucht, dann wehrt er sich eben auch. Die Hausgehilfin war schließlich die Gescheitere und gab nach. Sie saß nun gottergeben mit niobidenhaftem Kummerblick neben dem Rock am Boden und wartete auf Hilfe. Die Sache war übrigens gar nicht so schlimm, kein einziger Widerhaken war eingedrungen und so gestaltete sich die Lösung ganz einfach. Freilich waren durch das Zerren einige schmerzhafte Risswunden an den Fingerspitzen entstanden und aus dem Nähen wurde vorläufig nichts.
In solchen Fällen ist es erfahrungsgemäß zweckdienlich, eine gewisse Distanz zwischen sich und die häuslichen Kreise zu legen. Ich hielt es da mit dem einen der drei vertonten Napoleongrenadiere:“ Was schert mich Weib, was schert mich die Nomenklatur! Ich trage weit bess’res Verlangen“, nahm den Rock und ging Fischen.
Wenn ich aber der Maßschneiderei die gefl. und gesch. Antwort gebe, die kann sich freuen!
Hans Margreiter
Lustig findet Euer
RC
Es dürfte nicht unangebracht sein, an dieser Stelle einen wissenschaftlichen Exkurs einzuschalten. Auf Grund tief schürfender Forschungen vermittles der modernen wissenschaftlichen historischen Methode ist einwandfrei belegt, dass die Logik der Frauen in häuslichen Angelegenheiten zu allen Zeiten unanfechtbar war.
Geneigter Bruder in Petro, Sie werden verstehen, dass auch ich mich nicht außerhalb Zeit und Raum stellen konnte, und die Argumentation meiner Gattin anerkennen musste, „teils dieserhalb, teil außerdem“, würde der selige Busch sagen. Kehren wir nun zu den gegebenen Tatsachen zurück. Die eine Rocktasche wurde umgestülpt und ich begab mich wieder ans Werk, das Geheimnis der wissenschaftlichen Nomenklaturregeln zu ergründen nach Lin. und Cuv., nach Heck. und Flem. nach Bon., Lac., Raf., Gibb., Ag., Mitsch., Val., Günth., Pet., Jur., Dum., usw., nach Pa. und Pi. und Bl…. plötzlich ein Aufschrei, markerschütternd, herzzerreißend! Oh Weh, zerstört die hehre Inspiration , die magisch mich durchdrang, verschwunden die Fülle der Gesichter, die lebensvoll den Spirituspräparaten entströmten und die erhabenen Regeln der Nomenklatur schienen wie giftige Schlänglein hohngrinsend aus entschwindender, nebliger Ferne zu züngeln.
Schreckensbleich rief meine Frau mich zu Hilfe. Was war geschehen? Die Fee hatte mit derben Fingern in die andere Rocktasche gegriffen, wurde darin von einigen Drillingen erfasst und festgehalten. Jeder Fischer weiß, was so ein Drilling , wenn er am Finger festsitzt, leisten kann, noch dazu, wenn an einem anderen der drei Haken der zappelnde Fisch hängt.
Der Rock ist sonst gewiß ein sanftmütiges Kleidungsstück, aber wenn man in Drillinge greift, die im Futter verankert sind, und durch Beuteln loskommen sucht, dann wehrt er sich eben auch. Die Hausgehilfin war schließlich die Gescheitere und gab nach. Sie saß nun gottergeben mit niobidenhaftem Kummerblick neben dem Rock am Boden und wartete auf Hilfe. Die Sache war übrigens gar nicht so schlimm, kein einziger Widerhaken war eingedrungen und so gestaltete sich die Lösung ganz einfach. Freilich waren durch das Zerren einige schmerzhafte Risswunden an den Fingerspitzen entstanden und aus dem Nähen wurde vorläufig nichts.
In solchen Fällen ist es erfahrungsgemäß zweckdienlich, eine gewisse Distanz zwischen sich und die häuslichen Kreise zu legen. Ich hielt es da mit dem einen der drei vertonten Napoleongrenadiere:“ Was schert mich Weib, was schert mich die Nomenklatur! Ich trage weit bess’res Verlangen“, nahm den Rock und ging Fischen.
Wenn ich aber der Maßschneiderei die gefl. und gesch. Antwort gebe, die kann sich freuen!
Hans Margreiter
Lustig findet Euer
RC
Der immer auf Seiten der Fische steht!






